Zum richtigen Zeitpunkt richtig rechnen

01.07.2009 – Nicht nur der menschliche Verstand sondern auch die Bedenkzeit für eine Schachpartie ist begrenzt. Deshalb ist es gerade in taktischen Belangen ratsam, mit der eigenen Energie und Bedenkzeit gut Haus zu halten und nur dann tiefe Varianten zu berechnen, wenn es die Stellung gebietet. Woher aber soll man wissen, wann man rechnen soll und wann nicht? Oft meint man das aufgrund von Erfahrung erkennen zu können und gibt sich mit einer einfachen Abschätzung der Stellung zufrieden. Es gibt aber auch eine Reihe von Indikatoren im Schach, die einen darauf hinweisen, dass es sich um eine konkrete Stellung handelt und dass hier definitiv gerechnet werden muss. Daniel King will auf seiner neuen Powerplay DVD "Richtig rechnen" beides vermitteln: Wann man rechnen muss und natürlich auch wie man es richtig macht. Dazu führt er ein spannendes neues Feature ein: King präsentiert nicht nur Taktikstellungen. Er löst sie auch selbst (live) vor der Kamera und gewährt damit Einblick in die Rechenvorgänge eines erfahrenen Großmeisters. Daniel King: "Powerplay 10 - Richtig Rechnen" im Shop kaufen..Zur Rezension mit Videoausschnitt...

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Daniel King: Powerplay 10 - Richtig Rechnen

Rezension von Jürgen Jordan (Schach-Zeitung)

Gerade hat Großmeister Daniel King seine DVD aus der Serie Powerplay Nr. 9 „Schwerfiguren gegen Leichtfiguren“ veröffentlicht, da kommt auch schon sein neuestes Werk „Richtig Rechnen“ heraus.

Auf dieser DVD bespricht er Wege und Möglichkeiten die eigenen Rechenfähigkeiten zu verbessern. Ein jeder hat das nicht nur einmal, sondern viele Male erlebt. Man spielt eine wundervolle positionelle Partie, die Stellung ist hervorragend und man sonnt sich in dem Gefühl, dass sich die Partie schon irgendwie von alleine gewinnt. Auf dem Weg zum Sieg vergisst man an einer bestimmten Stelle taktische Berechnungen durchzuführen und die ganze Partie geht durch einen vermeidbaren Fehler verloren.

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Damit dies in Zukunft nicht mehr (so oft) passiert zeigt Daniel King viele Beispiele auf der DVD, deren Bearbeitung und Lösung den Zuschauer für diese Unzulänglichkeiten sensibilisieren soll und dieses Unterfangen gelingt ihm gut. Wer nun glaubt, nach Durchsicht der DVD in Zukunft Fritz in Rechentiefe und Geschwindigkeit Konkurrenz machen zu können, wird aber enttäuscht. Durch diese DVD lernt man nicht welche Möglichkeiten es gibt tiefer und schneller zu rechnen, sondern der Fokus liegt ganz eindeutig auf dem Schwerpunkt wann man überhaupt rechnen sollte und wann nicht. Dieser Ansatz macht natürlich Sinn. Es ist wesentlich vernünftiger zu wissen, zu welchem Zeitpunkt man eine gegebene Stellung genauestens analysieren muss oder wann eine einfache Stellungsabschätzung ausreicht.

King versucht dem Zuschauer dafür ein Gefühl zu geben. Manchmal genügt halt ein kurzer Blick aufs Brett um festzustellen, dass hier überhaupt keine langen Berechnungen angestellt werden müssen, sondern eine einfache Bewertung ausreicht. Was soll man auch Zeit und Energie in Varianten stecken, die eh zu nichts führen. Dies ist das wichtigste Element, welches Daniel King versucht zu vermitteln. In welchen Stellungen reicht eine Einschätzung der Lage aus und wann muss definitiv alles durchgerechnet werden? Für Letzteres gibt er einige Hinweise:

  • Bei Abwicklung ins Endspiel: Es müssen Berechnungen angestellt werden um z.B. zu verhindern, in einem verlorenen Bauernendspiel zu landen
  • Beim Ende der Partie: Hat man eine gewonnene Stellung muss man immer für Taktiken aller Art gewappnet sein und ständig alle Möglichkeiten berücksichtigen, damit der Gegner sich nicht doch noch irgendwie rettet
  • Bei hoher Figurenaktivität: Wenn das Brett förmlich brennt ist es natürlich notwendig ständig die Varianten zu überprüfen.
  • Beim Königsangriff: Hier muss man – sei es im Angriff oder bei der Verteidigung – alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, da die Partie in den nächsten Zügen entschieden werden kann

Wenn es dann ans Rechnen geht, sollten die anstehenden Züge nach dem Ausschlussverfahren durchgegangen werden. Dabei läuft man nicht Gefahr, einen wesentlichen Zug nicht überprüft zu haben. Somit fallen dann immer mehr Möglichkeiten durchs Raster und man bleibt dann hoffentlich beim richtigen Lösungszug für die Stellung hängen. Als Beispiel hierzu folgende Position aus Kapitel 10:

Weiß ist am Zug. Schwarz droht Matt auf g2 und h2. Somit muss Weiß mit einer Reihe forcierter Züge agieren, um das Unheil abzuwenden. Kann er sich retten? Hier ist also Analysieren angesagt! Lösung am Ende des Artikel.

Im Gegenteil dazu steht folgende Stellung aus Kapitel 06 G. Jones – D. King 2008, Schwarz ist am Zug:

Hier muss man nicht unbedingt lange Berechnungen anstellen, eine Abschätzung der Lage reicht aus, um einen vernünftigen Zug zu finden. Wenn man sieht, dass die lange Rochade den König aus dem Zentrum entfernt und keine unmittelbaren Drohungen daraus entstehen, sollte man diesen Zug spielen. Daniel King wählte in der Partie jedoch Tc8, was den König im Zentrum beließ und kam in Folge unter mächtigen Druck. Anschaulich erklärt er, was ihn zu dieser Entscheidung veranlasste und was er hätte besser machen können.

Viele schöne Beispiele zeigt King auf der DVD. Dort werden am Anfang dem Zuschauer fünf Stellungen zum selbstständigen Lösen präsentiert. Anschließend kann man sehen, wie King diese Stellungen angeht und versucht, deren Lösung zu ergründen. Es ist interessant zu sehen, wie ein Großmeister sich mit gänzlich unbekannten Positionen beschäftigt und diese analysiert. Diese Untersuchungen macht er an einem richtigen Schachbrett und unterlegt seine Gedankengänge mit vielen Worten, sodass man vergleichen kann, was man selbst vorher über die Stellung gedacht hat. Anschließend präsentiert der Autor die Lösungen zu den Aufgaben.

Im weiteren Verlauf bespricht er Partiefragmente und verschieden Studien. Seiner Meinung nach sind Studien und Kombinationsaufgaben bestens dafür geeignet, die eigenen Fertigkeiten für Stellungsabschätzung und Berechnung zu erhöhen und dadurch auch die eigene Intuition zu entwickeln. Abgerundet wird das Thema durch 17 Testpositionen, bei denen man feststellt, wie es um die eigenen Rechenfähigkeiten steht. Diese werden dann vom Autor natürlich wieder ausführlich durchgesprochen.

Im Ganzen wieder eine sehr kurzweilige und interessante Arbeit von Daniel King, die er sowohl in deutscher wie englischer Sprache abliefert. Einige Aspekte, die er anspricht kennt man natürlich schon, wer aber schon allein viel Freude am Lösen von Kombinationen und Studien hat, wird nicht enttäuscht. Zudem wird man in Zukunft der Tatsache mehr Beachtung schenken, dass es genau so wichtig ist, zu wissen wann man rechnet (Variantenanalyse unter Nutzung des Ausschlussverfahrens) und wann man besser die Stellung einfach nur abschätzt (Stellungsbewertung). In insgesamt 45 Videoclips mit einer Laufzeit von 4 Stunden bekommt man wieder viele Tipps vom englischen Großmeister hierzu. Empfehlenswert!

(Lösung zur Studie: 1. De6+ Dxe6 2. Sd7 Dxd7 3. Tb8+ Kxb8 4. cxd7 und die Bauernumwandlung nebst Matt ist nicht mehr zu verhindern.)

 



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