WM in San Luis: 10 Fragen, 30 Antworten

17.08.2005 – Kaum noch 40 Tage sind es, bis am 27.September in San Luis für acht Spieler das vielleicht wichtigste Turnier ihrer Laufbahn beginnt. Dann spielen Rustam Kasimdzhanov, GM Michael Adams, Judit Polgar, Peter Leko, Peter Svidler, Vishy Anand, Veselin Topalov und Alexander Morozevich in einem doppelrundigen drei Wochen dauernden Turnier um den Weltmeistertitel. Diego Goméz, Pressechef des Veranstalters, hat den Kandidaten 10 Fragen gestellt. Hier sind nun die je 10 Antworten von Topalov, Anand und Leko. Offizielle Seite der Weltmeisterschaft...10 Frage, 30 Antworten...

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Topalov, Anand, Leko


Anand: “Ich glaube, dies sind die sieben schwersten Gegner im Spitzenschach”

Leko: “Dies wird das wichtigste Ereignis des Jahres”
Topalov: “Jeder kann gewinnen”



10 Fragen an drei der WM-Kandidaten des Weltmeisterschaftsturniers in San Luis:

1) Was erwarten Sie von diesem wichtigen Wettbewerb?

Anand:
Natürlich wird das eine sehr wichtige Veranstaltung. Ich denke, jeder von uns acht Teilnehmern wird versuchen, in absolut bester Verfassung zu sein. Ich werde bald mit dem Training anfangen. Da wir ein hartes doppelrundiges Turnier spielen, glaube ich, dass jede Runde wirklich wichtig sein wird.

Leko: Alles ist möglich, wenn ich mein bestes Schach zeigen kann. Aber ich denke nicht so sehr an das Endergebnis. Ich gehe mit der Haltung ins Turnier, jede einzelne Partie so gut wie möglich zu spielen – Schritt für Schritt. Meine Gegner sind stark, aber ich werde kämpfen.

Topalov: Ich bin sehr glücklich, an dieser historischen Weltmeisterschaft teilnehmen zu können, und ich denke nur daran, sie zu gewinnen.

2) Wie bewerten Sie den Modus dieses Wettbewerbs? (Doppelrundiges Turnier)

Anand: Anstrengend, Nerven, Spannung, Geduld, Ausdauer und viel Glück.

Leko: Das doppelrundige Format ist für Spitzenspieler nichts Ungewöhnliches. In Linares spielen wir Jahr für Jahr nach einem ähnlichen Modus. Aber in San Luis liegen die Dinge wirklich anders, denn der Druck ist sehr viel höher als gewöhnlich. Das erfordert eine gute mentale und körperliche Verfassung.

Topalov: Ich halte dies für den besten und ausgewogensten Modus. Glück beeinflusst das Ergebnis nicht. Der Sieger wird verdient Champion.

3) Gegen welche Ihrer sieben Gegner spielen Sie besonders gern? Und wer wird der schwerste Gegner sein?

Anand: Alle werden gleich schwer sein. Das hängt vom Spiel eines jeden Einzelnen ab. Manche werden von Anfang an losschießen, während andere womöglich härter arbeiten müssen. Es fällt schwer, einen Favoriten zu benennen. Ich glaube, dies sind die sieben schwersten Gegner im Spitzenschach.

Leko: Eine schwierige Frage. Natürlich sind Topalov und Anand Favoriten, wenn man sich nur die Elo-Zahlen anschaut. Aber wie gesagt: Alle Spieler, die in San Luis teilnehmen, sind sehr stark. Ich glaube, jeder hat eine vernünftige Chance, hier zu gewinnen. Wissen Sie, es ist nur ein einziges Turnier und zu guter Letzt braucht man auch ein klein bisschen Glück. Aber ich bin sicher, wir können mit einem sehr ausgeglichenen Wettbewerb rechnen, und höchstwahrscheinlich wird der Sieger erst in der letzten Runde ermittelt, wenn nicht sogar in einem möglichen Tie-Break.

Topalov: Jeder ist gefährlich. Jeder kann gewinnen.

4) Wie bereiten Sie sich auf die Weltmeisterschaft in Argentinien 2005 vor?

Anand: Ich spiele in Mainz einen Schnellschachwettkampf. Danach beginne ich mit der Vorbereitung für Argentinien. Ich habe ein Programm zur Entwicklung körperlicher Fitness. Ein bisschen Vorbereitung und viel Ruhe vor der eigentlichen Veranstaltung.

Leko: Was das Schach angeht, so gibt es dort nichts Besonderes. Ich werde mich umfassender vorbereiten. Man kann ein Turnier nicht mit einem Wettkampf gegen einen einzigen Spieler vergleichen, wie ich ihn letztes Jahr gegen Kramnik gespielt habe. In einem Wettkampf muss man einen großen Teil seiner Vorbereitung ganz speziell auf diesen einen Gegner ausrichten. Aber bei sieben Gegnern ist das unmöglich. In San Luis muss man motiviert, frisch, voller Energie und sehr flexibel sein.

Topalov: Ich kann die Geheimnisse meiner Vorbereitung nicht verraten, aber ich werde über einen langen Zeitraum hart trainieren.

5) Glauben Sie, dass Sie in Ihrer besten Wettkampfform an den Start gehen werden?

Anand: Ich glaube, die Chancen dafür stehen sicherlich nicht schlecht. Ich werde jedenfalls 100% und mehr geben. Aber das denkt jeder andere natürlich auch!!!!

Leko: Nach meinem Wettkampf gegen Vladimir Kramnik konnte ich im Januar das Superturnier in Wijk aan Zee 2005 gewinnen. Damals musste ich mir selbst etwas beweisen. Seitdem konzentriere ich mich voll und ganz auf San Luis. Deshalb halte ich das nicht sehr überzeugende Ergebnis in Dortmund in gewisser Weise für logisch, aber es hat nichts mit meiner wahren Stärke zu tun. Ich bin zunehmend optimistisch, dass ich in San Luis sehr gut spielen werde. Wissen Sie, ich habe bereits alle klassischen Superturniere gewonnen: Dortmund, Linares, Wijk aan Zee. Es sollte möglich sein, das gleich in San Luis zu tun.

Topalov: Ich werde mein Bestes geben, um in Topform nach San Luis zu kommen.

6) Welche "Tipps" haben Sie, wie man das Turnier gewinnt?

Anand: Ich glaube an Geduld, Stabilität, Ausdauer und natürlich großartige Neuerungen.

Leko: Entschuldigung, aber ich bin ganz sicher nicht derjenige, der über "Tipps" spricht, aber natürlich weiß ich ein wenig von dem, was getan werden sollte. Aber ich halte das geheim!

Topalov: Ehrlich gesagt, habe ich überhaupt keine Ahnung.

7) Wird sich dieses Turnier von all den anderen, die Sie bereits gespielt haben, sehr unterscheiden?

Anand: Wir spielen in Turnieren sehr oft gegeneinander. Aber wenn es um einen Titel geht, dann glaube ich, dass mehr auf dem Spiel steht. Das gibt dem Ganzen eine eigene Dynamik und Spannung. Das könnte auch ein entscheidender Faktor sein.

Leko: Ja. Dies ist nicht nur ein Superturnier, sondern ein Titelkampf. Der Druck auf die Spieler wird ungeheuer sein. Man braucht ein gutes Nervenkostüm.

Topalov: Natürlich ist die Schachweltmeisterschaft immer etwas ganz Besonderes; ich glaube, dies wird das wichtigste Turnier meiner sportlichen Karriere sein.

8) Werden die Zuschauer "Neues" in der Art zu spielen sehen?

Anand: Wir hoffen, das wir unsere Fans unterhalten können, und dass sie Spaß an unseren Fehlern, unserer Zeitnot und unseren genialen Zügen haben werden. Ich glaube, das wird eine sehr unterhaltsame Schachveranstaltung.

Leko: Ich bin sicher, dass die Spieler versuchen werden, mit einigen Neuerungen aufzuwarten, indem sie bestimmte Eröffnungssysteme weiter entwickeln. Aber ich glaube nicht, dass dies der entscheidende Faktor sein wird. Ich hoffe sehr, dass wir eine Menge großartiger Partien sehen können, keine groben Fehler, und dass die Fans in der ganzen Welt diesen Wettkampf genießen werden.

Topalov: Ja, und ich bin sicher, sie werden sich dabei sehr gut unterhalten.

9) Warum sollten die Zuschauer diese Meisterschaft auf keinen Fall versäumen?

Anand: Ich glaube, jeder der acht Teilnehmer wird alles geben, um zu siegen. Für mich persönlich ist dies eine Herausforderung, die ich genieße und zu der ich kampfbereit und fit sein möchte. Ich bin sicher, die Zuschauer werden sich gut unterhalten, wenn sie erstklassiges Schach in einer exotischen Umgebung verfolgen können.

Leko: Entschuldigung, ich möchte nicht grob wirken. Aber ich kann Ihnen versichern, dass die Schachliebhaber in der ganzen Welt dieses Turnier nicht versäumen werden. Dies wird das wichtigste Ereignis des Jahres und die Leute sind jetzt schon aufgeregt.

Topalov: Weil dies das erste Mal ist, dass die acht besten Spieler der Welt zusammen kommen, um herauszufinden, wer der Beste ist.

10) Nennen Sie die Dinge, die Ihnen zuerst einfallen, wenn Sie an Argentinien denken.

Anand: Tango! Patagonien! Spanisch. 1994 war ich in Buenos Aires. Obwohl wir wirklich nicht viel Zeit hatten, um uns die Stadt anzuschauen, habe ich die Zeit doch sehr genossen.

Leko: Natürlich die Fußballnationalmannschaft Argentiniens, da ich selbst leidenschaftlicher Fußballspieler bin. Ich bin 1994 einmal in Argentinien gewesen. Damals wurde ich eingeladen, das River Plate Team zu besuchen. Die Unterhaltungen mit dem legendären Torhüter Sergio Goycoechea und dem damaligen Nationaltrainer Daniel Passarella werden mir unvergesslich bleiben.

Topalov: Maradona, Fußball.

 

Quelle: Pressebüro der WCC San Luis 2005
Übersetzung aus dem Englischen: Johannes Fischer

 

 

 



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