Wein-Open in Naujac

11.08.2006 – Schon zum 9. mal wurde in diesem Jahr das Open des Vins du Médoc in Naujac an der französischen Atlantikküste ausgetragen. Das Turnier erfreut sich zunehmender Beliebtheit, zum einen wegen des sommerlichen Ambientes, zum anderen wegen der attraktiven Preise: Die Sieger werden in Medoc-Wein aufgewogen. Außerdem kann man die Turnier-Teilnahme durch einen Aufenthalt auf dem Schach-Campingplatz La Rochade zu einem richtigen Sommerurlaub aufwerten. Dies hat sich nicht nur bei den ambitionierten Schachamateuren herumgesprochen. Sogar ein leibhaftiger Topspieler schaute vorbei und zeigte in einem Seminar ein paar seiner besten Eröffnungen und Angaben. Evi Zickelbein war mit von der Partie und hat die Ereignisse für die Nachwelt fest gehalten. Mehr...

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"Zu Gast bei Freunden!“
9ième Open des Vins du Médoc in Naujac sur Mer

Was wären die Sommerferien ohne ein schönes Schachturnier? Nach unseren Ausflügen in die europäischen Metropolen in den letzten Jahren nach Wien und Amsterdam beschlossen wir dieses Jahr, endlich einmal Schach und Urlaub zu verbinden und nach Naujac sur Mer zu fahren, auf den berühmten Schachcampingplatz von Rike und Jules Armas, der aufmerksamen AKTUELL- und ChessBase-Lesern ja schon von den Berichten über unsere Einsätze in der französischen Liga bekannt ist. Und wer die Küste der Aquitaine kennt, der weiß, wie wunderschön sie ist und wie herrlich man sich am Atlantik erholen kann – eine der schönsten Küsten Europas!


Endlich - La Mer!

So verabschiedeten wir uns nach der Vorrunde der WM aus Hamburg und brachen für einen kurzen Zwischenstopp nach Essen auf, wo wir unseren Freund Sebastian Siebrecht einsammelten, der das Wein-Open im Jahr 2001 mit 9 aus 9 bereits einmal für sich entscheiden konnte! Die 1050 km von Essen bis nach Royan vergingen wie im Flug - dank edler Leihgabe des Feuerwehrautos des Vorsitzenden auch ohne Platzmangel -  erreichten wir die Fähre nach zum Point de Grave und vor dort aus waren es nur noch wenige Kilometer zum zum „La Rochade“ – ein Wort, das es im Französischen übrigens gar nicht gibt, von Rike und Jules wohl aber aufgrund der internationalen Verständlichkeit gewählt wurde! Und groß war natürlich unsere Freude, als wir in Naujac von der ganzen Familie – Rike, Jules, die beiden Mädchen Lara und Lena, Blitz, der Hund und diverse Katzen mit ihren unzähligen Babys – begrüßt wurden!

Das Turnier:

Das Open des Vins du Médoc wurde in diesem Jahr schon zum 9. Mal ausgetragen. Das Besondere ist, dass es keine Geldpreise gibt und der Gewinner sein Gewicht in gutem Médoc-Wein aufgewogen bekommt. Der Zweitplazierte erhält die Hälfte seines Gewichtes usw. bis zum sechsten Platz. Und natürlich gibt es auch viele Sonderpreise.

Die Setzliste des Turniers verriet uns, dass die neunte Auflage des Wein-Open ein wenig unter der Fußball-Weltmeisterschaft und vielleicht auch dem späten Ferienbeginn in einigen deutschen Bundesländern und den Niederlanden zu leiden hatte: Nachdem in den letzten Jahren immer deutlich über 100 Teilnehmer die tolle Atmosphäre beim Turnier, auf dem Campingplatz und am Strand genossen hatten, kämpften in diesem Jahr nur knapp über 60 Teilnehmer um die erlesenen Médoc-Weine - ich habe wohl noch nie ein Open gespielt, bei dem ich an 8 gesetzt war…! Merijn van Delft und Sebastian Siebrecht teilten schon in Gedanken die Wein-Kisten untereinander auf, doch immerhin waren noch zwei weitere IM’s – Yohan Benitah aus Lyon und Günther Beikert aus Viernheim, am Start. Liebevoll wurden vor jeder Runde die Teilnehmer auf den Geschmack gebracht: Es wurde Wein für die schönste Kombination, die schönste Kurzpartie, den „schönsten“ Einsteller und die besten Rating-Perfomance verteilt und mit launigen Sprüchen vor der Runde unters Schachvolk gebracht. Manchmal wurde auch lokales („Wie heißt die Namensgeberin der Kirche von Naujac?“) oder schachhistorisches („Welcher Spieler war in den beiden konkurrierenden Schachorganisationen Vizeweltmeister?“) Wissen abgefragt, mit dem man sich ein Fläschchen Médoc für die abendliche Runde ergattern konnte.


Blick in den Turniersaal

Erste Runde: IM Merijn van Delfts Auftaktsieg mit Keres-Angriff gegen Jean-Claude Bretelle. Merijns vier Siegen standen in der Endabrechnung fünf Punkteteilungen gegenüber, so dass er mit 6,5 Punkten und der besten Wertung nur den vierten Platz belegte. Hätte er in der Schlussrunde gegen WIM Ingrid Lauterbach gewonnen, wäre er wohl aufgrund der besseren Wertung zumindest Zweiter beim 9. Wein-Opens geworden.


Van Delft gegen Bretelle

Gleich in der zweiten Runde gab es die ersten deutsch-deutschen Paarungen: Hier spielt WIM Ingrid Lauterbach gegen IM Sebastian Siebrecht: Da Sebastian sich in den Gepflogenheiten des Turnier bei seiner fünften Teilnahme natürlich bestens auskannte, beendete er die Partie mit einem wunderschönen Damenopfer, das ihm den Schönheitspreis am nächsten Tag einbrachte: Eine 1,5-Liter-Flasche Médoc!

Bei gleicher Buchholz aber schlechterer Feinwertung belegte Sebastian schließlich den zweiten Platz – in der Schlussrunde hing witzigerweise der Turniersieg am Ausgang der Partie Eva Maria Zickelbein gegen Sven Christiansmeier am sechsten Tisch ab: Hätte ich verloren oder auch nur Remis gespielt, wäre Sebastian Siebrecht Turniersieger gewesen!

Untereinander spielten die vier Internationalen Meister Yohan Benitah, Sebastian Siebrecht, Merijn van Delft und Günther Beikert remis und auch FM Carlo Kunze konnte ihnen allen die Punkteteilung abtrotzen, so das Carlo Kunze verdient auf dem dritten Platz landete.

Auch am Strand darf das Schachbrett natürlich nicht fehlen: FM Carlo Kunze (links) und IM Merijn van Delft.

Erst in der Schlussrunde kam es zur Paarung der beiden IM’s Günther Beikert und Yohan Benitah, da der Mitfavorit Günther Beikert in der fünften Runde – als einziger der teilnehmenden IM’s übrigens - überraschend Federn lassen musste und gegen die Kölner Turnierüberraschung, den sympathischen Sven Akstinat verlor.

Hier lässt sich Sven Akstinat nicht die Chance entgehen, einmal mit Supergroßmeister Alexei Shirov fotografiert zu werden. Nachdem Sven bis zur fünften Runde das Turnier seines Lebens spielte, bekam er in der zweiten Turnierhälfte dann aber doch die Härte der Titelträger zu spüren und verlor nacheinander gegen Merijn van Delft, Carlo Kunze und Sebastian Siebrecht. Das tat aber seiner guten Stimmung keinen Abbruch und dieses Foto zeigt am besten das sonnige Gemüt von Sven Akstinat, unserem „Mr. Bean“:

Mein Turnier verlief eigentlich ideal: Nah einem schnellen Sieg in der ersten Runde, für den ich den Preis für die schönste „Miniature“ bekam, verlor ich in der zweiten Runde gegen IM Günther Beikert, was mir dann in den Folgerunden deutlich schwächere Gegner bescherte. Nach einer zweiten Null gegen Turniersieger IM Yohan Benitah folgte eine im Nachhinein schlaue Punkteteilung gegen einen französischen Nachwuchsspieler, wodurch ich dann wieder eher schwächere Gegner bekam, gegen die ich – einmal sehr glücklich – gewinnen konnte.

In Runde 1 gelang mir die schönste Kurzpartie gegen René Lambert.

Siegerehrung:

Natürlich ist die Siegerehrung bei einem solchen Turnier natürlich etwas ganz Besonderes – schließlich müssen die Sieger alle auf die Waage! Hier haben die Sieger das Prozedere schon hinter sich und posieren hinter den edlen Tropfen.


Turniersieger IM Yohan Benitah durfte sogar seinen Pokal mit
auf die Waage und 64 Flaschen  mit nach Hause nehmen!

…der Zweitplatzierte IM Sebastian Siebrecht natürlich nicht! Seine ausgefeilte Technik, sich möglichst ganz nach hinten zu setzen, das ganze Körpergewicht nach hinten zu verlagern und letztendlich seine imposanten 2 Meter 02 waren 40 Flaschen wert!


Keine Gnade für die Berichterstatterin: Auch ich musste auf die Waage und durfte
neun Flaschen mit nach Hamburg nehmen!

Doch wie nun die gewonnen leckeren Tropfen nach Hause transportieren? GM Henrik Teske fuhr vor ein paar Jahren mit seinem stattlichen Gewinn mit dem Zug und verpassten beim Umsteigen natürlich prompt den Anschlusszug – zu viele Kisten Wein und eindeutig zu wenig Zeit…! Da ist es doch besser, ein eigenes Gefährt dabei zu haben:


Turniersieger IM Yohan Benitah mit seinem Schüler Gaspard Vernay (4,5 aus 9, 32. Platz) – und wo soll das Gepäck noch rein?

Die Hamburg-Essener Reisegruppe hatte „eine Lage Wein“ eingesammelt und die Reisetaschen passten bequem noch drauf! Lediglich der Bremsweg verlängerte sich etwas und der Reifendruck musste mit 65 Flaschen Wein im Kofferraum entsprechend angepasst werden…

Der Campingplatz „La Rochade“:


Camping „La Rochade“ – 1400 km von Hamburg, aber es lohnt sich!


Die Einfahrt auf den Campingplatz.


Der Mittelpunkt des Campingplatzes: Das Haus von Rike und Jules Armas,
das in der Saison auch als Rezeption fungiert.



Die Allee der Mobile-Heimes: Inzwischen sind auf dem Campingplatz schon über 20 der mobilen Heime stationiert, die sich besonders für Camping-Muffel sehr gut eignen! Stilecht sind die Mobil-Homes nach Schachgrößen benannt – rechts die Männer, links die Frauen. Wir haben „Boris“ bewohnt, Ingrid Lauterbach und Klaus Bischoff durften in „Garry“ nächtigen und Gilbert Dumontier, der bisher alle neun Auflagen des Turniers mitspielte, wohnte mit seiner Frau Liliane in „Almira“. Und als Weltklassespieler Alexei Shirov zur Siegerehrung mit anschließendem Lehrgang anreiste, bewohnte er natürlich „Alexei“…!


Camping-Idylle: Gemeinsames Abendessen zwischen „Boris“ und „Garry“ mit
Merijn van Delft, Ingrid Lauterbach, Klaus Bischoff und Sebastian Siebrecht.


Natürlich besonders von den Kids frequentiert: Der Pool auf dem Campingplatz:


Das Schachhaus für Lehrgänge und Turniere und das Gartenschach.


„Les Echecs en pleine nature“ -  so wirbt der Campingplatz „La Rochade“ zu recht im Internet: Blitzturnier im Schatten der Birken.

Nicht im Schatten, dafür in der prallen Mittagssonne: Konditionsblitz…

…da ist die Uhr!

Der charmanteste Schachunterricht in ganz Frankreich: Léna Armas bringt zwei Kids aus Belgien die Schachregeln bei…

Lehrgang GM Alexei Shirov:

Ein besonderes Highlight bei der Siegerehrung war die Anwesenheit und die Begrüßungsansprache von Schachlegende Alexei Shirov. Nachdem er im letzten Jahr den Abflugtag aus Riga verpasst hatte, lief in diesem Jahr alles nach Plan und der Weltklassespieler gab drei Tage lang sein Wissen weiter:


GM Alexei Shirov im Kreis der Lehrgangsteilnehmer.


Blick ins Schachhaus während des Lehrgangs.

…und auch abends war Alexei noch voll im Einsatz:


Für zusätzliche Beleuchtung sorgten die Jungs gern!

Die Zeit zwischen seinen Lehrgangsterminen verbrachte Alexei Shirov am herrlichen Strand Pin Sec – dabei erwies er sich als ausdauernder Wellentaucher. Doch auch bei allen anderen Aktivitäten war Alexei mit Begeisterung dabei:


Hier beim Beachvolleyball

Simultan im Château La Cardonne

Zu den zahlreichen Aktivitäten des Rahmenprogramms zählten auch der Besuch und die Besichtigung eines Châteaus, in dem der berühmte Médoc-Wein gekeltert wird. In diesem Jahr wurden die Teilnehmer auf das Château La Cordonne in Blaignan eingeladen.

Nach der Besichtigung des Weingutes traten 12 Spieler im Simultan gegen Großmeister Klaus Bischoff an, der nicht am Open teilnahm, sondern lediglich seine Lebensgefährtin WIM Ingrid Lauterbach coachte.Hinter dem Großmeister und seinen Gegnern lagert Wein im Wert von über 2 Millionen Euro! Klaus Bischoff gewann 11 Partien und ließ lediglich gegen Isabelle Mamah (Bildmitte) eine Punkteteilung zu!

Allez les Bleus:

Vom Viertelfinale bis zum Finale verfolgten wir den Weg der deutschen Mannschaft und natürlich der Équipe tricolore auf dem Campingplatz. Président Patrick Vidal sorgte ab den Halbfinals für einen Beamer und eine Leinwand, Léna und Lara fürs richtige Outfit und die Gäste für die gute Stimmung!


Historische Geste: Oliver Kahn wünscht Jens Lehmann viel Glück fürs Elfmeterschießen gegen Argentinien.


Das 1:0 von Thierry Henri in der 57. Minute gegen Brasilien löste natürlich großen Jubel aus!


Lara und Léna Armas beim Viertelfinalsieg von Frankreich gegen Spanien!


Französische Fans

An Rikes Wohlers-Armas’ Geburtstag und nebenbei auch dem Halbfinalsieg der Équipe tricolore“ gegen Brasilien wurde ein großes Grillfest für alle Teilnehmer organisiert und nach der Siegerehrung gab es ein großes Paella-Essen. Leider fiel dieser Abend auf das Endspiel der WM, so dass der Abend eher traurig mit Zidane’s Abgang und dem verlorenen Elfmeterschießen endete…


IM Inna Gaponnenko mit Tochter und IM Vistuurs Meijers kamen für ein paar Tage
auf dem Campingplatz vorbei, bevor es weiter zum nächsten Turnier ging.


Die Paella gab es nach der letzten Runde für alle Turnierteilnehmer und Gäste!

Nach dem Open genossen wir noch eine knappe Woche den herrlichen Strand und das französische Lebensgefühl, bevor sich die Jungs zum 3.  Amsterdam Chess Tournament in die Niederlande und ich mich in den Hamburger Alltag verabschieden musste.

Die familiäre und herzliche Atmosphäre, der Strand, die Natur und all das kombiniert mit Schach machen das Wein-Open und den Campingplatz „La Rochade“ eigentlich zu einem „Must“ für jeden Schachfreund! Wir planen schon fürs nächste Jahr!

Eva Maria Zickelbein


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