World Cup: Giri und Mamedyarov ausgeschieden

von André Schulz
20.07.2021 – Das Favoritensterben setzt sich beim World Cup fort. Heute schieden nach Stichkampf unter anderem Anish Giri gegen Nodirbek Abdusattorov (Foto) und Shakhriyar Mamedyarov gegen Haik Martirosyan aus. Maxime Vachier-Lagrave kam gegen David Paravyan erst nach Armageddon weiter. | Fotos: FIDE (Eric Rosen und Anastasia Korolka)

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Mit der zweiten Runde hat beim World Cup auch schon das Favoritensterben eingesetzt. Dort erwischte es zum Beispiel Alireza Firouzja. Der weltbeste Jugendliche, 18 Jahre alt, schied gegen den 15-jährigen Javokhir Sindarov aus. Der usbekische Junggroßmeister erhielt seinen GM-Titel im Alter von 12 Jahren 10 Monaten und 5 Tagen. Damit ist er nach Mishra, Karjakin und Gukesh der viertjüngste Großmeister im Laufe der Schachgeschichte. Sein Lands"mann" Nodirbek Abdusatorov war "schon" 13 Jahre, 1 Monat, and 11 Tage alt, als er seinen GM-Titel erhielt. Das ist Platz sechs in der Reihe der jüngsten Großmeister aller Zeiten. Vor ihm rangiert auf Platz fünf noch Praggnanandhaa Rameshbabu. 

Ein Rudel junger und sehr hungriger junger Großmeister bevölkert den World Cup in Sotschi. Nach über einem Jahr Pandemie-Lockdown ist der Hunger nach richtigem Schach am Brett bei Ihnen sprichwörtlich. Die jungen Spieler sind im Laufe der anderthalb Jahre auch sehr viel besser geworden. Die Elozahlen haben mangels gewerteter Turniere aber nicht Schritt gehalten.

Nodirbek Abdusatorov wurde in Runde drei gegen Anish Giri gelost. Ein schwieriges Los - für den Niederländer. Man weiß einfach nicht, wo die jungen Spieler stehen, wobei der Usbeke natürlich schon eine bekannte Größe ist. Die ersten beiden Partien endeten Remis.

Giri und Abdusattorov

Der Stichkampf war im Ergebnis eine glatte Angelegenheit - 2:0 für Abdusattorov.
 

 

[Weiß steht unbequem, aber es ist noch nichts passiert.]

32.g4?! [32.f3 Sc3 33.Sb4 z.B.: (33.Te7=) 33...Tb2 34.c5 (34.Sxc6! d3) 34...Txb3 35.Sxc6 d3 36.Te8+ Kf7 37.Td8 Se2+ 38.Kf2 Sc1 39.Sd4=]

32...Sg5 33.Kg2 fxg4 [Mit Bauerngewinn.]

34.Kg3?! [34.Se5 h5 35.Sxc6 War noch OK für Weiß: 35...d3 36.Sb4 d2 37.Td1 Tb2]

34...Sf3?! [Besser war 34...h5 35.Te5 Td2 36.Sb4 Tb2 37.Txg5 Txb3+ mit besseren Chancen für Schwarz.]

35.Te7?! [35.Td1=; 35.Te8+ Kf7 36.Te4=]

35...Td2 36.Sf4 d3

 

37.Te3? [Verliert. 37.Kxg4 Txf2 38.Sxd3 Sxh2+ 39.Kh4 und Weiß kann noch ums Remis kämpfen.]

37...h5 38.Sxh5 Td1 39.Kxg4 Sxh2+ 40.Kf4 d2 41.Td3 Sf1 0–1

Nach Fabiano Caruana und Yu Yangyi - Niederlage gegen M. amin Tabatabaei - verabschiedet sich in Runde drei mit Anish Giri also ein weiterer Spitzenspieler. Aber er war nicht der einzige. Auch für Shakhriyar Mamedyarov war hier Endstation. Der Aseri verlor den Stichkampf gegen den Armenier Haik Martirosyan. Außerdem ist Evgeny Tomashevsky ist nicht mehr dabei. Er unterlag im Stichkampf dem Iraner Pouya Idani.

Der 23-jährige David Parvyan erwies sich für Maxime Vachier-Lagrave als ausgesprochen sperriger Gegner. Nach zwei Remis in den langen Partien gewann jeder der beiden Großmeister eine Partie in der ersten Schnellschachrunde. Auch die nächsten Runden verliefen ausgeglichen. Schließlich gewann Vachier-Lagrave das Armageddon.

 

 

16.b4 [Mit diesem und den nächsten Zügen legt Weiß die zahlreichen versteckten Defekte der schwarzen Stellung offen.]

16...Sb7 17.Sd5 Dd7 [17...Lxd5 18.exd5 0–0 (18...e5 19.a4 bxa4 20.Lxa6 0–0 21.c4) 19.dxe6 fxe6 20.c4 bxc4 21.Lxc4 Tf6 22.Lxa6 mit weißem Vorteil.; 17...exd5 18.exd5 mit Damenverlust.]

 

18.Dc3 Kf8 [18...0–0? 19.Dxc6 Dxc6 20.Se7+; 18...e5 19.a4]

19.Da3 Tb8 20.Dxa6 Sd8 21.Sc3 h5 22.Td2 Th6 23.Ted1 e5 24.g3 Dc7 25.Da5 Dxa5 [Endlich ist Schwarz den Störenfried los, aber das Endspiel ist hoffnungslos.]

26.bxa5 b4 27.Sd5 Se6 28.Sb6 Sd4 29.Txd4 exd4 30.Txd4 Tb7 31.Tc4 Le8 32.Tc8 Te6 33.a6 Ta7

 

34.Tb8 [Gegen Sc8 oder Tb7 gibt es nichts mehr zu erfinden.] 1–0

In der nächsten Stichkampfrunde gab es zwei Remis. Nach zwei Stichkampfrunden war das Match noch nicht entschieden.

Zu den Youngstern, die noch im Turnier sind, gehört weiter Praggnanandhaa. Nach der wilden Partie gegen Michal Karsenkow in Runde 3.2 war der Stichkampf eine klare Angelegenheit zugunsten des Inders - 2:0.

 

 

[Krasenkow wird in dieser Partie chancenlos überspielt.]

23.Lc4 [Droht Schlagen auf e5.]

23...f6 24.h3 Kh8 [24...h4 25.Lxe5 fxe5 26.Sfg5 Te8 27.Dd3 Tad8 28.Sxe6 Lxe6 29.Lxe6++–]

25.g4 hxg4 26.hxg4 Sh6 27.Td6 Sxg4 28.Kg2 [Nun kommt auch noch auf der h-Linie Verdruss. Nach 28.Lxe6 Lxe6 29.Txe6 Dc8 30.Td6 könnte Schwarz noch 30...Sxe3 31.fxe3 Dg4+ probieren, allerdings steht Weiß nach 32.Kf2 Dxe4 33.Th1+ Kg8 34.Th4 mit seiner Mehrfigur auf Gewinn.; 28.Txe6 Lxe6 29.Lxe6 Sh6 30.Sh4 ist auch gut.]

28...Sf8 29.Th1+ Sh7

 

30.Sxf6 [Oder 30.Sfg5 fxg5 31.Sxg5+–]

30...Lxf6 31.Txf6 Sgxf6 32.Lxe5 Dd8 33.Sg5 [Gegen Matt gibt es kein Mittel mehr.]

33...Lh3+ 34.Txh3 Tb7 35.Dc3 1–0

Im Frauen-Worldcup setzte sich Elina Danielian mit 2:0 im Stichkampf gegen die Junge US-Amerikanerin Carissa Yip. Bibisara Assaubayeva bezwang Bela Kotenashvili.

Ein enges Duell lieferten sich die beiden jungen Russinnen Leyla Garifullina und Mädchen-Doppelweltmeisterin Polina Shuvalova. Die beiden regulären Partien endeten Remis. In der ersten Stichkampfrunde konnten beide Spielerinnen eine Partie gewinnen. Shuvalova gewann die zweite Stichkampfrunde und spielt morgen gegen Dzagnidze.
 

Ushenina und M. Muzychuk

Auch das ukrainische Derby zwischen den beiden früheren Weltmeisterinnen Anna Ushenina und Mariya Muzychuk war sehr ausgeglichen. Muzyachuk gewann schließlich die dritte Stichkampfrunde.

Partien World Cup

 

Partien World Cup der Frauen

 

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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wok wok 21.07.2021 10:14
Aus meiner Sicht kein Grund von Favoritensterben zu reden. Alles im Rahmen der statistischen Erwartungswerte. Giri ist mit seinen ca. 150 Elopunkten mehr bei einer Partie "nur" 70:30 Favorit. Bei kürzeren Zeitkontollen, haben dann die jüngeren Teilnehmer ohnehin oft viel Erfahrung und der Spielstärkeunterschied ist geringer. Bei einem Minimatch über nur 2 Partien kann's da leicht mal zu einer Überraschung kommen. Beim Worldcup spielt Zufall eben eine große Rolle. Deshalb war das nie ein geeignetes Format um einen Weltmeister zu ermitteln. Ein schöner und interessanter Wettbewerb, aber gut, dass er nicht mehr als Weltmeisterschaft überbewertet wird.

Bei MVL hätte man den unglaublichen Vorfall erwähnen können, dass sein Gegner in der 2. Blitzpartie mit 3 Sekunden auf der Uhr in klar schlechterer Stellung Remis durch Stellungswiederholung reklamierte, was von den Schiedsrichtern zunächst skandalöserweise akzeptiert wurde, obwohl nicht mal eine zweimalige Wiederholung vorlag. Erst nach Protest von MVL ging die Partie dann an einem anderen Brett weiter, MVL fand dann aber nicht mehr den Gewinnweg und musste ins Armageddon.
DoktorM DoktorM 20.07.2021 10:51
Man sieht, dass die üblichen Teilnehmer bei Rundenturnieren gegen nominell schwäche Gegner ihre Probleme haben. Manche sehen gar kein Land. Ein Grund mehr, weniger auf Rundenturniere und mehr auf starke Opens zu setzen. Die Zeiten der Rundenturniere sollten vorbei sein.
WMUELLER WMUELLER 20.07.2021 10:44
wie immer , eine sehr professionell und trotzdem unterhaltsam gestaltete Seite - Danke !
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