Zur Halbzeit Entspannung

21.07.2010 – Beim GM-Turnier in Dortmund ist Halbzeit. Ruslan Ponomariov führt, Shakhryar Mamedyarov hofft auf seine Chance, Liem Le Quang beeindruckt Zuschauer und Gegner, Vladimir Kramnik will zur Aufholjagd starten und Peter Leko und Arkadij Naiditsch suchen weiter ihre Form. Doch bevor sich die Spieler in der Rückrunde bei hochsommerlichen Temperaturen in Dortmund wieder hitzige Gefechte liefern, ging es am gestrigen Ruhetag bei der Autogrammstunde entspannt zu. Dagobert Kohlmeyer zieht zur Halbzeit Bilanz und hat die Atmosphäre des Dortmunder Sparkassen Chess-Meetings in vielen Bildern eingefangen.Turnierseite...Zum Bericht...

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Erneuter Führungswechsel und Schachstars zum Anfassen
Text und Fotos: Dagobert Kohlmeyer



Das Turnier der Denksportler im Dortmunder Schauspielhaus bleibt spannend. Bei Halbzeit führt wieder der Ukrainer Ruslan Ponomarjow. Wir fassen das Geschehen der letzten beiden Runden zusammen.

Am vierten Spieltag hatte sich Shakryar Mamedjarow beim Chess-Meeting allein an die Spitze gesetzt. Der Aserbaidschaner teilte mit Wladimir Kramnik den Punkt und profitierte davon, dass am Nachbartisch Exweltmeister Ruslan Ponomarjow seine Partie gegen den Vietnamesen Le Quang Liem verlor.


Liem Quang Le zu Beginn seiner Partie gegen Puslan Ponomariov

Der junge Schachheld aus Asien hat sich bei seiner Premiere in Dortmund in die Herzen der Fans gespielt. Mit interessanten Zügen begeistert er die Zuschauer im Schauspielhaus und nötigt den Großen der Zunft Respekt ab. Sein Auftaktremis gegen Topfavorit Kramnik war ein erstes Achtungszeichen. Gegen Ponomarjow konnte sich der Vietnamese dann weiter steigern. Nach einer schönen taktischen Operation verwertete er seinen Stellungsvorteil gekonnt im Endspiel.

"Bei diesen berühmten Gegnern bin ich in jeder Partie hochmotiviert. Das Teilnehmerfeld ist äußerst stark, darum freue ich mich über mein bisheriges Ergebnis", sagte Le Quang Liem, der in Dortmund von seiner Mutter begleitet wird. Der Jungstar lobte die gute Organisation der Schachtage, die zu den Top-Turnieren der Welt gehören. Den Sieg über Ponomarjow feierte der 19-jährige Großmeister in mit seiner Mutter Tran Thi My Le einem asiatischen Restaurant.



Hinter Mamedjarow (3,0) Ponomarjow (2,5) und Le Quang Liem (2,0) lagen zu diesem Zeitpunkt die Dortmund-Stammgäste Kramnik, Leko und Naiditsch mit je 1,5 Punkten. Man durfte gespannt auf das Spitzenduell zwischen Mamedjarow und Ponomarjow am nächsten Spieltag sein.

Bei Halbzeit des Sparkassen Chess-Meetings hat dann erneut die Führung gewechselt. Im Spitzen-Kampf der fünften Runde gewann der Ukrainer gegen den Aserbaidschaner und setzte sich mit 3,5 Punkten wieder allein an die Tabellenspitze. Nachdem beide ihre Damen früh getauscht hatten, ergab sich eine ausgeglichene Stellung. Dann aber überspannte Mamedjarow den Bogen. "Ich dachte, ich stehe etwas besser, aber dann geriet ich plötzlich in Nachteil und habe sofort aufgegeben", erzählte "Shak" am Abend im Hotel. Bei fünf noch ausstehenden Runden sei aber noch nichts verloren.


Shakryar Mamedjarow

Ponomarjow wunderte sich etwas über die frühe Kapitulation Mamedjarows ("er hätte doch noch weiterspielen können", aber freute sich natürlich gemeinsam mit seinem Sekundaten Zahar Efimenko über den Sieg. Nach der Partie wollten die beiden nur noch an die frische Luft. Ponomarjows Gesicht glühte, er brauchte dringend eine Abkühlung.


Es sollte ein harter Kampf werden: Ruslan Ponomarjow gegen Shakryar Mamedjarow

Der Vietnamese Le Quang Liem verbuchte seine zweite Gewinnpartie in Folge und bleibt weiter die Überraschung des Turniers. Zuletzt gab er Peter Leko das Nachsehen, indem er mit Schwarz brillante Züge aufs Brett zauberte. Der Ungar, sonst ein großartiger und zäher Verteidiger, fand keine Gegenwehr. Peter sah dabei wirklich nicht gut aus, er läuft bei diesem Turnier seiner Form noch immer hinterher. Der 19-jährige Großmeister aus Ho-Chi-Minh-Stadt indes macht weiter Boden gut und liegt nun gemeinsam mit Mamedjarow nur noch einen halben Punkt hinter Ponomarjow. Le Quang Liem ist eine echte Bereicherung des Dortmunder Feldes.

Zu seinem ersten Sieg bei diesen Schachtagen kam endlich auch Wladimir Kramnik. Der große Favorit verschaffte sich gegen Arkadij Naiditsch mit klugem Spiel eine Stellung, so wie er sie liebt und glänzte dann mit feinen strategischen Manövern.


GM Sebastian Siebrecht, der in Dortmund als Kommentator arbeitet, weiß, was Kramnik will.

Nachdem er einen Turm des Dortmunders eingeklemmt hatte, verwertete er den Vorteil mit perfekter Endspieltechnik.


Arkadij Naiditsch

Vergessen zu sein scheint der schwache Start des Russen. Der neunfache Dortmund-Sieger setzt nun offensichtlich zur Aufholjagd an. Kramnik rangiert zu Beginn der Rückrunde einen Punkt hinter dem Spitzenreiter. Da ist sicher noch einiges zu machen. Den Seriensieger von Dortmund darf man in seinem Revier einfach nie abschreiben.

Auf jeden Fall wird hier in diesem Jahr spannendes Schach geboten, die Sofia-Regel greift. Alle Partien werden ausgekämpft, am fünften Spieltag gab es nur Siege. So kann es nach Meinung der Zuschauer vor Ort und an den häuslichen Computern gern weiter gehen. Auch die Live-Kommentatoren im Dortmunder Stadttheater Klaus Bischoff und Sebastian Siebrecht loben den Kampfeseifer der Spieler.

Am Mittwoch um 15 Uhr ertönt im Dortmunder Schauspielhaus der Gong zum zweiten Durchgang. Jeder Teilnehmer spielt gegen jeden noch einmal mit vertauschten Farben. Dadurch wird es sicher noch Änderungen im Gesamtklassement geben, wenn man zum Beispiel bedenkt, dass der führende Ponomarjow in der Rückrunde gegen Leko, Kramnik und Mamedjarow jeweils Schwarz hat.


Haben Grund zur Freude: Zahar Efimenko und Ruslan Ponomarjow

Autogramme, Autogramme …



Am Dienstag, dem einzigen Ruhetag, hatte der Titelsponsor des Chess-Meetings zur Autogrammstunde geladen. Im Hauptsitz der Sparkasse nahe dem Hauptbahnhof konnten die Schachfans ihre Vorbilder hautnah erleben. Die Großmeister saßen in der Schalterhalle an einem langen Tisch, vor dem sich eine riesige Schlange gebildet hatte. Manche Schachfans stellten sich schon 75 Minuten vorher an, um die Stars ja nicht zu verpassen, unter ihnen der 10-jährige Schacheleve Florian Hauschulz aus Dortmund. Es wurde viel gescherzt und gefachsimpelt. Die Großmeister signierten Programmhefte, Poster sowie Schachbücher.





Ob alte oder junge Schachfreunde, alle kamen auf ihre Kosten und schleppten dann zufrieden ihre Beute nach Hause. Unter den Besuchern waren bekannte Gesichter, zum Beispiel die attraktive Dortmunderin Natascha. Sie spielte vor zwei Jahren gegen Kramnik beim Blitz-Simultan. Diesmal ließ sie sich die Gelegenheit nicht entgehen, auch die Autogramme der Turnierneulinge Ruslan Ponomarjow und Le Quang Liem einzusammeln.


Schachfan Natascha

Auf geht´s in den zweiten Durchgang. Die Paarungen der 6. Runde lauten: Peter Leko - Ruslan Ponomarjow, Le Quang Liem - Wladimir Kramnik, Shakryar Mamedjarow - Arkadij Naiditsch.

Zum Dortmunder Schachfestival gehört wie schon in den letzten Jahren auch ein GM-Normenturnier mit 10 Teilnehmern. Nach vier Runden liegt Vorjahressieger Markus Schäfer (SG Solingen) mit 3,0 Punkten in Führung. Mit von der Partie ist auch die rumänische Großmeisterin Carmen Voicu.


Carmen Voicu

Gegen Wjatscheslaw Klyuner (Ukraine) schaffte sie nach sieben Stunden ein Remis. Carmen ist mit dem deutschen Schachspieler Andreas Jagodzisnsky verheiratet. Beide lernten sich im Jahre 2003 bei einem Turnier in Frankreich kennen und spielen heute beim SV Hemer.

Im Rathaus der Westfalen-Metropole finden traditionell zwei Open statt. Insgesamt 200 Teilnehmer gingen dort je nach Leistungsstärke in zwei Gruppen an den Start. Im A-Turnier spielen einige Großmeister, unter ihnen Kramniks Freund Tigran Nalbandjan (Armenien). Der älteste Teilnehmer ist dort Erich Krüger, SF Katernberg (Jahrgang 1932), die jüngsten sind Matthias Blübaum aus Lemgo und Carsten Hecht aus Paderborn (beide Jahrgang 1997). Im B-Turnier spielen natürlich noch jüngere Schachkids.


Tigran Nalbandjan


IM Thomas Henrichs liegt mit 3,5 Punkten aus 4 Partien gut im Rennen.


Erich Krüger vom SF Katernberg


Erich Krüger in Aktion: Hier spielt er mit Schwarz gegen Paul Carrasco


Schiedsrichter Alexander Bach aus Russland

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