Wijk, Runde 8: Giri und Carlsen schließen zu Mamedyarov auf

von Klaus Besenthal
21.01.2018 – Beim Tata-Steel-Turnier ist heute einige Bewegung ins Klassement gekommen. Shakhriyar Mamedyarov, der bis dahin souverän geführt hatte, spielte gegen Anish Giri nicht gut - die gezielte Belagerung der diversen Bauernschwächen in der Stellung seines Gegners bescherte Giri einen leicht aussehenden Sieg. Ganz anders Magnus Carlsen (Foto von Alina l'Ami): Der Weltmeister gab gegen Gawain Jones in der Eröffnungsphase eine Figur, für die er objektiv betrachtet keine Kompensation hatte. Doch dies war eine praktische Partie, in der Jones von Anfang an keinen Weg fand, wie er seinen Vorteil hätte realisieren können. Carlsen nutzte die in der Stellung steckenden Möglichkeiten virtuos und gewann am Ende sogar noch. An der Tabellenspitze liegen Mamedyarov, Giri und Carlsen nun mit je 5,5/8 gleichauf. Im Challengers-Turnier erreichte Matthias Blübaum ein Remis gegen Erwin l'Ami.

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Fotos: Alina l'Ami

Masters

Es war keine durchgängig gute Partie, die Magnus Carlsen gegen Gawain Jones spielte - eine denkwürdige Partie war es allemal. Betrachtet man das, was der Weltmeister heute abgeliefert hat, im Zusammenhang, dann fällt einem vielleicht am ehesten etwas so Schlichtes wie "überlegene Spielstärke" ein:

 

Diesen Sieg heute gegen Gawain Jones wollte Magnus Carlsen wohl unbedingt.

Hervorragend gestanden und doch verloren - für Gawain Jones war es ein Tag zum Vergessen.

Anish Giri war bereits zu Beginn des Turniers Tabellenführer gewesen, und heute wurde er es wieder. Der Sieg des Niederländers gegen Shakhriyar Mamedyarov zeugte von Giris hervorragendem Positionsgefühl. Gekonnt nutzte er die statischen Bauernschwächen im Lager seines Gegners aus:

 

In sämtlichen Lebenslagen voll konzentriert: Anish Giri

Gerne hätte Vladimir Kramnik aus dem neuen Führungstrio ein Quartett gemacht. Um dieses Ziel zu erreichen, bot er in seiner Partie gegen Wesley So sogar ein Figurenopfer an, doch Kramniks Springer stand sechs Züge lang ein - ohne, dass So zugegriffen hätte. Der Amerikaner blieb lieber auf der sicheren Seite und wickelte die angespannte Lage zu einer Remisstellung ab. Somit blieben Kramnik und So am Ende einen halben Punkt hinter den drei Führenden. 

Dahinter tat sich nicht mehr viel - drei weitere Partien endeten mit einem Remis. So blieb es schließlich Fabiano Caruana vorbehalten, das "Kellerduell" gegen Hou Yifan zu gewinnen und sich mit nunmehr 3,0/8 ans untere Mittelfeld heranzuarbeiten.

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Livekommentar von Klaus Bischoff

Ergebnisse der 8. Runde

Runde 8
Hou, Yifan - Caruana, Fabiano  0-1
Adhiban, B. - Karjakin, Sergey  ½-½
Wei, Yi - Matlakov, Maxim  ½-½
Giri, Anish - Mamedyarov, Shakhriyar  1-0
Kramnik, Vladimir - So, Wesley  ½-½
Svidler, Peter - Anand, Viswanathan  ½-½
Carlsen, Magnus - Jones, Gawain C B  1-0

Partien der Runden 1-8

 

Stand nach 8 Runden

 

Challengers

Im Challengers-Turnier kassierte der bislang souverän führende Ukrainer Anton Korobov seine erste Niederlage gegen den Ägypter Bassem Amin. Für Santosh Gujrathi Vidit war das die Gelegenheit, den Rückstand auf Korobov wettzumachen. Dies gelang dem Inder mit einem Sieg gegen Dmitry Gordievsky aus Russland. Korobov und Vidit führen nun gemeinsam mit je 6,0/8 die Tabelle an. Dahinter folgt ein breites Feld von sieben Spielern mit je 4,0/8. Zu ihnen gehört auch der deutsche Starter Matthias Blübaum.

Ergebnisse der 8. Runde

Runde 8
Bok, Benjamin - Van Foreest, Lucas  1-0
Gordievsky, Dmitry - Vidit, Santosh Gujrathi  0-1
Bluebaum, Matthias - L'Ami, Erwin  ½-½
Xiong, Jeffery - Harika, Dronavalli  ½-½
Korobov, Anton - Amin, Bassem  0-1
Girya, Olga - Krasenkow, Michal  0-1
Van Foreest, Jorden - Tari, Aryan  1-0

Partien der Runden 1-8

 

Stand nach 8 Runden

 

Turnierseite




Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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Krennwurzn Krennwurzn 22.01.2018 11:43
Die Schwester von Carlsen twittert während der Partie von einem Einsteller (Körpersprache Magnus), Magnus erklärte im Interview nach der Partie (warum hat sich das der Artikelschreiber nicht angeschaut) sichtlich noch zornig auf sich selbst, dass er eine Figur eingestellt hat. Natürlich sprach er dann dass er zwar zuwenig aber eine noch spielbare Kompensation hatte und nun der Druck nur mehr auf Schwarz lag und Magnus in verlorener Stellung "locker" auf Schwindelchance spielen konnte.
Clemens_Allwermann Clemens_Allwermann 22.01.2018 07:52
schwach recherchiert. Carlsen meinte ja unmittelbar nach der Partie, dass es sich offensichtlich um einen Einsteller handelte...
rollschu rollschu 22.01.2018 12:26
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Carlsen glaubte das vorbereitete 15...f5 am Brett widerlegen zu können. Jones war offensichtlich extrem gut vorbereitet. Es scheint mir plausibler anzunehmen, dass Carlsen wissentlich ein hohes Risiko eingegangen ist, um dieser Vorbereitung auszuweichen.
Kurt Utzinger Kurt Utzinger 21.01.2018 09:30
Auch ich bin der Meinung, dass es sich bei Magnus Carlsens Zug 17.g4? schlicht um einen unglücklichen Einsteller handelt.
Lucius Annaeus Seneca Lucius Annaeus Seneca 21.01.2018 08:21
Ich kann mir vorstellen, dass Carlsen nach 17.g4? f4! die spektakuläre Sequenz 18.Lxf4 gxf4 19.Txd5 geplant hatte und wenn Schwarz nun die einstehende weiße Dame mit Schach 19....Txe1+? schlägt, wehrt Weiß das mit dem Gegenschach 20.Td1+! ab. Schwarz zieht dann in allen Varianten den Kürzeren. Am besten ist noch 20...Le6! 21.Lxe6+ Txe6 22.Txd8+ Txd8 23.Sxe6 mit klarem Vorteil für Weiß. Allerdings muss Schwarz nicht im 19. Zug die Dame nehmen. Er setzt viel besser mit 19...cxd5! 20.Lxd5+ Dxd5! fort. Nach 21.Dxe8+ Lf8 22.Sxh7 Kxh7 23.Dxf8 Le6 hat Weiß zwar im Moment drei Bauern für die Figur, aber nun erwachen die schwarzen Figuren zum Leben. Es droht schon ein Einschlag auf a2. Auch f3 hängt. Schwarz steht auf Gewinn.
LuckyLuke LuckyLuke 21.01.2018 07:52
Carlsen hat die Figur nicht gegeben, sondern eingestellt. Magnus hat glücklicherweise etwas Kompensation erhalten, die nicht ganz einfach zu neutralisieren war. Spielt Jones g5 statt Db6 in der Folge gewinnt er höchstwahrscheinlich die Partie. Jones hatte zuvor sinnvolle und gute Züge gespielt. "Von Anfang an keinen Weg gefunden" empfinde ich daher als nicht zutreffend. Beste Grüße
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