Württemberg gewinnt Frauen-Teammeisterschaft der Landesverbände

von Thomas Marschner
08.06.2018 – Über Fronleichnam findet in Braunfels traditionell die Frauen-Mannschaftsmeisterschaft der Landesverbände satt. 14 Teams aus 11 Verbänden nahmen teil. Nach fünf Runden stand Titelverteidiger Württemberg als Sieger fest. NRW und Hamburg belegten die Plätze. Eine spektakuläre Partie lieferten sich Helen Mira und Carina Brandt.

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Württemberg verteidigt Titel bei der deutschen Frauenmannschaftsmeisterschaft der Landesverbände

Jedes Jahr trifft sich über Fronleichnam das deutsche Frauenschach im mittelhessischen Braunfels, um den Mannschaftsmeister der Landesverbände in 5 Runden Schweizer System auszuspielen, das Turnier läuft unter der etwas sperrigen Abkürzung DFMM-LV. Im Gegensatz zu den Frauenligen wird hier mit 8 Spielerinnen pro Mannschaft gespielt. Dieses Jahr gab es gleich zwei Jubiläen zu feiern: das Turnier erlebte seine 40. Auflage, und zum 25. Mal fand das Turnier in Braunfels statt.

Schloss Braunfels

14 Mannschaften aus 11 Landesverbänden gingen an den Start, Gastgeber Hessen, Titelverteidiger Württemberg und Bayern stellten gleich 3 Mannschaften.

Ein großer Vorteil vom Austragungsort sind die kurzen Wege: alle Hotels sowie eine Vilezahl von Restaurants und bei sommerlichen Temperaturen stark frequentierten Eisdielen befinden sich im Fußwegabstand zur Spielstätte, und gerade mit dem Rahmenprogramm geben sich die gastgebenden Schachfreunde Braunfels um ihren Vorsitzenden Sebastian Swoboda wieder viel Mühe. Schon Tradition hat das gemeinsame Abendbüffet aller Spielerinnen und Begleitpersonen mit anschließendem Blitzturnier am Abend vor der letzten Runde. Außerdem wurde eine Führung durch das Braunfelser Schloss, das schon seit dem 13. Jahrhundert Sitz der Grafen zu Solms ist, angeboten.

Doch jetzt zum Turnierverlauf. Die Startrangliste versprach einen spannenden Verlauf, Hamburg, Württemberg und Baden waren nominell fast gleichauf. Bei allen 3 Mannschaften war gerade Brett 1 stark besetzt: bei Hamburg war Diana Baciu das erste Mal in Braunfels am Start, bei Württemberg war Karina Ambartsumova vom deutschen Vizemeister SK Schwäbisch Hall schon zum dritten Mal in Folge aus dem russischen Kazan nach Braunfels gekommen, und für Baden spielte die deutsche Nationalspielerin Josefine Heinemann.

Josefine Heinemann (Baden)

Daher war es etwas überraschend, dass Titelverteidiger Württemberg am Ende das Turnier relativ sicher gewann. Die Vorentscheidung fiel in Runde 3, als Hamburg klar mit 5,5-2,5 geschlagen wurde, das Ergebnis hätte sogar noch deutlicher ausfallen können, stand es doch nach 3 Stunden 5-0 für den Titelverteidiger.

Karina Ambartsumova (Württemberg) - Diana Baciu (Hamburg)

Zwischen den beiden Mannschaften wurde die wohl spektakulärste Partie des Turniers gespielt: die ehemalige Schauspielerin Helene Mira aus Österreich, lange am Theater für Vorarlberg in Bregenz tätig – Chessbase widmete ihr schon 2005 einen Beitrag – spielte gegen die für Harksheide in der Frauenbundesliga spielende Carina Brandt und folgte mit ihrem Königsmarsch nach g6 bei vollem Brett bekannten Vorbildern wie Nigel Short und David Navara. Der König erwies sich als starke Angriffsfigur, und der Schlusszug war standesgemäß ein Abzugsschach durch einen Königszug.

 

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Helene Mira (Württemberg)

Nach dem Sieg gegen Hamburg machten die Württembergerinnen es gegen Sachsen nochmal spannend, als mit etwas Mühe 5-3 gewonnen wurde. Gegen Bayern gab es dann aber in der Schlussrunde ein klares 5,5-2,5. Gleich 2 Spielerinnen des alten und neuen Meisters gewannen alle Partien und erhielten dafür einen Sonderpreis: Karina Ambartsumova an Brett 1 sowie die seit letzter Saison für die SF Deizisau ebenfalls in der Frauenbundesliga spielende Anzhelika Valkova an Brett 8. Dazu gesellte sich noch Stefanie Scognamiglio aus Hamburg, die ebenfalls fünf Mal gewann. Die 3 recht komplizierten Namen der Preisträgerinnen machten dem ansonsten souveränen Turnierleiter Wolfgang Fiedler die Siegerehrung nicht ganz einfach.

Zweiter wurde am Ende etwas überraschend Rekordsieger Nordrhein-Westfalen, die nach ihrem glatten 6-2 gegen Sachsen in der letzten Runde vom Unentschieden zwischen Hamburg und Baden profitierten. Dritter wurde nach Feinwertung Hamburg vor Baden. Bei der DFMM-LV entscheidet die Buchholzwertung noch vor den Brettpunkten, dieses Jahr machte das aber keinen Unterschied, weil Hamburg in beiden Wertungen vorne war.

Zusätzlich zu ihrer Medaille erhielten alle Spielerinnen des Meisters noch eine Lasker-Medaille, die aus Anlass des 150. Geburtstags des einzigen deutschen Schachweltmeisters in dreistelliger Zahl aufgelegt wurde.

Ehrung der erfolgreichsten Einzelspielerinnen durch den Braunfelser Bürgermeister

Endstand nach 5 Runden

Rang MNr Mannschaft TWZ At S R V Man.Pkt. Buchh Brt.Pkt
1. 3. Württemberg 1 2000   5 0 0 10 - 0 31.0 29.0
2. 6. NRW 1944   4 0 1 8 - 2 23.0 26.5
3. 1. Hamburg 2023   3 1 1 7 - 3 31.0 23.5
4. 2. Baden 2001   3 1 1 7 - 3 25.0 21.0
5. 7. Sachsen 1936   3 0 2 6 - 4 32.0 23.0
6. 5. Bayern 1 1971   3 0 2 6 - 4 29.0 24.0
7. 8. Thüringen 1924   3 0 2 6 - 4 20.0 22.5
8. 4. Hessen 1 1990   2 0 3 4 - 6 26.0 21.0
9. 10. Württemberg 2 1692   2 0 3 4 - 6 24.0 20.0
10. 12. Hessen 2 1658   2 0 3 4 - 6 23.0 12.0
11. 13. Schleswig Holstei 1621   1 1 3 3 - 7 21.0 15.5
12. 9. Bayern 2 1738   1 0 4 2 - 8 26.0 15.5
13. 11. Rheinland Pfalz 1687   1 0 4 2 - 8 22.0 14.5
14. 14. Saarland (SG) 1592   0 1 4 1 - 9 17.0 12.0
 

 

Turnierseite des Deutschen Schachbundes...

 

 

 


Dr. Thomas Marschner, Jahrgang 1967, ist Physiker und arbeitet in der Technologieentwicklung für die Herstellung von Solarmodulen. Er spielt seit fast 40 Jahren Schach, hat eine Elo von 2000 und spielt für seinen Heimatverein aus Eppstein im Taunus in der hessischen Verbandsliga. Er lebt in Schwäbisch Hall und berichtet bevorzugt aus der Schachbundesliga und der Frauenbundesliga. Außer Schach spielt er ebenfalls auf Verbandsebene Tennis, fotografiert gerne und betreibt unter www.thomas-marschner.de seine eigene Webseite.

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