Wer ist Nadeh Ojjeh?

14.02.2002 – 12 Jahre lang - von 1962-1974 - war der Luxusdampfer "Le France" so etwas wie ein Botschafter Frankreichs; er symbolisierte französische Kunst und französische Küche. Dann machte sich mit dem Flugverkehr Konkurrenz bemerkbar, es gab Probleme, geeignetes Personal für die Besatzung zu bekommen, der sinkende Dollarkurs wirkte sich aus. Nachdem der Dampfer 1971 erstmals ein Defizit eingefahren hatte, beschloss der Staat 1974, das Schiff nicht mehr zu subventionieren. "Le France" ging im Hafen von Le Havre vor Anker. Im Oktober 1977 erwarb der saudische Milliardär Akram Ojjeh den Dampfer für 80 Millionen Francs. Der aus Syrien stammende saudi-arabische Unternehmer, der bis dahin Publicity sorgfältig vermieden hatte, geriet in die Schlagzeilen. Nadeh Ojjeh, die Witwe des im Oktober 1991 im Alter von 68 Jahren verstorbenen Unternehmers, will nun Frankreich zu einer großen Schachnation machen. Am 23.Februar startet in Cannes ein von ihr finanziertes Kat.18-Turnier. Gleichzeitig bezahlt sie die neue Mannschaft des NAO -Schachclubs. An Brett eins: Weltmeister Kramnik. Ein Beitrag von Gerald Schendel. Mehr...

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Eine gefällige Geschichte der hoch angesehenen Ojjeh-Familie findet sich in einem Feature auf der Homepage der Rennsport-Firma TAG McLaren Group. Als Schüler in Syrien erhielt Akram Ojjeh ein Stipendium für eine Schule in Frankreich. Als dort der Krieg ausgebrochen war, hielt er sich mit diversen Jobs über Wasser. Er heiratete eine Französin. Bald war er im Handel von Parfüm, Schmuck und Textilien zwischen Frankreich und Syrien tätig. Dann begann er Kontakte zu Saudi-Arabien aufzubauen. Er freundete sich mit der königlichen Familie des Landes an und nahm 1948 die Nationalität dieses Staates an. Darüber, dass Akram Ojjeh wie die Finanzmagnaten Pharaon und Kaschoggi als Vermittler auch in dem auf Diskretion achtenden Metier des Waffenhandels tätig war, ist bei McLaren nichts zu lesen (vergl. Veronique Maurus, Le déclin des princes du bakchich, in: Le Monde, 4. April 1987). Die Ölkrise und die Entwicklung der arabischen Gesellschaft machten eine Diversifizierung des Geschäfts erforderlich. 1975 gründete Akram Ojjeh die Firma Techniques d'Avant-Garde (TAG) mit Niederlassungen in Paris und Genf (später auch in Washington und Riad), die heute von seinem Sohn Mansour geführt wird.





Der Einsteig in das Formel-1-Sponsoring 1979 erfolgte zunächst eher zufällig und mündete Anfang der 80er Jahre in eine Beteiligung an der Firma McLaren. Später beteiligte sich auch Mercedes an McLaren.

Inzwischen ist das Firmenimperium der Ojjeh-Gruppe weit verzweigt. Am 3. Juli 2000 berichtete das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, dass im Zusammenhang mit deutschen Panzerlieferungen an Saudi-Arabien in den 90er Jahren viele Millionen Mark an Firmen mit klangvollen Namen wie Ovessim und Linsur flossen, deren Briefkästen in Panama hingen. Hinter diesen Firmen soll die Ojjeh-Gruppe gestanden haben. Am 26. November 2001 allerdings berichtete dasselbe Magazin, dass "nie eindeutig geklärt" wurde, wer tatsächlich hinter den Firmen steckte, und dass das deutsche Auswärtige Amt weitere Recherchen in diesem Bereich abblockt.



Spürpanzer Fuchs


Wenn, wie Anfang November 2001, bekannt gegeben wird, dass ein großes kanadisches Luftfahrtunternehmen der TAG-Gruppe Exklusiv-Rechte für den Handel im arabischen Raum eingeräumt hat, dann ist von Nadeh Ojjeh nicht die Rede. In der französischen Presse wurde sie Anfang März 1993 als persönliche Freundin des französischen Außenministers Roland Dumas erwähnt. Für ein Krankenhaus in dessen Wahlkreis spendierte sie in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der syrischen Tlass-Stiftung ein medizinisches Gerät im Wert von über 8 Millionen Francs ("Opération humanitaire" en Dordogne, Le Monde 7. März 1993).


Nahed Ojjeh ist die älteste Tochter von Mustafa Tlass. Er ist seit 1972 Verteidigungsminister in Syrien und freundete sich in diesem Amt mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew an. Nach dem Tod des syrischen Staatschefs Hafes Assad am 10. Juni 2000 blieb Mustafa Tlass die zuverlässigste Stütze des neuen Regimes. Kritiker erheben den Vorwurf, dass Mustafa Tlass in den Drogenhandel in Syrien und Libanon verwickelt ist, dass dies in allen westlichen Ländern bekannt sei und dass einige westliche Länder dies sogar direkt oder indirekt gefördert hätten. Mit den Amtsgeschäften ihres Vaters hatte Nadeh Ojjeh natürlich nichts zu tun.


Mustafa Tlass

Trotzdem wunderte sich der Zürcher Tagesanzeiger am 1. Juli 1998 darüber, dass im Zuge der Elf-Aquitaine-Ermittlungen Nahed Ojjeh aus eigenem Antrieb bei den französischen Untersuchungsrichterinnen auftrat um mitzuteilen, dass der französische Ex-Außenminister Roland Dumas im Zusammenhang mit nahöstlichen Waffenkäufen "Kommissionen" eingestrichen habe. In französischen Geheimdienstkreisen habe der Ex-Außenminister den Beinamen "Lion de la Tlass" gehabt. Unklar bleibe, "warum die Löwin jetzt ihren ehemaligen Löwen bloß stellt, wie auch nicht erwiesen ist, ob ihre Aussagen überhaupt etwas Wahres enthalten". Im Frühjahr 2001 wurde der 78jährige Ex-Minister Dumas zu einer Haftstrafe von 2½ Jahren verurteilt, von denen zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden.


Roland Dumas

Nach Aufzeichnungen der Pariser Universität V scheint Nahed Ojjeh historisch interessiert zu sein. Sie scheint jedoch auch ein Faible für eine spezielle Variante der Spieltheorie zu haben: Im Frühjahrtrimester 1998 soll Nahed Ojjeh (Universität Paris V) neben dem verteidigungspolitischen Experten Prof. Dr. Michel Rudnianski (Universität Reims) nach einer Angabe im Hochschulkurier der Bundeswehr-Hochschule an der Präsentation eines spieltheoretischen Ansatzes zur Analyse der NATO- und EU-Osterweiterung mitgewirkt haben. Das Buch zu dieser Veranstaltung erschien 1999 im Nomos-Verlag, Baden-Baden, unter dem Titel Defense Analysis for the 21st Century: Issues, Approaches, Models.



Nahed Ojjeh ist Mitglied in dem nach ihr benannten "NAO Chess Club", der nach einer Generalversammlung am 25. Oktober 2001 auf den Beinamen CAISSA verzichtet hat (was Muriel Silans, Tochter der im letzten Jahr verstorbenen französischen WM-Kandidatin Chantal Chaude de Silans, in einem offenen Brief am 21. November 2001 beklagt hat).

Schon 2001 hatte sie die Kontrolle über den traditionsreichen Club übernommen, dem das Geld ausgegangen war. In einem Beitrag, der kurz vor Beginn der französischen Mannschaftsmeisterschaft bei Le Monde am 30.01.2002 erschien, bekräftigte sie, dass es ihr Ziel sei, Frankreich zu einer erstklassigen Schachnation zu machen, die gleichrangig neben osteuropäischen Ländern auftreten könne. Ziel sei nicht unbedingt, mit der durch u.a. Wladimir Kramnik verstärkten Vereinsmannschaft französischer Meister zu werden, sondern zumindest, die Qualifikation für den Europa-Cup zu erreichen.

Nahed Ojjeh möchte gemeinsam mit anderen Ländern eine Bewegung unterstützen, die zum Ziel hat, Schach als Olympischen Sport zu etablieren. Nach den französischen Wahlen möchte sie sich an den neuen Erziehungsminister in Frankreich wenden, um in Frankreich ein Pendant zu Botwinniks Sowjetischer Schachschule zu schaffen.



Die erste Etappe auf diesem Weg ist das erste "NAO Chess Master's", in dem vom 23. Februar bis 3. März der Start von u.a. Alexander Morosewitsch, Veselin Topalow, Peter Leko, Anatoli Karpow sowie Joël Lautier und Etienne Bacrot geplant ist.

Gerald Schendel/14.02.2002


Paris, le 13 novembre 2001

A la suite de ma lettre envoyée à Mme OJJEH le 26 Octobre dernier et restée
sans réponse à ce jour, je lance cet appel public.

Depuis son Assemblée Générale du 25 octobre dernier, le Cercle d'Echecs 'NAO CAISSA' s'appelle désormais : 'NAO CHESS CLUB'!
En tant qu'héritière de la mémoire de ma mère, Chantal CHAUDE DE SILANS, il est de mon devoir de réagir.
En effet, en juin dernier, nous étions très heureux d'apprendre la bonne
nouvelle: 'CAISSA' était sauvé par Mme Nahed OJJEH et 'NAO CAISSA' promu au bel avenir...Cette nouvelle avait réjoui notre mère et adouci ses
derniers jours...
Or, deux mois à peine après sa mort, le dernier hommage public à sa mémoire,
le 27 Sept. dernier, à peine rendu: exit 'CAISSA' au profit de 'NAO Chess
Club' !!!
Au cours de l'A.G., seules quatre voix ont voté contre, dont celles de Boris
SPASSKY et de Mr. LAMBERT, dernier Président de 'CAISSA'. Merci à ces quatre voix....
J'ai vécu cette nouvelle comme un deuxième enterrement...Spirituel cette
fois. Il ne m'appartient pas, et il est de toute façon trop tôt de juger ce
nouveau club, dont les projets de développement des échecs en France
paraissent intéressants, mais il est certain qu'en conservant le nom de
'CAISSA, Mme OJJEH ne serait pas seulement une Présidente-mécène: elle
inscrirait alors son action dans la lignée de la grande tradition
échiquéenne française et prolongerait ainsi une oeuvre, dont tous les grands
joueurs qui y ont fait leurs premières armes, restent aujourd'hui les
meilleurs garants de son immense valeur.

Je lance donc cet appel au nom du respect de la mémoire de ma mère et à
celui dû à l'histoire des Echecs Français.
Dans l'espoir fervent qu'il soit entendu par ce nouveau club et que d'autres
voix se joignent à la mienne pour que revive ce beau nom de 'CAISSA', déesse du 'jeu des rois en même temps que du Roi des jeux'.

Muriel SILANS

 



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