World Cup, Tiebreaks der 2. Runde: Favoriten setzen sich durch, Huschenbeth ist raus

von Klaus Besenthal
15.09.2019 – Beim FIDE World Cup in Khanty-Mansiysk wurden heute Nachmittag die 15 Tiebreakduelle der 2. Runde gespielt. Durchgesetzt haben sich dabei nahezu ausnahmslos die Elofavoriten, von denen Anish Giri aber die abschließende Armageddonpartie in Anspruch nehmen musste, um Evgeniy Najer schließlich auszuschalten. Ausgeschieden ist Niclas Huschenbeth, der gegen Nikita Vitiugov beide Partien verloren hat. Der nächste Gegner von Liviu-Dieter Nisipeanu, dem einzigen noch im Turnier befindlichen deutschen Spieler, heißt Peter Svidler. | Fotos: Offizielle Webseite

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FIDE WORLD CUP 2019

Nikita Vitiugov 2-0 Niclas Huschenbeth

Niclas Huschenbeth hat sich ambitionierte Ziele gesetzt hinsichtlich seiner Position auf der Weltrangliste. Erreichen kann er diese wohl nur, wenn er regelmäßig Partien gegen Gegner bekommt, die vor ihm platziert sind. Der Wechsel vom Hamburger SK zum FC Bayern München ist in diesem Sinne ein wichtiger Schritt: Bei den Bayern kann Huschenbeth am ersten Bundesliga-Brett gegen jede Menge echter Schwergewichte spielen. Nikita Vitiugov ist zweifellos so ein Kaliber, und die beiden Remisen, die Huschenbeth in den "langen" Partien erreicht hatte, dürften dem, was der deutsche Großmeister sich vorgenommen hat, schon einmal recht nahe gekommen sein. 

Heute war es allerdings schwierig für Huschenbeth. In der ersten Rapidpartie hatte der Deutsche mit Schwarz eine überschaubare Struktur herbeigeführt, die schon in tausenden von Großmeisterpartien zum Remis geführt hat. Bei fehlenden c- bzw. d-Bauern war die Stellung symmetrisch, und eigentlich hätten hier einfach nur Figuren getauscht werden können. Das war vermutlich Huschenbeths Strategie für den Stichkampf gegen Vitiugov gewesen: ein sicheres Schwarzremis, mit Weiß dann noch einmal richtig angreifen. Allein Vitiugov hatte etwas dagegen: Der russische Großmeister hatte sich die Herrschaft über die c-Linie gesichert (was für sich genommen noch nicht entscheidend war) und eine feste Vorstellung davon entwickelt, welche "Karriere" seine Türme (oder wenigstens einer von ihnen) in der Folge noch machen sollten. Vitiugovs Kalkulation ging voll auf, und so war dies eine jener seltenen Partien, in denen die beschriebene symmetrische Struktur gerade kein Remis ergab. Vitiugovs Spielführung war stark - die ChessBase-Kommentatoren Oliver Reeh und Karsten Müller sprachen gar von einer "Modellpartie":

 

In der zweiten Partie zeigte sich dann wieder einmal die zweifelhafte Sinnhaftigkeit dieses Tiebreakmodus. Huschenbeth musste unbedingt gewinnen, um das Ausscheiden aus dem Turnier noch abzuwenden. Er machte dann notgedrungen Züge, die er in einer "normalen" Partie vielleicht nicht gemacht hätte. Vitiugov musste nur noch mit kühlem Kopf die Ernte einfahren:

 

Jeffery Xiong (rechts) gehörte heute zu den siegreichen Favoriten

Ein Name, den man sich zunehmend merken sollte: Yu Yangyi gehört zur Weltspitze

Luke McShane zeigte heute gleich zweimal, dass es möglich ist, nach einer verlorenen Partie das nächste Spiel doch noch zu gewinnen. Genützt hat es nichts: Im Blitzen ist der englische Großmeister letztlich aus dem FIDE World Cup ausgeschieden 

Anish Giri: Der Niederländer konnte seine Armageddonpartie gegen Evgeniy Najer mit Schwarz gewinnen

Ergebnisse 2. Runde / Tiebreaks

Tiebreak-Regeln:

1. 2 25-Min.-Partien + 10 Sek. Inkrement ab Zug 1

2. 2 10-Min.-Partien + 10 Sek. Inkrement ab Zug 1

3. 2 5-Min.-Partien + 3 Sek. Inkrement ab Zug 1

4. Armageddon-Partie

Paarungen

Ding Liren - Sergei Movsesian 1:0, ½:½

Kirill Alekseenko - Johan-Sebastian Christiansen 1:0, ½:½

Leinier Dominguez Perez - Nijat Abasov 1:0, 1:0

Alexander Grischuk - Benjamin Bok ½:½, 1:0

Nikita Vitiugov - Niclas Huschenbeth 1:0, 1:0

B. Adhiban - Yu Yangyi 0:1, ½:½

Wei Ji - David Anton Guijarro ½:½, 1:0

Evgeniy Najer - Anish Giri ½:½, ½:½, ½:½, ½:½, 0:1, 1:0, 0:1

Jeffery Xiong - Amin Tabatabai 1:0, 1:0

Eltaj Safarli - Nihal Sarin 1:0, ½:½

Sanan Sjugirov - Teimour Radjabov ½:½, 0:1

Luke McShane - Daniil Yuffa 0:1, 1:0, 0:1, 1:0, 0:1, 0:1

Dmitry Jakovenko - Gawain Jones 1:0, 1:0

Andrey Esipenko - Peter Svidler 0:1, 0:1

Maxim Matlakov - Boris Gelfand 1:0, ½:½

Paarungen der 3. Runde

Beginn ist am Montag, 16.9., um 12.00 Uhr deutscher Zeit.

Ding Liren - Alireza Firouzja

Kirill Alekseenko - Pentala Harikrishna

Leinier Dominguez Perez - Wang Hao

Alexander Grischuk - Xu Xiangyu

Wesley So - Santosh Gujrathi Vidit

Sergey Karjakin - Nikita Vitiugov

Ian Nepomniachtchi - Evgeny Tomashevsky

Yu Yangyi - Wei Ji

Anish Giri - Jeffery Xiong

Dmitry Andreikin - Jan-Krzysztof Duda

Shakhriyar Mamedyarov - Eltaj Safarli

Teimour Radjabov - Daniil Yuffa

Maxime Vachier-Lagrave - Dmitry Jakovenko

Liviu-Dieter Nisipeanu - Peter Svidler

Levon Aronian - Maxim Matlakov

Vladislav Artemiev - Le Quang Liem  

Partien

 

Turnierseite



Themen: World Cup 2019

Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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Martin Rieger Martin Rieger 16.09.2019 07:54
Großartige Leistungen von Niclas und LD mit teilweise sehr spannenden und auch kreativen Partien.
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 15.09.2019 10:49
Niclas Huschenbeth hat wirklich großartig gespielt und großes Kämpferherz gezeigt. Naiditsch ausgeschaltet und Vitiugov in den Tie Break gezwungen, was nun wirklich nichts mehr mit klassischem Schach zu tun hat, verdient allerhöchste Anerkennung. Niclas kann stolz auf seine Leistung sein. Vitiugov ist die Art von Spieler, die für Huschenbeth am unangenehmsten ist, da sie wenig anbieten, das Spiel austrocken und komplett und zu Recht (!) auf ihre herausragenden Endspielskills vertrauen. Hoffen wir, dass Nisipeanu weiterhin so furchtloses und kreatives Schach zeigen kann. Wie er Nakamura zerstört hat, war zum Zungeschnalzen.
Kasparlsen Kasparlsen 15.09.2019 08:23
Vor allem die zweite Partie Vitiugov-Huschenbeth war der Knaller schlecht hin. Die letzten 10-15 Züge waren dermassen spannend und fazinierend dass mir sogar noch während der Partie die Chips ausgingen. Niclas schwer unter Druck fand den einzigen Weg zum Remis, zum Schluss passte alles wunderbar zusammen! Ein echtes Kunstwerk, wer diese Partie noch nicht gesehen hat dem kann ich diese nur ans Herz legen! Schach vom Feinsten!
kumagoro kumagoro 15.09.2019 07:06
Auch wenn Vitiugov letztlich verdient weitergekommen ist und im Schnellschach etwas besser war, hat Huschenbeth ein erfolgreiches Turnier hinter sich. Er muss stolz sein auf seine Leistung und sich keineswegs schämen nach Hause fahren zu müssen. Weiter so und viel Glück an Nisipeanu für die 3.Runde gegen Svidler!
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