Wolfram Runkel ist tot

von André Schulz
22.07.2019 – Wolfram Runkel (1937-2019) war Journalist der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" und Mitbegründer der großen Tradition der Schachberichterstattung in der Zeit. Schon früh interessierte er sich auch für das Computerschach. Wolfram Runkel starb letzten Freitag nach längerer Krankheit. | Foto: Hans Walter Schmitt

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Wolfram Runkel: Journalist der alten Schule

Wolfram Runkel war ein toller Typ. Ein überaus charmanter Gesprächspartner, unaufgeregt, sachlich und mit der Fähigkeit versehen anderen zuzuhören. Sein Erscheinungsbild war das eines Grandseigneurs: die grauen Haare lang und etwas wirr - ein Künstler. 

Für die Hamburger "Zeit" schrieb Wolfram Runkel seit Anfang der 1970er Jahre Reportagen über fremde Länder, über die Reisen dorthin, über das Fernsehen und sehr gerne auch über das Schach. Zu seinen liebsten Reisethemen gehörte Irland und hier lag ihm das Werk des irischen Autors James Joyce besonders am Herzen.

Ursprünglich stammte Wolfgang Runkel aus Hagen. Dort wurde er am 24. Oktober 1937 geboren. In den Wirren des Krieges kam er nach Duisburg Rheinhausen, wuchs dort auf und ging dort zur Schule bis er schließlich in nach Hamburg kam und hier eine neue Heimat fand.

Über das Geschehen in der Welt des Schachs waren die Leser der Zeit dank Wolfram Runkel stets bestens informiert. Wolfram Runkel hat die große Tradition der Schachberichterstattung in der Zeit mitbegründet. Sie hält bis heute an. Es war auch Wolfram Runkel, der 1981 Helmut Pfleger fragte, ob er nicht in der Zeit eine Schachspalte übernehmen wolle. Pfleger sagte ja und die Schachspalte gibt es immer noch, inzwischen im Zeit-Magazin.

Wolfram Runkel interessierte sich auch schon früh für die Entwicklung des Computerschachs. Und durch einen seiner Artikel, 1979, wurde auch ChessBase-Mitbegründer Frederic Friedel auf das Computerschach aufmerksam: "Er hat mich zum Computerschach gebracht und mit seinen guten Kontakten oft geholfen." Ein paar Jahre später gründeten Frederic Friedel und Matthias Wüllenweber die Firma ChessBase. Wolfram Runkel war gern gesehener Gast und begleitete die Entwicklung der Firma aufmerksam.

Wolfram Runkel, Frederic Friedel

Wolfram Runkel war bestimmt auch ein Charmeur. Mit Annette Humpe, der Sängerin der NDW-Gruppe Ideal ("Blaue Augen") und späteren Musikerin bei Ich&Ich, hatte er einen gemeinsamen Sohn. In dem intelligent gemachten Video zum Stück "Vom selben Stern" ist Wolfram Runkel einer der gezeigten Köpfe

Wolfram Runkel

1998 veröffentlichte Wolfram Runkel sein Buch "Schach. Geschichte und Geschichten". Außer in der Zeit erschienen auch Artikel von ihm bei "Karl".

In der Kantine des großen Gruner&Jahr-Verlagstempels an den Hamburger Landungsbrücken hatte man Gelegenheit, Wolfram Runkel zu treffen und sich mit ihm zu unterhalten, gerne über das Weltgeschehen im Schach, über das er bestens informiert war. Hier spielte er noch lange für die Betriebsmannschaft der Gruner&Jahr-Schachabteilung bei den Hamburger Betriebsschachmeisterschaften mit. 

1985 lud der Spiegel zu einem Simultan mit Garry Kasparov. Eine Reihe von prominenten Schachfreunden spielten mit, darunter der sowjetische Konsul in Hamburg Walentin Kulkow, aber auch einige starke Spieler, wie Rainer Grünberg und Martin Fette, die beide am Ende ihrer Partien gegen Kasparov gewannen. Auch Wolfram Runkel war bei diesem denkwürdigen Simultan dabei und bewies ebenfalls, dass er etwas vom Schach verstand.

Runkel hatte seine Partie gegen Kasparovs 1. d4 mit mutig dem Wolga-Gambit begonnen. 

 

Hier hatte Kasparov zuletzt Lc4xa6 gespielt. Der Bauer war allerdings vergiftet, wie sich gleich herausstellte. Es folgte nun nämlich 1...c4 mit Figurengewinn. Auf 2.Dxc4 geschieht 2...Da7+ und nach 2.Lxc4 entscheidet 2... Lf5 die Partie zugunsten von Schwarz. Die Überlieferung der Stellung verdanken wir Helmut Pfleger, der von der Partie unter dem Titel "Mücke schlägt Elefanten" in seiner Spalte bei der Zeit (als Buch: Schach-Zeit-Knaller) berichtete. 

Artikel beim Spiegel (1985)...

Wolfram Runkel recherchierte seine Reportagen noch selbst und seine Geschichten waren auch nicht ausgedacht. Er war ein Journalist der alten Schule. Nun gibt es wieder einen weniger davon. Wolfram Runkel starb letzten Freitag nach längerer Krankheit.

 

Wolfram Runkels Reportagen bei der Zeit...

Wolfram Runkel eröffnet Ausstellung im Bundestag...

Rezension seines Schachgeschichtenbuchs (Roswin Finkenzeller)...

 

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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RevTiberius RevTiberius 22.07.2019 08:38
Das ist schade. Sein Buch "Schach. Geschichte und Geschichten" ist sehr unterhaltsam, und kann auch nicht-Schachspielern empfohlen werden.
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