Zum 80sten Geburtstag von Bruno Parma

von André Schulz
30.12.2021 – Von 1950 bis Mitte der 1970er Jahre stellte Jugoslawien hinter der UdSSR das zweitbeste Team der Welt mit einer Reihe von erstklassigen Großmeistern. Zu diesen zählte Bruno Parma, der 1961 Junioren-Weltmeister wurde. Heute feiert er seinen 80sten Geburtstag.

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Bruno Parma wurde am 30. Dezember 1941 in Ljubljana geboren. Die heutige Hauptstadt Sloweniens hat eine wechselvolle Geschichte. Sie gehörte als Laibach lange zum Heiligen Römischen Reich, war eine Zeitlang unter französischer Verwaltung und gehörte dann bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zu Österreich. Nach dem Ersten Weltkrieg war Ljubljana Teil des Königreiches Jugoslawien. Im Jahr von Bruno Parmas Geburt hatte Italien Lubljana besetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die die Stadt ein Teil der Sozialistischen Republik Jugoslawiens.

Parmas großes Schachtalent offenbarte sich schon in seiner Schulzeit. Mit 19 Jahren belegte er als ersten großen internationalen Erfolg den zweiten bis vierten Platz bei den Juniorenweltmeisterschaften in Münchenstein (Schweiz). Bei den Juniorenweltmeisterschaften 1961 in Den Haag gewann Parma den Titel vor Florin Gheorghiu. Helmut Pfleger wurde damals geteilter Vierter/Fünfter. Nach diesem Erfolg wurde Bruno Parma zum Internationalen Meister ernannt. 1963 folgte die Verleihung des Großmeistertitels. Nach Milan Vidmar (1950) und Vasja Pirc (1953) war Bruno Parma damit der dritte slowenische Schachspieler, der den Großmeistertitel erhielt.

1959 und 1961 gewann Bruno Parma den Titel bei den Slowenischischen Meisterschaften. Bei den 20. Jugoslawischen Meisterschaften 1965 teilte er mit Svetozar Gligoric den zweiten Platz. Bei den 21. Jugoslawischen Meisterschaften, die im gleichen Jahr, Ende 1965, stattfanden teilte er den zweiten Platz mit Borislav Ivkov. 1968 belegte Bruno Parma den geteilten dritten Platz, zusammen mit Dragoljub Minić, Milan Matulović und Bojan Kurajica.

 

1962 wurde Bruno Parma zur Schacholympiade in Varna erstmals in die jugoslawische Olympiamannschaft berufen und gewann mit dem jugoslawischen Team die Silbermedaille hinter der UdSSR. Zwischen 1962 und 1980 nahm Bruno Parma für Jugoslawien an acht Schacholympiaden teil, gewann viermal Mannschaftssilber und zweimal Bronze. Von Beginn der 1950er Jahre bis Mitte der 1970er Jahre stellte Jugoslawien hinter der UdSSR das zweitbeste Männerteam und gewann mit einer Ausnahme bei jeder Schacholympiade eine Medaille, 1950 in Abwesenheit eines UdSSR-Teams auch einmal Gold.

Bruno Parma nahm in den 1960er und 1970er Jahren auch an zahlreichen internationalen Einzelturnieren teil.

Zu seinen Erfolgen gehören die Siege beim Rubinstein Memorial 1964, in Reggio Emilia 1965 und Reggio Emilia 1970, der geteilte erste Platz in Sarajevo 1970 mit Ljubojevic, der geteilte erste Platz mit Lubomir Kavalek in Nathanya 1971, geteilte erste Plätzte im Kostic Memorial in Vrsac 1973, in Maribor 1977 und beim Sämisch Memorial 1978 in Kiel, außerdem zweite Plätze bei den Turnieren Amsterdam 1965 und Belgrad 1967, der geteilte zweite Platz beim Andersen Memorial 1968 in Büsum hinter Robert Hübner, der zweite Platz in Solingen 1968, der geteilte zweiter Platz in San Juan 1969 hinter Boris Spassky, und der geteilte zweiter Platz in Reykjavik 1975 (Zonenturnier).
 

 

 

 

Dreimal traf Bruno Parma mit Fischer zusammen. Zwei Partien endeten remis. Beim Friedensturnier in Rovinje-Zagreb 1970 verlor er die Partie. Oft endeten Parmas Partien remis, weshalb ihn sein Landsmann Swetozar Gligoric den "friedlichen Parma" nannte. Das galt allerdings nicht uneingeschänkt.
 

 

 

 

Parmas letztes internationales Turnier spielte er in Portoroz-Ljubljana 1985, wo er einen Platz im hinteren Mittelfeld belegte. 2004 nahm Parma noch einmal an einem Wettkampf Kroatien-Slowenien teil.

Foto: Slvenske Novice

Schon während seiner aktiven Zeit als Spieler veröffentlichte Bruno Parma mehrere Schachbücher und gab eine Schachzeitung heraus. Nach Ende seiner aktiven Karriere war Parma einige Jahre Trainer der jugoslawischen Nationalmannschaft.


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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