WM in Mexiko: Anand liegt zur Halbzeit vorne

21.09.2007 – Vishy Anand ist weiter gut in Form. In der 7. Runde der WM in Mexiko City gewann er mit Weiß gegen Alexander Grischuk und führt damit nach der Hälfte des Turniers mit fünf Punkten aus sieben Partien ungeschlagen die Tabelle an. Boris Gelfand, der - für viele überraschend - nach der 6. Runde mit Anand gemeinsam an der Spitze lag, trennte sich von Vladimir Kramnik nach einer umkämpften Partie Remis. Damit liegt Gelfand einen halben und Kramnik einen ganzen Punkt hinter Anand. Svidler und Aronian leckten ihre Wunden und einigten sich schnell auf Remis. Die Partie zwischen Morozevich und Leko endete nach langem Kampf Remis.Offizielle Webseite der WM...Bericht, Partien, Tabelle...

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Paarungen der 7. Runde, 20.9.2007:

Anand - Grischuk 1:0
Kramnik - Gelfand 0,5:0,5
Svidler - Aronian 0,5:0,5
Morozevich - Leko 0,5:0,5

Tabelle:




Alle Partien bisher...

Bericht:


Gute Kleidung, gute Stimmung. Bislang scheint die WM Spaß zu machen.


Anand erklärt, die anderen hören zu. Wahrscheinlich geht's um Schach.

Anand - Grischuk


Konzentriert: Vishy Anand

Dieses Mal gab es keinen Marshall-Angriff, denn die Einladung dazu schlug Anand mit 8.a4 aus. Bald entstand eine zweischneidige Stellung mit Chancen für beiden Seiten, in denen Anand allerdings großen Zeitvorsprung hatte. Auch auf dem Brett sah es immer günstiger für Anand aus, der seine Bauernmehrheit am Königsflügel allmählich vorschob. Schließlich konnte Anand einen Freibauern auf der d-Linie bilden, der sich zusammen mit den starken weißen Türmen als entscheidend erwies.


In dieser Stellung gab Grischuk auf. Nach 50...Kg8 51.Th8+ gewinnt Weiß den Turm und hält den schwarzen c-Bauern auf.

Kramnik - Gelfand


Weltmeister Vladimir Kramnik vor der Partie.

Hat er Weiß, will Kramnik gewinnen. In den letzten Jahren zog er es allerdings meist vor, dabei nur minimale Risiken einzugehen. Keine scharfen Eröffnungen, keine taktischen Komplikationen, nein, Kramnik strebte nach positionellen Druckstellungen, in denen der Gegner wenig Gegenspiel hatte. In Mexiko scheint der Weltmeister gewillt zu sein, beim Kampf um die Verteidigung seines Titels auch seine großen taktischen Fähigkeiten in die Waagschale zu werden. Das zeigte sich auch in der Partie gegen Gelfand, die nach Gelfands unerwartetem Zwischenspurt unversehens zur Spitzenpartie avanciert war.


Der Überraschungsmann: Boris Gelfand

Kramnik ließ sich auf eine der schärfsten und aktuellsten Varianten der modernen Praxis ein und gab einen Bauern für aktives Spiel. Aber die Eröffnung misslang ihm und von adäquater Kompensation war wenig zu sehen. Stattdessen diktierte Gelfand das Tempo und schien seinen Mehrbauern konsolidieren zu können. Doch die beiden schienen sich einig zu sein, dass Geben seliger ist als nehmen. Um den Druck, der Kramnik immer noch verblieb, zu neutralisieren, gab Gelfand seinen Mehrbauern zurück, um sich einen Freibauern auf der a-Linie zu verschaffen.


Stellung nach 25.a4. Gelfand konterte mit 25...a5.

Dann gab er noch einen weiteren Bauern...


Schwarz spielte hier 28...Td6, was nach 29.Txd6 Dxd6 30.Dxc4 den c-Bauern kostete.

...um schließlich am Königsflügel noch ein Bauernopfer anzubieten.


Stellung nach 31...h3.

Das nahm Kramnik nicht an, sondern schickte seine Dame zur Verteidigung zurück - was Gelfand Gelegenheit gab, im 33. Zug lang zu rochieren.

All diese Bauernopfer dienten dazu, den jeweiligen Läufer in einer Stellung mit ungleichfarbigen Läufern stark zu machen. Gelfands energisches Gegenspiel reichte am Ende für ein Remis, nachdem er die Zeitnotphase heil überstanden hatte.


Schlussstellung


Kramnik gegen Gelfand. In dieser Partie blieb dem flüchtigen Betrachter einiges dunkel.

Svidler - Aronian
War es Angst vor dem Marshall-Angriff? Eine Verbeugung vor Lasker und Fischer? Respekt vor Aronians Geschick in unübersichtlichen Stellungen? Oder steckte Svidler die gestrige scharfe Partie gegen Grischuk noch in den Knochen? Auf alle Fälle entschied sich Svidler dafür, Aronians Spanier mit der Abtauschvariante zu kontern. Sie gilt eigentlich als harmlos, aber immerhin hat Lasker damit einige wichtige Punkte geholt und Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre verhalfen ihr etliche Partien von Bobby Fischer zu neuer Popularität.

Lasker gewinnt mit der Abtauschvariante...
Fischer gewinnt mit der Abtauschvariante...

Es ist unwahrscheinlich, dass Svidlers Partie von heute ähnliche Folgen hat: Sie endete nach 20 Zügen ohne viel Aufregung Remis.


Manchmal braucht man einfach eine Pause. Peter Svidler und Levon Aronian zu Beginn ihrer Partie.

Morozevich - Leko
Morozevich wollte von einem Spanier gar nichts wissen und entschied sich für Schottisch. Das brachte ihm zwar keinen Vorteil, aber es führte zu einer lebhaften Stellung mit Möglichkeiten für beide Seiten. Beide Seiten manövrierten im Mittelspiel, ohne dass viel Aufregendes passierte - abgesehen von einem unerwarteten Figurenopfer Morozevichs, das Leko aber nicht annehmen musste und auch nicht annahm. Spannend wurde die Partie erst im Endspiel, da Morozevich in einer Stellung, die er auch ruhig hätte behandeln können, auf Gewinn spielte. Aber Leko verteidigte sich geschickt und am Ende mündete die Partie in ein Dauerschach.




Blick auf den Turniersaal


Team Anand hat bislang erfolgreiche Arbeit geleistet: Peter Heine-Nielsen links, im Hintergrund in der Mitte Hans-Walter Schmitt und rechts Aruna, die Frau von Anand.



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