ZMD Open: Favoriten marschieren

29.07.2005 – Das Dresdner ZMD-Open hat sich fest im sommerlichen Schach-Kalender etabliert und ist mit inzwischen 370 Teilnehmern, darunter vielen Großmeister, eines der größten offenen Schachturnier in Deutschland. Stars der diesjährigen Auflage sind neben Dauerbrenner Wolfgang Uhlmann der Inder Krishnan Sasikiran und der Iraner Ghaem Maghani. Mit einer interessanten Mischung aus Schweizer System und K.o-System sorgen die Veranstalter für dauerhafte Spannung. Andreas Albers ist mit einer großen Hamburger Delegation die Elbe hinauf gefahren und liefert einen bildreichen Stimmungsbericht. Ab Freitag werden auf dem Fritzserver Eva Moser und Henrik Teske im Radio ChessBase täglich ab 14 Uhr bzw 9 Uhr die spannenden Schlussrunden kommentieren.Turnierseite...Andreas Albers berichtet aus Dresden...

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ZMD-Open 2005: Die Favoriten geben sich kaum Blößen
Von Andreas Albers

Die Schacholympiade 2008 fest im Blick findet auch in diesem Jahr in Dresden das bekannte ZMD-Open im Treffhotel auf der Leubnitzer Höhe statt. Mit neuem Teilnehmerrekord (370 Teilnehmer) und gleichzeitiger Durchführung der Offenen Sächsischen Seniorenmeisterschaft setzt das Team um Dirk Jordan und Frank Schultze wieder einmal die Maßstäbe.


Turnierleiter Frank Schulze

Gespielt wird in einem speziellen Modus, der vor allem für die Kiebitze einen besonderen Reiz bietet: ein gemischtes Knockout- und Schweizer System-Turnier zwingt alle Großmeister jede Partie auf Gewinn zu spielen. Endet eine Partie remis, wird am frühen Abend ein Tiebreak im Schnellschach gespielt, sollte immer noch keine Entscheidung fallen wird geblitzt. Chancen auf den Turniersieg hat man nur in diesem Modus, alle Verlierer spielen unter sich um die Preise ab Platz 3 und um die ca. 100 Ratingpreise in einer Höhe von 1000€ (!!!).

Die Topfavoriten auf das große Geld kommen in diesem Jahr aus Asien. Die jungen GMs Krishnan Sasikiran (Indien)

und Ehsan Ghaem Maghami (Iran)

haben die 2600 Elo-Marke schon lange überschritten und marschieren bisher souverän von Runde zu Runde. Suat Atalik (Bosnien)

und die deutschen Nationalspieler Klaus Bischoff und Thomas Luther machen sich ebenfalls berechtigte Hoffnungen auf den Platz an der Sonne,

wobei Bischoff schon einen kritischen Moment in Runde 3 überstehen musste als der Hamburger U20-Meister Robin Stellwagen in mit den weißen Steinen heftig Angriff, einen Bauern gewann und dem Gewinn recht nahe war. In der Zeitnot spielte Bischoff seine ganze Routine aus, holte sich erst den Bauern zurück und spielte dann auf Gewinn, aber Stellwagen (nicht verwandt mit dem holländischen Großmeister Daniel Stellwagen) verteidigte sein Turmendspiel zäh und errang völlig verdient ein Remis. Im anstehenden Schnellschach zeigte sich dann wer schon mehrfacher Deutscher Schnellschach- und Blitzmeister war. Bischoff gewann eine einseitige Partie und bleibt somit im Rennen um Platz 1.

In der heutigen 4.Runde hatte vor allem Vadim Malahatko kräftig zu kämpfen,


 Vadim Malahatko

an Nummer 6 gesetzt immerhin noch gute 2550 Punkte schwer, stand er gegen Bernd Wronn (FC St. Pauli) lange Zeit unter Druck und siegte nach über fünf Stunden durch Zeitüberschreitung.


Hochdramatisches Finale Malakhatko - Wronn

Vom erweiterten Favoritenkreis hat es bis jetzt drei Spieler „erwischt“.


Sven Joachim

IM Sven Joachim (Werder Bremen) verlor den Tiebreak heute gegen Albrecht Weidel (der in Runde selbst erst im Tiebreak gegen Supertalent Haroution Dalakian gewann), in Runde drei erwischte es bereits IM Arndt Lauber und FM Manfred Glienke, der gegen die Dresdnerin Maria Schöne unterlag.


Maria Schöne

Schöne, dieses Jahr auch „Covergirl“ der Turnierplakate siegte auch in Runde 4 gegen FM Martin Krockenberger und ist völlig überraschend ebenfalls in der 5.Runde des Ko-Turniers, was für eine Werbung für das Dresdner Frauen- und Jugendschach.

Denn Jugendschach wird in Dresden ebenfalls großgeschrieben. Leider findet das ZMD-Open zeitgleich mit der Jugendweltmeisterschaft in Belfort/Frankreich statt, so dass die 6 Deutschen Meister(!!) aus Dresden alle nicht anwesend sind, aber zumindest die Deutsche U10 Meisterin (der Jungen) Filiz Osmanodja strahlt im Foyer von einem überdimensionalen Poster. Bruder Bilgin und Papa Osman spielen hier in Dresden und fiebern mit der Schwester/Tochter in Frankreich.

Schöne Tradition ist es mittlerweile, dass eine relativ große Delegation mit Jugendlichen aus Hamburg jeden Sommer in Dresden spielt. Einquartiert im Hostel „Mondpalast“ machen dieses Jahr 15 Jugendliche die Stadt unsicher, neben dem starken Open steht hier auch ein wenig Haushaltslehre auf dem Programm, denn es gibt keinen Kantinenfraß, sondern ordentliche Selbstverpflegung. Abends wird in der hauseigenen Cocktailbar analysiert, vorbereitet und die Ferienstimmung genossen.


Gemütliche Runde im Mondpalast


Die Werke des Tages werden gezeigt


Hamburger Analyseküche Arne Bracker und Harout Dalakian


Open-Air-Analyse


Hamburger Talent Malte Colpe

Auch touristisch hat das sogenannte „Elbflorenz“ natürlich einiges zu bieten. Zu früher Stunde sind die weltberühmten Sehenswürdigkeiten noch nicht zu sehr von Touristen belagert, so dass wir nach einem Spaziergang an der Elbe in aller Ruhe die vielen Springbrunnen rund um den Zwinger genießen konnten.


Der Zwinger




Hamburger vor der Semperoper

Das Wasser soll übrigens sehr kalt sein, ergab ein kurzer Test mit den bloßen Füssen von Toni Völschow (SAV Torgelow). Im Garten des Zwingers kam dann auch die Sonne zum Vorschein und ließ den Zwinger in seiner ganzen Pracht erscheinen. Schwer vorzustellen, dass all dies beim Jahrhunderthochwasser 2002 völlig überflutet war. Von den Laternen im Zwinger sollen nur noch die obersten Spitzen aus dem Wasser geschaut haben, Hendrik Möller (Hamburger SK) hätte es also glatt überspült (Foto).


Das Wasser stand bis zur Spitze

Nach einem Blick auf die Semperoper ging es zur Domkirche, unter der kleinen Brücke hindurch, die wie durch ein Wunder den Krieg unbeschadet überstanden hat und früher dazu diente, dass die „feinen Herrschaften“ nicht über die gemeine Straße in die Kirche mussten.

Direkt zwischen Dom und Frauenkirche zieht sich über 101 Meter der sogenannte „Fürstenzug“, ein Wandkunstwerk aus 24 000 Porzellankacheln, dass 35 Fürsten und weitere Gelehrte und Geistliche detailgetreu darstellt. Besonders amüsant: der Fürst August der Starke ist als Auftraggeber der Mittelpunkt des Zuges und überstrahlt alles. Aber der Künstler Wilhelm Walther hat es sich nehmen lassen das fürstliche Ross eine Rose zertreten zu lassen. Man unterstellt hier eine ironische Anspielung auf die Liebesgewohnheiten August des Starken, der nicht gerade zimperlich mit dem weiblichen Geschlecht umgegangen ist.


Ein Wunder der Steinmetzkunst
 

Am Ende des Fürstenzuges leuchtet die Frauenkirche aus ihrem hellen Sandstein. Leider wird ist immer noch alles von einer großen Baustelle umgeben, aber das Herz der Dresdner hängt an dieser Kirche und sie ist mit der Unterstützung von Millionen von Spendengeldern wieder aufgebaut worden, ein würdiges Wahrzeichen der Stadt.


Die Elbe

Eine wundervolle Stadt, in der scheinbar immer die Sonne scheint, alles ist angerichtet für das große Finale im ZMD-Open und vor allem natürlich für die nächsten Deutsche Olympiade 2008!


Jens Uwe Maiwald


Legende Wolfgang Ulhmann


Nachwuchshoffnung Ilja Zaragatzki


Dresdner Hoffnung Volker Seifert ist auch noch dabei


Evgeny Postny


Roman Slobodjan




Ausgleichssport

 

 


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