Vierter Wettkampftag
Der vierte Wettkampftag brachte immerhin drei Partien ohne
Russisch. Nur Svidler musste sich nach seinem Eröffnungszug mit dem Königsbauern
mit dieser Verteidigung auseinander setzten. Er wählte, wie alle anderen Spieler
vor ihm gegen Gelfand auch, die Variante mit 5.Sc3. Der israelische
Spitzenspieler sah sich somit zum dritten mal in diesem Wettbewerb dieser
Variante gegenüber. In den zwei Partien zuvor gegen Anand und Leko hatte er
wenig Probleme, und auch Svidler fand keinen Weg, die schwarze Stellung unter
Druck zu setzten. Bald wurden die Damen getauscht und die Partie remis gegeben.
Nach seinem langjährigen Ausflug ins Reich der Offenen und
Halboffenen Spiele nach 1.e4 ist Kramnik nun wieder zu seinen Wurzeln
zurückgekehrt und spielt meist 1.Sf3 oder 1.d4, wobei er viel Erfolg mit der
Katalanischen Eröffnung zu verzeichnen hatte. Alexander Grischuk wählte in
seiner Partie gegen den Weltmeister die Variante mit 6...dxc4, mit der Schwarz
keine Versuche unternimmt, den Bauern auf c4 zu halten. Das Abspiel gilt als
sehr solide, überlässt Weiß jedoch in manchen Abspielen eine lang anhaltende,
wenn auch kleine Initiative. Mit 10...Ta7 wich Grischuk von der Hauptvariante
ab. Kramniks 11.a3 wurde zuvor nur selten gespielt.

Im weiteren Verlauf befreite Schwarz seinen Damenflügel, was
ihn jedoch sehr viel Bedenkzeit kostete. So hatte Grischuk nach seinem 21. Zug
nur noch 14 Minuten auf der Uhr, Kramnik über 1 Stunde. Zugleich besaß der
Weltmeister das einfachere Spiel. Nach dem 30. Zug rannte Grischuk die Zeit mehr
und mehr davon und auch die Stellung wurde zunehmend schlechter. Mit nur noch
wenigen Sekunden auf der Uhr stiftete Grischuk mit 37...Sc2 noch Verwirrung.
Tatsächlich wählte Kramnik nicht den besten Zug (38.Da4), sondern den Übergang
ins Endspiel, der trotz Mehrbauern den Vorteil vergab. Das Endspiel endete
unentschieden.
Mit 1.c4 machte Aronian ein neues Fass auf, denn bisher hat
man diesen Anfangszug bei dieser WM noch nicht gesehen. Nach Lekos 1...c5
entstand eine echte Englische Eröffnung, die schließlich zu einer Igelstruktur
führte. Mit einer soliden Aufstellung versuchte Weiß die typischen Durchbrüche
b6-b5 und d6-d5 zu unterbinden, während Schwarz mit kleinen Nadelstichen
Schwächen zu provozieren sich bemühte. Nach 28.e5 entschloss sich Leko eine
Figur für zwei Bauern zu geben.

Aronian hielt geschickt dagegen und schaffte es, die Stellung unter Kontrolle zu
halten und seinen materiellen Vorteil zu vergrößern. Nachdem Lekos Gegenspiel am
Königsflügel abgewiesen wurde, gab der Ungar auf.
Video:
Kommentar von Aronian...
In der Partie gegen Morozevich wählte Anand wie schon gegen
Aronian die Halbslawische Verteidigung. Morozevich ließ mit 5.e3 die eigentliche Meraner
Variante zu. Erst Anands 16...g6 scheint ein neuer Zug in dieser beliebten
Variante zu sein.

Nach dem Damentausch übernahm der Inder mit 24...Sd4 dank seiner starken
Bauernkette am Damenflügel die Initiative.

Schon wenige Züge später stand Morozevich praktisch auf
Verlust, verteidigte seine schlechte Position aber weiterhin zäh. Am Ende wurde
er mit einem Remis für seine Verteidigungskunst belohnt. Anand meinte im
Video-Interview, dass die Position klar gewonnen war, er aber beim Lösen der
konkreten technischen Probleme keinen klaren Gewinnweg gefunden habe bzw. der
von ihm eingeschlagene Weg sich als nicht erfolgreich ewies.
Video: Anand auf der Pressekonferenz...
| Round 4: Sunday, Sept 16th 2007 |
|
Peter Svidler
|
½-½
|
Boris Gelfand |
|
Levon Aronian
|
1-0
|
Peter Leko |
|
Vladimir Kramnik
|
½-½
|
Alexander Grischuk |
|
Alexander Morozevich
|
½-½
|
Viswanathan Anand |

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Bilder und Videos:

Vladimir Kramnik am Metalldetektor

Selbst der Cheforganisator wird überprüft...

... dann kann Jorge im Spielerbereich herumlaufen

Vladimir Kramnik und Alexander Grischuk

Levon Aronian vs Peter Leko

Entschlossen: Levon Aronian

Erlitt heute die erste Niederlage im Turnier: Peter Leko

Viswanathan Anand

Alexander Morozevich

Videoimpressionen vom Rundenbeginn
Text: André Schulz
Videos von Vijay Kumar, Bilder von Ali Nihat Yazici