Zwei Präsidenten, ein Interview

21.07.2012 – Herbert Bastian ist der amtierende DSB-Präsident, Prof. Dr. Robert von Weizsäcker bekleidete das Amt vor ihm und ist jetzt Ehrenpräsident des DSB. Beide ließen es sich nicht nehmen, das 40. Internationale Sparkassen Chess-Meeting zu besuchen und die Atmosphäre dieses Turniers zu erleben. Dagobert Kohlmeyer hat diese Gelegenheit zu einem Doppelinterview mit den beiden genutzt. Das führte zu einem interessanten Gespräch, in dem der DSB-Präsident Bastian und der DSB-Ehrenpräsident von Weizsäcker sich und ihrer Arbeit gegenseitig Respekt zollen, Bilanz ihrer Amtszeit ziehen und über neue Ziele und Aufgaben nachdenken. Zum Interview...

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Internationale Sorgen und ein Glücksfall für das deutsche Schach
Interview mit Robert von Weizsäcker und Herbert Bastian
Fragen und Fotos: Dagobert Kohlmeyer

Bei den 40. Dortmunder Schachtagen gibt sich viel Prominenz die Ehre. Nicht nur der SPD-Politiker Steinbrück besuchte das Turnier, auch der Ehrenpräsident des Deutschen Schachbundes Robert von Weizsäcker sowie der amtierende DSB-Präsident Herbert Bastian waren zu Gast im Revier. In einem Doppelinterview stellten sie sich aktuellen Fragen unseres Reporters. Ihre Antworten zeigen, dass beide Persönlichkeiten in vielen Dingen übereinstimmen, aber jeder in seiner Tätigkeit andere Schwerpunkte setzte bzw. setzt.


Neuer und alter DSB-Präsident: Herbert Bastian (links) und Prof. Dr. Robert von Weizsäcker

Warum kommen Sie immer wieder gern zum Sparkassen Chess-Meeting nach Dortmund?

von Weizsäcker: Weil es ein großes Leuchtturm-Turnier ist.
Bastian: Dortmund ist eine Oase des Leistungssports, auch im Schach. Die überaus freundliche Aufnahme des Deutschen Schachbundes und seiner Spieler im Revier finde ich großartig.

Was schätzen Sie an Ihrem Vorgänger im Amt?

Bastian: Mich fasziniert seine tiefe Liebe zum Schachsport, die er offen bekennt. Des Weiteren sein klares, strukturiertes Vorgehen und seine hohe analytische Kompetenz. Von ihr habe ich viel gelernt. Herr von Weizsäcker hat wertvolle Impulse für die Führungsstruktur des DSB und die Weiterentwicklung des deutschen Schachs gegeben.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Nachfolger?

von Weizsäcker: Ich bin außerordentlich froh, dass er jetzt die Geschicke des deutschen Schachs leitet. Herr Bastian ist einer der stärksten Spieler (und Kortschnoi-Bezwinger), die jemals an der Spitze des DSB gestanden haben. Es ist doch sehr wichtig, dass man vom eigentlichen Gegenstand der Verbandstätigkeit etwas versteht. Hinzu kommt seine jahrzehntelange Erfahrung als Funktionär in einem kompliziert strukturierten Verband. Er kennt die beteiligten Personen und deren Charaktereigenschaften, so dass er Menschen und Verbandsziele aufeinander abstimmen und zusammenführen kann. Damit ist er ein Glücksfall für das deutsche Schach.

Sie waren in einer spannenden Zeit DSB-Präsident. Was haben Ihnen solche Highlights wie die WM 2008 in Bonn und die Schacholympiade in Dresden gegeben?

von Weizsäcker: Persönlich? Ich war natürlich dankbar für die Gelegenheit, an dieser Stelle etwas für das Schach tun zu können, denn Schach bedeutet mir außerordentlich viel. Unvergessene Einblicke und Erfahrungen konnte ich gewinnen, auch international, selbst wenn diese teilweise mit Rückschlägen verbunden waren. Das alles war für mich außerordentlich lehrreich.


Robert von Weizsäcker

Herr Bastian, in ihrer bisher kurzen Amtszeit war sicher der EM-Titel der DSB- Auswahl der absolute Höhepunkt.

Unser Verband ist derzeit in vielen Prozessen beschäftigt, aber das Highlight war sicher die EM-Goldmedaille. Andere Höhepunkte sind z. B. unsere Erfolge im Mitropa-Cup, die Blindsimultanveranstaltung von Mark Lang, Vlastimil Hort und Rasmus Svane in Potsdam ("Alternierendes Blindsimultanschach") oder die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft in Oberhof gewesen. Man muss es einmal erlebt haben, was dort für eine große Begeisterung herrschte.

Würden Sie heute etwas anders machen als in Ihrer Amtszeit?

von Weizsäcker: Offen gestanden würde ich mich nicht noch einmal von Kasparow überreden lassen, für das Amt des ECU-Präsidenten zu kandidieren. Denn die beteiligten Kräfte in den internationalen Gremien sind doch zu unterschiedlich und zu unberechenbar - nicht nur in ihrem Wesen, sondern auch in ihrer Vorgehensweise. Da muss man schon - vorsichtig ausgedrückt - eine robuste Natur mitbringen, um daran Gefallen zu finden und in diesem Umfeld etwas bewirken zu wollen.

Herr Bastian, würden Sie auch etwas korrigieren wollen?

Bastian: Bezogen auf meine Tätigkeit im DSB würde ich kaum etwas anders machen. Ich hatte mir bestimmte Ziele gesteckt, natürlich in Absprache mit meinen Kollegen im Präsidium. Die haben wir verfolgt. Sicher gibt es Detailkorrekturen. Als Beispiel greife ich die Nationalmannschaft heraus, wo es durchaus unterschiedliche Auffassungen gab, wie man mit der öffentlichen Kritik der Nationalspieler umgeht. Am Ende siegte die Überzeugung, dass eine faire, wertschätzende Zusammenarbeit der bessere Weg ist. Ich denke, da haben wir alles richtig gemacht.


Herbert Bastian

von Weizsäcker: Ich möchte ergänzen, dass man hier die Rolle der Sponsoren nicht übersehen darf. Das war ja auch für mich eine harte Erfahrung. Ich hatte mich 2010 sehr für das Spitzenteam eingesetzt. Und man muss nüchtern feststellen, dass erst das erfolgreiche Zusammenkommen von Sponsoren, also Geldern, diesen Einstellungswechsel der Spitzenspieler herbeigeführt hat.

Wie sehen Sie die Zukunft des deutschen und des Weltschachs?

von Weizsäcker: Was das deutsche Schach angeht, gerade auch unter der Führung von Herrn Bastian und angesichts der erfolgten Strukturänderungen in der Organisation, bin ich alles in allem optimistisch. Was die internationale Ebene betrifft, haben wir in der Europäischen Schachunion mit dem dortigen Präsidenten eigentlich einen ganz vernünftigen Ansprechpartner. Auf der FIDE-Ebene ist die Situation viel komplexer, versteckter, unsicherer und alles in allem eher unbefriedigend. Wir haben gehört, dass Kasparow unter Umständen gegen FIDE-Präsident Iljumschinow antreten will. Keiner weiß, was dabei herauskommt. Wenn wir auf der internationalen Ebene - auch bei der Organisation der Weltmeisterschaften - etwas vorankommen könnten, wäre das ein großer Fortschritt. Auf der ganz großen FIDE-Ebene bin ich derzeit aber weder zufrieden noch optimistisch.

Bastian: Ich habe mich bislang völlig aus dem internationale Geschehen herausgehalten, weil wir sehr viele Sorgen im eigenen Land haben. Es ist ja bekannt, dass Vereine schrumpfen und manche wegsterben. Wir haben Mitgliederschwund. Auf einschneidende Veränderungen in der Gesellschaft muss der Deutsche Schachbund reagieren: auf das veränderte Freizeitverhalten der Jugendlichen, die Verlagerung der Freizeit und des Schachspielens ins Internet. Oder auf den Rückgang im Bereich des ehrenamtlichen Engagements. Man könnte weitere Bespiele nennen. Diese haben wir auch im Verbandsprogramm aufgelistet, damit man sie im Blick hat. Auf diese Veränderungen angemessen zu reagieren, ist meiner Meinung nach heute die größte Herausforderung. Weil es keine Antworten gibt, diese aber gefunden werden müssen. Auch steht ein Generationswechsel bevor. Wer oder was kommt nach Horst Metzing? Wir haben mit ihm einen Geschäftsführer von hoher Kompetenz und phantastischer internationaler Vernetzung. Das muss, wenn er im Ruhestand ist, alles wieder aufgebaut werden.

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