Wir wollen Schach im Fernsehen!

15.09.2005 – Eine Welle der Empörung geht durchs Land. In den Schachforen gärt es. Seit Dr. Claus Spahn beim WDR in Rente gegangen ist, ist das Thema Schach im Fernsehen verwaist. Kürzlich wurde die letzte Schachsendung im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt und die Menschen in Deutschland spüren jetzt schon die große Lücke, die nun entstanden ist. Niemals mehr Schach im Fernsehen? Statt Debilen-TV und Klingelton-Shows fordern wir Schachfreunde geistreiche Unterhaltung und pochen auf den Minderheitenschutz im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Die Schachfreunde des Bezirks Oberfranken haben als erste die Initiative ergriffen und fordern alle Schachfans auf, sich per Brief und Mail beim WDR zu melden. Auch Innenminister Otto Schily hat die Gefahr für den Kulturstandort Deutschland erkannt und sein Missfallen über das schachlose Fernsehen mitteilen lassen. Rettet das Schach im TV...

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Rettet das Schach im TV

Nach 22 Jahren Schachpräsenz im WDR ist nun offenbar Schluss damit. Der Kulturredakteur Dr. Claus Spahn und seine beiden Kommentatoren, die Großmeister Dr. Helmut Pfleger und Vlastimil Hort, waren am 22.August zum letzten Mal im Studio und präsentierten die letzte Sendung "Schach der Großmeister".

In dieser Reihe waren im Laufe der Zeit alle großen Spieler angetreten. Kasparov, Karpov, Kramnik, Anand, Spasski, Dr.Hübner und viele mehr haben sich in den WDR-Studios ans Brett gesetzt. In vielen Sondersendungen gab es Berichterstattungen von den großen Schachereignissen, wie Weltmeisterschaften, Schacholympiaden oder den Dortmunder Schachtagen. Damit ist es nun vorbei. Dr.Spahn ist in Rente gegangen und der WDR weiß noch nicht, ob er das Thema Schach weiter besetzen soll. Dabei pochen die Verantwortlichen auf die im Laufe der Zeit angeblich immer weiter gesunkene Einschaltquote.

In einer Antwort auf eine Mail teilte der WDR mit, dass die letzte Sendung "Schach der Großmeister" "nur" noch 0,08 Mio Zuschauer gehabt hat. Bei einer Sendezeit nach 0.00 Uhr ist eine Zuschauermenge von 80.000 Zuschauern auf einem dritten Programm jedoch eine ausgezeichnete Zahl. Die ebenfalls unterhaltsame Sendung "Zimmer frei" erreichte beispielsweise beim NDR am 14.9. 2005 um 0.45 eine Zuschauerzahl von 20.000 Zuschauern. Harald Schmidt holte bei der Wiederholung seiner ARD-Sendung um 0.15 Uhr am gleichen Tag "nur" 30.000 Zuschauer. Selbst der James Bond-Film "Der Mann mit dem goldenen Colt" erreichte am 13.9. um 23.45 auch nur 70.000 Zuschauer.

Die Quoten beim WDR können hier eingesehen werden...

Seit Langem gibt es eine grundsätzliche Kritik an der Ermittlung der Einschaltquoten. Die in 5200 Haushalten aufgestellten Quotenmessgeräte sollen über das Fernsehverhalten der 84 Mio Bundesbürger Auskunft gebe. Damit wird ähnlich wie in der Politik aus einer repräsentativen Stichprobe die Gesamtzahl hoch gerechnet. Während es in der Politik mit den amtlichen Wahlergebnissen noch Gegenproben gibt, liegen diese bei der Ermittlung der Einschaltquoten nicht vor. Für die über Werbung und quotenabhängige Einnahmen finanzierten Privatsender ist die Quotenerhebung sicher elementar, für die über Gebühren finanzierten Öffentlich-Rechtlichen Sender jedoch nicht. Dennoch haben sich ARD und ZDF unter dem vermeintlichen Wettbewerbsdruck durch die Privaten der Quotenhatz angeschlossen. Spartensendungen haben es zunehmend schwerer, einen Sendeplatz zu finden. Das Problem ist immerhin erkannt und so dürfen Sender mit einem Kultur-und Bildungsauftrag wie Phoenix oder KIKA auch keine Quoten erheben, um sich davon nicht abhängig zu machen.

Klaus J. Lais, Öffentlichkeitsreferent des Deutschen Schachbundes, hat auf eine Anfrage zum Schach im TV bei Otto Schily  von der Sprecherin des Innenministers u.a. folgende Mitteilung erhalten: "Aus seiner Sicht verpflichtet die Verknüpfung mit der Gebührenfinanzierung die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, auch und gerade die Bereiche abzudecken, die ansonsten in den Programmen keine Berücksichtigung finden würden. Sport, und damit auch Schach als nicht-olympische Sportart, gehört zu dem Bereich, über den der öffentlich-rechtliche Rundfunk umfassend und in seiner gesamten Bandbreite zu berichten hat."

Die Quote, wenn man schon darauf schielen möchte, ist in starkem Maße vom Sendeplatz abhängig. Früher wurde die Schachsendung Sonntags abends ausgestrahlt, dann wanderte sie auf einen Sendeplatz nach Mitternacht und schließlich noch von Sonntag Nacht auf die unattraktive Montag Nacht. Es ist kein Wunder, wenn die Einschaltquoten unter diesen Umständen immer weiter zurück gehen. In den Funkhäusern gibt es zwischen den Ressorts und den einzelnen Redakteuren ein ständiges Gerangel um die knappen Sendezeiten und es war für das Schach zuletzt offenbar immer schwieriger, sich gegen die anderen Ressorts oder Redaktionen durchzusetzen. So wurde Schach mehr und mehr aus dem normalen Sendefenster an den Rand gedrängt und verlor auf diesem Wege auch viele Zuschauer.

Trotz allem haben sich Dr. Spahn und der WDR sehr ums Schach verdient gemacht. Die deutsche Schachgemeinde dankt für über 20 Jahre treue und zuverlässige Berichterstattung und Unterhaltung in Sachen Schach; diese hat dem Schach viel öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt. Bei einem einigermaßen attraktiven Sendeplatz außerhalb der Schlafenszeiten und einem gewissen Lifting des Sendekonzepts sollte es möglich sein auch mit einer Schachsendung eine viel größere Anzahl von Zuschauern zu finden. Intelligente Unterhaltung ist es allemal. Wir Schachfreunde hoffen, dass der WDR - oder ein anderer Sender, vielleicht mit einer modernen kombinierten Internet und TV-Sendung wieder auf Sendung geht.

Deshalb sollten sich alle Schachfreunde beim WDR als Sachwalter des Themas per email melden und seinen Wunsch vortragen.

Senden Sie ihr email an: fernsehen@wdr.de

oder schicken Sie einen Brief an den WDR: WDR-Fernsehen, Appellhofplatz 1, 50600 Köln.

und schreiben Sie, was Sie denken, z.B.:

Lieber WDR,

vielen, vielen Dank für über 20 Jahre tolles Schach im WDR. Damit ist ein richtiges Stück Schachgeschichte entstanden. Aber jetzt könnt ihr uns nicht alleine lassen. Bitte macht weiter! Und wenn die nächste Sendung zu einer ordentlichen Zeit läuft, bin ich mit Sicherheit auch live und nicht nur mit dem Videorekorder dabei.

 

André Schulz

 

Dokumentation:

Rettet das Schach...

Forum beim Schachbezirk Oberfranken...

Diskussion bei Freechess.de...

Radio-Beitrag beim SK-Kulmbach...


Pressemitteilung des Schachbezirks Oberfranken:

PRESSEMITTEILUNG

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Schachspieler kämpfen um TV-Präsenz

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Vom Schachbezirk Oberfranken geht eine Aktion aus, die mittlerweile bundesweit für Aufsehen gesorgt hat: Die Denksportler wollen damit um die weitere Präsenz im Fernsehen kämpfen. Nach jüngsten Entwicklungen gilt es als unsicher, dass Schach im Fernsehen künftig noch eine Rolle spielt. "Das war's mit Schach im Fernsehen", verbreitete sogar der Deutschen Schachbund (DSB) auf seiner Homepage.

Auf Initiative des Referenten für Öffentlichkeitsarbeit im Schachbezirk Oberfranken, Jan Fischer, sollen sich nun die Schachspieler in ganz Deutschland gegen das drohende TV-Aus zur Wehr setzen. Jeder, dem etwas daran liegt, dass weiterhin Schach im Fernsehen zu sehen ist, soll sich mit einer E-Mail oder einen Brief an den WDR wenden, der über viele Jahre hinweg als "Leuchtturm" der Fernsehpräsenz galt. Die E-Mail-Adresse lautet fernsehen@wdr.de - die Adresse für alle Briefe: WDR-Fernsehen, Appellhofplatz 1, 50600 Köln.
Auf der Homepage des Schachbezirks Oberfranken ist zudem ein Forum eröffnet worden, in dem jeder registrierte Nutzer seine Meinung schreiben kann. Der Link zum Forum: http://www.schachbezirk-oberfranken.de/include.php?path=forum/showthread.php&threadid=45. Auf diesen Link hat unterdessen auch der DSB auf seiner Homepage hingewiesen; schon in den ersten Stunden sind die Zugriffszahlen auf die Homepage auf über 300 an einem Nachmittag in neue Rekordhöhen nach oben geschnellt.

Hintergrund der Aktion: In der Nacht zum Dienstag, 23. August, strahlte der WDR die letzte Sendung "Schach der Großmeister" aus. Seit 1983 waren Jahr für Jahr hochkarätige Gegner zu einer Partie angetreten, stets kommentiert von den Großmeistern Dr. Helmut Pfleger und Vlastimil Hort. Die Partien waren zunächst im Nachtprogramm am Wochenende übertragen worden und hatten stets für die nächtliche Zeit hervorragende Einschaltquoten: Bis zu eine Million Zuschauer schlugen sich die Nacht um die Ohren. In der letzten Sendung traten Pfleger und Hort gegeneinander an und trennten sich mit einem Remis. In der Schach-Szene und darüber hinaus auch bei vielen Schach-Laien hatte die Sendung Kult-Status. Im Laufe der Zeit hatten sich das bayerische Fernsehen und der NDR aus der Fernsehübertragung ausgeklinkt; nur noch der bundesweite empfangbare WDR hatte die Sendung weiter im Programm - bis nun heimlich, still und leise, ohne große Mitteilung, das Ende verkündet wurde.
Die Sendung wird nach Insider-Informationen deshalb aus dem Programm genommen, weil der Kulturredakteur des WDR, Dr. Claus Spahn, in den Ruhestand gegangen ist. Spahn war jahrelang Initiator von "Schach der Großmeister" und galt als der Schach-Lobbyist schlechthin im Fernsehen. Ihm war es auch zu verdanken, dass alljährlich die renommierten Dortmunder Schachtage zu Fernsehehren kamen.

Nun scheint mit dem Ende von "Schach der Großmeister" und dem Ruhestand von Spahn auch die komplette TV-Präsenz des Schachsports in Gefahr zu sein - und das drei Jahre vor dem Großereignis Schach-Olympiade in Dresden. Jan Fischer vom Schachbezirk Oberfranken meint: "Die Schachspieler in ganz Deutschland sollten es nicht klaglos hinnehmen, dass sie im Fernsehen ausgeblendet werden sollen!" Deshalb der Aufruf zum Protest, der inzwischen schon zahlreiche Nachahmer gefunden hat. "Vielleicht lässt sich ja auf diesem Weg etwas bewegen."

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Jan Fischer
Referent für Öffentlichkeitsarbeit
im Schachbezirk Oberfranken
Nußhardtweg 3
95145 Oberkotzau
Telefon 09286/800510
Telefax 09285/913339
E-Mail: presse@schachbezirk-oberfranken.de
 


Links:

Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung...

Gesellschaft für Konsumforschung - Fernsehforschung...

Beispielquoten beim NDR...

Einschaltquoten von James Bind Filmen...

Zur Ermittlung der Quoten (quotenmetder.de)...


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