Weiße Gambits gegen Wolga!

10.11.2020 – Im Spitzenschach mag das Wolga-Gambit ein seltener Gast sein – auf Amateurniveau bewährt sich das Bauernopfer immer wieder, und das sicherlich auch, weil vielen 1.d4-Spielern ein klares Konzept gegen das Gambit fehlt. IM Christian Braun schlägt im neuen ChessBase Magazin #198 vor, den Spieß einfach einmal umzudrehen und dem Wolgaspieler selbst das ein oder andere Gambit vorzusetzen!

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Weiße Gambits gegen Wolga!

Christian Braun zeigt ein Aktivrepertoire nach 3...b5 4.Sf3

 

In diesem Artikel möchte ich ein Kurzrepertoire für Weiß gegen das Wolga-Gambit vorstellen, bei dem er... selbst ein paar Gambits spielt! Die allgemeine Hauptidee dabei ist, Schwarz aus seinen altbekannten Varianten und Strukturen zu locken und ihn auf unerschlossenes Territorium zu stoßen.

Das obige Diagramm zeigt unsere Ausgangsstellung. Der letzte Zug von Weiß 4.Sf3 ist sehr flexibel und ermöglicht dem Weißen, sich perfekt auf jeden Weg einzustellen, den Schwarz gehen mag. Ich werde vier verschiedene Optionen untersuchen: A) 4...d6 B) 4...g6 C) 4...e6 und D) 4...Lb7.

A) 4...d6 5.Dc2!?

 

Unser Standardzug - Weiß will mit e4 ein starkes Zentrum bilden und seinen Raumvorteil stabilisieren.

 

Nach 9.h3! (verhindert ...Lg4) hatte Weiß in Krasenkow,M - Volodin,A 1-0 volle Kontrolle und kam später sogar zum Angriff auf den schwarzen König!

B) 4...g6 5.d6!?

 

Weißes Gambit Nr. 1! Dieser selten gespielte Zug ist ein sehr interessanter Versuch, das Wolga-Gambit auf direktem Weg zu zermalmen. Weiß hat hier 71% (!) geholt, der Topscorer dabei ist IM Dejan Nestorovic mit 2,5/3 Punkten.

Die weiße Idee ist, das Feld d5 auszunutzen. Überraschenderweise kann Schwarz nicht seinen typischen und altbekannten Wolga-Aufbau erreichen. In obiger Stellung muss er praktisch 5...b4! spielen (stoppt Sc3). Ansonsten steht Weiß bereits besser, z.B. 5...bxc4 (die Züge 5...Bb7 und 5...Bg7 werden innerhalb der Partie Nestorovic,D - Foltz,Y 1-0 untersucht) 6.Sc3 Lg7 7.e4!.

 

Weiß kontrolliert das wichtige Feld d5 und droht e5 mit Zurückdrängen der schwarzen Figuren. Der Lf1 ist im Begriff auf c4 zu schlagen und den Schwachpunkt f7 anzugreifen. Seziert wird all dies in den Anmerkungen zu der Partie Nestorovic,D - Vuckovic,B ½-½.

Also 5...b4!, worauf 6.Lf4 Sc6 folgt, und jetzt 7.g3!.

 

Besser als 7.e3, was in Nestorovic,D - Vuckovic,B ½-½ gespielt wurde. Weiß sollte seinen Königsläufer fianchettieren, auf g2 wird er eine bärenstarke Diagonale haben.

 

Nach 11.a3!, was den b2-Bauern opfert. Wenn der schwarze Läufer schlägt, spielt Weiß Ta2 nebst Rochade. Seinen Entwicklungsvorsprung nutzen, kann er beispielsweise Le3-Sg5-Se4 fortsetzen, was f6 und d6 beäugt. All dies wird analysiert in den Kommentaren zu der erwähnten Partie Nestorovic,D - Vuckovic,B ½-½.

C) 4...e6 Dieser Übergang zum Blumenfeld-Gambit läuft in 5.e4!.

 

Unser Gambit Nr. 2! Weiß opfert einen Zentrumsbauern für schnelle Mobilisierung. 5...Sxe4 Schwarz muss so nehmen (bezüglich 5...bxc4 6.Sc3! siehe Antoniewski,R - Butkiewicz,L 1-0), andernfalls würde er seinem Gegner einfach erlauben, ein sehr starkes Zentrum zu bilden. 6.Ld3 Weiß entwickelt sich mit Tempo, seine nächsten natürlichen Züge sind 0-0, Sc3 und Te1.

 

Die Kompensation von Weiß ist offensichtlich, siehe Lopez Martinez,J - Asadzade,I 1-0. Schwarz hat große Probleme mit seiner Entwicklung.

D) 4...Lb7 5.Dc2!?

 

Wieder unser stocksolider Standardzug, mit der Absicht e4, um den d5-Bauern zu stärken. 5...bxc4 6.e4 e6 wird nun analysiert in Kveinys,A - Sailer,W 1-0, dagegen spielte Schwarz in Stocek,J - Zilka,S 1-0 5...Sa6!?, um seinen Springer nach b4 zu bringen, worauf einfach 6.Sc3 und 7.e4 folgte, mit starkem Zentrum, das den schwarzen Lb7 einsperrt!

Fazit: Das Wolga-Gambit ist eine wirklich scharfe Eröffnung, in der Schwarz versucht, einen Bauern für Entwicklungsvorsprung und Initiative am Damenflügel zu geben. Nach Annahme des Gambits muss sich Weiß in den Hauptvarianten sehr gut auskennen. Dieses Repertoire mit dem flexiblen 4.Sf3 soll Schwarz auf unbekanntes Territorium locken und ihm nicht erlauben, seine üblichen und altbekannten Pläne und Strukturen abzuspulen. Nach 4....g6 5.d6!? bzw. 4...e6 5.e4! bietet Weiß selbst aussichtsreiche Gambits an, während sowohl 4...d6 als auch 4...Lb7 mit dem soliden 5.Dc2 beantwortet werden, was e4 mit Vergrößerung seines zentralen Raumvorteils vorbereitet. Ich glaube, dieses Repertoire wird Ihnen helfen, die Partie schnell in den Griff zu bekommen und die Initiative zu ergreifen. Verschaffen Sie sich durch Nachspielen der analysierten Partien selbst einen Eindruck - und dann nichts wie ran!

Den kompletten Artikel mit allen Partien und Analysen finden Sie im neuen ChessBase Magazin #198 (November/Dezember 2020)

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