Yasser Seirawan: “Eine radikale Lösung – Neuauflage”

03.12.2016 – Anlässlich des Weltmeisterschafts-Kampfes Carlsen-Karjakin hatte unser Autor Yasser Seirawan mit seinem Vorschlag "Eine radikale Lösung" eine Kontroverse ausgelöst. In einem zweiten Beitrag kommt der Großmeister auf seinen Vorschlag zurück und wendet sich an die Öffentlichkeit, die seinen Beitrag so kontrovers wie kaum einen anderen in der letzten Zeit aufgenommen hat. Mehr...

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Herzliche Glückwünsch, Magnus, zum Gewinn des Weltmeisterschaftskampfs und zur Titelverteidigung. Und alles Gute zum Geburtstag. Glückwunsch auch an Sergey, der sich als äußerst würdiger Herausforderer erwiesen hat. Es war ein packendes Match. Bravo an beide. Meine Kritik – und die anderer – an Partie 12 wird bald vergessen sein, da der Schnellschach-Tie-Break uns die Spannung gebracht hat, die in Partie 12 so sehr fehlte. Lang lebe der Champion!


Ich schreibe diesen Artikel als Follow-Up meines vorherigen Artikels, der unter dem Titel “Eine radikale Lösung” erschienen ist. Aber vor allem, weil ich den Lesern und Ihnen, den Fans, einfach für Ihr Feedback danken möchte. Ohne Ihr Interesse gäbe es keine Weltmeisterschaften. Es sind die Fans, die das Spiel ausmachen. Das sollten wir nie vergessen.


Das Feedback auf meinen Artikel war recht positiv. Ich möchte allen danken, die sich an der Diskussion beteiligt haben. Das radikale Konzept eines Wettkampfs mit einer ungeraden Zahl von Partien, bei dem der Spieler, der einmal mehr mit Schwarz spielt, bei Gleichstand zum Sieger erklärt wird, wurde nicht rundheraus verworfen. Eine Mehrheit war sogar der Meinung, dieser Vorschlag hätte Vorteile. Aber trotzdem sprach sich eine noch größere Mehrheit für ein längeres Match über 18 Partien aus. Ich bin keineswegs anderer Meinung. Ich halte ein längeres Match ebenfalls für deutlich besser. Tatsächlich finde ich es merkwürdig, dass im Kandidatenturnier 14 Runden gespielt werden, im WM-Kampf dann jedoch nur 12.
Interessant ist auch die von etlichen Seiten geäußerte Idee, im Falle eines Gleichstands im Match, “jeweils zwei Partien klassisches Schach“ zu spielen, bis ein Sieger feststeht. Das Problem dieser so praktisch scheinenden Lösung ist allerdings, dass im wirklichen Leben kein Organisator einen Wettkampf mit offenem Ausgang zu planen. Schon einen Raum für einen solchen Wettkampf zu finden, wäre ein enormes Problem. Denn wie lange sollen die Organisatoren den Raum mieten? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es 1987, als sich Seattle für die Ausrichtung des WM-Kampfs beworben hatte (Sevilla bekam den Zuschlag), extrem schwierig war, einen schönen Austragungsort für 24 Partien zu finden. Für den Organisator ist eine festgelegte Anzahl von Partien deshalb ein Muss.


Eine andere, oft vertretene, Ansicht vieler Fans, die mich überrascht hat, war die, dass eine gerade Zahl von Partien gut ist, aber der Titelverteidiger bei einem Wettkampf über 18 Partien bei einem Gleichstand von 9-9 die Krone behalten sollte. Das Argument, das dafür spricht, den Titelverteidiger bei Gleichstand den Titel behalten zu lassen, lautet, dass der Herausforderer den Weltmeister schlagen muss. Warum? Weil der Weltmeister der beste Spieler ist, und wenn der Herausforderer gegen den Titelverteidiger nur Ausgleich erzielt, dann hat sich der Herausforderer nicht als besser erwiesen. Ein interessantes Argument, das mich allerdings nicht überzeugt.


Ich möchte noch einmal betonen, dass ich ein Kritiker des aktuellen Formats bin. Es gefällt mir überhaupt nicht. Tatsächlich finde ich den augenblicklichen Zyklus ganz einfach dumm. Warum? Stellen Sie sich einmal einfach Folgendes vor – und ich wette schon jetzt, dass Sie dabei ins Schleudern kommen werden: erklären Sie das aktuelle System einem guten Freund, der kein Schach spielt. Erklären Sie, dass der Weltmeister, vermutlich der beste Schachspieler der Welt, zwei Jahre lang nicht an dem Zyklus teilnimmt, sondern darauf wartet, dass ein Herausforderer ermittelt wird. Dass es eine Turnierserie namens Kontinentalmeisterschaften mit vier offenen Turnieren nach Schweizer System gibt, an denen Hunderte von Spielern teilnehmen können, in denen mit unterschiedlichen Bedenkzeiten gespielt wird, und die als Qualifikationsturniere für ein Turnier namens “World Cup” dienen, wo man viel Geld gewinnen kann. Das nun aber ein K.o.-Turnier mit 128 Teilnehmern und unterschiedlichen Bedenkzeiten ist, und in dem Stichkämpfe über die Qualifikation zu einem “Kandidatenturnier” entscheiden, einem “doppelrundigen Rundenturnier” mit anderer, langsamerer Bedenkzeit. Im Kandidatenturnier treten acht Spieler gegeneinander an. Und zwar der Verlierer des vorherigen Weltmeisterschaftskampfs, die Spieler, die sich im World Cup qualifiziert haben, ein paar Spieler mit den höchsten Elo-Zahlen der Welt, und ein Spieler, der eine Wildcard erhält, über die der Organisator entscheidet. Achten Sie darauf, Begriffe wie “Open nach Schweizer System”, “K.o.-Wettkämpfe”, “Doppelrundiges Rundenturnier” zu betonen und die unterschiedlichen Bedenkzeitregelungen zu erläutern, und werfen sie auch ein oder zwei Mal “Armageddon” ins Gespräch, damit ihr Freund auch zuhört. Und vergessen Sie nicht, dass es im Kandidatenturnier keine Tie-Breaks gibt. Erwähnen Sie stattdessen bitte, dass es, wenn man sich am Ende mit jemand anderem Platz eins teilt, besser ist, mehr Partien verloren zu haben als sein Rivale, anstatt ungeschlagen geblieben zu sein. Ich garantiere Ihnen, dass Sie Ihren Freund gründlich verwirrt haben werden. Und vielleicht auch sich selbst.


Noch schlimmer als die obige Herausforderung, den aktuellen WM-Zyklus einem Freund zu erklären, ist der Gedanke, man sei Organisator eines Turniers in diesem Zyklus. Sie hätten gerne ein prestigeträchtiges Turnier in Ihrer Heimatstadt. Wie aufregend. Sie möchten, dass die besten Spieler der Welt daran teilnehmen. Natürlich. Aber wer ist der beste Spieler der Welt? Natürlich der Weltmeister. Aber der Weltmeister, die größte Attraktion im Schach, nimmt an dem gesamten Zyklus nicht teil. Noch einmal, er wartet darauf, dass ein Herausforderer ermittelt wird. Das ist verrückt. Warum spielt man solche phantastischen Turniere, wenn der beste Spieler der Welt, der Weltmeister, an keinem dieser Turniere teilnehmen darf? Das scheint mir, gelinde gesagt, kontraproduktiv zu sein.


Doch die Schachwelt hat Glück, ja, sehr viel Glück. Magnus war ein wunderbarer, aktiver Champion. Er hat sich nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht. Ganz und gar nicht. Er hat in den Turnieren gespielt, in denen er spielen konnte, und die größten Herausforderungen gesucht. Und er hat sich als wahrer Weltmeister gezeigt. Er hat die Bewunderung aller Fans verdient. Aber nehmen wir als Gedankenspiel einmal an, Magnus wäre weniger erfolgreich gewesen als er es war, oder, schlimmer, weniger aktiv. Stellen Sie sich vor, Magnus macht ein Jahr lang Pause vom Turnierschach. Das wäre für Schachfans schrecklich. Der Herausforderer muss derweil gegen die ganze Welt eintreten, um Herausforderer zu werden – und da zählt nur der erste Platz. Überlegen Sie, welchen Weg Sergey Karjakin zurückgelegt hat: Er hat im K.-o.-Turnier mit 128 Teilnehmern gespielt und äußerst schwierige Situationen überlebt, in denen er unter enormem Druck stand, bis er schließlich im Finale stand, wo er gewonnen hat, weil er Partien auf Bestellung gewonnen hat. Diese phantastische Leistung hat ihm zu einem Platz im Kandidatenturnier verholfen. Dem stärksten Turnier der Welt, das er ungeschlagen gewonnen hat, wodurch er zum Herausforderer wurde. Hat er sich damit nicht als stärkster Spieler der Welt erwiesen? Vor allem, da der Weltmeister zwangsweise gefehlt hat? Oder Pause gemacht hat. Warum sollte der Herausforderer dem Weltmeister den Vorteil einräumen, dass das Match bei Gleichstand zugunsten des Titelverteidigers ausgeht? Hat er nach einer solchen Qualifikation nicht mindestens faire und gleiche Spielbedingungen verdient? Deshalb habe ich in meinem Artikel „Eine radikale Lösung“ nicht vorgeschlagen, dass der Weltmeister bei Gleichstand gewinnt; sondern ich habe vorgeschlagen, dass das Los darüber entscheiden sollte, welcher Spieler bei Gleichstand gewinnt und wer einmal mehr mit Schwarz spielt.


Man muss es Magnus hoch anrechnen, dass er selbst Unzufriedenheit mit dem aktuellen Format des Zyklus geäußert hat. Er hat einen “moderneren Zyklus” gefordert, allerdings ohne genaue Einzelheiten einer solchen Idee. Eine Sache steht jedoch fest: Eine solche Forderung ist definitiv nicht in seinem ureigenen Interesse. In einem modernen Zyklus müsste er sich vielleicht erst einen Platz im WM-Finale erkämpfen und auf den Luxus verzichten, als Titelverteidiger gesetzt zu sein.


Meiner Meinung nach müssen sich die Interessenvertreter der Schachwelt zusammensetzen und den gesamten Zyklus noch einmal neu durchdenken. Sie müssen schonungslos analysieren, welche Turniere die Interessen des Schachs, der Fans, der Spieler und der Organisatoren am besten bedienen, und welche Turniere jedem Spieler faire und gleiche Bedingungen bieten. Ich hoffe, meine beiden Artikel helfen, eine solche Diskussion anzustoßen. Eine Diskussion, die sowohl der Weltmeister als auch die Frauenweltmeisterin offen gefordert haben. Die Schachwelt bewegt sich langsam. Falls der Zyklus nicht in seiner Gesamtheit neu überdacht wird, dann hoffe ich, dass es bei einer radikalen Lösung für unserer Kronjuwel, der Weltmeisterschaft im (klassischen) Schach, keinen Tie-Break mehr gibt.

Ich selbst würde es für eine gewaltige Verbesserung halten, wenn der nächste Weltmeisterschaftswettkampf über 15 Partien gehen würde, und der Spieler, der bei der Farbauslosung zu Beginn des Wettkampfs die schwarzen Steine erhält, bei Gleichstand den Wettkampf gewinnt. In einem solchen Match würde ein Spieler immer im Rückstand liegen und auf Gewinn spielen müssen. Zahme Remispartien würden lediglich dem Spieler nützen, der in Führung liegt. Die Entscheidung würde nur in klassischen Partien fallen und nicht im Schnellschach, im Blitz oder durch eine Armageddon-Partie. Aber man soll nicht denken, dass ich die Schachwelt um die Aufregungen des Schnellschachs bringen möchte – ganz und gar nicht. Aber es gibt eine Schnellschachweltmeisterschaft. Die findet bald statt. Und Sie sollten diese Form des Schachs nicht verpassen. Aber lassen Sie uns die drei Formen des Schachs, klassisches Schach, Schnellschach und Blitzschach, getrennt voneinander halten.

Übersetzung: Johannes Fischer


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Andrej7 Andrej7 05.12.2016 05:09
Ich würde jetzt etwas ganz anderes vorschlagen und dafür wahrscheinlich eher negative Reaktionen ernten.
Ich schlage vor Los durch eine Partie von ... Fisher Schach (Chess 960) zu ersetzen.
Ein Unentschieden dort ist nicht so einfach zu erreichen.
Ich weiß natürlich, Chess 960 ist kein klassisches Schach. Trotzdem ...
yomic yomic 04.12.2016 12:09
Ich kann mich an keinen WM-Kampf erinnern, der für mehr mediales Interesse sorgte als diese WM. Warum sollte ein WM-Kampf nach 6:6 nicht in einem Tie-Break mit Schnellpartien entschieden werden? Im Fußball macht sich auch niemand Gedanken darum, ob das Elfmeterschießen nach der zweiten Verlängerung zu einem gerechten Ergebnis führt. Schach braucht Spannung und mediales Interesse. Beides hat die WM geboten - auch (bzw. gerade) wegen dem Tie-Break. Traditionell wird die Schach-WM in einem Zweikampf zwischen dem amtierenden Weltmeister und dem Herausforderer ausgetragen. Wo liegt das Problem? Die WM-Qualifikationswettkämpfe finde ich ebenfalls sehr spannend. Warum sollte sich ein Nicht-Schachspieler für die Regeln der WM-Qualifikation interessieren? Im Gegensatz dazu interessieren die Superstars der Szene (Weltmeister und Herausforderer) den sportbegeisterten Nicht-Schachspieler und den Gelegenheits-Schachspieler gleichermaßen. Zwei Superstars als Zugpferde!
Sangesgott Sangesgott 03.12.2016 11:52
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum das jahrzehntelange bewährte System der Qualifikation über Zonen- und Interzonenturniere und anschließenden Kandiatenwettkämpfen abgeschafft wurde. Sicherlich, es hatte auch Schwachpunkte, aber die sehe ich auch und noch gravierender im aktuellen System. Und ein 100% faires System ist meines Erachtens schlicht nicht möglich bzw. nicht praktikabel.
Was den Titelkampf selbst angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits fand ich die Wettkämpfe auf 6 Gewinnpartien am sinnvollsten, sehe aber natürlich auch die organisatorischen Probleme. Andererseits waren die auf 24 Partien angesetzten Kämpfe schon gut durchdacht: Lang genug, um einen würdigen Weltmeister zu ermittteln aber dabei über einen festgelegten Zeitraum. Und meistens wurden die nach diesem Modus ausgefochtenen Kämpfe sogar schon vor der 24. Partie entschieden.
Bleibt die Frage, wie bei Unentschieden verfahren wird. Den jetzigen Tie-Break-Modus - da bin ich ganz bei GM Seirawan - ist dem klassischen Turnierschach unwürdig, denn schließlich gibt es eigene Schnellschach-WMs. Daher würde ich ganz pragmatisch dafür plädieren, dass in dem Fall der Spieler mit der höheren Elo den Titel erhält, und für den unwahrscheinlichen Fall, dass auch hier beide gleichauf liegen, derjenige der zuletzt vor dem anderen lag.
Nils-Hero Nils-Hero 03.12.2016 10:17
Anzahl Patts / Materialgewinne (z.B. Endstellung K+S versus K) als Zweitwertung einführen. Bei unentschiedenem Match zählt die Zweitwertung. Ist auch die ausgeglichen, bleibt der Weltmeister eben Weltmeister. Nebeneffekt: Wahrscheinlich längere Partien.

Das wäre meine Lösung.

Desweiteren fände ich 24 Partien klasse und ich hätte auch gerne die Hängepartie zurück.

Blitzen oder den Schwarzen, wenn er Remis hält, gewinnen zu lassen gefällt mir gar nicht.
wok wok 03.12.2016 09:23
Ich fiinde den Vorschlag interessant, die Tiebreaks zu Beginn des Turniers zu spielen. Der Verlierer der Tiebreaks ist dann unter Druck das klassiche Match für sich zu entscheiden, ganz ohne Los. Ein ungelöstes Problem ist allerdings, dass theoretisch ein Match über 12 Partien nach 7 Partien vorbei sein kann. Man sollte immer 12 Partien ausspielen und das Preisgeld - oder zumindest einen Teil davon - gemäß dem Endergebnis aufteilen.
RomanRabe RomanRabe 03.12.2016 06:29
Hallo zusammen,
Yasser Seirawan macht einen guten Vorschlag, den ich im Pinzip begrüße. Wobei ich dann 18 Partien spielen lassen würde mit nur einem Ruhetag alle 6 Partien, das wären dann gesamt 20 Tage. Und das auf 2 mal 9 Partien, wobei der amptierende Weltmeister 10 mal Schwarz und nur 8 mal Weiß bekommt. Bei Gleichstand hat der amtierende Weltmeister seinen Titel verteidigt.
Die Qualifikation für den Herausforderer mag kompliziert aussehen, aber ich finde sie dennoch gerecht. Denn durch die verschiedenen Qualifikationshürden kommt kein Herausforderer zum Zug, der vielleicht nur ein gutes Turnier gespielt hat. Das Kandidatenturnier wieder als Zweikämpfe auszutragen, fand ich allerdings noch spannender, und würde mir es auch wieder wünschen. Zudem sind somit keine "Punktschenkungen" im Kadnidatenturnier möglich, was ja zur Einführung der KO-Wettkämpfe geführt hat.
Bunte Schachgrüße.
Chesswm2017 Chesswm2017 03.12.2016 06:06
Die Mehrzahl der Partien unter den Top 10 der Welt geht Remis aus. Die von Seirawan vorgeschlagene Regelung bevorteilt daher denjenigen erheblich, der Schwarz zugelost bekommt.
D.h. es kann sein, daß eben nicht der beste Spieler der Welt Weltmeister wird. Anders ausgedrückt, der Zufall entscheidet mit, wer Weltmeister wird.
Oder, bei bestechlichen Funktionären, die Einfluß auf die Auslosung nehmen, derjenige der am meisten zahlt.

Der Vorschlag, 18 Partien zu spielen, und bei Gleichstand dann 2 Partien, bis ein Sieger feststeht, halte ich für extrem gut.
Den von Seirawan erwähnten Nachteil, keine Räumlichkeiten auf Dauer zu haben, könnte man doch sehr einfach lösen:

Nach den 18 Partien gibt es eine Matchpause, die Fortsetzung findet dann bei der Fide (z.B. in Lausanne) statt.
Sollten dort entsprechende Räumlichkeiten noch nicht vorhanden sein, muß man eben eine neue Räumlichkeiten erwerben.
C_F_Gauss C_F_Gauss 03.12.2016 06:01
Ich finde, das Los sollte nirgendwo eine Rolle spielen, es ist einfach schwer vermittelbar, vor allem, wenn es jemandem einen statistischen Vorteil per Glück zuweist. Bei einem Gleichstand nach 12 (oder auch mehr Partien) muss der nachfolgende Modus wie ich finde vier Dinge erfüllen:

- normale Bedenkzeit
- statistisch fair
- zwingend entscheidend
- zeitlich absehbar / zeitnahes Ende


Die Remisquote scheint bei Spielern um die 2800 sehr hoch zu sein, beim Kandidatenturnier waren es bei 56 Partien 71,4% (die Siegquote für Schwarz lag bei gerade mal 5,4%). Die Wahrscheinlichkeit, dass Schwarz nicht verliert lag also bei etwa 77%. Spielt ein Spieler mit Schwarz nun gezielt auf Remis, das heisst, geht er nicht auch nur das geringste Risiko ein, um einen möglichen Sieg zu erringen, liegt diese Quote vermutlich noch etwas höher. Wenn man nun ermitteln könnte, dass dann die Wahrscheinlichkeit, dass Schwarz bei Spiel auf Nicht-Niederlage bei ungefähr 80% liegt (und das kann man mit Hilfe von Datenbanken tun, wo Weltklassespieler gegeneinander angetreten sind, Weiß den Sieg benötigte und Schwarz nur Remis, das gab es zuhauf), schlage ich vor: Nach Gleichstand folgen drei Partien (bei normaler Bedenkzeit), der Herausforderer greift drei mal mit Weiß an, der Weltmeister verteidigt drei mal mit Schwarz. Bleibt der Weltmeister ungeschlagen, bleibt er Weltmeister. Der Herausforderer muss ihn entthronen, indem er ihn ein mal schlägt. Siege in Schwarz spielen keine Rolle, reicht weiß die Hand weil er keine Chance mehr zum Sieg sieht oder gar sehr schlecht steht, ist es Remis. Der Weltmeister muss nur ungeschlagen bleiben. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist etwa 0,8 x 0,8 x 0,8 ~= 50%. Spannung ist garantiert, Weiß gibt alles, kann volles Risiko gehen, Schwarz kann voll auf Bunker spielen, es ist statistisch gerecht sowie zwingend entscheidend - und es dauert lediglich 1-3 Tage, das ist mit einplanbar.
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