Zehnter Lehrgang der FIDE-Trainerakademie in Berlin

30.03.2008 – Mit seinem zehnten Lehrgang feierte die Berliner FIDE-Trainerakademie vor wenigen Tagen ein kleines Jubiläum. Im kleinen, aber sehr erlesenen internationalen Kreis erwarben die Teilnehmer den Titel eines FIDE-Trainers. Aus New York war zu diesem Zweck eigens der Kasparov-Freund Michael Khodarkowsky angereist, der selber in den USA eine Schachakemie mit zahlreichen Trainern unterhält. Ein weiterer prominenter Kursteilnehmer war der in Deutschland studierende Großmeister Hedinn Steingrimsson, der sich auch schon als Rezensent einen Namen gemacht hat. Dagobert Kohlmeyer berichtet. Mehr...

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10. Lehrgang an der FIDE-Trainer-Akademie in Berlin
Von Dagobert Kohlmeyer

Die FIDE-Trainerakademie in Berlin ist weltweit die erste ihrer Art und die einzige in Europa. Sie feierte jetzt ein Jubiläum: Am Donnerstag vor Ostern ging der 10. Lehrgang zu Ende. Der Teilnehmerkreis war klein, aber fein: drei Schweizer, ein Isländer, ein Iraner; zudem konnte Akademiedirektor Uwe Bönsch einen Kollegen aus den USA begrüßen. Grund genug für uns, wieder einmal vorbeizuschauen. 

Die Räumlichkeiten der Akademie befinden sich auf dem Gelände des Berliner Olympiastadions. In direkter Nachbarschaft, nur einen Steinwurf entfernt, arbeiten auch das Generalsekretariat der Europäischen Schachunion (ECU), die Geschäftsstelle des DSB und die Deutsche Schachjugend (DSJ). Der Trainer-Einrichtung stehen in der dritten Etage ein Schulungsraum, ein Computerkabinett, ein Büro sowie eine Bibliothek zur Verfügung. Während ihres Lehrgangs besichtigten die Kursteilnehmer auch die Arbeitsräume der DSB-Geschäftsstelle, wo Sportdirektor Horst Metzing sie über die Tätigkeit von DSB und ECU informierte.

Ein besonderer Gast war Michael Khodarkowsky aus New York, der dir dortige FIDE-Trainerakademie leitet. Der Kasparow-Freund nutzte bei seinem Berlin-Aufenthalt die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit Uwe Bönsch.

Wir sprachen ebenfalls mit dem Großmeister über den aktuellen Lehrgang und künftige Vorhaben:

Uwe, diesmal ist es ein recht kleiner Kreis gewesen.

Das muss kein Nachteil sein. In der Regel haben wir um die zehn Teilnehmer. So eine kleine Gruppe ermöglicht ein optimales Feedback, so dass jeder einzelne individuell am meisten profitiert. Wir hatten hier schon Gäste aus vielen Ländern, von Mexiko, über Singapur bis zu exotischen Staaten Afrikas oder Ländern Nordeuropas wie Island.

Der junge Iraner Seyed Arash Akbarinia ist erst 21 Jahre alt und macht einen sehr engagierten Eindruck.

Das Land hat im Schach eine gewaltige Entwicklung vollzogen, im Männer- und im Frauenbereich. Unter Khomeni stand das Spiel ja auf dem Index, jetzt haben sie schon fünf Großmeister. Die iranische Föderation hat sich sogar darum beworben, die Frauenweltmeisterschaft auszurichten.

Inwiefern ist das realistisch?

Ich vermute eher, dass sie dort nicht stattfinden wird, denn es gibt gerade in diesem Land Anforderungen, die für unsere Damen nicht zumutbar sind. Sie müssten dort ein Kopftuch tragen. Hingegen kann ich mir Herrenturniere in Iran durchaus vorstellen. Es gab ja im Jahre 2000 schon das WM-Finale Anand – Schirow in Teheran.

Noch einmal für die Nicht-Eingeweihten: Was ist das Besondere an Eurer Berliner FIDE-Akademie?

Wir unterrichten nicht Schach, sondern konzentrieren uns auf die Ausbildung von Trainern. Das bieten wir weltweit an. Als Akademie sind wir Teil des Deutschen Schachbundes und Teil der FIDE. Mit unserer Tätigkeit wollen wir vor allem jenen Ländern helfen, in denen es keine Ausbildung von Schachtrainern gibt. In Deutschland haben wir ja die A-, B- und C-Trainerausbildung. Das ist recht gut organisiert, während es in den meisten anderen Ländern so etwas überhaupt nicht gibt. Und genau diesen Nationen bieten wir unsere Kurse an.

Welche Titel können erworben werden?

Es geht los mit den FIDE-Instructors. Das sind Leute, die in Schulen gehen und Kinder trainieren, also Übungsleiter werden wollen. Dann gibt es die FIDE-Trainer. Sie können in Vereinen arbeiten und auch Schach-Mannschaften trainieren, die etwas höher spielen. Und die FIDE-Senior-Trainer haben die höchste Qualifikation. Sie können Nationalteams betreuen. Für diese Stufe auf Topniveau haben wir bislang noch keine Lehrgänge angeboten.

Mit dem Isländer Steingrimsson absolvierte auch ein Großmeister Eure Trainerausbildung. Wie kam es dazu?

Hedinn Steingrimsson hat in Deutschland studiert. Er lebt in Bonn, ist Bundesligaspieler bei Godesberg und mit einer deutschen Frau verheiratet. Weil er sich sehr dafür interessiert, wie man mit jungen Menschen arbeitet, nahm er hier teil. Und genau diese Dinge konnte er in unserem Kursus mit Erfolg lernen.

Warum haben diesmal drei Schweizer teilgenommen?

Die Kooperation mit dem Schweizer Schachbund klappt sehr gut. Für nächstes Jahr planen wir einen kompletten Kursus nur in unserem Nachbarland. Dort sollen FIDE-Instructors für die Schweiz ausgebildet werden. Das ist mit den Verantwortlichen schon besprochen worden. Nach der Schacholympiade, wenn es etwas ruhiger geworden ist, können wir die konkreten Dinge vereinbaren.

Wo findet der Lehrgang statt?

Es wird in einer Sportschule in der Mittelschweiz sein. Dort sollen Referenten der Trainerakademie Berlin hinfahren und die Ausbildung vornehmen. Das kann Juri Rasuwajew oder Adrian Michaltschischin sein.

Auch IM Michael Richter, der sehr wichtig für die Computerarbeit ist. Nicht nur, was die Arbeit mit den Programmen von ChessBase betrifft, sondern auch, wie man Schachtraining über das Internet organisieren kann. Michael ist ein absoluter Spezialist, und sein Unterricht ist jedes Mal sehr gefragt.

Es gibt ja jetzt auch immer mehr Privatschulen, an denen Schach auf ansprechendem Niveau gelehrt wird.

Ja, wir haben in Deutschland etliche etablierte Schulen. In München, wo die Großmeister Stefan Kindermann und Gerald Hertneck arbeiten, in Berlin, wo Michael Richter wirkt. In Dortmund gibt es eine große Schachschule und noch viele mehr. Ich hoffe, man ist mir jetzt nicht böse, wenn ich nicht alle aufgezählt habe.


Wenn Großmeister Unterricht per Telefon erteilen…
Interview mit dem New Yorker Akademiedirektor Michael Khodarkowsky

Ein besonderer Gast in Berlin war Michael Khodarkowsky aus New York, der die dortige Trainerakademie und zwei Schachschulen für Kinder leitet. Der 49-jährige Schachmeister stammt aus Russland, lebt aber seit 1992 in New York und arbeitet dort als Schachlehrer. Khodarkowsky hat auch Bücher verfasst, darunter über Grünfeld-Indisch. Später kamen in Zusammenarbeit mit Kasparow Lehrbücher für das Schachtraining mit Kindern hinzu.

Wie nennt sich Ihre Schachakademie?

Sie heißt American Chess University, und ihr Sitz ist in New York. Darüber hinaus haben wir Schachschulen in New York und New Jersey. In ihnen lernen insgesamt etwa 700 Kinder. Wir begannen in New Jersey mit dem Kindertraining und haben die Schule mit den Jahren kontinuierlich ausgebaut. Später wurde die Trainerakademie nach dem Vorbild von Berlin gegründet. Dort werden Schachlehrer ausgebildet. Es gibt Seminare bei uns, wo man die Trainerlizenz erwerben kann. Wenn wir in Manhattan arbeiten, um Trainer auszubilden, mieten wir spezielle Räume.

Also eine ähnliche Bildungsstätte wie in Berlin und Singapur?

Wir sind offiziell von der FIDE anerkannt. Den Unterricht erteilen wir, ihre Zertifikate erhalten die Trainer vom Weltschachbund. Die Seminare und Workshops erfolgen in Englisch, Russisch oder Spanisch. Ein Lehrgang und das Zeugnis kosten insgesamt 700 Dollar je Teilnehmer. In Berlin und Singapur sind die Preise, wie ich hörte, ähnlich. Hier in Berlin hat mich das hohe Niveau des Unterrichts beeindruckt. Es ist bemerkenswert, wie gut Schachtrainer an der deutschen Akademie auf ihre Arbeit mit dem Nachwuchs vorbereitet werden.

Wo liegt in New York der Hauptschwerpunkt Ihrer Arbeit?

Weil FIDE-Seminare nicht so häufig sind, erfolgt unsere unmittelbare Tätigkeit im Grunde täglich mit den Kindern, denen wir Schachunterricht erteilen. Wir unterrichten in Privatschulen und auch an staatlichen Einrichtungen. Die Kosten dafür werden von den Kindern selbst bzw. von ihren Eltern getragen.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie und was kosten die Stunden?

Wir haben sechs Schachtrainer, und die Höhe des Schulgeldes richtet sich nach dem Niveau des Unterrichts. Anfänger im Gruppenunterricht zahlen beispielsweise zwischen 12 bis 15 Dollar pro Stunde.

Viele Großmeister in den USA, darunter nicht wenige Exilanten, leben vom Schachunterricht. Manche erteilen ihre Lektionen per Telefon. Das soll für sie lukrativer sein als Turniere zu spielen.

Völlig richtig. Je nachdem, was der Großmeister-Trainer für einen Namen hat, erhält er zwischen 50 und 150 Dollar die Stunde. Es gibt nicht wenige betuchte Eltern, die ihren Kids etwas Gutes bieten wollen. Deshalb engagieren sie einen hochkarätigen Schachtrainer.

Sie arbeiten eng mit Garri Kasparow und dessen Chess Foundation zusammen. Unter anderem haben Sie dort Lehrmaterial entwickelt. Was sind das für Bücher?

Sie richten sich nach dem amerikanischen Schuljahr, das in der Regel 40 Wochen lang ist. Unser Lehrstoff ist direkt auf den Schachunterricht in den Schulen zugeschnitten, also unmittelbar für die Lehrer gedacht, die dort tätig sind. Die Bände 1 und 2 haben je 40 Kapitel, das heißt, je eines für jede Schulwoche. Jeder Lehrer, ob er nun Mathematik oder andere Fächer unterrichtet, kann, wenn er Schachstunden gibt, dieses Buch nehmen und mit ihm in seiner Klasse den entsprechenden Unterricht erteilen. Schritt für Schritt von den ersten Zügen an.

Wie sind die Bücher aufgebaut?

Der erste Band enthält alle wichtigen Lektionen und Methoden, die zum Erlernen des Schachspiels notwendig sind. Das geschieht in Form von Monologen und Dialogen mit den Schülern sowie durch geeignete Beispiele. Der zweite Band beinhaltet Lektionen und Übungen, die auf dem ersten Buch aufbauen. Das heißt, die Arbeit wird dort fortgesetzt oder anders gesagt, sie knüpft an das vorher Gelehrte und Gelernte an. Die Beispiele des ersten Bandes werden durch die des nächsten ergänzt.

Und das dritte Buch?

Der dritte Band ist nicht so umfangreich wie die anderen beiden. Ihn haben wir für die ganz Kleinen verfasst, also für Kinder im Vorschulalter. Es ist wie ein Bilderbuch gestaltet, so dass Kindergarten-Kids bis zu 5 Jahren mit Hilfe dieser Fibel das Schach spielerisch erlernen können.

 

 

 

 


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