Wer war Martin Beheim-Schwarzbach?

03.06.2004 – Martin Beheim-Schwarzbach, am 27. April 1900 in London geboren, wuchs im Hamburger Stadtteil Harvestehude auf. Er arbeitete als Filmjournalist, freier Schriftsteller und Übersetzter, bevor er nach London emigrierte. Als starker Schachspieler lernt er dort im London Chess Club die englischen Spitzenspieler, darunter C.H.O.D. Alexander, kennen. 1946 kehrte er zunächst als "Controller" nach Hamburg zurück. Neben seiner Tätigkeit als Journalist und Redakteur verfasste er zahlreiche Romane, Erzählungen und Biografien und wird mehrfach ausgezeichnet. Zu seinen Brieffreunden zählte Thomas Mann. Am 7. Mai 1985 starb Martin Beheim-Schwarzbach in Hamburg. Obwohl er ein großes schriftstellerisches Werk hinterließ, ist sein Name heute fast vergessen. Unter Schachfreunden ist jedoch eines seiner Bücher bestens bekannt. Das von Beheim-Schwarzbach verfasste "Knaurs Schachbuch" ist das meist übersetzte Schachbuch der Welt. Dessen leichter und erzählerischer Zugang zum Schach war u.a Vorbild für Helmut Pfleger. Matthias und Kati Biermann-Ratjen erinnern an einen großen Menschen, Schriftsteller und Schachspieler. "Einige Herzige Reimchen", gelesen von Martin Beheim-Schwarzbach...Martin Beheim-Schwarzbach...

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Martin Beheim Schwarzbach

Martin Beheim-Schwarzbach: Vita

*27. April 1900 in London, gestorben am 7. Mai 1985 in Hamburg; dadurch Inhaber der britischen Staatsbürgerschaft, neben der deutschen. Seine Mutter war Engländerin, sein Vater war Schiffsarzt, stammte aus Würzburg, wurde britisch naturalisiert. Die Familie geht zurück auf den Erfinder des „Globus“, den berühmten Kosmograph Martin Behaim (geb. in Nürnberg 1459, gest. 29.7.1507 in Lissabon).

M.B.-S. verbrachte Kindheit und Jugend in Hamburg am Mittelweg in Harvestehude („Die Michaelskinder“1930, „Die Insel Matupi“ 1955, spielen, wenn auch viel später geschrieben, in dieser Zeit). 1918 Abitur und Soldat im ersten Weltkrieg, nach unversehrter Rückkehr nach Hamburg - ein Studium ist aus Mangel an Mitteln nicht möglich - arbeitet er als Kaufmann, Filmjournalist und freier Schriftsteller in Hamburg.

„Die Michaelskinder“ machen ihn 1930 bekannt. Heirat mit Hete, bis 1938 Übersetzung von Margret Mitchell`s „Vom Winde verweht“, Arbeit bereits an einem Schachbuch, Übersetzungen von Dickens, Forester und Cronin. Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges „entkommt“ er nach England. Seine Frau Hete bleibt in Hamburg-Bergedorf .

M.B.-S. lebt in bescheidenen Verhältnissen in London, ist tätig als Fabrikarbeiter, Journalist, Schachjournalist, Mitarbeiter der BBC, London, Redakteur und sehr starker Schachspieler im “London Chess Club“, wo er englische Spitzenspieler kennen lernt, u.a. C.H.O.D. Alexander.

Aus „Chess with the Masters“, ins Englische übersetzt von Leonhard Barden, wird sein weltbekanntes „Knauers Schachbuch“, das in viele Sprachen übersetzt wird. Wenn ein guter Schriftsteller ein guter Schachspieler ist, gelingt ein großer Erfolg. Die Übersetzung ins Holländische „Thieme`s Schaakboek“ macht der holländische Meister F. Kuijpers. In London erhält M.B.-S. den Spitznamen „beehive“ (Bienenkorb), was ihn nicht stört. Er übersetzt Morgenstern zum dortigen Gelächter ins Englische: „Auf seinen Nasen schreitet einher das Nasobem = On his noses stackelth the Nasobem...“. In seinen Exiljahren schrieb er unter dem Namen „Christian Corty“ in der deutschen Londoner Emigranten-Zeitung kleine nachdenkliche Geschichten.

Nach seiner Rückkehr nach Hamburg ,1946, als britischer Offizier, gehörte er zu den „Controlern, der von den Engländern gegründeten Welt“. Es geht das Gerücht, dass Bergedorf von den Engländern nicht bombardiert wurde, weil Martins Frau Hete dort wohnte.

Jetzt arbeitet er als Jornalist für viele Blätter, Schriftsteller und Redakteur in seinem Hamburg.

1950 begleitet er den Bergedorfer (!) Curt A. Koerber, der mit seinen Erfindungen (Zigarettenfiltermaschinenpatent) sehr vermögend wird, in die Vereinigten Staaten von Amerika. Koerber spricht kein Englisch, aber Martin Beheim-Schwarzbach, den man bei einer Gartenfeier in St. Louis plötzlich begeistert in die Südstaatenfahne wickelt, weil man annimmt, er habe das Buch „Gone with the Wind“ geschrieben.

1964 erhält M.B.-S. vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg den „Alexander-Zinn-Preis“ und 1980 die „Biermann-Ratjen-Medaille“.

M. B.-S. hat in seinem Leben mit vielen bekannten Personen Freundschaft und Briefwechsel gepflegt. Ein Brief von Thomas Mann liegt der Vita bei.

Er hinterlässt ein uneinheitliches Werk: Mystisch-Gottessucherisches wechselt mit Ironisch-Satirischem. Künstlerischer Einzelgänger, der in keine Reihe passt; die Feuilletons taten sich mit ihm nicht leicht. Schriftsteller, Erzähler, Essayist, Lyriker, Biograph und Übersetzer.

Matthias und Kati Biermann-Ratjen Hamburg, im April 2004


Martin Beheim-Schwarzbach: Bücher

Romane:

Die Michaelskinder, 1930

Der Gläubiger, 1934

Der Verstoßene, 1938

Der Unheilige 2 Ex.
oder
Die diebischen Freuden, 1948 – 2 Ex.

Die Insel Matupi, 1955

Der Mitwisser, 1960 – 2 Ex.

Der Stern von Burgund, 1961


Erzählungen:

Die Runen Gottes, 1927

Lorenz Schaarmanns unzulängliche Buße, 1928

Die Herren der Erde, 1931
korrigiert in
Die Männer von Grohuus

Wesen und Aufgabe der Dichtung, 1934 – 2 Ex.
mit Joachim Maas

Die Todestrommel, 1934

Der kleine Moltke und die Rapierkunst, 1937

Der magische Kreis, 1940

1939/45 Eine Chronik, 1948

Von den Büchern, 1952
darin
Das verliehene Buch

Der geölte Blitz, 1953

Die Geschichten der Bibel, 1955

Die Sagen der Griechen, 1956

Das kleine Fabulatorium, 1959

Das Gnadengesuch, 1960 – 2 Ex.

Schirasades Nächte, 1960

Lächeln überm Schachbrett, 1967

Schatzinseln Zauberberge Geschichten vom Dichten, 1970

Die Fußspur, 1971

Deutsche Heldensagen, 1973 – 2 Ex.

Rittersagen, 1973

Jumen Tatsch, 1976

Das Mirakel, 1980 – 3 Ex.

Und doch hast du gelacht, 1981

Soso, spricht der liebe Gott, 1983
Die Goldmacher, 1984


Gedichte:

Gedichte, 1924

Die Krypta, 1935 – 2 Ex.

Führer sehen Dich an, 1941
mit Zeichnungen von Richard Ziegler, 1975

Heart of Glass, 1947
Deutsch und englisch

Der Liebestrank, 1975 – 2 Ex.

Das Rosenkreuz, Elegie,1936-1939
Selbstverlag

Essays:

Knauers Schachbuch, 1954 – 2 Ex.

Vom leibhaftigen Schmerz, 1946 – 2 Ex.
Vom leibhaftigen Schmerz, 1953


Biographien:

Novalis, 1939

Paulus, 1939

Knut Hamsun zum 90. Geburtstag, 1949

Die großen Hirten der Menschheit, 1958

Knut Hamsun, 1958

Christian Morgenstern, 1964

Bergedorfer Offensive

Kurt Adolf Körber


Übersetzungen:

Margaret Mitchell, Vom Winde verweht, 1938

B.F.Skinner, Futurum zwei, 1970

u.a.m.



Weiteres:

Narzissius und die Tulipan, 1963
Gedichte von Blumen und Bäumen,
gesammelt von Hanna Biermann-Ratjen und MBS

Der deutsche Krieg

Caissa (Das Spiel)

von MBS gesammelte und handgeschriebene Sprüche

unveröffentlichte Gedichte

Das Mesudenhaupt


 

Brief von Thomas Mann an Martin Beheim-Schwarzbach:



 


Thomas Mann 1550 San Remo Drive
Pacific Palisades, California
1. April 1948


Werter Herr Beheim-Schwarzbach,
Ihre Empfänglichkeit für den „Faustus“ freut mich herzlich. Ihr Aufsatz,
der erste von drei in Deutschland erschienenen, die mit vor Augen kamen,
ist warm und aufgeregt und schön, er legt manch gutes, lebendiges Wort
ein für „die innere“ Ausgabe, die bald fertig sein muß.

Das Buch hat´s in sich. Natürlich ist es durch manche Mattigkeiten hindurch-
Geführt (mittendrin wurde ich ernstlich krank), aber die ihm eingeborene
Erregung schlägt doch wohl immer wieder durch und zittert noch in der
schlichtesten Schweizer Besprechung nach. Mit bleibt es merkwürdig durch
seine mit dem Memoiren-Charakter verbundene Wirklichkeits-Montage und
eigentümliche Direktheit. Es ist ein Lebensbuch, und während ich daran
schrieb, empfand ich es eigentlich als rücksichtsloses Geheimwerk, ja, kann
noch heute bei dem Gedanken erschrecken, dass es zum oeffentlichen Gegen-
stand geworden.

Uebrigens macht man dergleichen nur einmal und zwar zuletzt. Was noch
kommt, kann nur noch Zeitvertreib und Nachspiel sein.

Dank und gute Wünsche!
Ihr
Thomas Mann



 

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