Zu gut gespielt?

03.01.2013 – Das offene Turnier, das vom 16. bis 22. Dezember im kroatischen Zadar stattfand, war stark besetzt, aber Schlagzeilen machte nicht spektakuläres Schach, sondern ein Betrugsverdacht. Auslöser war das überraschend gute Spiel des 25-jährigen Borislav Ivanov, der mit einer Elo-Zahl von 2227 als Letzter der Setzliste ins Turnier gestartet war, aber nach 7 Runden und drei Siegen gegen Großmeister mit 5 aus 7 plötzlich im Spitzenfeld lag. Als es noch keine starken Computer gab, hätte man diese Leistung bewundert, heute weckt sie Argwohn. Deshalb musste sich Ivanov einer Leibesvisitation unterziehen. Elektronische Hilfsmittel fand man dabei nicht. Am Ende landete Ivanov mit 6 aus 9 und einer Elo-Performance von 2697 auf dem geteilten dritten bis vierten Platz, einen halben Punkt hinter den beiden Turniersiegern GM Borki Predojevic und GM Hrvoje StevicTurnierseite..., Ergebnisse bei chess-results...Mehr...

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...


In einem Feld von 36 Spielern, darunter 16 GM, 5 IM und 10 FM war Borislav Ivanov der einzige titellose Spieler beim Open in Zadar und mit einer Elo-Zahl von 2227 der nominell schwächste Teilnehmer.

Doch das hinderte ihn nicht daran, nach einem Auftaktsieg gegen FM Mario Schachinger (2426) und einer Niederlage in Runde zwei gegen GM Ognjen Jovanovic (2538) einen Zwischenspurt einzulegen. In Runde drei besiegte Ivanov GM Bojan Kurajica (2565), dann folgten ein Remis gegen GM Davorin Kuljasevic (2561), Siege gegen GM Robert Zelcic (2560) und GM Zdenko Kozul (2638) sowie ein weiteres Remis gegen GM Andrey Sumets (2638).


Zdenko Kozul

Das weckte den Verdacht einiger Teilnehmer. Sie gingen zum Schiedsrichter und der ordnete an, zu überprüfen, ob Ivanov unerlaubte Hilfsmittel bei sich hatte. Ivanov sträubte sich nicht gegen die Untersuchung, doch die Leibesvisitation verlief ergebnislos. In der achten Runde verzichtete man dann auf die Live-Übertragung der Spitzenbegegnung zwischen GM Borki Predojevic (2600) und Ivanov.


GM Borki Predojevic

Als Ivanov diese Partie verlor, sahen manche das als weiteren Hinweis auf einen Betrug an. Auch in der neunten und letzten Runde wurde Ivanovs Partie gegen GM Ivan Saric (2626) nicht live übertragen, doch dieses Mal gewann Ivanov und landete am Ende mit 6 aus 9 auf dem geteilten dritten bis vierten Platz.

Doch weder die Leibesvisitation, die ohne Ergebnis blieb, noch Ivanovs zwei Niederlagen und zwei Remispartien haben alle Zweifel zerstreut. So zitiert die bulgarische "Informationsagentur" Focus GM Zlatko Claric: “Ivanov ist ein Schachprogrammierer, der seit Mitte 2011 nur einen einzigen Elo-Punkt gewinnen konnte, beim Turnier in Zadar jedoch gleich 60 gewonnen hat. Er hat Züge wie ein Computer gemacht, was in seiner Partie gegen Jovanovic deutlich zu sehen ist”, behauptete Klaric. “Die Technologie ist heutzutage so weit fortgeschritten, dass Freunde von Ivanov, die im Nebenraum sitzen oder in Sofia oder sogar in der Antarktis ihm theoretisch Zughinweise mit Hilfe von Chips geben könnten, die in seiner Haut, im Ohr oder in den Zähnen eingepflanzt sind", fügte Klaric hinzu.

Warum Ivanov so viel Aufwand treiben sollte, um den mit relativ geringem Preisgeld dotierten vierten Platz in einem kleinen offenen Turnier zu belegen, erklärte Klaric nicht.

Alle neun Partien von Borislav Ivanov:


Die Partien des Turniers:



Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren