Zum 90sten Geburtstag von Robert Byrne

von André Schulz
20.04.2018 – Robert Byrne, geboren am 20. April 1928, wäre heute 90 Jahre alt geworden. Obwohl er erst mit 40 Jahren Schachprofi wurde, war Byrne in den 1950er bis 1970er Jahre einer der besten Spieler der USA. Er starb 2013 im Alter von 84 Jahren. (Foto: Robert Byrne, 1969 gegen Boris Ivkov, Quelle: Niederländisches Nationalarchiv)

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Profi mit 40 Jahren

Robert Byrne wurde heute vor 90 Jahren, am 20. April 1928 in New York geboren. Er ist der ältere Bruder von Donald Byrne (1930-1976), ebenfalls ein starker Großmeister, den man vor allem durch seine Niederlage in Fischers unsterblicher Damenopfer-Partien kennt. Er starb früh, 1976 im Alter von 45 Jahren, an den Folgen einer Autoimmun-Krankheit. Beide Byrne-Brüder gehörten in ihrer aktiven Zeit zu den besten Schachspielern der USA.

Robert und Donald Byrne wuchsen in New York City auf und gehörten zur Schachgruppe des legendären Schachlehrers John William Collins. Auch Robert Fischer wurde von Collins betreut.

Mit 13 Jahren spielte Robert Byrne sein erstes Schachturnier in Ventnor City (1945). Nach dem Schulabschluss konzentrierte er sich jedoch auf sein Studium und wurde dann Philosophie-Professor Indiana University. An Turnieren nahm er nur sporadisch teil. Trotzdem stieg er in späteren Jahren recht schnell zu einem der besten Spieler der USA auf.

1950 wurde Byrne in eine US-Auswahl berufen, die einen Radiowettkampf gegen Jugoslawien bestritt. Er spielte gegen Boris Kostic zweimal remis. 1951 nahm er am Wertheim Memorial in New York teil und belegte in einem starken Feld einen Mittelplatz. Reshevsky gewann vor Najdorf und Euwe. 1952 vertrat Robert Byrne die USA erstmals bei der Schacholympiade in Helsinki und erzielte das drittbeste Einzelergebnis (Bronzemedaille) am dritten Brett. Sein Sieg über David Bronstein beim 2:2 gegen die UdSSR-Mannschaft sorgte für Aufsehen und machte ihn auf einen Schlag bekannt. Im Laufe seiner Karriere nahm Rober Byrne an acht weiteren Schacholympiaden teil, gewann 1974 mit der Mannschaft Bronze, 1960 und 1966 Silber und 1976 in Haifa Gold. In Haifa fehlten allerdings die Mannschaften des Ostblocks, insbesondere die UdSSR-Mannschaft. 

Erst im Alter von 30 Jahren begann Byrne regelmäßig an den US-Meisterschaften teilzunehmen. Mit 40, in den späten 1960er Jahren, wurde er Schachprofi. Bei den US-Meisterschaften 1958 in New York wurde Byrne Neunter. Den Titel gewann Fischer. 1959 war Byrne bereits Zweiter hinter Fischer. In den folgenden Jahren war er regelmäßiger Teilnehmer der US-Meisterschaften und konnte seine Vizemeisterschaft 1961, 1965 und 1977 wiederholen. 1972 und 1973, nach Stichkampf, gewann er den Landesmeistertitel.

Seine Partie gegen Robert Byrne in der US-Meisterschaft 1963 nahm Robert Fischer in sein berühmtes Buch "My 60 memorables Games" auf:

 

Es war die legendäre US-Meisterschaft, die Fischer mit 11 aus 11 gewann. Byrne revanchierte sich zwei Jahre später bei den US-Meisterschaften 1965, als er eine Unachtsamkeit von Fischer bestrafen konnte:

 

Dies war allerdings das einzige Mal, dass Byrne Fischer besiegen konnte. Bei der gleichen Meisterschaft gelang Byrne auch ein brillanter Angriffssieg gegen Larry Evans in der Bauernraubvariante:

 

Ungeachtet dieses furiosen taktischen Spektakels galt Byrne als solider Positionsspieler, ein Meister der Prophylaxe und besonders stark im Endspiel.

Zu Byrnes Erfolgen bei internationalen Turnieren gehörte unter anderem ein zweiter Platz beim Turnier von Mar del Plata 1961 hinter Miguel Najdorf, ein dritter Platz beim Buenos Aires International 1964 hinter Pauls Keres und Tigran Petrosian und ein geteilter dritter Platz mit Robert Hübner in Las Palmas 1976. 1964 teilte er mit Pal Benkö den ersten Platz beim USA-Open in Seattle.

Byrnes größter internationaler Erfolg war jedoch der dritte Platz beim Interzonenturnier in Leningrad 1973 hinter Viktor Kortschnoj und Anatoly Karpov. Er qualifizierte sich damit als vierter US-Amerikaner nach Reshevsky, Fischer und Benkö, für die Kandidatenkämpfe, schied dort jedoch im Viertelfinale 1974 gegen Boris Spassky aus.

Byrne-Spssky (Foto: Familie Byrne)

Im Juli 1973 nahm er Byrne zusammen mit Efim Geller und Leonid Stein den 12. Platz in der FIDE-Weltrangliste ein. 

Von Oktober 1972 bis 2006, 34 Jahre lang, betreute Robert Byrne ohne Unterbrechung die wöchentliche Schachkolumne der New York Times. In seinem Nachruf von 2013 erzählt Lubomir Kavalek, wie Byrne in dieser Zeit auch auf seinen Turnieren immer mit einer Schreibmaschine unterwegs war und seine Kolumnen für die New York Times mit Hilfe eines mobilen Fernschreibers übermittelte. Byrne verabschiedete sich 2006 in seiner letzten Kolumne mit seiner berühmten Partie gegen Bronstein bei der Schacholympiade von 1952. 

 

Robert Byrne, wie auch sein Bruder Donald, zeichneten sich durch einen feinen Humor aus. Vor seinem Kandidatenwettkampf 1974 gegen Spassky wurde er von einem Journalisten gefragt, welche Eröffnungen aufs Brett kommen werden: Byrne antwortete: "Ich wünschte, ich wüsste es." "Aber Sie spielen doch 1.e4 mit Weiß?", insistierte der Journalist. "Spasski wünschte, er wüsste es," lautete Byrnes Antwort. 

Robert Byrne starb am 13. April 2013 im Alter von 84 Jahren, nachdem er zuvor viele Jahre an Parkinson gelitten hatte.

Nachruf von Lubomir Kavalek, 2013 ...

Helmut Pfleger in der Zeit...

 

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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