Wie bringt man einen Super-Großmeister zu Fall?

von André Schulz
17.09.2026 – Die ersten Runden einer Schacholympiade sind meist sehr eindeutig. Die Top-Teams treffen auf schwächere Mannschaften und in der Regel gewinnen die Favoriten klar. Aber nicht immer. Der Held der Runde eins war IM Prin Laohawirapap, der im Match Indien gegen Thailand den Superstar Arjun Erigaisi beiegen konnte. | Fotos: Rafal Oleksiewicz / FIDE

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Prin Laohawirapap war außerhalb seines Heimatlandes Thailand wohl nur den wenigsten Schachfreunden bekannt - bis gestern. Da gelang dem am ersten Brett seine Mannschaft spielenden Internationalen Meister die Riesenüberraschung. Im Auftaktmatch der Schacholympiade in Samarkand gelang dem einzigen IM Thailands ein Sieg gegen den hochfavorisierten Weltklasse-Großmeister Arjun Erigaisi. 

Der 20-jährige Prin Laohawirapap wurde in der Vergangenheit unter anderem vom armenischen Großmeister Avetik Grigoryan trainiert. 2022 belegte Prin Laohawirapap bei der U18-Meisterschaft von Ostasien den geteilten zweiten Platz, was ihm den Titel eines FIDE-Meisters einbrachte. 2023 konnte er die U18-Ostasienmeisterschaft sogar gewinnen und wurde als erste Thailänder überhaupt zum Internationalen Meister befördert. 

Prin Laohawirapap durfte am World Cup 2023 in Baku teilnehmen, schied dort aber nach 0,5:1,5 gegen Rasmus Svane aus. 

Die Schacholympiade in Samarkand ist für Prin Laohawirapap schon die dritte Teilnahme an einer Schacholympiade. 2022 spielte er in Chennai für Thailand an Brett zwei (3,5 aus 10) und 2024 in Budapest erstmals am Spitzenbrett (7,5 aus 11). Seine bisher höchste Elozahl erreichte Prin Laohawirapap im September 2025 mit 2423.

Die Elozahlen sind allerdings in Schachentwicklungsländern wie Thailand nur von begrenzter Aussagekraft. Es gibt dort nicht viele Turniere und nur wenige der Spieler haben die Möglichkeit, an Turnieren außerhalb des Landes oder sogar auf einem anderen Kontinent teilzunehmen. Die Spieler sind also meist unter sich und können sich in ihren Elozahlen kaum verbessern, obwohl ihre Spielstärke ständig zunimmt. 

Seit der Popularisierung des Schachs besonders in Indien kennt man diesen Effekt. Seit einigen Jahren gibt es eine gewisse Elodeflation, die sich sogar bis in die Weltspitze fortgesetzt hat.

In seiner Partie gegen Erigaisi befand Prin Laohawirapap die meiste Zeit auf Augenhöhe mit seinem starken Gegner. Erigaisi gewann im Laufe des Mittelspiels die Oberhand. An einigen Stellen hätte er energischer fortsetzen können. Doch das hätte wegen der taktischen Komplikationen auch ein höheres Risiko bedeutet. 

Prin Laohawirapap nutze danach seine Verteidigungsressourcen und als Erigaisi seinen ersten groben Fehler macht, packte der Thailänder zu.

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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