Wesley So gewinnt 31. Turnier der Stadt Leon

von André Schulz
09.07.2018 – Das Schachturnier der Stadt Leon, spanisch "Magistral Ciudad de León", wurde am vergangenen Wochenende bereits zum 31. Mal ausgetragen. In den letzten Jahren wurde mit vier Spielern im K.o.-Mosu gespielt. Wesley So gewann, hatte es aber im Halbfinale gegen Praggnanandhaa alles andere als leicht. | Fotos: Turnierseite Leon

Schach Nachrichten


Opening package: 1.b3 and Black Secrets in the Modern Italian Opening package: 1.b3 and Black Secrets in the Modern Italian

Wesley So hat bei ChessBase 2 Eröffnungs-DVD veröffentlicht: 1.b3, der so genannte Nimzowitsch-Larsen-Angriff, aus weißer Sicht und seine Geheimnisse im modernen Italienisch (mit c3 und d3) aus schwarzer Sicht.

Mehr...

Das Schachturnier der Stadt Leon wird seit vielen Jahren als Turnier mit vier Spielern im K.o.-Format ausgetragen. In diesem Jahr zählten die Spanier die 31ste Auflage. 

Das Feld wird von den Organisatoren abwechlsungsreich zusammen gesetzt, mit einem oder zwei spanischen Teilnehmern oder Spielern mit Bezug zu Spanien, einem oder mehr Weltklassespielern und oft auch mit einem Spieler, der für Aufsehen gesorgt hat. Ein solcher Spieler ist der Inder Praagnanandhaa R, der kürzlich als zweitjüngster Spieler der Schachgeschichte den Großmeistertitel erworben hat. Der jüngste Spieler der Geschichte war bekanntlich Sergey Karjakin. Als Vertreter der absoluten Weltelite nahm Wesley So teil. Francisco Vallejo Pons und Jaime Santos Latasa sorgten für Lokalkolorit. Der Mallorciner Vallejo Poans ist seit vielen Jahren eine feste Größe im spanischen Schach. Der 22-jährige Jaime Santos gehört zu den Nachwuchshoffnungen auf der iberischen Halbinsel.

Francisco Vallejo Pons, Wesley So, Praggnanandhaa und Jaime Santos

Gespielt werden in jedem Match vier Partien mit Schnellschachbedenkzeit: 20 Minuten plus 10 Sekunden/Zug. Bei Gleichstand folgen zwei Blitzpartien mit 5 Minuten plus drei Sekunden/Zug Zeitzugabe.

Am Freitag wurde das erste Halbfinale gespielt, in dem Wesley So auf Praggnanandhaa traf. Samstag folgte das Halbfinale mit den beiden Spaniern und der Sonntag war der Finaltag, an jedem Tag also ein Wettkampf.

Zum Auftakttag wurde Wesley So, kürzlich Gewinner des Turniers von Leuven und derzeit zweitbester Schnellschachspieler der Welt hinter Magnus Carlsen kalt erwischt. Er verlor die erste Partie gegen das indische Supertalent.

Praagnanandhaa-So

Nach der Eröffnung stand So allerdings auf Gewinn:

 

Hier gewinnt 19.g5 Lxg5 20. dxe5 mit den Drohungen 21.Dh5 und 21. Lxf8. So spielte 19.g5, ließ aber nach 19.Lxg5 gleich 20.Dh5 folgen. Nach 20...e4 hatte er jedoch nichts. Im Versuch weiter auf Vorteil zu spielen, geriet er in ein schlechtes Endspiel, das der junge Inder sich nicht mehr aus der Hand nehmen ließ.

Wesely So glich dann aber in der zweiten Partie aus. Die dritte Partie endete remis. Die vierte Partie ging erneut an den US-Großmeister. 

Aus dem Duell der beiden Lokalmatadoren am Samstag ging Vallejo Pons nach dramatischen Verlauf glücklich als Sieger hervor. Jaime Santos zeigte in der ersten Partie sein großes Talent, ging in Führung und hielt diese mit zwei Unentschieden in den beiden nächsten Partien fest. 

Santos vs Vallejo

In der vierten Partie wurde der jüngere der beiden Spanier dann (vielleicht) von einer Fata Morgana getäuscht. In der Diagrammstellung steht er mit Schwarz auf Verlust.

 

Hier gewinnt 68.Ke6 gefolgt von 69.Th8. Angeblich soll Weiß hier gemäß der Übertragung sofort 68.Th8 gespielt haben und Schwarz hätte danach - nun in Gewinnstellung - aufgegeben. Nichts ist unmöglich, aber welche Idee soll Weiß mit dem Zug 68.Th8 verfolgt haben? 68...Kxh8 69. Kxg6 vielleicht, aber 69...Txe5 sieht ein Großmeister auch bei knappester Bedenkzeit. Möglicherweise handelt es sich also um einen Übertragungsfehler. 

Vallejo erreicht jedenfalls den Stichkampf, gewann diesen und rückte ins Finale vor. Dort unterlag Favorit Wesley So erneut in der ersten Partie, konnte aber mit einem Sieg in Partie zwei ausgleichen. Die dritte und vierte Partie endeten beide Remis. Schließlich entschied Wesley So den Wettkampf im Stichkampf mit 2:0 für sich.

Der erste Zug am Finaltag

Tabelle

Alle Partien

 

 

Turnierseite...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren

FramiS FramiS 10.07.2018 12:38
"Hier gewinnt 68.Ke6 gefolgt von 69.Th8. Angeblich soll Weiß hier gemäß der Übertragung sofort 68.Th8 gespielt haben und Schwarz hätte danach - nun in Gewinnstellung - aufgegeben. Nichts ist unmöglich, aber welche Idee soll Weiß mit dem Zug 68.Th8 verfolgt haben? 68...Kxh8 69. Kxg6 vielleicht, aber 69...Txe5 sieht ein Großmeister auch bei knappester Bedenkzeit. Möglicherweise handelt es sich also um einen Übertragungsfehler. "

Doch, die gezeigten Züge sind korrekt. Man sieht in der Liveübertragung, dass Jaime Santos unmittelbar nach Th8 aufgibt. Es handelte sich um beiderseitige Schachblindheit: Beide hatten in Zeitnot in ihren Berechnungen übersehen, dass der Turm den Läufer schlägt und somit die Umwandlung verhindert.

Dies beweist wieder einmal, dass auch Großmeister insbesondere mit knapper Zeit vor groben Patzern nicht gefeit sind und dass es manchmal besser ist, nicht einfach aufgrund einer im Kopf berechneten Variante aufzugeben, sondern diese am Brett auszuspielen, so dass man mit der Stellung auf dem Brett eine mögliche Rettung noch sieht.
1