"Wir müssen mehr für den Nachwuchs tun"!

von André Schulz
11.06.2019 – Der Bad Sodener Organisator Hans-Walter Schmitt ist Spiritus Rector einer neuen Turnieridee. Mit den "Youth Classic" will er den Nachwuchs in Deutschland beflügeln und hat zum Auftakt auch gleich zwei Sympathieträger für das Rahmenprogramm gewonnen: Viswanathan Anand und Vincent Keymer.

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2019 mit 7,4 Mio. Partien und über 70.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

Hans Walter Schmitt ist der organisatorische Motor der großen Schachevents im Rhein-Main-Gebiet. Angefangen hat er 1996 mit den Frankfurter Chess Classic, bei denen sich über fünf Jahre die Spieler der Weltelite die Klinke in die Hand gaben. Als Siemens-Manager wagte Hans-Walter Schmitt auch Experimente und ließ die Fritz-Schachprogramme auf den ersten Mehrprozessor-Rechnern - damals noch kühlschrankgroße Monster - mitspielen, als die weltbesten Spieler die "Blechdosen" zwar misstrauisch beäugten, gleichzeitig aber wegen deren "fehlenden Schachverständnisses" auch belächelten. Das war die Zeit, als die besten Menschen noch Schachpartien gegen Computer gewinnen konnten. Lang' ist es her.

Als in Frankfurt damals das städtische Interesse am Schach etwas erlosch, fand Schmitt mit dem leider kürzlich verstorbenen Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel einen schachbegeisterten neuen Fürsprecher, der zehn Jahre lang Mainz mit den Chess Classic in der Rheingoldhalle zum Schnellschachzentrum und auch zum Chess-960-Zentrum der Welt machte. Wieder kamen die besten Spieler der Welt ins Rhein-Main-Gebiet und dank einer professionelle Organisation und zuschauerfreundlichen Präsentation wurde das Schachturnier sogar zu einem richtigen zum Familienfest.

Das Ende von Jens Beutels Bürgermeisterzeit war gleichzeitig auch das Ende der Mainzer Chess Classic. Diaspora? Nicht ganz. Viswanthan Anand, mit seinem Europastützpunkt in Bad Soden, blieb der Südwestregion treu, hatte von Hans Walter Schmitt die wichtigsten deutschen Redewendungen gelernt ("Ei, babbel nich so'n dumm Zeuch!") und spielte inzwischen, so wie viele andere Weltklassespieler auch, für die OSG Baden-Baden, etwas weiter südlich. Außerdem war er weiterhin regelmäßiger Gast in Hans Walter Schmitts Schachschule in Bad Soden, dem Chesstigers Trainingscenter. Dort zeigte er dem noch ganz jungen Vincent Keymer, wie ein Weltmeister Blitzschach spielt. Aber so ganz leicht war es dann auch nicht.

Zu lange konnte Hans-Walter Schmitt dann aber doch nicht stille halten. "Ich möchte gerne ein Jugendturnier auf die Beine stellen, nach dem Vorbild der Grenke Classic, aber für Jugendliche. Ich will den Nachwuchs in Deutschland fördern und sich wall das Schach mit erfolgreichen jungen Idolen populärer machen."

Hans-Walter Schmitt denkt gerne dabei in großen Entwürfen: "Die besten deutschen jungen Spieler, zum Beispiel Vincent Keymer und Luis Engel, messen sich in einem Turnier mit der internationalen Elite. Und damit das gut eingepackt ist, gibt es dazu drei Jugendopen, in den Altersklassen U18, U14 und U10."

Als Hans-Walter Schmitt seinerzeit mit den Classic für Erwachsene begann, stand am Anfang ein Open und Simultanvorstellungen. Und so soll es diesmal wieder beginnen. 

Am Wochenende vom 3. bis 6. Oktober finden in Bad Soden die ersten Youth Classic in der Hasselgrundhalle statt. In den Altersklassen U10 ("Kids), U14 ("Youth") und U18 ("Juniors") finden drei Open statt. 

My Career Vol. 1

Vishy Anand gilt als eines der größten Schachtalente aller Zeiten. Er ist der 15. Weltmeister der Schachgeschichte und war auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn auch im Schnell- und Blitzschach kaum zu besiegen. Auf dieser DVD spricht er über seine Laufbahn und präsentiert und analysiert die besten Partien seiner Schachkarriere bis zum Gewinn des Weltmeistertitels 2007 (in englischer Sprache).

Mehr...

My Career Vol. 2

Vishy Anand gilt als eines der größten Schachtalente aller Zeiten. Er ist der 15. Weltmeister der Schachgeschichte und war auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn auch im Schnell- und Blitzschach kaum zu besiegen. Auf dieser DVD spricht er über seine Laufbahn und präsentiert und analysiert die besten Partien seiner Schachkarriere nach dem Gewinn der Schachweltmeisterschaft 2007.

Mehr...

Der 15. Weltmeister der Schachgeschichte, Viswanathan wird gegen 40 Jugendlich simultan spielen. Mit seinen Erfolgen hat Anand in seinem Heimatland einen Schachboom ausgelöst. Vielleicht gelingt es dank seiner Popularität in Deutschland in etwas bescheidenerem Maße auch. Vincent Keymer wird dabei mithelfen (im H+Hotel Bad Soden). Vorher spielen die beiden Schachidole noch einen Schaukampf gegeneinander.

Hans Walter Schmitts Vision: 

"Warum sollten wir in Deutschland nicht auch eine Grenke Youth Classic initiieren, um dabei so richtig unser eigenes Jugendschach ins "Wallen" zu bringen. Vincent Keymer und Luis Engel gegen die Weltelite 2020 in der Rhein-Main-Taunus Region mit den zehn besten U18-Jugendlichen der Weltrangliste, wäre das eine Chance unsere jugendlichen Schachspieler glücklich zu machen, sich mit der ganzen Welt einmal im Jahr zu messen? Genauso wie in Karlsruhe vergessen wir nicht die breite Masse der begeisterungsfähigen Jugendlichen. Wie wäre das einzuschätzen mit den 10 besten Jugendspielern in einem Einladungsturnier auf der Weltbühne des Schachs zu spielen? Und 500-1000 Jugendliche in den Open, die nichts anderes wollen, als auf diese Bühne zu kommen!"

Auch geographisch denkt Hans-Walter Schmitt weiträumig: "Das Turnier wird hier bei uns stattfinden, aber ich würde gerne auch andere deutsche Schachregionen mit einbinden. Hamburg ist eine traditionelle Schachhochburg, besonders auch im Jugendbereich. "Rechtes gegen linkes Alsterufer ist ein Monument. Vielleicht kann man das mit einander verbinden."

Mehr bei den Chesstigers...  

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren

MARIO1962 MARIO1962 19.06.2019 11:27
Genau.......härter zum Nachwuchs...........DAS muss man sich von einem Österreicher anhören.Da ist ja seit Cordoba 78 nix mehr Vorzeigbares passiert, fehlt es an der nötigen HÄRTE ?
opi2013 opi2013 13.06.2019 12:59
Förderung hin oder her: Am Beispiel dieser Schachseite: Es gibt doch die aktuell laufende Jugend DEM oder auch Landesentscheide. Selbst Phänomene auf Klub- und Bezirks- Niveau sind für den Nutzerkreis dieser Seite relevant. Über so etwas könnte doch auf einer deutschsprachigen Seite ebenso häufig berichtet werden, wie über Profi- Turniere rund um den Erdball oder das Schwelgen in Erinnerungen von legendären Schachgrößen (diese 2 hier weit verbreiteten Nachrichtenrubriken möchte ich hier nicht schmälern, nur ihr Quasi- Monopol gegenüber Breitensport- Schach- Ereignissen in ihrem Nachrichtenwert in Zweifel ziehen).
Marcel Becker Marcel Becker 13.06.2019 02:04
Schon klar, wir müssen unbedingt härter sein zum schachlichen Nachwuchs, der ja auch extrem auf Rosen gebettet ist.

Was spricht denn beispielsweise dagegen, den Nachwuchs bis ins Juniorenalter (etwa 25 Jahre) hinein zu fördern und dafür im Gegenzug zu verlangen, dass das geförderte Talent einem Studium oder einer Ausbildung nachgeht?

Allgemein sollte man sich genauer mit den DSB-Leistungssportkonzepten auseinander setzen, bevor man hier nach mehr Härte ruft. Sonderlich leger sind die Kriterien nämlich nicht.
Fox12345 Fox12345 12.06.2019 07:20
Kommentator Krennwurzn denkt in die richtige Richtung. Vielleicht ist aber 20 Jahre schon zu hoch gegriffen. Selbst für einen Jung-Superstar wie Vincent Keymer ist eine Profikarriere nur möglich, wenn er in die Region 2650 - 2700 Elo kommt. Schach ist kein Fußball ( mit riesigen Zuschauereinnahmen). In unseren Schach vereinen ist jedenfalls kein großes Interesse vorhanden die Verbandsbeiträge zu erhöhen, um die Schachspitzenspieler zu förden. In unseren Vorortschachvereinen spielen viele Schach, welche wirtschaftlich auch nicht sehr erfolgreich sind. Und seitens der Politik ist die Förderung der "Randsportarten" auch nicht sehr ausgeprägt.
Krennwurzn Krennwurzn 11.06.2019 11:10
Wir müssen härter zum Nachwuchs sein!!

Förderungen bis max. 20, wer älter ist sollte es bleiben lassen oder als Profi leben können.
Diese Forderung beinhaltet auch lebensbejahende Exitstrategien, falls es mit der Profikarriere nicht klappt.
Ehrlichkeit statt Träumereien müssen auch im Schach einkehren.
1