Zum Rückzug von Teimour Radjabov

von André Schulz
06.03.2020 – Neue Details zum Rückzug von Teimour Radjabov: Der Worldcup-Sieger war mit den Sicherheitsmaßnahmen beim Kandidatenturnier im Hinblick auf die Corona-Epidemie nicht zufrieden und schlug eine Verlegung des Turniers vor. Die FIDE lehnte das ab. Da er unter diesen Bedingungen nicht teilnehmen wollte, wurde dies als Rückzug gewertet.

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Die FIDE hat heute den Rückzug von Teimour Radjabov aus dem Kandidatenturnier gemeldet und hat dafür "persönliche Gründe" angegeben. Dies kann man so interpretieren.

Inzwischen hat sich aber Teimour Radjabov auf seinem Instagram-Account zu Wort gemeldet und die Gründe für seinen Rückzug näher erklärt.

Im Hinblick auf den sich ausbreitenden Corona-Virus hat Teimour Radjabov eine Verschiebung des Kandidatenturniers vorgeschlagen, da er die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen für nicht ausreichend hält. Ding Liren ist schon seit ein paar Tagen in Russland und unternimmt zusammen mit seinen Begleitern eine 14-tägige Quarantäne. 

Radjabov kritisiert, dass der zweite Chinese im Teilnehmerfeld, Wang Hao, ohne vorherige Quarantäne am Turnier teilnehmen darf. Er reist aus Japan an. Auch dort gibt es inzwischen einige Fälle von Corona-Infektionen. Radjabov fragte außerdem, welche Maßnahmen die FIDE für den Fall getroffen hat, wenn sich ein Teilnehmer mit dem Virus infiziert. Die FIDE hatte eine Verlegung des Turniers abgelehnt, da die Organisation des Kandidatenwettkampfes schon weit gediehen sei und bereits einigen Aufwand mit sich gezogen hätte.

Sie stellte Radjabov ein Ultimatum, bis heute, 6. März. Nachdem der Weltcupsieger seine Teilnahme nicht fristgerecht erklärt hatte, wurde er durch Maxime Vachier-Lagrave ersetzt.

Die aserische Seite AzeriSport zitiert Teimour Radjabovs Bedenken: 

"Es gibt keine Erklärung von der FIDE, wie das Turnier verlaufen wird, wenn ein Teilnehmer oder Trainer oder eine Begleitperson, ein Journalist, ein Interviewer oder ein Schiedsrichter Anzeichen einer Erkältung oder Grippe hat oder, was sich niemand wünscht, wenn der Coronavirus diagnostiziert wird. Werden die Teilnehmer unter Quarantäne gestellt, und welche Schritte werden unternommen, um dies zu diagnostizieren?"

Und weiter: 

"Das Kandidatenturnier ist ein Schachmarathon, mit 14 Runden über drei Wochen. Wie sich das Turnier während dieser globalen Epidemie entwickeln wird, welche Maßnahmen im Falle eines Virusnachweises getroffen werden und welche Maßnahmen in Bezug auf einen kranken Teilnehmer getroffen werden, hat mir niemand erklärt. Aufgrund der Komplexität all dieser Punkte wandte ich mich an die FIDE mit der Bitte, das Turnier auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Dies wurde abgelehnt. Im Zusammenhang mit dem oben Gesagten war ich der Ansicht, dass solche Bedingungen das notwendige Maß an Konzentration und Stimmung, das für ein bestmögliches Spiel bei einem so wichtigen Turnier wie dem der Kandidaten erforderlich ist, und eine mögliche Gefahr für die Gesundheit der Spieler darstellt, stark beeinträchtigen können. Daher wurde ich durch einen anderen Teilnehmer ersetzt."

Eine Reihe von Open wurden wegen der Ausbreitung des Corona-Virus inzwischen bereits abgesagt. Dazu gehören er HD Bank Cup in Singapur, das Dubai Open, das Bangkok Open und das Reykjavik Open.

Die FIDE argumentierte, dass man die Ansteckungsgefahr bei einem großen Open mit mehreren 100 Teilnehmern nicht mit der Gefahr bei einem Acht-Mann-Turnier vergleichen könne. 

AzeriSport...

FIDE-Webseite....

Offizielle Seite der Kandidatenturniers...



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.