Wie aus einem schüchternen Jungen der Schachweltmeister wurde

von André Schulz
16.09.2016 – Ab 11. November wird Magnus Carlsen in New York zum zweiten Mal seinen Titel als Weltmeister verteidigen, diesmal gegen Sergey Karjakin. Einen Tag vor dem Beginn des Matches kommt ein Dokumentarfilm über den Aufstieg des Norwegers in die Kinos: "Magnus, Mozart des Schachs". In faszinierenden Bildern, davon viele aus dem Privatarchiv der Familie Carlsen, kann der Zuschauer nachverfolgen, wie ein schüchterner Junge allmählich zum Schachweltmeister reifte. Mehr, mit deutschsprachigem Trailer...

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Pünktlich zum Beginn des WM-Kampfes zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und seinem Herausforderer Sergey Karjakin, der ab 11. November in New York ausgetragen wird, kommt ein Dokumentarfilm über den Werdegang des norwegischen Schachweltmeister ins Kino. Autor ist der 24-jährige Journalist Benjamin Ree. Dieser hat in Verbindung mit seiner Arbeit für die norwegische Multimedia-Firma VG (Verdens Gang) Carlsen über mehrere Jahre auf Turnieren und im Besonderen bei seinen Wettkämpfen um die Weltmeisterschaft begleitet und dabei viele Impressionen einsammeln können, die er hier verarbeitet hat.

Der Film beginnt mit Carlsens Kinder - und Jugendjahren. Aus dieser Zeit hat die Familie eine Vielzahl von privaten Filmaufnahmen zur Verfügung gestellt. Hendrik Carlsen, Magnus' Vater, fungiert im ersten Drittel des Films, als Off-Erzähler und berichtet, wie sein Sohn schon in jungen Jahren spezielle Begabungen zeigte, sich für Zahlen interessierte und bereits als Vierjähriger in der Lage war, sich über mehrere Stunden auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren. Die Beschäftigung mit dem Schach kam dann fast automatisch. Die Erfolge bei seinen ersten Schachturnieren - auch davon gibt es viele Bilder - vermittelten dem Jungen einiges Selbstvertrauen.

Nach den ersten Turniererfolgen in Norwegen reist Magnus Carlsen durch die Welt und beginnt unzählige Open spielen. Seine Familie und sein Trainer Simen Agdestein begleiten und unterstützen ihn.

Nach etwa 20 Minuten, in denen man viel aus dem Leben der Familie Carlsen erfährt und viele private Aufnahmen zu sehen bekommt, wechselt der Film in die Gegenwart und lässt den erwachsenen Magnus Carlsen zu Wort kommen. Zwischendurch sind immer wieder Rückblenden eingebaut und so erhält der Film, eigentlich ja ein Dokumentarfilm, durchaus eine gewissen Spannung und steuert langsam, aber kontinuierlich auf den Höhepunkt zu. Dieser ist natürlich der Gewinn der Weltmeisterschaft im Wettkampf gegen Viswanthan Anand beim WM-Match 2013 in Madras, der Heimatstadt Anands. Regisseur Benjamin Ree war unmittelbar dabei und zeigt viele Bilder von den Ereignissen im Hintergrund des Wettkampfes, die man sonst nirgendwo zu sehen bekommt.

Auch Anand, damals der Titelverteidiger, wird vorgestellt. Das norwegische Team hatte seinerzeit zu diesem Zweck auch ChessBase in Hamburg besucht und mit Matthias Wüllenweber und Frederic Friedel gesprochen. Zu ChessBase pflegt Anand eine langjährige freundschaftliche Beziehung, nutzt die ChessBase-Datenbank und die Computerprogramme der Firma seit seinem 18ten Lebensjahr und ist vielleicht der führende Experte unter den Spitzenspielern bei der computerunterstützen Eröffnungsvorbereitung. Im Gegensatz dazu erzählt Carlsens Sekundant Jon Ludvig Hammer, wie Carlsen bei seiner Partievorbereitung stets versucht, vorbereiteten und auswendig gelernten Varianten aus dem Weg zu gehen.

"Magnus, Mozart des Schachs", so lautet der deutsche Titel des Films, zeigt auf faszinierende Weise den Aufstieg und die Entwicklung eines normalen, etwas schüchternden Jungen, der besondere Begabungen hat, aber keinesfalls als Genie auf die Welt gekommen ist. In der intensiven Beschäftigung mit dem Schach entwickelt er sich aber langsam und stetig zu dem, was er heute ist: Der beste Schachspieler der Welt.

Der Film endet mit dem Blick auf norwegische Kinder beim Kinderschachturnier, für die Magnus Carlsen heute das große Vorbild ist. Zum Schluss kommt noch Magnus Carlsens "Nebenjob" zur Sprache, seine Arbeit als Model für G-Star. Seine Schwester kommentiert das so: "Ausgerechnet Magnus wird Model. Wenn einer von uns etwas mit Mode zu tun hat, dann ist das bestimmt nicht Magnus."

Der deutsche Trailer zum Film. Filmstart ist der 10. November.

Pressetext:

Im Alter von 13 Jahren trifft ein schüchterner Junge aus Norwegen eine Entscheidung: Eines Tages wird er der beste Schachspieler der Welt sein! Der Dokumentarfilm MAGNUS zeigt den rasanten und einzigartigen Aufstieg des heute 25-jährigen Magnus Carlsen, bekannt als der „Mozart des Schachs“. Dabei gewähren dem Zuschauer erstmals veröffentlichte Archivbilder und private Aufnahmen Einblicke in die Gedankenwelt eines modernen Genies. Angefangen bei seiner Kindheit begleiten wir Magnus Carlsen auf seinem ungewöhnlichen Weg an die Spitze der Schachwelt, einem Weg, geprägt von persönlichen Opfern, außerordentlichen Freundschaften und einer fürsorglichen Familie. Regisseur Benjamin Ree erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte, die inspiriert und nicht nur Schach-Fans in ihren Bann zieht.

Bereits als kleiner Junge unterscheidet sich Magnus Carlsen stark von seinen gleichaltrigen Klassenkameraden – gedankenverloren verbringt er viel Zeit alleine. Seine Eltern Henrik und Sigrun sorgen sich, bemerken allerdings schnell sein selektives Gedächtnis und starkes Interesse an Zahlen. Als sein Vater dem Fünfjährigen alle Regeln des Schachs beibringt, zeigt Magnus schnell sein außergewöhnliches Talent. Mit bereits 13 Jahren erlangt Magnus den Großmeistertitel, den „schwarzen Gürtel“ des Denksports. Magnus’ Vater, selbst leidenschaftlicher Schachspieler, weigert sich, seinem Sohn starre Lernmethoden aufzuzwingen und lässt ihm weiterhin seine spielerische Art. Magnus’ Neugier und Faszination für Schach wird somit ausgebaut und seine fabelhafte Intuition gestärkt.

Magnus’ erstaunlicher Aufstieg im Schach hat jedoch seinen Preis: In der Schule wird er gemobbt und isoliert. Auf seinem ungewöhnlichen Weg zum Erfolg gibt ihm aber vor allem seine Familie immer wieder Halt. Der erste Höhepunkt seiner Karriere ist das Turnier gegen die russische Schachlegende und ehemaligen Weltmeister Garry Kasparov – Magnus ist zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre. Nur mit Mühe kann sich der Champion halten und Magnus schafft es, Kasparov innerhalb der ersten Partien zu einem Remis zu zwingen. Das Bild des kleinen Jungen, der dem weltbesten Spieler bei einem Turnier auf Augenhöhe begegnet, geht um die Welt. Für Magnus steht nach diesem schicksalhaften Spiel fest: Er wird die Schachkrone erreichen!

10 Jahre später nimmt Magnus am Qualifikationsturnier um den Titelkampf für die Weltmeisterschaft teil. Nachdem er ein entscheidendes Spiel im fortgeschrittenen Turnier verliert, stellt Magnus fest, dass er sich nicht auf seine Intuition verlassen kann. Unter großem Druck, seine und die Erwartungen der Welt zu erfüllen, isoliert er sich im Kampf gegen seine inneren Dämonen. Mit ein bisschen Glück gewinnt er dennoch knapp den Wettkampf und qualifiziert sich für die Schachweltmeisterschaft – die Chance, endlich seinen Kindheitstraum zu verwirklichen. Einige Monate später macht sich Magnus bereit für den Titelkampf. Sein Gegner, der fünffache Weltmeister Viswanathan Anand aus Indien, verwendet die besten Programme der Welt, um sich auf Wettkämpfe vorzubereiten. Magnus hingegen versucht, Computer so weit es geht zu vermeiden und eigenständig zu denken. Mehrere zehn Millionen Menschen verfolgen das Weltmeisterschaftsspiel, welches in Chennai, Anands Heimatort, stattfindet. In den ersten Runden der insgesamt 12 Spielpartien behält der Champion die volle Kontrolle, während Magnus Probleme hat, dem hohen Druck standzuhalten. Anand ist 20 Jahre älter und Weltmeisterschaftsveteran.

Nach dem vierten Spiel trifft Magnus an einem freien Tag seine Familie. Sie spielen Karten und singen zu altbekannten norwegischen Liedern. Am nächsten Tag und mit neuer Energie zeigt Magnus alles, was in ihm steckt: Er spielt kreatives Schach, wie man es zuvor noch nicht gesehen hat und gewinnt dadurch als Zweitjüngster in der Geschichte des Schachs die Weltmeisterschaft. MAGNUS ist die Geschichte eines Jungen, der die Welt erobert – ein einzigartiger Einblick in die Gedanken eines Genies auf seinem Weg zu Größe.

 

 

Magnus, Mozart des Schachs

Regie: Benjamin Ree
Protagonisten: Magnus Carlsen, Garry Kasparov, Viswanathan Anand
Drehbuchautoren: Linn-Jeanethe Kyed, Benjamin Ree
Produzent: Sigurd Mikal Karoliussen
Produktionsleitung: Øyvind Asbjørnsen, Aage Aaberge
Produktionsfirma: Moskus Film
(Ko-)Produzenten: VGTV, Main Island Production, Nordisk Film
Kamera: Magnus Flåto, Benjamin Ree, Øyvind Asbjørnsen
Schnitt: Perry Eriksen, Martin Stoltz
Komponist: Uno Helmersson
Tongestaltung: Fredric Vogel

Filmstart: 10. November

 

 

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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makovik makovik 16.09.2016 11:55
Früher schüchternd, jetzt mit einschüchterner ELO.
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