Zum 75sten Geburtstag von Uwe Kunsztowicz

von André Schulz
18.01.2019 – Uwe Kunsztowicz wurde am 18. Januar 1944 geboren. In den 1970er Jahren war er einer der besten deutschen Spieler und spielte 1980 für die deutsche Nattionalmannschaft bei der Schacholympiade. Heute feiert er seinen 75sten Geburtstag. |Foto: Peter Bolt/ Wikipedia

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Den jüngeren Schachfreunden wird der Name Uwe Kunsztowicz wohl nichts sagen, die älteren erinnern sich vielleicht dunkel. In den 1970er Jahren gehörte der Hamburger sogar zu den besten deutschen Spielern, galt als sehr talentiert und war auch ein fleißiger Arbeiter und starker Theoretiker. Seine beste Elozahl hatte er 1981 mit 2460, was heute vielleicht einer Zahl von fast 2600 entspricht.  

Uwe Kunsztowicz wurde am 18. Januar 1944 geboren. Seine ersten schachlichen Spuren hinterließ er  im Kreis Westfalen-Lippe. Dort spielte er 1965 als junger Mann die Meisterschaften von Ost-Westfalen-Lippe mit. Einer der anderen Teilnehmer war der Berliner Meister und spätere Berliner Verbandspräsident und Turnierorganisator Alfred Seppelt. 1971/72 gewann Uwe Kunsztowicz die Deutsche Pokalmeisterschaft, Dähne-Pokal genannt. 1991 konnte er den Erfolg wiederholen. 

Zwischen 1972 und 1984 war Kunsztowicz siebenmal Teilnehmer bei Deutschen Einzelmeisterschaften. 1972 wurde er Vizemeister hinter Hans-Günter Kestler, 1980 geteilter Zweiter hinter Eric Lobron. 1983 wurde er zudem Vizemeister bei der NRW-Einzelmeisterschaft hinter Stefan Bücker. 1988 belegte er bei der Hamburger Einzelmeisterschaft hinter Hannu Wegner ebenfalls den zweiten Platz. 1995 wurde er geteilter Zweiter bei der Hamburger Einzelmeisterschaft.

Die Stadt Dortmund war 1971 einer der Bewerber für die Ausrichtung des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Boris Spassky und Robert Fischer. Wie bekannt, wurde der Wettkampf von 1972 nach Reykjavik vergeben. Der Deutsche Schachbund war von der Dortmunder Bewerbung jedoch so begeistert, dass er seine 2. Internationale Deutsche Meisterschaft nach Dortmund vergab. Dies war der Beginn der großen Dortmunder Schachtradition. Uwe Kunsztowicz war dort einer der sechs deutschen Teilnehmer. Das Feld bestand insgesamt aus 16 Teilnehmern, darunter so große Namen wie Boris Spassky, Ulf Andersson und Paul Keres. Kunsztowicz holte 7 Punkte und belegte am Ende den 11. Platz. Hajo Hecht gewann das Turnier vor der internationalen Elite - trotz einer Niederlage gegen Kunsztowicz.

 

Die Dortmunder verzeichneten in der Westfalenhalle insgesamt 4500 Zuschauer.

Einer der Teilnehmer war Raymond Keene, der seine Partie gegen Uwe Kunsztowicz und damit auch seinen Gegner adelte, indem er die Partie als besonders lehrreich und gehaltvoll in sein ausgezeichnetes Buch "Learn from the Grandmasters" aufnahm.

 

1973 wurde Kunsztowicz für die Europa-Mannschaftsmeisterschaft in die deutsche Nationalmannschaft berufen. 1980 nahm er als zweiter Ersatzmann an der Schacholympiade auf Malta teil (3 aus 6). Im gleichen spielte er auch beim 2. Klaus Junge Memorial in Hamburg mit, bei dem zehn internationale Spieler gegen zehn Hamburger nach Scheveninger System antraten und war bester Hamburger vor Gisbert Jacoby.

Uwe Kunsztowicz 1980 auf Malta | Foto: Barbara Hund/Wikipedia

Uwe Kunsztowicz gehörte lange zu der vor einigen Jahren aufgelösten Schachabteilung des Hamburger Ruder-Vereins Favorite Hammonia. Ursprünglich war die Schachgruppe sportlich nicht besonders bedeutungsvoll, doch dann erhielt sie eine "Vitaminspritze" aus dem Hamburger SK. Dort hatte eine Gruppe starker Spieler, darunter Rellstab, Heinicke und einige andere, einen Antrag auf eine neue Kleiderordnung gestellt. Bei Turnieren sollten die Spieler unter anderem Krawatten tragen. Der Antrag wurde abgelehnt, die Spieler wanderten zu Favorite Hammonia ab. Auch Kunsztowicz ging mit. 

In den besten Zeiten, von 1972 bis 1982, spielte die Mannschaft von Favorite Hammonia in der Nordgruppe der 1. Schachbundesliga und schaffte als Sieger 1979/80 die Qualifikation für die erste Saison der neuen einteiligen Bundesliga 1980/81. Die Mannschaft belegte dort den zehnten Platz, stieg aber in der folgenden Saison als Viertletzte ab. 

Uwe Kunsztowicz spielte 1980/81 für den Hamburger SK in der einteiligen Bundesliga, von 1982/83 bis 1984/85 für Enger-Spenge. 1986/87 war er für die Hamburger SG BUE aktiv. In späteren Jahren spielte er Mannschaftskämpfe in der Oberliga und der Landesliga.

In den Annalen verschiedener Schachvereine in Hamburg und Umgebung findet man den Namen von Uwe Kunsztowicz auch noch als Teilnehmer verschiedener Einzelturniere. So gewann er zweimal das Turnier des SV Winsen (Luhe), 1996 und 2002. Mindestens 1996, 1998 und 1999 nahm er an den internationalen Open des Schachklubs Wilhelmsburg teil und belegte Plätze im oberen Tabellenbereich. 2002 war er einer der Teilnehmer bei der Bremer Schnellschachmeisterschaft (20. Platz).

Uwe Kunsztowicz hatte Mathematik studiert, bekam aber kurz vor seiner Abschlussprüfung gesundheitliche Probleme, die sich auch auf seine Leistungen im Schach auswirkten.

In den Hamburger Schachkreisen wurde der etwas schwierig zu buchstabierende und auszusprechende Name von Kunsztowicz gerne zu "Kunsthonig" abgewandelt. 

Wilhelmsburger Jubiläumsturniere...

Mit bestem Dank für die Hinweise von Johannes Fischer und Michael Dombrowski.

 



Themen: Schachspieler

André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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EL 70 EL 70 22.01.2019 11:20
Einfach schön...wie Chessbase den alten Recken gedenkt! Ich habe auch vielfältige Erinnerungen an Uwe...HEM 96 hat er mich ziemlich drastisch , kurzhändig erledigt! 25 Züge...oder so...Vor 3 Jahren traf ich ihn in Niendorf und erkundigte mich nach seinem Befinden...Er ist ein Pflegefall aber soweit auf dem Damm! Als Krankenpfleger habe ich ihn natürlich mit anderen Augen betrachtet! But Uwe.....Congrats ! Du kommst aus schachlich anderen Zeiten....aber als junger Spieler habe ich Deine souveräne Abgezocktheit bewundert! Alles Gute...Yours Riccardo
Koyaanisqatsi Koyaanisqatsi 19.01.2019 10:55
Hat nicht K. auch Fernschach gespielt?
Christop Baumann Christop Baumann 18.01.2019 03:27
Ein schoener Artikel, bei dessen Lektuere ich viel Neues gelernt habe. In Anbetracht des Namens waere es noch interessant, etwas ueber die Geschichte der Familie zu erfahren. Unweigerlich denken musste ich an den Spieler ohne Krawatte. Bent Larsen, der auch eine gleichnamige Kolumne in Kaissiber hatte.
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