Wijk aan Zee: Caruana schlägt Anand, erster Sieg für Carlsen

von André Schulz
20.01.2020 – Nach sieben Remis feierte Magnus Carlsen in der 8. Runde des Tata Steel Turniers seinen ersten Sieg. Spitzenreiter ist Fabiano Caruana nach einem glücklichen Gewinn über Viswanathan Anand. Im Challengers kam Vincent Keymer zu seinem zweiten Sieg. | Fotos: Tata Steel Chess (Alina l'Ami)

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Magnus Carlsen: Knoten geplatzt?

In der zweiten Halbzeit hat das Tata Steel Turnier in Wijk aan Zee nun doch an Fahrt gewonnen. In der gestrigen Runde fanden im Masters gleich vier Partien einen Sieger. Auch bei Magnus Carlsen ist der Knoten nach einer langen Remisserie nun endlich geplatzt. Nachdem der Norweger das Turnierjahr 2019 auf imposante Weise dominiert hat, knackt es zum Auftakt des neuen Jahres etwas im weltmeisterlichen Getriebe. Einige der bisherigen Partien in Wijk sind Carlsen gründlich misslungen und nur dank seiner einzigartigen Klasse, auch in der Defensive, konnte er eine Niederlage vermeiden.

Woran liegt es? Lähmte ihn die Rekordjagd mit der längsten Serie eines Spitzenspielers ohne Niederlage? Den Rekord hat er ja nun gebrochen. Oder wirft hier etwa schon der kommende Weltmeisterschaftskampf im Herbst 2020 seine Schatten voraus? Das Weltmeisterschaftsjahr 2018 gehörte ja auch nicht zu Magnus Carlsens besten Turnierjahren. Im WM-Kampf geht es schließlich um die Krone und dann "kommt es darauf an". In den Turnieren vorher möchte man nicht alles zeigen und spielt vielleicht gehemmt. Eigentlich ist der WM-Kampf aber dafür noch zu weit weg. 

Und man darf aber nicht vergessen: Magnus Carlsen hat ja auch noch mit der "Fantasy Premier League" eine weiteren wichtigen Wettbewerb, um den er sich kümmern muss.

Carlsen-Vitiugov

In der 8. Runde traf Magnus Carlsen mit den weißen Steinen auf Nikita Vitiugov. Die Partie wurde auf dem Gelände einer Spanischen Partie mit d3 ausgetragen, nennen wir sie "Giuoco Piano Spagnolo". Dort lieferten sich weiße und schwarze Springer dann ein intensives Gefecht um die Felder f5 und f4. 

 

Georgios Souleidis hat die Partie im Video kommentiert.

Zu seinem ersten Sieg kam auch Vladislav Kovalev. Der weißrussische Spitzenspieler hat zuvor allerdings schon einige Niederlagen kassiert. Mit den schwarzen Steinen spielend konfrontierte er Jeffrey Xiong mit einer sehr eigenwilligen Interpretation einer Art Königsindischen Verteidigung.

 

Ein Blick in die Mega-Datenbank zeigt, dass Michael Stean als Erster einen solchen Aufbau gespielt hat, bei der U18-Weltmeisterschaft 1972 gegen Heinz Wirthensohn. Die Partie hat er gewonnen, fand aber trotzdem nicht viele Nachahmer. Kovalev setzt aber in punkto Originalität noch einen drauf und zog hier den Läufer, den er kurz zuvor auf g7 postiert hatte, nach h6. 

Im fortgeschrittenen Mittelspiel erreichte Xiong eine überlegene Stellung...

 

... hatte bald danach aber die falsche Idee.

 

Der US-Großmeister gab hier mit 28.Sxa7 seinen Springer und verschaffte sich zwei verbundene Freibauern am Damenflügel. Diese ließen sich dann aber zu Xiongs Überraschung nicht in Bewegung setzten und am Schluss fehlte der geopferte Springer.

Zu einem Schwarzsieg kam auch Jan-Krzyszof Duda gegen Yu Yangyi - mit der Drachenvariante. Wann hat die einst gefürchtete Drachenvariante auf Topniveau zuletzt gepunktet? Streng genommen war es eine Variante, die meist aus dem beschleunigten Drachen ensteht und Weiß hatte kurz rochiert, was die schwarzen Probleme deutlich minimiert. In der Eröffnung hatte Schwarz keine Probleme, übersprang mit frühem Damentausch das Mittelspiel und erreichte ein besseres Doppelturmendspiel.

 

Hier spielte Weiß 37.Ke4? und erlaubte 37... f5, was die schwarze Stellung weiter verbesserte.

Einen Big Point landete Fabiano Caruana gegen Viswanthan Anand. In der Ragozin-Variante des Abgelehnten Damengambits hatte Caruana seinen Läufer nach f4 statt wie üblich nach g5 gezogen. In der Folge entstand eine sehr spannende und gehaltvolle Partie. Erst opferte Schwarz einen Bauern, dann gab Weiß eine Qualität und sucht Kompensation durch einen Angriff am Königsflügel. 

 

Hier ging es weiter mit 11.a3 a4 12.Dxd5 Lxc3+ 13.bxc3 Sa5 14.De5 Dc6 15.c4 Sb3 16.Dxf5 Sxa1 17.Ld3 g6 18.Df4 Sb3 19.0-0 Dd6 20.Dh6 Df6 21.c5 Die Chancen sind gleich.

Caruana beschäftigte Anand mit vielen geistreichen Ideen, doch der Inder meisterte alle Fallstricke und stand dann schließlich auf Gewinn.

 

Nach 44.Kf2 

Hier schlugen die beobachtenden Schachmaschinen 44... Sb3 vor, um 45.d5 zu erzwingen. danach gewinnt der Vormarsch des b-Bauern bis b4. Wenn Weiß diesen schlägt, läuft der a-Bauer.

Anand spielte aber das natürliche 44...Kf6, wonach Caruana einen Weg fand, den Ball im Spiel zu halten:  45.Ld7 Se4+ 46.Sxe4+ fxe4 47.Le8 Ke7 48.Ke3 Tb8 49.Lxa4 b5 50.Lb3 Ta8 51.Kxe4 Txa3 52.Le6

 

Nun folgte des Dramas letzter Akt: 

52... Ta1? (besser 52...b4 oder 52...Ta6 =) 53.d5 Td1 54.Ke5 Tf1? (besser 54... Te1) 55.d6+ Kf8 56.Kd5 Tf6 57.d7 Ke7 58.Kc6 Tf2 59.Kxb5 Tb2+ 60.Kc6 Tb8 61.Kc7 1-0

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Ergebnisse

 

Partien

 

Tabelle

 

 

Das Challengers

Im Challengers kontrolliert Pavel Eljanov das Feld von oben und spielte gestern mit Schwarz gegen den jungen Usbeken Nodirbek Abdussatorov remis. David Anton brachte sich mit einem Sieg über Nihal Sarin auf den zweiten Platz, den er sich mit dem früheren Anand-Sekundanten Surya Ganguly teilt. 

Die besondere Aufmerksamkeit der deutschen Schachfreunde gilt natürlich Vincent Keymer, der gestern seinen zweiten Sieg feierte, gegen Jan Smeets. Der Niederländer war in einer recht forcierten Nebenvariante der Sizilianischen Verteidigung mit Weiß spielend einer Stellungswiederholung ausgewichen und später in einem etwas schlechteren Endspiel gelandet. 

Jan Smeets

 

Hier setzte Keymer mit 34...Te2 fort und hielt baute in der Folge seinen Vorteil mit Hilfe der beweglichen Zentrumsbauern aus.

Mit dem Sieg hievte sich der junge Deutsche ins Mittelfeld und hat mit 50% genauso viel Punkte wie beispielsweise Nihal Sarin.

Ergebnisse

 

Partien

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.