ZMD-Open 2005: Die Favoriten
geben sich kaum Blößen
Von Andreas Albers

Die Schacholympiade 2008 fest
im Blick findet auch in diesem Jahr in Dresden das bekannte ZMD-Open im
Treffhotel auf der Leubnitzer Höhe statt. Mit neuem Teilnehmerrekord (370
Teilnehmer) und gleichzeitiger Durchführung der Offenen Sächsischen
Seniorenmeisterschaft setzt das Team um Dirk Jordan und Frank Schultze wieder
einmal die Maßstäbe.

Turnierleiter Frank Schulze

Gespielt wird in
einem speziellen Modus, der vor allem für die Kiebitze einen besonderen Reiz
bietet: ein gemischtes Knockout- und Schweizer System-Turnier zwingt alle
Großmeister jede Partie auf Gewinn zu spielen. Endet eine Partie remis, wird am
frühen Abend ein Tiebreak im Schnellschach gespielt, sollte immer noch keine
Entscheidung fallen wird geblitzt. Chancen auf den Turniersieg hat man nur in
diesem Modus, alle Verlierer spielen unter sich um die Preise ab Platz 3 und um
die ca. 100 Ratingpreise in einer Höhe von 1000€ (!!!).
Die Topfavoriten auf das große Geld kommen in diesem Jahr aus Asien. Die jungen
GMs Krishnan Sasikiran (Indien)

und Ehsan Ghaem
Maghami (Iran)

haben die 2600
Elo-Marke schon lange überschritten und marschieren bisher souverän von Runde zu
Runde. Suat Atalik (Bosnien)

und die deutschen
Nationalspieler Klaus Bischoff und Thomas Luther machen sich ebenfalls
berechtigte Hoffnungen auf den Platz an der Sonne,

wobei Bischoff
schon einen kritischen Moment in Runde 3 überstehen musste als der Hamburger
U20-Meister Robin Stellwagen in mit den weißen Steinen heftig Angriff, einen
Bauern gewann und dem Gewinn recht nahe war. In der Zeitnot spielte Bischoff
seine ganze Routine aus, holte sich erst den Bauern zurück und spielte dann auf
Gewinn, aber Stellwagen (nicht verwandt mit dem holländischen Großmeister Daniel
Stellwagen) verteidigte sein Turmendspiel zäh und errang völlig verdient ein
Remis. Im anstehenden Schnellschach zeigte sich dann wer schon mehrfacher
Deutscher Schnellschach- und Blitzmeister war. Bischoff gewann eine einseitige
Partie und bleibt somit im Rennen um Platz 1.
In der heutigen
4.Runde hatte vor allem Vadim Malahatko kräftig zu kämpfen,

Vadim Malahatko
an Nummer 6 gesetzt
immerhin noch gute 2550 Punkte schwer, stand er gegen Bernd Wronn (FC St. Pauli)
lange Zeit unter Druck und siegte nach über fünf Stunden durch
Zeitüberschreitung.

Hochdramatisches Finale Malakhatko - Wronn
Vom erweiterten
Favoritenkreis hat es bis jetzt drei Spieler „erwischt“.

Sven Joachim
IM Sven Joachim (Werder Bremen) verlor den Tiebreak heute gegen Albrecht Weidel
(der in Runde selbst erst im Tiebreak gegen Supertalent Haroution Dalakian
gewann), in Runde drei erwischte es bereits IM Arndt Lauber und FM Manfred
Glienke, der gegen die Dresdnerin Maria Schöne unterlag.

Maria Schöne
Schöne, dieses Jahr
auch „Covergirl“ der Turnierplakate siegte auch in Runde 4 gegen FM Martin
Krockenberger und ist völlig überraschend ebenfalls in der 5.Runde des
Ko-Turniers, was für eine Werbung für das Dresdner Frauen- und Jugendschach.

Denn Jugendschach
wird in Dresden ebenfalls großgeschrieben. Leider findet das ZMD-Open zeitgleich
mit der Jugendweltmeisterschaft in Belfort/Frankreich statt, so dass die 6
Deutschen Meister(!!) aus Dresden alle nicht anwesend sind, aber zumindest die
Deutsche U10 Meisterin (der Jungen) Filiz Osmanodja strahlt im Foyer von einem
überdimensionalen Poster. Bruder Bilgin und Papa Osman spielen hier in Dresden
und fiebern mit der Schwester/Tochter in Frankreich.
Schöne Tradition
ist es mittlerweile, dass eine relativ große Delegation mit Jugendlichen aus
Hamburg jeden Sommer in Dresden spielt. Einquartiert im Hostel „Mondpalast“
machen dieses Jahr 15 Jugendliche die Stadt unsicher, neben dem starken Open
steht hier auch ein wenig Haushaltslehre auf dem Programm, denn es gibt keinen
Kantinenfraß, sondern ordentliche Selbstverpflegung. Abends wird in der
hauseigenen Cocktailbar analysiert, vorbereitet und die Ferienstimmung genossen.

Gemütliche Runde im Mondpalast

Die Werke des Tages werden gezeigt

Hamburger Analyseküche Arne Bracker und Harout Dalakian

Open-Air-Analyse

Hamburger Talent Malte Colpe
Auch touristisch
hat das sogenannte „Elbflorenz“ natürlich einiges zu bieten. Zu früher Stunde
sind die weltberühmten Sehenswürdigkeiten noch nicht zu sehr von Touristen
belagert, so dass wir nach einem Spaziergang an der Elbe in aller Ruhe die
vielen Springbrunnen rund um den Zwinger genießen konnten.

Der Zwinger

Hamburger vor der Semperoper
Das Wasser soll übrigens sehr kalt sein, ergab ein kurzer Test mit den bloßen
Füssen von Toni Völschow (SAV Torgelow). Im Garten des Zwingers kam dann auch
die Sonne zum Vorschein und ließ den Zwinger in seiner ganzen Pracht erscheinen.
Schwer vorzustellen, dass all dies beim Jahrhunderthochwasser 2002 völlig
überflutet war. Von den Laternen im Zwinger sollen nur noch die obersten Spitzen
aus dem Wasser geschaut haben, Hendrik Möller (Hamburger SK) hätte es also glatt
überspült (Foto).

Das Wasser stand bis zur Spitze
Nach einem Blick auf die Semperoper ging es zur Domkirche, unter der kleinen
Brücke hindurch, die wie durch ein Wunder den Krieg unbeschadet überstanden hat
und früher dazu diente, dass die „feinen Herrschaften“ nicht über die gemeine
Straße in die Kirche mussten.
Direkt zwischen Dom
und Frauenkirche zieht sich über 101 Meter der sogenannte „Fürstenzug“, ein
Wandkunstwerk aus 24 000 Porzellankacheln, dass 35 Fürsten und weitere Gelehrte
und Geistliche detailgetreu darstellt. Besonders amüsant: der Fürst August der
Starke ist als Auftraggeber der Mittelpunkt des Zuges und überstrahlt alles.
Aber der Künstler Wilhelm Walther hat es sich nehmen lassen das fürstliche Ross
eine Rose zertreten zu lassen. Man unterstellt hier eine ironische Anspielung
auf die Liebesgewohnheiten August des Starken, der nicht gerade zimperlich mit
dem weiblichen Geschlecht umgegangen ist.

Ein Wunder der Steinmetzkunst
Am Ende des
Fürstenzuges leuchtet die Frauenkirche aus ihrem hellen Sandstein. Leider wird
ist immer noch alles von einer großen Baustelle umgeben, aber das Herz der
Dresdner hängt an dieser Kirche und sie ist mit der Unterstützung von Millionen
von Spendengeldern wieder aufgebaut worden, ein würdiges Wahrzeichen der Stadt.

Die Elbe
Eine wundervolle
Stadt, in der scheinbar immer die Sonne scheint, alles ist angerichtet für das
große Finale im ZMD-Open und vor allem natürlich für die nächsten Deutsche
Olympiade 2008!

Jens Uwe Maiwald

Legende Wolfgang Ulhmann

Nachwuchshoffnung Ilja Zaragatzki

Dresdner Hoffnung Volker Seifert ist auch noch dabei

Evgeny Postny

Roman Slobodjan


Ausgleichssport