Walther Freiherr von Holzhausen: Major, Problemkomponist und Turnierspieler

von André Schulz
22.07.2026 – Walther Freiherr von Holzhausen gehört nicht zu den bekanntesten Spielern zu Anfang des letzten Jahrhunderts. Doch er war ein sehr starker Amateur und vor allen ein Problemkomponist mit von großer Bedeutung. Als Major in der preußischen Armee bedeutete der Erste Weltkrieg, aus dem er nicht unbeschadet herauskam, eine einschneidende Zäsur für sein Leben.

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Walther Freiherr von Holzhausen

Der Name von Walther Freiherr von Holzhausen wird den meisten Schachfreunden, selbst wenn sie historisch interessiert sind, eher nicht bekannt sein, obwohl er durchaus ein starker Spieler war. Eine Größere Bedeutung erlangte er jedoch weniger mit seinen Erfolgen am Brett, sondern mit seinem Schaffen als Problemkomponist.

Geboren wurde Walter Freiherr von Holzhausen 1876 in Troppau (heute: Opava), in Mähren-Schlesien, heute an der tschechischen Grenze zu Österreich gelegen. Zur Zeit seiner Geburt war dies ein Teil Österreich-Ungarns.

Der Familienverbund von Holzhausen war ein altes Adelsgeschlecht, das ursprünglich aus Südhessen stammte. Seit dem 13. Jahrhundert spielten Abkömmlinge der Familie als Patrizier in Frankfurt eine bedeutende Rolle. Von Frankfurt aus verzweigte sich die Familie in mehrere Linien, die bis nach Österreich reichten.

Die üblichen Quellen machen keine genauen Angaben zur Herkunft von Walter von Holzhausen („Sohn eines österreichischen Offiziers“), doch es spricht sehr viel dafür, dass er der Sohn von Friedrich Carl Anton Freiherr von Holzhausen (1829–1907) war. Dieser stammte aus Hanau und stand in österreichischen Diensten und war ab 1857 als Oberleutnant des Infanterieregiments Nr. 1 „Kaiser“ in Troppau stationiert. Am Ende seines Dienstweges bekleidete Friedrich von Holzhausen den Rang eines Hauptmannes. Er war zweimal verheiratet. Sein Sohn Walter stammte aus der zweiten Ehe mit Luise Schrom. Aus beiden Ehen gingen insgesamt acht Kinder hervor. Bis 1890 wohnte die Familie in Troppau, dann ging sie nach Frankfurt zurück.

Erste Berührungen mit dem Problemschach

In Frankfurt begann Von Holzhausen schon in seiner Schulzeit auf dem Gymnasium sich mit Schachproblemen zu beschäftigen. Nach dem Abitur leistete er als österreichischer Staatsbürger 1895/96 seinen Wehrdienst in Graz, Österreich, ab und wurde 1898 als Reserveoffizier entlassen. Zwei Jahre später verpflichtete er sich in Hanau bei der preußischen Armee und diente als Leutnant im Infanterie-Regiment „Hessen-Homburg“ Nr. 166. Zeitweise war er als Erzieher und Mathematiklehrer an die Kadettenanstalt Naumburg eingesetzt.

1893 veröffentlichte Von Holzhausen seine erste eigene Schachkomposition. Er nahm auch an Schachturnieren teil und gewann 1898 und 1899 jeweils das Winterturnier des Leipziger Schachklubs Augustea. Von seinen Partien vor dem Ersten Weltkrieg sind allerdings nur wenige erhalten.

1912 gelang ihm aber bei einer Simultanvorstellung von Siegbert Tarrasch Frankfurt am Main ein sehr hübscher kombinatorischer Sieg.

Von Holzhausens Auffassung über die Komposition von Schachproblemen wurde in großem Maße von Johannes Kohtz und Carl Kockelkorn und ihrem 1903 erschienen Werk „Das indische Problem – eine Schachstudie“ geprägt. Das Buch propagierte eine besonders ästhetische Form des Schachproblems und begründete eine Schule der Problemkunst, die so genannte „Neudeutsche Schule“ oder auch „Logische Schule“. 

Von Holzhausen war ein großer Anhänger dieser Richtung, pflegte eine enge Freundschaft mit Johannes Kohtz und veröffentlichte 1908/09 im Deutschen Wochenschach eine 45-seitige Monographie über „Brennpunktprobleme“, die er später zu einem Buch erweiterte, das er 1926 veröffentlichte.

Als Battailionskommandeur im Krieg 

Der Erste Weltkrieg unterbrach Von Holzhausens schachliche Arbeiten. Er war zu Beginn des Krieges Bataillonskommandeur, vermutlich im Rang eines Majors oder Oberstleutnants. Seine Einheit wurde zunächst an der Westfront eingesetzt, später an der Ostfront verlegt. Wenn Von Holzhausen nach seinem Eintritt in die preußische Armee nicht in eine andere Einheit versetzt wurde, sondern eines der drei Bataillone des Infanterie-Regiment „Hessen-Homburg“ Nr. 166 befehligte, dann war er 1914/15 mit seiner Einheit an den Schlachten in Lothringen (August 1914), bei Nancy–Épinal (August/September) und später an der Somme (September/Oktober) beteiligt. Anfang 1915 wurde das Infanterie-Regiment „Hessen-Homburg“ Nr. 166 an die Ostfront verlegt und kämpfte hier in Masuren, am Bobr, bei Sejny, Krasnopol und Krasne und im Raum Augustow–Mariampol. Das Regiment nahm zudem an der Belagerung von Kaunas (Kowno) und den Schlachten von Njemen und Wilna teil, bevor die Kämpfe auch auf den Gebieten von Litauen und Weißrussland in einen Stellungskrieg übergingen.

Von Holzhausen war schon an der Westfront verwundet worden, an der Ostfront erneut. Dort geriet er zudem in russische Gefangenschaft und wurde in ein Kriegsgefangenenlager  in Chabarowsk (Ostsibirien) am Amur gebracht. Während der eintönigen Lagerzeit brachte er anderen Gefangenen das Schachspiel bei und gab zudem auch noch eine Art Schachzeitung mit Aufgaben heraus. Außerdem beschäftige er sich weiter mit der Komposition von Schachproblemen und fertigte ein Manuskript für ein geplantes Buch an. Zusammen mit einem anderen Gefangenen gelang ihm 1918 die Flucht aus dem Lager und er gelangte über Finnland zurück ins Deutsche Reich. Sein Manuskript ging auf der Flucht jedoch verloren. Nach seiner Rückkehr kam Von Holzhausen noch einmal an der Westfront zum Einsatz.

Das schachliche Schaffen nach dem Krieg

1920 heiratete Walter von Holzhausen, seine Frau verstarb jedoch früh. 1924 heiratete er ein zweites Mal. 1921 hatte Von Holzhausen als Major a.D. eine Stelle im Reichsarchiv in Magdeburg angenommen.  In den folgenden Jahren war Von Holzhausen auf dem Gebiet des Problemschachs und auch des Turnierschachs besonders aktiv.

Er spielt 1923 beim 23. DSB-Kongress in Frankfurt im Hauptturnier mit, war 1924 Co-Sieger bei einem Turnier in Eisenach und gewann 1925 das Hauptturnier beim 24. DSB-Kongress in Breslau. Beim Jubiläumsturnier des Dresdener Schachvereins 1926 belegte er einen ausgezeichneten Platz im Mittelfeld hinter Weltklassespielern wie Nimzowitsch, Aljechin, Rubinstein und Tartakower.

Gegen Aljechin und Tartakower schaffte er jeweils ein Remis.

Nimzowitsch nahm seine Partie gegen Von Holzhausen in eines seiner Lehrbücher auf, was auch eine Auszeichnung ist, obwohl Von Holzhausen die Partie verloren hat.

Im Juli 1926 spielt Von Holzhausen im Meisterturnier des Wiener Schachkongresses, allerdings weniger erfolgreich. Im August wurde er aber hinter Nimzowitsch und Rubinstein Dritter beim Jubiläumsturnier in Hannover.

Auch in den folgenden Jahren war Walther von Holzhausen bei Turnieren sehr aktiv, jedoch mit sehr wechselhaften Erfolgen. Beim Meisterturnier des 25. DSB-Kongress 1927 in Magdeburg belegte er hinter Spielmann und Bogoljubow einen sehr guten geteilten dritten Platz, doch bei einigen anderen Turnieren wurde er nur Letzter, zum Beispiel in Gießen und beim Meisterturnier des Berliner Schachverbandes 1928. Möglicherweise erklären sich diese großen Leistungsschwankungen durch die Folgen seiner Kriegsverletzungen. So musste Von Holzhausen 1931 eine geplante Turnierteilnahme in Swinemünde absagen, weil er sich wegen einer Beinverletzung aus dem Krieg einer Operation unterziehen musste.

Zusammen mit Adolf Kramer veröffentlichte Von Holhausen 1927 das Turnierbuch „Der 24. und 25. Kongreß des Deutschen Schachbundes Breslau 1925, Magdeburg 1927.“

Auch im Problemschach war Von Holzhausen in diesen Jahren sehr aktiv und veröffentlichte hier ebenfalls zwei Bücher: „Brennpunktprobleme: Eine Schachstudie“ (Leipzig 1926) und „Logik und Zweckreinheit im neudeutschen Schachproblem: Eine Denkschrift zum 25jährigen Jubiläum des „Indischen Problems“ von Kohtz und Kockelkorn. Nebst zwei anderen problemschachlichen Abhandlungen“ (Berlin und Leipzig 1928). Beide Bücher waren lange Standardwerke der Problemkunst.

Einige Beispiele aus seinem Schaffen:

  

   

    

Von 1931 bis zu seinem Tod leitete Walther von Holzhausen die Problemschachspalte der Deutschen Schachblätter.

Walther Freiherr von Holzhausen starb nach kurzer schwerer Krankheit 1935 in Magdeburg im Alter von 59 Jahren. Die Wiener Schachzeitung veröffentlichte in ihrer Septemberausgabe von 1935 einen recht pathetischen Nachruf, der aber die Bedeutung des Verstorbenen dokumentiert.

Walter von Holzhausens Grab befindet sich auf dem Südfriedhof in Magdeburg. 

Foto: Matkue


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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