Werder schlägt Baden-Baden

27.02.2010 – Die Meisterschaft bleibt in diesem Jahr spannend. Im Spitzenspiel schlug Verfolger Werder Bremen den Titelverteidiger Baden-Baden mit 5:3. Michael Roiz und Alexander Areshchenko sorgten für die entscheidenden Partiegwinne für die Bremer. Beide Mannschaften traten nahezu in bestmöglicher Aufstellung an. Gastgeber Heidelberg bot mit der repräsentativen Stadthalle ein schönes Ambiente. Zahlreiche Schachfreunde nutzen die Chance, einmal einige der besten Schachspieler der Welt zu sehen. Die Meisterschaftsfrage ist nun wieder völlig offen, denn außer Bremen zog auch Solingen mit Baden-Baden nach Punkten gleich. Frank Jarchov und Georgios Souleidis von der Schachbundesliga haben das Schaulaufen der Stars in Bildern fest gehalten.Schachbundesliga... Bericht, Bilder, Partien...

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Der Bundesliga-Gipfel in Heidelberg
Von André Schulz
Fotos: Frank Jarchov und Georgios Souleidis

 

Tabelle:
 1. OSG Baden Baden  10 18  57½
 2. SG Solingen      10 18  50½
 3. Werder Bremen    10 18  48½
 4. SV Mülheim Nord  10 15  48½
 5. Hamburger SK     10 13  46½
 6. SV Wattenscheid  10 13  45
 7. SC Remagen       10 12  44
 8. SK Turm Emsdette 10 10  42
 9. SF Katernberg    10 10  37
10. SC Eppingen      10  9  41½
11. Schachfreunde Be 10  6  35½
12. SG Trier         10  6  34
13. FC Bayern Münche 10  4  31
14. SK Heidelberg Ha 10  4  29
15. SK König Tegel   10  2  25
16. Erfurter SK      10  2  24½

 




Heute kam es zum Spitzenkampf zwischen Titelverteidiger Baden-Baden und Verfolger Werder Bremen. Nach der Logik des Bundesliga-Spielplans, der die Heim-Wettkämpfe auf die jeweiligen Reisepartner verteilt,  fand dieser in Heidelberg statt. Aufsteiger Heidelberg-Handschuhsheim ist der Reisepartner des OSC Baden-Baden und war diesmal eben als Ausrichter an der Reihe. Die Heidelberger wird es gefreut haben. Über 200 Zuschauer fanden den Weg in die Stadthalle. Im Internet sahen weit mehr zwar nicht die Stars, aber immerhin die Partien.


Frühling an der Heidelberger Bastei (Fotos: Frank Jarchov)


Topambiente für den Bundesliga-Gipfel




Der erste Zuschauer ist da


So wird gespielt


Viswanathan Anand mit seinem Sekundanten Peter Heine Nielsen


Alexei Shirov, der in der Woche davor in Hamburg Lektionen für eine neue DVD aufgenommen hatte, glaubte sich zu erinnern, dass er schon einmal in der Stadthalle von Heidelberg gespielt hatte - damals gegen Kirchheim.

Außerdem dachte er laut darüber nach, ob nicht er internationaler Rekordhalter beim Gewinn von Mannschaftsmeisterschaften sei. In Deutschland hat er mit Lübeck und nun mit Baden-Baden mehrere Titel geholt und in Spanien hat er ebenfalls mehrfach mit seinem Team die Mannschaftsmeisterschaft gewonnen.

Werder Bremen hat sich in letzter Zeit mehr und mehr verstärkt und ist nominell eigentlich die einzige Mannschaft, die es den Namen nach mit dem Starensemble des Titelverteidigers einigermaßen aufnehmen kann. Zu den früher an der Spitze spielenden McShane, Efimenko und Areshchenko kamen inzwischen u.a. Roiz, Eljanov, Mamedyarov und Gashimov hinzu.


Efimenko


Areshchenko


Mamedyarov

Die Aseris sind beide in der Weltrangliste unter den Top Ten platziert. Allerdings haben die Spitzenmannschaften jeweils einen "Sonntagsanzug" und einen "Alltagsanzug", sprich: es gibt die Bestbesetzung, die wegen des finanziellen Aufwandes oder vielleicht auch wegen anderer Turniere seltener an den Brettern sitzt und es gibt die Stammbesetzung, der Mannschaftskern ohne die Topstars. Und im Alltagsanzug hat Werder im Verlauf der Saison schon zweimal einen Punkt abgegeben, u.a. sehr überraschend trotz ordentlicher Besetzung gegen Reisepartner Hamburg.


 


 


Bremen spielt in Grün










Trotzdem würde ein Sieg über Baden-Baden zumindest für einen Stichkampf um den Titel reichen - wenn sonst nichts mehr schief geht. Natürlich reisten die Bremer zum Spitzenkampf in der bestmöglichen Aufstellung an. Und der Titelverteidiger nahm seinen Verfolger sehr ernst und bot ebenfalls (fast) alles auf, was an Stars verfügbar war - und das ist eine Mannschaft mit einem Eloschnitt von über 2700, Weltmeister inklusive. Nur Magnus Carlsen fehlte.

An Brett Eins traf Weltmeister Anand (Baden-Baden) auf Werders Nr. 1 Vugar Gashimov, der vom Turnier in Linares herbeigeeilt war.


Anand

Der dritte 2700plus-Mann Aserbeidschans hat inzwischen sogar seine schon früher erfolgreichen Kollegen Radjabov und Mamedyarov überflügelt. Die Partie, in der Spanischen Tkachiev-Variante oder Modernen Archangelsk-Variante (6...Lc5) gespielt, endete im 40. Zug remis. Im 16. Zug wich Anand mit Schwarz von einer Vorgängerpartie Caruana-Lahno, Cap d'Agde 2008, ab und in der Folge wurden einige Figuren getauscht. Am Ende entstand ein Remis-Turmendspiel.

Schnell remis endeten die Partien von Fressinet-Movsesian und Bacrot-Efimenko, beide um den 20. Zug. Nicht viel länger dauerte die Partie Svidler-Mamedyarov in der Spanischen Breyervariante: Remis im 28. Zug.


Analyse von Movsesian und Fressinet




re: Wolfgang Grenke


Nach drei Stunden wurde also noch an folgenden vier Brettern um den Sieg gespielt: Eljanov-Shirov (Brett 3), Adams-Areshchenko (6), Roiz-Naiditsch (7) und Nielsen-Nybäck (8), somit je zweimal Schwarz und zweimal Weiß für jedes Team in den verbleibenden Partien.

In Eljanov-Shirov stand die Halbslawische Verteidigung auf dem Brett. Mit 6.Dc2 war der Ukrainer zwar den forcierten Abspielen der Meraner Variante ausgewichen, aber die Struktur ähnelte später dann natürlich doch den Partien dieses Variantenkomplexes. Shirov war am Damenflügel mit seinen Bauern vorgestoßen und behielt einen Freibauern auf b4. Eljanov besaß einen solchen auf d5, außerdem hatte er das Läuferpaar, Shirov dagegen Springer und Läufer. Zudem waren noch Dame und je ein Turm auf dem Brett. In Adams-Areshchenko hatte der Engländer etwas Raumvorteil und einen leichten strukturellen Vorteil in der Najdorfvariante. Roiz-Naiditsch spielte sich auf dem Terrain der Englischen Eröffnung ab. Schwarz hatte hier keine Probleme und in Nielsen-Nybäck besaß Weiß vielleicht ebenfalls das etwas bequemere Spiel, mehr aber auch nicht. Zu diesem Zeitpunkt sah es nicht so aus, als könne Werder dem Meister die Butter vom Brot nehmen.

Eljanov-Shirov endete dann nicht unerwartet mit einem Unentschieden. Ebenso die Partie der beiden Wikinger, sofern die Finnen sich auch als solche sehen, zwischen Nielsen und Nybäck.

Doch in Roiz gegen Naiditsch war etwas passiert. Hier hatte Weiß am Damenflügel einen Mehrbauern erhalten. Naiditsch versuchte dies durch Spiel gegen den weißen König zu kompensieren. Allerdings wurde dann im entstandenen Schwerfigurenendspiel ein weißer Freibauer auf der c-Linie immer ungemütlicher. Im 39. Zug, kurz vor der Zeitkontrolle, übersah der Deutsche dann offenbar eine Rettungsidee mit der Möglichkeit eines Turmopfers und folgendem ewigen Schach (39...Df4 mit der Idee 40.c7 Txh2! 41.Dxh2 Dxe4 und Dauerschach auf e4, h4 und e1), was ihn zumindest noch im Spiel gehalten hätte. Danach musste er aufgeben.





Nun hing der Ausgang des Kampfes an der Partie Adams gegen Areshchenko. Hier hatte der Ukrainer den weißen Druck abgeschüttelt und sich sogar einen weit vorgeschobenen Freibauern auf der d-Linie verschafft. Um den 40. Zug war das Brett noch recht voll, aber von weißem Vorteil keine Spur.



Und dann übersah Adams in komplizierter, aber ausgeglichener Situation eine Mattdrohung. Werder gewinnt. Die Meisterschaft ist wieder offen.

Der Spitzenkampf war ein Aufgebot von absoluten Topspielern und Spitzengroßmeistern und für die Zuschauer vor Ort und im Internet ein tolles Spektakel. Leider war mit Arkadij Naiditsch nur ein einziger deutscher Spieler mit dabei.

Morgen werden Jan Gustafsson und Niclas Huschenbeth in einer Sondersendung von TV ChessBase einige Partien des Bundesliga-Wochenendes zeigen und analysieren.

Im parallel gespielten Kampf zwischen Hamburg und dem Gastgeber blieben die Hanseaten siegreich. Kempinski und Ghaem Maghani holten die entscheidenden Punkte. Morgen müssen die Heidelberger und Hamburger gegen Bremen und Baden-Baden antreten und werden wohl als Kollateralschäden in der Luft zerrissen. Besonders die Baden-Badener werden sehr, sehr wütend sein...


Robert Kempinski (Fotos: Georgios Souleidis)


Ghaem Maghami (Hamburg)


David Baramidze


Dirk Sebastian


Niclas Huschenbeth


Gennadi Ginsburg (Heidelberg)

Alle Ergebnisse:
OSG Baden Baden  3 - 5 Werder Bremen   
 1 Anand,Viswana ½ : ½ Gashimov,Vuga  1
 3 Svidler,Peter ½ : ½ Mamedyarov,Sh  2
 4 Shirov,Alexei ½ : ½ Eljanov,Pavel  4
 5 Bacrot,Etienn ½ : ½ Efimenko,Zaha  5
 6 Movsesian,Ser ½ : ½ Fressinet,Lau  6
 7 Adams,Michael 0 : 1 Areshchenko,A  8
 8 Naiditsch,Ark 0 : 1 Roiz,Michael   9
10 Nielsen,Peter ½ : ½ Nyback,Tomi   10
SK Heidelberg Ha 3 - 5 Hamburger SK    
 1 Ikonnikov,Via 0 : 1 Kempinski,Rob  2
 2 Svetushkin,Dm 0 : 1 Ghaem Maghami  3
 3 Ginsburg,Genn ½ : ½ Baramidze,Dav  4
 4 Gurevic,Vladi ½ : ½ Rogozenco,Dor  6
 5 Chernov,Vadim ½ : ½ Heinemann,Thi 11
 7 Gerigk,Erasmu ½ : ½ Reeh,Oliver   13
 8 Schwalfenberg ½ : ½ Huschenbeth,N 14
10 Vatter,Hans-J ½ : ½ Sebastian,Dir 15
SV Mülheim Nord  4 - 4 FC Bayern Münche
 5 Landa,Konstan ½ : ½ Bromberger,St  2
 6 Fridman,Danie ½ : ½ Schenk,Andrea  3
10 Berelovich,Al ½ : ½ Marcelin,Cyri  4
11 Levin,Felix   ½ : ½ Belezky,Alexa  9
12 Hausrath,Dani ½ : ½ Meissner,Bern 10
13 Saltaev,Mihai 1 : 0 Meister,Peter 11
14 Schebler,Gerh ½ : ½ Reich,Thomas  12
17 Wittenberg,An 0 : 1 Jorczik,Julia 17
SF Katernberg    5 - 3 Erfurter SK     
 2 Chuchelov,Vla ½ : ½ Romanov,Evgen  1
 3 Firman,Nazar  0 : 1 Michiels,Bart  3
 4 Seel,Christia 0 : 1 Casper,Thomas  5
 5 Bischoff,Klau ½ : ½ Enders,Peter   7
 7 Glek,Igor V   1 : 0 Mueller,Matth  8
 8 Zaragatski,Il 1 : 0 Schoene,Maria 10
12 Siebrecht,Seb 1 : 0 Troyke,Christ 11
13 Scholz,Christ 1 : 0 Schuetze,Norm 12
SG Solingen      5 - 3 SV Wattenscheid 
 3 Nikolic,Predr ½ : ½ Najer,Evgeniy  2
 4 Buhmann,Raine ½ : ½ Macieja,Bartl  3
 5 Werle,Jan     0 : 1 Johannessen,L  7
 7 Jussupow,Artu 1 : 0 Appel,Ralf     8
 9 Ragger,Markus 1 : 0 Handke,Floria 10
10 Ernst,Sipke   0 : 1 Straeter,Timo 14
11 Naumann,Alexa 1 : 0 Thiel,Thomas  15
12 Hoffmann,Mich 1 : 0 Koerber,Matth 17
SC Remagen       5½-2½ SK Turm Emsdette
 5 Parligras,Mir ½ : ½ Giri,Anish     2
 6 Huebner,Rober 1 : 0 Janssen,Ruud   6
 8 Dgebuadze,Ale 0 : 1 Brandenburg,D  9
10 Swinkels,Robi 1 : 0 Breder,Dennis 10
11 Teske,Henrik  ½ : ½ Fiebig,Thomas 11
12 Popovic,Petar ½ : ½ Pruijssers,Ro 12
15 Schulz,Klaus- 1 : 0 Richter,Chris 14
16 Bok,Benjamin  1 : 0 Zumsande,Mart 15
SC Eppingen      6 - 2 SK König Tegel  
 3 Berkes,Ferenc 1 : 0 Rabiega,Rober  1
 5 Gyimesi,Zolta 1 : 0 Stern,Rene     2
 8 Braun,Arik    ½ : ½ Muse,Mladen    3
 9 Bindrich,Falk 1 : 0 Von Herman,Ul  4
10 Medvegy,Zolta ½ : ½ Fruebing,Stef  6
12 Muzychuk,Anna ½ : ½ Sarbok,Torste  9
13 Paehtz,Elisab 1 : 0 Breier,Andrea 10
15 Vogt,Lothar   ½ : ½ Kachibadze,Ge 17
SG Trier 5 - 3 Schachfreunde Be
1 Lupulescu,Con  ½ : ½ Lauber,Arnd 4
3 Cyborowski,Lu  ½ : ½ Polzin,Rainer 5
4 Haslinger,Ste  0 : 1 Schneider,Ilj 7
5 Gordon,Stephe  1 : 0 Agopov,Mikail 9
6 Jaracz,Pawel   ½ : ½ Thiede,Lars 11
8 Flumbort,Andr  1 : 0 Degtiarev,Evg 13
11 Seger,Ruedige ½ : ½ Wintzer,Joach 15
13 Cioara,Andrei 1 : 0 Abel,Dennes 17


Weitere Bilder von Georgios Souleidis:



Reichlich Zuschauer


Alexander Areshchenko


Zahar Efimenko


Anand und Gashimov




Arkadij Naiditsch


Etienne Bacrot


Michael Adams


Michael Roiz, einer der Matchwinner


Pavel Eljanov


Peter Svidler


Sergei Movsesian


Tomi Nybäck

 

 

 

 


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