Zum 85sten Geburtstag von Boris Spassky

von André Schulz
30.01.2022 – Boris Spassky, der 10. Weltmeister der Schachgeschichte, gewann den Titel im zweiten Anlauf 1969 durch seinen Sieg über Tigran Petrosian. 1972 unterlag er Bobby Fischer im legendären Weltmeisterschaftskampf in Reykjavik. 50 Jahre später ist Boris Spassky der älteste noch lebende Schachweltmeister. Heute feiert er seinen 85sten Geburtstag. | Fotos: Legion-media.ru/Itar-Tass

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Boris Spassky kam am 30. Januar 1937 in Leningrad zur Welt. Vor der anrückenden deutschen Wehrmacht wurde Boris Spassky aus Leningrad evakuiert und verbrachte die Kriegszeit in einem Kinderheim.

Als Neunjähriger besuchte er erstmals die Schachabteilung des Pionierpalasts von Leningrad und offenbarte schon frühe seine große Begabung. Er wurde bald staatlich mit einem Stipendium unterstützt und durfte an Turnieren im Ausland teilnehmen. Mit 16 Jahren wurde Spassky schon zum Internationalen Meister ernannt. Zwei Jahre später erhielt er den Großmeistertitel. 

Der junge Spassky

1955 nahm Spassy erstmals am Finale der UdSSR-Meisterschat teil, qualifizierte sich für das Interzonenturnier und in diesem für das Kandidatenturnier ein Jahr später. 1955 gewann Spassky zudem die U20-Weltmeisterschaft. 1956 teilte er mit Averbakh und Taimanov den ersten Platz bei der UdSSR-Meisterschaft.

 
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1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Nf3 d5 4.exd5 Bd6 5.Nc3?! 5.Bb5+! Bd7 6.Bxd7+ Nxd7 7.0-0 Ne7 8.c4 0-0 9.d4 b6 10.Nc3 Ng6 11.Qd3 Nf6 12.Bd2 Qd7 13.Rae1 Rae8 14.a3 a5 15.Nb5± Gurgenidze-Radovici/Tbilisi/1960/ 5...Ne7 6.d4 0-0 6...c6!? -> C 31: 2...d5 3.ed5 c6 4.Nc3 ef4 5.Nf3 Bd6 6.d4 Ne7 7.Bd3 / 7.Bc4 / 7.dc6 7.Bd3 Nd7?! 7...Bf5!? 8.0-0 h6? 8...Nf6!? 9.Ne5 Nfxd5 10.Nxd5 Nxd5 11.Bxf4 Nxf4 12.Rxf4 Qg5!= 8...Ng6!? 9.Ne4 Nf6 10.Nxd6 Qxd6 11.c4 Bg4∞ 9.Ne4! Nxd5 10.c4 Ne3 11.Bxe3 fxe3 12.c5 Be7 13.Bc2! 13.Qe2 Nf6 14.Qxe3 Nd5∞ 13...Re8 14.Qd3 e2? 14...Nf8! 15.Nd6!? 15.Rf2!± 15...Nf8?! 15...Bxd6!? 16.Qh7+ Kf8 17.cxd6 exf1Q+ 17...cxd6? 18.Rf2 Nf6 19.Qh8+ Ng8 19...Ke7 20.Rxe2+ Be6 21.Qxg7+- 20.Bh7+- 18.Rxf1 cxd6 19.Qh8+ Ke7 20.Re1+ Ne5 21.Qxg7 Rg8! 22.Qxh6 Qb6! 23.Kh1 Be6 24.dxe5 d5= 16.Nxf7 exf1Q+ 17.Rxf1 Bf5 17...Kxf7 18.Ne5+ Kg8 19.Qh7+! Nxh7 20.Bb3+ Kh8 21.Ng6# 17...Qd5!? 18.Bb3! 18.N3e5? Bxc5 19.Nxh6+ gxh6 20.Bb3 Rxe5!∞ 18...Qxf7! 19.Bxf7+ Kxf7 20.Qc4+ Kg6 21.Qg8! Bf6 21...Be6 22.Ne5+ Kh5 23.Qxg7+- 22.Ne5+ Bxe5 23.Qf7+ Kh7 24.Qxe8 Bxd4+ 25.Kh1 Ng6 26.Rd1 Bxc5 27.Rd8 Ne7 28.h4!+- 18.Qxf5 Qd7 19.Qf4 Bf6 20.N3e5 Qe7 20...Bxe5 21.Nxe5 Qe7 22.Qe4 g6 23.Rxf8+ Rxf8 23...Qxf8 24.Bb3+ Kh7 25.Qxg6+ Kh8 26.Nf7++- 24.Bb3+ Kh7 25.Qxg6+ Kh8 26.Qxh6+ Qh7 27.Ng6# 21.Bb3 Bxe5 22.Nxe5+ Kh7 23.Qe4+ 1–0
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Spassky,B-Bronstein,D-1–01960C36URS-ch27 Final16

1961 gewann er die UdSSR-Meisterschaft erneut.

1965 qualifizierte sich Spassky für die Kandidatenkämpfe und wurde durch Siege über Keres, Geller und Tal der Herausforderer von Weltmeister Petrosian. Den Weltmeisterschaftskampf verlor er jedoch knapp 11,5:12,5.

Im zweiten Anlauf schlug Spassky in den Kandidatenkämpfen Geller, Larsen und Kortschnoj und dann im WM-Kampf 1969 auch Tigran Petrosian mit 12,5:10,5.

Master Class Band 13 - Tigran Petrosian

Ganz besondere Fähigkeiten besaß Tigran Petrosian in der Verteidigung. Er gilt als Meister der Prophylaxe und ahnte Schwierigkeiten schon lange, bevor sie auf dem Brett akut wurden. Lassen sie sich von unseren Autoren (Yannick Pelletier, Mihail Marin, Ka

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Petrosian-Spssky, Match 1969 | Foto via Douglas Griffith

 

 
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Beim Stand von 9,5:8,5 für Spassky hegte Titelverteidiger Petrosian sicher noch große Hoffnungen, zumal ihm ein 12:12 genügte. Diese 19. Partie brachte Spassky endgültig auf Titelkurs. 1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 a6 6.Bg5 Nbd7 7.Bc4 Qa5 8.Qd2 h6 Dies wurde kritisiert, wie so manch anderer Zug von Schwarz. Die Hauptvariante ist 8...e6 (auch von Petrosian einige Male gespielt), wonach Schwarz eher zu b7-b5 kommt. 9.Bxf6 Nxf6 10.0-0-0 e6 11.Rhe1!? Ob dieser Zug neben dem auch gespielten 11.Bb3 den Vorteil hat, daß der schwarze Aufbau mit Bd7 und 0-0-0 entschärft wird, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls wird in den wenigen Partien mit dieser Stellung auf den Textzug nicht mit 11...Bd7 geantwortet (während 11.Bb3 regelmäßig 11... Bd7 nebst 0-0-0 zur Folge hat). Be7 11...b5? 12.Bb3 b4 13.Nd5! ist eine weitere Idee von 11.Rhe1 11...Bd7!? 12.f4 0-0 13.Bb3 Re8 Wenn dieser Zug (gefolgt von Bf8) notwendig ist, muß die schwarze Stellung wirklich schlecht sein; denn Schwarz müßte ja irgend wie auch mal Aktivität zeigen. Eigentlich wäre es höchste Zeit den Damenflügel weiterzuentwickeln, doch nach 13...Bd7 14.Kb1 kann Weiß zwischen Nd5, e4-e5 und f4-f5 wählen. 14.Kb1± Bf8 15.g4! Das ist nicht unbedingt nötig, doch Weiß möchte seinen Entwicklungsvorsprung verwerten. Nxg4 Notwendig, denn sonst flutscht der Angriff. 15...e5!? 16.fxe5 dxe5 17.Nf5 Bxf5 18.gxf5 Rad8 19.Qg2 Qc7 20.Rxd8 Rxd8 21.Rg1 Kh8 22.Nd5± ->>> Boleslavsky 16.Qg2 Nf6 17.Rg1 Bd7 Die schwarzen Züge sind mehr oder weniger erzwungen, Weiß hat mehr Gestaltungsspielraum. 18.f5 Kh8 Das sieht logisch aus, denn der König verläßt die Diagonale a2-g8 und zugleich die g-Linie. Kritik kann man sich schon sparen, denn ganz allgemein gesehen ist der weiße Angriff einfach zu stark. Schauen wir auf die Alternativen: 18...exf5 19.Qg6! 19.exf5 b5? 19...Qe5! 20.Bxf7+! (Fritz) Kxf7 21.Nd5+- 19...Kh8 20.Bxf7 Nxe4!? 20...fxe4 !-/+ hieß es damals, aber 21.Rdf1+- 21.Nd5! Re5 22.Nf3 18...e5 19.Nf3 es hängt d6, droht Qg6 18...Qe5 Das ist der Zug, der am meisten Sand in das Getriebe des weißen Angriffs streut. 19.Nf3! Qc5 19...Qf4 20.Rd4 Bc6 20...exf5?! 21.e5 Ne4 22.Nd5 Qg4 23.Qf1 21.fxe6 fxe6 22.Nd5 20.Qh3 Kh8 20...exf5 21.Qxh6 Nxe4 22.Qh5+- 21.Ng5 Re7 22.Nxf7+! Rxf7 23.fxe6 Bc8 24.Ne2! Ne8 24...Nh7 25.Qg3 Rc7 26.Nf4 g5 27.Ng6+ Kg7 28.Nxf8 Kxf8 29.Rd5 Qb4 30.Rxd6+- 24...Rc7 25.Nf4 Be7 26.Ng6+ Kh7 27.e5 dxe5 28.Qf5 Kg8 29.Rd8++- 25.Qxh6+‼ gxh6 26.Rg8+ Kh7 27.exf7 Nc7 28.Rxf8 d5 29.Re8 Bg4 30.Rxd5 Qf2 31.Rxa8+- 19.Rdf1 Droht fxe6 und Rxf6 Qd8?! Nach diesem Zug steht Weiß auf Gewinn. Es gibt zwei Alternativen: 19...e5 Allerdings, nach dem einfachen 20.Nde2! 20.Ne6?! fxe6 21.fxe6 Rxe6!= wird von Fritz auf Anhieb angezeigt und widerlegt die Variante: Das damals angegebene 21...Bxe6 verliert wegen 22.Rxf6+- 22.Bxe6 Bxe6 23.Rxf6 gxf6 24.Qg6 Bc4 Weiß muß Dauerschach geben. 20...Re7 21.Rd1 Qb4 (oder gleich nach b6) 22.a3 Qb6 23.Nd5 Nxd5 24.Rxd5 f6 25.Rd3 verfügt Weiß über die Pläne Ne2-c3-d5 und Rd3-h3xh6+; Schwarz ist in keiner beneidenswerten Lage. 19...Qe5!? (O'Kelly, Geller, Bondarevsky) 20.Nf3 Qf4 20...Qc5 21.h4 /\ Ng5 20...Qa5 21.fxe6 Bxe6 22.Bxe6 fxe6 23.e5 dxe5 24.Nh4± (-> Bondarevsky) ist korrekt 21.Qh3 /\ Ng5 Qe3 22.Rg3 Qc5 23.Ng5 20.fxe6 fxe6 20...Bxe6 21.Nxe6 fxe6 22.Ne2 e5 23.Bf7+- 21.e5! macht das Feld e4 frei. dxe5 22.Ne4 Nh5 23.Qg6! exd4 23...Nf4 24.Rxf4! exf4 25.Nf3 Qb6 26.Rg5‼ Bc6 26...Qd8 27.Ne5+- 27.Nf6 Be4 28.Qxh6+‼+- (Geller) 24.Ng5 Quellen: i7/428 (Geller) Meisterspiele (Teschner) Mega 99 24.Ng5 hxg5 25.Qxh5+ Kg8 26.Qf7+ Kh7 27.Rf3 /\ Rh3# 1–0
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Spassky,B-Petrosian,T-1–01969B94World-ch26 Spassky-Petrosian +6-4=1319

Boris Spassky in Moskau, 1969 | Foto via Douglas Griffith

1970 spielte Boris Spassky am ersten Brett der UdSSR-Auswahl gegen den "Rest der Welt" und gewann bei der Schacholympiade in Siegen die Goldmedaille am ersten Brett. 

 
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Die Partie Larsen-Spassky ist wohl die berühmteste echte Kurzpartie (unter 20 Zügen) innerhalb der absoluten Weltelite. 1.b3 e5 2.Bb2 Nc6 3.c4 Nf6 4.Nf3 Dieser provokative Zug geht letztlich nach hinten los und wurde deshalb kritisiert. e4 5.Nd4 Bc5 6.Nxc6 dxc6 Die schwarzen Züge sind auf schnelle Entwicklung gerichtet. 7.e3 Bf5 8.Qc2 Qe7 9.Be2 0-0-0 10.f4? Unzweifelhaft steht Weiß auch nach anderen Zügen vor einer schwierigen Verteidigung. Der Bauernzug ist wohl schon der Verlustzug. Ng4! 11.g3?! Der "Normalzug" 11.0-0? geht auch nicht: Rxd2! 12.Nxd2 Nxe3-+ Nach 11.Bxg4? Qh4+ 12.g3 Qxg4 ist die weiße Stellung sehr löchrig. 11.Qc1 h5 12.Nc3 Rd7 11...h5 Das Opfer 11...Rxd2 kam in Frage, ist aber nicht notwendig. 12.Nxd2 Nxe3 13.Qc3 Rd8 12.h3 12.Nc3 Rxd2!-+ 12...h4! Bis jetzt hatte Spassky nur normale Züge ausgeführt, nun fängt er an brilliant zu spielen. 13.hxg4 Der vorherige Tausch der Läufer auf g4 würde nichts ändern. hxg3 14.Rg1 Rh1‼ Ein kleiner Makel dieses schönen Zuges ist, dass auch ein anderer gewinnt: 14...Qh4 15.Rg2 Qh1+ 16.Bf1 Bxg4 17.Qxe4 17.Nc3 Bf3 18.Rxg3 Rh2 17...Rhe8 18.Be5 f5-+ 15.Rxh1 g2 16.Rf1 16.Rg1 Qh4+ 17.Kd1 Qh1-+ 16...Qh4+ 17.Kd1 gxf1Q+ Quelle: "The World's Greatest Chess Games" von Burgess, Nunn und Emms, Robinson London 1998 0–1
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Larsen,B2650Spassky,B26700–11970A01Match/Team URS-World 20,5-19,52.1

 

 
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1.d4 Nf6 2.c4 g6 3.Nc3 d5 4.cxd5 Nxd5 5.e4 Nxc3 6.bxc3 Bg7 7.Bc4 c5 8.Ne2 Nc6 9.Be3 0-0 10.0-0 Qc7 11.Rc1 Rd8 12.h3 Mit dem Textzug verhindert Weiß Bg4 (nach f2-f4) und bereitet eventuelles g2-g4 vor, was ihm jedoch nicht zu Eröffnungsvorteil gereicht. Heute spielt man hier meist 12.Bf4. Spasski weicht von seiner Partie gegen Fischer in Santa Monica 1969 ab, in der er nach 12.Qe1 e6 13.f4 Na5 14.Bd3 f5 15.Rd1 b6 16.Qf2 cxd4?! Karpov gab später 16...fxe4 17.Bxe4 Bb7 mit Ausgleich an. 17.Bxd4 Bxd4 18.cxd4 Bb7 19.Ng3 die etwas besseren Chancen erhielt. 12...b6 13.f4 e6 14.Qe1 Na5 15.Bd3 f5 16.g4!? Die schärfste Gangart, die allerdings auch einiges Risiko in sich birgt. fxe4 17.Bxe4 Bb7 18.Ng3 Nc4 19.Bxb7 Qxb7 20.Bf2 Qc6 21.Qe2 cxd4 22.cxd4 b5 23.Ne4! Positionell steht die Sache nicht zum besten für Weiß, folgerichtig versucht er daher, die Lage mit einem Bauernopfer zu verwickeln.
23...Bxd4 Der erste Zug, für den man Fischer später kritisierte. Wahrscheinlich zu Unrecht. 23...Re8 und 23...Rf8 wurden vorgeschlagen. Auf 23...Re8 hat Weiß die gute Parade 24.a4 a6 25.Nc5 mit der Drohung 26.Na6! stichhaltig scheint dagegen 23...Rf8 zu sein. Igor Saizev gab darauf als mögliche Folge 24.a4 a6 25.Nc5 Rae8 26.Nxa6 Qxa6 27.axb5 Qa3 28.Rxc4 Qxh3 29.Be1 29.Be3 Qg3+ 30.Kh1 g5 29...Rd8 30.Bb4 Rxf4 31.Qxe6+ Kh8 32.Rxf4 Qg3+ 33.Kh1 Qxf4 34.Rc8 an. Schwarz gibt Dauerschach. 24.Ng5 Bxf2+?! Sehr riskant! Edmar Mednis schreibt in "Wie schlägt man Bobby Fischer?", daß der Amerikaner sich in Vorteil wähnte und die gegnerischen Angriffschancen unterschätzte. Dem muß man wohl zustimmen. Mit 24...Bb6! 25.Qxe6+ Qxe6 26.Nxe6 Rd2 (Mednis) konnte Schwarz in ein ausgeglichenes Endspiel einlenken 25.Rxf2 Rd6 26.Re1 Qb6 27.Ne4 Rd4 28.Nf6+ Kh8 29.Qxe6 Rd6 Das jetzt nach 29...Qxe6 30.Rxe6 entstehende Endspiel wäre für den Nachziehenden höchst unbequem die Kiebitze wollten 29...Rd1 sehen. Die folgende schöne Variante, wieder von Saizev angegeben, machte die Runde um die Schachwelt: 29...Rd1? 30.Qf7! Rxe1+ 31.Kg2 Ne3+ oder 31...Qc6+ 32.Kg3 Re3+ 33.Kh4 Rxh3+ 34.Kxh3 Qh1+ 35.Rh2 32.Kf3! Qc6+ 33.Kg3 Rg1+ 34.Kh4 Rxg4+ 35.hxg4 Qh1+ 36.Kg5 , und Weiß gewinnt! 30.Qe4 Rf8? Ein erstaunlicher Lapsus, da Weiß im nächsten Zug ohnehin g5 spielen mußte. Angezeigt war 30...Rad8 , auch wenn die schwarze Lage nach 31.g5 Rd2 32.Ree2 bedenklich bleibt. Zu Mednis' Vorschlag 32.Ref1?! Qe3 32...Rxe2 33.Qxe2 Qe3 33...Ne3!? 34.Kh2 34.Qxe3 Rd1+ 35.Kg2 Nxe3+ 36.Kf3 Nf5 habe ich wenig Vertrauen. Nach einfach 37.Ke4 hat Schwarz mit seinem eingeklemmten König ein äußerst beschwerliches Endspiel. Möglich ist vielleicht 33...Ne3!? (Golz), aber auch dann würde ich nach beispielsweise 34.Kh2 immer die weißen Farben vorziehen. 31.g5 Rd2 32.Ref1 Qc7 Auf 32...Nd6 (mit derAbsicht 33.Qe7 Rf7) gewinnt 33.Qe5 Qd4 34.Qe7 33.Rxd2! Nxd2 34.Qd4 Rd8 Hoffnungslos ist auch 34...Qb6 35.Qxb6 axb6 36.Rd1 nebst 37.Rd7. 35.Nd5+ Kg8 36.Rf2 Nc4 37.Re2 Rd6 38.Re8+ Kf7 39.Rf8+! aus: Tischbierek "Sternstunden des Schachs, 30 x Olympia" Sportverlag 1993 39...Kxf8 40.Qh8+ kostet Schwarz die Dame. Daher ...
1–0
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Spassky,B-Fischer,R-1–01970D87Olympiad-19 Final A6

 

Im legendären WM-Kampf gegen Bobby Fischer 1972 in Reykjavik unterlag Boris Spassky mit  8,5:12,5 und verlor seinen Weltmeistertitel. Aber nur dank der Nachsichtigkeit von Spassky konnte der WM-Kampf trotz der Eskapaden von Fischer überhaupt ordnungsgemäß zu Ende gebracht werden. 

 

 
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1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 a6 6.Bg5 e6 7.f4 Qb6 8.Qd2 Qxb2 9.Nb3 Qa3 10.Bxf6 gxf6 11.Be2 h5 12.0-0 Nc6 12...Nd7 /\ 13... Nc5 Timman 13.Kh1! Purdy 13.Nb1 Qa4 13...Qb4 14.Qe3 Na5? 15.a3 Nc4 16.Qd4+- 14.a3 Ne7 /\ 15... Qd7 Timman 13...Bd7 14.Nb1‼ Purdy Qb4 14...Qa4 15.a3! 15.Qe3 Nb4 15.c4 Donner Qb4 16.Qe3 Na5 15...Ne7 15...Qxe4 16.Bd3 Qd5 17.c4+- 16.Nc3 Qc6 17.Rf3 /\ Rfd3, Rd1 ,/\ f5, /\ Na5, Nd4 +/-/ Timman 14...Qb2 15.a4 15.a3 Rc8 16.Rf3 16.Nc3 Na5 16...f5 16...Ne5 17.Rc3! Bh6 18.g3 h4 19.Kg2 hxg3 20.hxg3 Rg8 21.Kf2± 17.exf5± 15...d5! 16.exd5 Nb4 17.Na3 Rc8 Timman 17...Nxd5 15.Qe3 /\ 16.a3, 17.Nc3 +- d5? Purdy/Timman 15...Ne7! 16.a3 Qa4 17.Nc3 Qc6 Purdy 18.Rad1 +/-/ Timman 16.exd5 Ne7 17.c4 Nf5 18.Qd3! Timman 18.Qf2?! a5 /\ 129... a4 Timman 18...h4? Purdy/Timman /\ 19... Ng3 18...Rc8 18...exd5 19.Nc3! 19.cxd5 0-0-0 /\ 20... Nd6+/= 19...dxc4 20.Qe4+ /\ 21.Nd5 +- Timman 18...Qb6 19.Nc3 Qe3 20.Qc2 +/-/+- Timman 19.Bg4 /\ 20.Bf5 Timman Nd6 20.N1d2 f5? Timman 20...exd5 21.Bxd7+ Kxd7 22.Qxd5+- Timman 21.a3 Qb6 21...Qa4 22.Qc3 /\ 23.Qh8, /\ 23.Nc5 +- Timman 22.c5 Qb5 22...Qa7 23.cxd6 fxg4 24.dxe6 Bxe6 25.f5+- Timman 23.Qc3 fxg4+- 23...Rh7 24.a4 Bg7 25.Nd4 Bxd4 26.Qxd4 Qa5 27.Bf3+- Timman 24.a4 h3 25.axb5 hxg2+ 26.Kxg2 Rh3 27.Qf6 Nf5 28.c6 Bc8 29.dxe6 fxe6 30.Rfe1 Be7 31.Rxe6 1–0
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Spassky,B-Fischer,R27851–01972B97World-ch27 Fischer-Spassky +7-3=1111

Master Class Band 1: Bobby Fischer

Kein anderer Weltmeister erreichte auch über die Schachwelt hinaus eine derartige Bekanntheit wie Bobby Fischer. Auf dieser DVD führt Ihnen ein Expertenteam die Facetten der Schachlegende vor und zeigt Ihnen u.a die Gewinntechniken des 11.Weltmeisters

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Fischer- Spassky 1972

 

1973 gewann Boris Spassky erneut die UdSSR-Meisterschaft. In den Kandidatenkämpfen unterlag er 1974 Anatoly Karpov und 1977 im Kandidatenfinale Viktor Kortschnoj.

Boris Spassky spielte zwischen 1962 und 1978 bei sieben Schacholympiaden für die UdSSR. 1976 übersiedelte er nach Frankreich, wurde französischer Staatsbürger und spielte 1984, 1986 und 1988 für sein neues Heimatland.

Von 1980 bis 1990 spielte Boris Spassky auch in der deutschen Bundesliga, für die Solinger SG, und gewann 1981, 1987 und 1988 mit seinem Team die deutsche Mannschaftsmeisterschaft.

1992 trafen sich Spassky und Fischer in Jugoslawien zu einem inoffiziellen WM-Revanchewettkampf, der von einem serbischen Bankier finanziert wurde. Spassky unterlag mit 12,5:17,5. Als die US-Behörden Bobby Fischer in Japan festnehmen ließen, setzte sich Boris Spassky für die Freilassung von Fischer ein.

2009 spielte Boris Spassky in Elista noch einen Wettkampf gegen Viktor Kortschnoj, der 4:4 endete.

Nach zwei Schlaganfällen ist Boris Spassky gesundheitlich angeschlagen. Er lebt nun seit einigen Jahren wieder in Moskau. Seine Schwester Iraida Spasskay, mehrfache sowjetische Meisterin im Damespiel, erzählte in einem Interview für eine russische Sportseite von ihrem berühmten Bruder. 

Boris Spassky und seine Schwester scheinen aber über verschiedene Vorgänge ein ganz unterschiedliche Sichtweise zu haben. 

Boris Spasskys Schwester Iraida Spasskaya spricht über ihren Bruder

Boris Spassky ist nach dem Tod von Wassily Smyslow im Jahr 2010 der älteste noch lebende Schachweltmeister. 1976 verließ Spassky die Sowjetunion und ging mit seiner dritten Frau nach Frankreich. Nach zwei Schlaganfällen kehrte der 10. Schachweltmeister wieder nach Russland zurück und lebt, inzwischen 84 Jahre alt, in Moskau.

Die russische Journalistin Yana Gordeeva sprach für Express-Gazeta mit Spasskys jüngerer Schwester Iraida (76 Jahre) über das Leben von Boris Spassky.

Hier sind einige Auszüge aus dem Interview.

"Alle in unserer Familie liebten das Schach, unser älterer Bruder Georgy, der kürzlich verstorben ist, Boris und ich“, sagt Iraida Spasskaya.

Iraida Spasskaya hat im Damesport große Erfolge erzielt. Foto: Brazaitis A. (ITAR-TASS)

"Später wandte ich mich zur Überraschung von Borís mehr dem Damespiel zu und wurde mit 21 Jahren UdSSR-Meisterin im Damespiel. Unsere Mutter hatte mir das Damespiel beigebracht und später trainierte mich mein Mann Yevgeny Lysenko. Wir sind inzwischen schon lange geschieden und hatten leider keine Kinder.

Boris ist acht Jahre älter als ich und war für mich wie ein Vater. Er hat mich großgezogen und war mein Kindermädchen, nachdem ich in der Evakuierung geboren wurde. Boris war immer mein Vorbild.

Unser Vater hat die Familie verlassen, als unsere Mutter mit mir schwanger war. Zu der Zeit tobte der Große Vaterländische Krieg. Es gab wenig Männer im Hinterland, nicht genug für alle Frauen. Eine Nachbarin, die ihren Verlobten im Krieg verloren hatte, verführte unseren Vater. Er heiratete sie und ging mit ihr fort. Sogar die Familie unserer Nachbarin fand das unethisch und sprach nicht mehr mit ihr.

Mein Vater starb unter ungeklärten Umständen, nur wenige Monate, nachdem Boris die Sowjetunion in Richtung Frankreich verlassen hatte. Boris kehrte 1976 von einem Turnier im Westen nicht zurück.

Unser Vater befand sich in einer Pension und wurde dort getötet. Viele glauben, dass dies geschah, weil er seinem Sohn Boris damals seine Zustimmung gegeben hatte, die Sowjetunion zu verlassen.

Unsere Mutter wurde 90 Jahr alt. Aber nachdem unser Vater sie verlassen hatte, fand sie keinen neuen Mann. Sie starb in meinen Armen. Boris rief mich oft an, als unserer Mutter im Sterben lag und meinte schließlich traurig: "Iraida, das Leben geht weiter. Sie war erschöpft."

Als Boris jung war, hat er mich immer gebeten, ihm meine Freundinnen vorzustellen. Boris hatte großes Talent Beziehungen aufzubauen. Er war dreimal verheiratet. Ich habe zu allen seinen Frauen noch Verbindung. 

Seine erste Frau war Nadya Latyntseva. Sie begann ihr Leben mit Boris merkwürdigerweise mit einer Lüge. Sie behauptete, in einem Waisenhaus aufgewachsen zu sein, was nicht stimmte. Vielleicht wollte sie unsere Mutter, die wirklich aus dem Waisenhaus stammt, für sich gewinnen. Irgendwann kam die Wahrheit ans Licht. Boris und Nadya ließen sich scheiden. Was bleibt ist die gemeinsame Tochter Tanya. Sie ist jetzt 60 Jahre alt, hat eine Tochter und Enkelkinder.

Boris heiratete ein zweites Mal, Larisa Solovieva. Ich dachte damals, die beiden würden ewig zusammenbleiben. Sie haben einen wunderbaren Sohn Wassili Solojew-Spasski. Er ist heute ein bekannte Musikjournalist und Kritiker und schenkte seinem Vater ein Enkelkind, Masha.

Auch diese Ehe ging in die Brüche. Einige Jahre später traf Boris Marina Shcherbacheva, die seine dritte Frau wurde. Sie ist Französin mit russischen Wurzeln, die Enkelin des Weißgardisten-Generals Dmitry Shcherbatschow. Sie arbeitete in der französischen Botschaft in Moskau. Sei bereitete Boris Emigration nach Frankreich vor. Mit ihr hatte Boris einen Sohn, Boris-Alexander-Georges. Er ist jetzt 41 Jahre alt, Geschäftsmann und lebt in Frankreich. Seine Frau ist Französin und spricht kaum Russisch. Sie haben drei Söhne. 

Spasskys französische Frau Marina. Foto: Legion-media.ru

Boris wählte für seinen Sohn St. Petersburg als Studienort. Boris-Alexandre lebte dort in einer Wohnung seines Vaters. 

Als mein Bruder seinen ersten Schlaganfall hatte, kümmerte sich Marina sehr um ihn. Die Medizin ist gut in Frankreich und mein Bruder konnte den Rollstuhl wieder verlassen. 

Boris und Marina lebten sehr ruhig in Frankreich bis die Journalistin Valentina Kuznetsova auftauchte. Sie arbeitete als Redakteurin für ein Modemagazin. Nachdem sie und Boris sich einmal getroffen hatten, begann sie meinem Bruder als Agentin bei Geschäften in Moskau zu helfen. Zu dieser Zeit kam er oft wieder ins eine Heimat.

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Dann kam es zur "Entführung", so nennen ich und Marina diese Vorgänge. Valentina Kuznetsova bereitete die plötzliche Abreise von Boris nach Russland mit ein paar russischen Freunden vor. Sie warf Marina vor, sich nicht richtig um Boris zu kümmern. Nach einem weiteren Schlaganfall war er kein freier Mensch mehr. Boris kam in Russland ins Burdenko-Krankenhaus. Sein Freund Zhores Alferov unterstützte ihn. Dann ließ er sich von Marina scheiden.

Wegen Valentina Kuznetsova hat mein Bruder Frankreich verlassen, wo er medizinisch gut versorgt wurde und ein Haus mit Garten hatte. Ich stehe in Verbindung mit Marina und bin auf ihrer Seite. Die Beziehung zu Boris ist etwas kompliziert geworden. Ich hoffe, Valentina kümmert sich gut um ihn. Sie leben zusammen in ihrer bescheidenen Moskauer Wohnung am Rjasanski-Prospekt. Boris ist kein armer Mensch, aber das Geld auf seinem Konto ist eine relative Sache. das wichtigste ist, dass es ihm gut geht. Ich bete für seine Gesundheit."

Vor zehn Jahren gab Boris Spassky ein Videointerview, in dem er den Ansichten seiner Schwester zum Teil widersprach.

Originalbeitrag in russischer Sprache...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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