Es ist weit über ein Jahrzehnt her, dass Levon Aronian fest auf Platz zwei der Weltrangliste etabliert war, Armenien zu drei Olympiasiegen führte und als härtester Herausforderer von Magnus Carlsen galt.
Mit 43 Jahren ist der Weltmeistertitel für Aronian zwar in weite Ferne gerückt, doch auf seiner persönlichen Wunschliste stehen noch einige Ziele – eines davon konnte er im vergangenen Monat abhaken. In seiner langen Karriere hatte Aronian noch nie am legendären Schachfestival im schweizerischen Biel teilgenommen. „Ich bekam keine Einladung – also habe ich mir selbst eine verschafft“, erklärte Aronian. Er wandte sich an einen überraschten Organisator und fragte an, ob man ihn für das Teilnehmerfeld des Jahres 2026 in Betracht ziehen könne. Man zog ihn in Betracht und er gewann das Turnier!
Was sich sonst noch in der äußerst aktiven Schachwelt getan hat, erfahren Sie in der gerade erschienenen September-Ausgabe des Schach-Magazin 64. Hier ein Blick ins Heft:
Seit der Pandemie hat sich das Dortmunder Sparkassen Chess Meeting zur Sparkassen Chess Trophy gewandelt: Es ist kein reines Elite-Rundenturnier mehr – das jahrelang als „Kramniks Cup“ galt –, sondern mittlerweile ein stark besetztes Open. Das diesjährige Dortmunder Open verzeichnete die Teilnahme von 15 Großmeistern und mehr als 100 Titelträgern, wobei große Namen wie Matthias Blübaum und David Navara als Favoriten auf den Turniersieg galten. Stattdessen kam es in der achten und vorletzten Runde im Kulturzentrum „Alte Schmiede“ am Spitzenbrett zu einem Duell zwischen einem Teenager aus Neuseeland und einem 21-jährigen afghanischen Flüchtling, der nun für Norwegen antritt. Der Norweger Elham Amar gewann diese Partie, spielte in der letzten Runde souverän remis gegen Surya Ganguly (einen ehemaligen Sekundanten von Viswanathan Anand) und sicherte sich den ersten Preis in Höhe von 4000 Euro – mit einem ganzen Punkt Vorsprung auf Blübaum und noch größerem Abstand zu Navara.
Bei den Britischen Meisterschaften 2026 in Coventry haben Shreyas Royal und Bodhana Sivanandan für historische Erfolge gesorgt. Der 17-jährige Royal gewann erstmals den britischen Meistertitel. Nach neun Runden lag der jüngste britische Großmeister mit einem halben Punkt Vorsprung vor Luke McShane und dem neunmaligen britischen Meister Michael Adams, die sich Platz zwei teilten. Royal hatte nach sieben Runden die alleinige Führung übernommen und machte den Titel mit einem Sieg gegen Harry Grieve in der Schlussrunde perfekt.
Nach vier Jahren gab es wieder einen großen deutschen Meisterschafts-Gipfel: 13 Turniere und ein ausgefeiltes Rahmenprogramm, alles unter einem Dach im Internationalen Congress Center Dresden (ICD). Insgesamt wurden Preisgelder von rund 80000 Euro ausgeschüttet. Schon im Vorfeld des Festivals war klar, dass Dresden Rekorde sprengen wird. Beim letzten Gipfel 2022 in Magdeburg war alles noch eine Nummer kleiner.
Der Austragungsort passte. Schach in Dresden: Der Dresdner Schachclub wurde 1876 gegründet und feierte sein150-jähriges Jubiläum. Zudem fand vor genau 100 Jahren der Schachkongress in Dresden statt, woran Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert erinnerte. Die Deutschen Schachkongresse genossen in ihrer Zeit einen ausgezeichneten Ruf. Das Herzstück dieser Veranstaltungen war in der Regel ein Superturnier mit den Weltstars. In Dresden 1926 stahl Turniersieger Nimzowitsch dem Favoriten Aljechin die Show. Damals spielte er auch seine legendäre Blockadepartie gegen Johner mit der Nimzowitschindischen Verteidigung, seinem größten Vermächtnis.
Bisher hat der Deutsche Schachbund (DSB) nur zwei Vizepräsidenten beim Weltverband FIDE gestellt mit Egon Ditt und Herbert Bastian. Plötzlich treten in Samarkand Ende September gleich zwei Deutsche um das höchste Amt bei der FIDE an. Der DSB unterstützt dabei Wadim Rosenstein mit Frankreich und Polen zusammen. Der frisch gewählte DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker erläutert im Interview mit Hartmut Metz, wie es dazu kam – und warum Jan Henric Buettner bei der Unterstützung außen vor bleibt. Der oberste deutsche Schachspieler bewertet die Chancen auf einen Wahlsieg gegen Timur Turlov als „real“, unterstreicht aber auch, dass eine gemeinsame Kandidatur bessere Aussichten hätte. Jedenfalls sieht der 34-jährige Berliner Meyer-Dunker angesichts des anstehenden 150-jährigen Jubiläums des DSB eine „historische Qualität“, sollte erstmals ein Deutscher den SchachWeltverband führen.
Und sonst?
Weitere Turnierberichte aus aller Welt mit Hintergründen und den aufregendsten Partien, spannende Endspielanalysen, knifflige Taktikaufgaben und viele weitere Themen machen die neue Ausgabe des Schach-Magazin 64 wieder äußerst lesenswert ...
Hier ein ausführlicher Blick in den Inhalt des neuen Hefts:
