"In der Wirtschaft gibt es zu viele Amateure." - Interview mit Ordix -Chef Wolfgang Kögler

15.07.2009 – Seit nicht weniger als 16 Jahren unterstützt die IT-Beratungs- und Trainingsfirma Ordix AG die Chess Classic in Mainz. Der Name Ordix und das Mainzer Schnellschach-Open, vor zwei Jahren mit 762 Teilnehmern das größte Open der Welt, sind inzwischen untrennbar zur "Marke" Ordix-Open verschmolzen. Jeder Schachspieler in der Welt weiß, was damit gemeint ist. Harry Schaak sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Kögler über dessen Engagement und erkundigte sich über Parallelen zwischen Wirtschaft und Schach. "Wirtschaft ist eher Teamarbeit, Schach ein Einzelsport. Ich würde mir aber wünschen, dass Manager manchmal genau so gründlich nachdenken wie Schachspieler," meinte der Wirtschaftskapitän. Und: "In der Wirtschaft gibt es zu viele Amateure."Chess Classic Turnierseite...Zum Interview...

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"Kurzfristige Engagements sind nicht unsere Sache"

Wolfgang Kögler ist Vorstandsvorsitzender der ORDIX AG, die seit nunmehr 16 Jahren das gleichnamige Schnellschach-Open im Rahmen der Chess Classic sponsert. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die trotz Wirtschaftskrise auch dieses Jahr vom 27. Juli – 3. August hunderte von Schachspieler zum größten und stärksten Turnier der Welt in die Mainzer Rheingoldhalle locken wird. Harry Schaack sprach mit dem Unternehmer über Gemeinsamkeiten von Schach und Ökonomie, über Kontinuität, Service, und ein hochwertiges Produkt.

HARRY SCHAACK: Herr Kögler, lassen Sie mich mit einer etwas provokativen Frage beginnen: Wir befinden uns mitten in einer der schwersten Wirtschaftskrisen der letzten hundert Jahre, doch ORDIX unterstützt weiterhin die Chess Classic in Mainz, das größte und bestbesetzte Schachopen der Welt. Haben Sie zuviel Geld?

WOLFGANG KÖGLER: Nein, das habe ich definitiv nicht. Aber ich habe eine Zusage im letzten Jahr gegeben, und daran halte ich mich. Ich würde heute wahrscheinlich etwas anders entscheiden.

Ihr Unternehmen bietet als unabhängiges Software- und Beratungsunternehmen Dienstleistung, Training und Produkte wie Relationale Datenbanken unter UNIX, Linux und Windows an. Ist der IT-Bereich von der Krise verschont geblieben?

Die Krise hat vor allem in der Automobil- und Zulieferungsindustrie sowie im Maschinenbau eingeschlagen. Das sind zwei Bereiche, mit denen wir nun zufällig wenige Berührungspunkte haben. Von daher sind wir im Gegensatz zu anderen glücklicherweise kaum tangiert. Unsere Auftragslage ist noch in Ordnung. Ich könnte ketzerisch hinzufügen: Weil wir u.a. auch für Banken arbeiten, für die ein Rettungsschirm gespannt wurde. Und die stoppen ihre IT-Projekte nicht, weil sie zu wichtig sind.

Aber das Klima hat sich verändert.

Das ist wahr. Das ist eine Entwicklung, die schon vor einigen Jahren begonnen hat. Das hat nichts mit der Krise zu tun. Hat man sich früher auf Abmachungen per Handschlag verlassen können, werden heute selbst vertragliche Zusagen nicht immer eingehalten bzw. „nachgebessert“.

Weltmeister Vishy Anand ist vor wenigen Monaten zum Weltwirtschafts-Forum nach Davos geladen worden, um mit führenden Wissenschaftlern und anderen Autoritäten über Wirtschaft zu diskutieren. Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen Schach und Wirtschaft bzw. Ihrem Betätigungsfeld?

Man sollte den Vergleich nicht überstrapazieren. Aber Leistungssport - und Schach zähle ich dazu - und wirtschaftliche Zusammenhänge haben durchaus Parallelen. Auch eine Firma erfolgreich zu führen, ist eine Art Leistungssport. Im Schach kommt es vor allem auf den Einzelnen an, im Unternehmen ist eher das Teamwork gefragt. Auch wenn eine starke Persönlichkeit an der Spitze nicht schaden kann, ist das gemeinschaftliche Zusammenspiel im Unternehmen wichtiger.

Kann die Wirtschaft etwas vom Schach lernen?

Bei manch einem Manager würde ich mir wünschen, dass er so viel nachdenkt wie ein Schachspieler. (lacht)

Sie unterstützen das ORDIX Open seit 1994, seit 16 Jahren ist Ihr Unternehmen fester Bestandteil der Chess Classic. Sie sind damit der einzige Sponsor, der von Anfang an dabei ist. Welcher Zusammenhang besteht für Sie zwischen Sponsoring und Kontinuität?

Kontinuität ist etwas, das uns generell auszeichnet. In der Zusammenarbeit mit unseren Kunden sind wir sehr beständig und strahlen alleine dadurch Zuverlässigkeit aus. Dieses Verständnis unserer Arbeit spiegelt sich natürlich auch in der langjährigen Unterstützung des ORDIX Opens wider. Kurzfristige Engagements sind nicht unsere Sache.

Sie haben die Veranstaltung stetig wachsen gesehen. 2007 war das ORDIX Open mit 762 Teilnehmern das größte offene Turnier, das jemals ausgetragen worden ist. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?

Das stimmt einen zufrieden. Ich kann nicht beurteilen, ob Potential zu noch größerem Wachstum vorhanden ist. Aber das ist auch nicht das vorrangige Ziel unseres Sponsorings. Es ist ein riesiges Turnier, Menschen aus vielen Ländern kommen nach Mainz, und in aller Welt wird über das ORDIX Open berichtet. Das ist eine tolle Sache, die nicht nur mit dem Geld zusammenhängt, das wir geben, sondern auch mit den Leistungen des Organisationsteams der Chess Tigers. Der Spaß, den die vielen Ehrenamtlichen dabei haben, überträgt sich auf die gesamte Veranstaltung.

Im Gegensatz zum Mäzenatentum ist Sponsoring eine Investition, von der ein Unternehmen einen Gegenwert erwartet. Welche Rückwirkung hat ORDIX innerhalb der letzten 16 Jahre von den Chess Classic erhalten?

Einen echten Benefit, den man direkt messen könnte, hatten wir nicht. Allerdings bewegt sich unser Engagement in einem übersichtlichen Rahmen, sodass dies nicht unbedingt notwendig war. Uns ging es darum, eine Marke zu etablieren und den Namen ORDIX in einem Bereich, indem nicht nur IT-Personen unterwegs sind, geläufiger zu machen. Wir erhoffen uns, dass vielleicht der eine oder andere mal chsieht, was sich hinter ORDIX verbirgt und was unser Unternehmen macht. Und vielleicht entwickelt sich daraus etwas.

Ihr Engagement als Sponsor richtet sich vor allem auf Randsportarten …

Ja. Ich gebe gerne dort Geld, wo ich den Eindruck habe, dass ich mit meinem Beitrag etwas bewirken kann. Für mich ist es befriedigender, ein direktes Feedback von demjenigen zu bekommen, dem ich das Geld in die Hand gedrückt habe. Ich kann dadurch recht gut sehen, was mit meinem Geld realisiert wird. Und in den Randsportarten gelingt es mir auch besser, etwas für den Breitensport und die Jugendförderung zu tun, die mir am Herzen liegen.

Ihr Beitrag zu den Chess Classic hat sich vor einiger Zeit noch verstärkt. Mittlerweile unterstützen Sie zum dritten Mal das Mini-ORDIX Open, in dem sich die Jugendlichen messen.

Als mich Turnierorganisator Hans-Walter Schmitt fragte, ob ich auch das Mini-Open unterstützen möchte, war ich sofort bereit dazu. Da hatte er bei mir einen Nerv getroffen. Ich freue mich jedes Jahr darauf.

Mittlerweile nimmt die gesamte Weltelite in Mainz am ORDIX Open teil. Da sich die Preise staffeln, können auch relativ schwache Spieler noch in ihrer Ratingklasse ungewöhnlich hohe Gewinne kassieren. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Amateuren und Profis?

Es ist schön, dass wir mit dem Turnier auch in die Breite gehen. So können sehr viele Schachspieler davon profitieren. Aber das absolute Spitzenniveau ist notwendig, um die vielen anderen Teilnehmer anzulocken. Ich denke, dass es jeden Amateur glücklich macht, wenn er gegen die guten Topspieler antreten darf.

Funktioniert das Verhältnis zwischen Masse und Klasse auch in der Wirtschaft?

Während beim ORDIX ein gutes Verhältnis zwischen Profis und Hobbyspielern herrscht, gibt es in der Wirtschaft zu viele Amateure. Die „Klasse“ hätte eigentlich dafür sorgen sollen, dass Krisen wie die jetzige verhindert werden. Aber leider sehen zu viele nur den kurzfristigen Erfolg.

Sie sind regelmäßig Gast im Gourmet Club der Chess Classic. Nutzen Sie diese Einrichtung auch für Ihre Kunden?

Ja, wir haben diese Möglichkeit beispielsweise im letzten Jahr genutzt. Mir gefällt das: Die Räumlichkeiten sind sehr gediegen, Großmeister erklären kurzweilig die Partien, und dazu gibt es gutes Essen und Wein.

Sie können selbst Schach spielen, auch wenn Sie wenig Zeit dafür finden. Haben Sie früher im Verein gespielt?

In einem Klub bin ich nie gewesen. An der Uni habe ich eine zeitlang regelmäßig gespielt. Ich kenne die Regeln und wenn mir ein Kommentator ein wenig die Stellungsmerkmale erklärt, kann ich auch den hochklassigen Partien gut folgen. Die Computer-Bewertungen, die bei den Chess Classic mittlerweile üblich sind, sind ebenfalls sehr hilfreich für mich.

Ein wichtiger Aspekt Ihrer Unternehmenstätigkeit ist die Kundenorientierung. Wenn Sie den Blick auf die Chess Classic richten: Was bedeutet Service im Schachbereich?

Die Chess Classic ist eine tolle Veranstaltung. Den Teilnehmern steht ein riesiges Spektrum an Angeboten zur Verfügung. Nicht nur die Schachspieler, sondern ganze Familien kommen auf ihre Kosten. Die „Kleinen“ kann man im Kinder Club abgeben, wo sie von mehreren Erziehern betreut werden. Dadurch kann man sich in Ruhe auf die Partien konzentrieren. Auch der Gourmet Club trifft mein Geschmack, denn ich gehe gerne gut essen.

Ein Vorteil dieses Festivals besteht vielleicht auch darin, dass durch das Schnellschach die Partien relativ rasch auf ihren Höhepunkt zusteuern und es viele Highlights gibt. Das ist bestimmt auch für Besucher sehr attraktiv. Die Chess Classic ist eine Veranstaltung der schnellen Entscheidungen – und das ist eine weitere Parallele zu unserem IT-Business. Leute, die langsam sind, haben in der IT keine große Zukunft.

Interessieren Sie sich auch für das Weltklasseschach außerhalb der Chess Classic?

Da ich generell ein Sportinteressierter bin, verfolge ich auch die Topereignisse im Schach, wie etwa im letzten Jahr die WM in Bonn oder die Olympiade in Dresden.

Haben Sie persönliche Kontakte zu den Spitzenspielern, die in Mainz seit Jahren teilnehmen?

Ja, allerdings beschränkt sich das auf den Rahmen der Chess Classic. Als mir Organisator Hans-Walter Schmitt vor 16 Jahren Vishy Anand vorstellte und mir sagte, dass aus dem einmal etwas werden könnte, war ich offen gestanden skeptisch. Aber das hat sich gründlich geändert. (lacht)

Bei der Eröffnungsveranstaltung, dem Champions Diner, habe ich auch schon mit Wladimir Kramnik am Tisch gesessen. Wir führten eine sehr amüsante Unterhaltung. Ich freue mich, wenn ich bei dieser Gelegenheit mit diesen Topspielern Kontakt habe.

Wie verfolgen Sie und die Mitarbeiter von ORDIX das Open?

Wir haben ein, zwei Mitarbeiter, die schon beim Open und beim Simultan mitgespielt haben. Die waren sehr angetan. Auch auf unserer Internetseite berichten wir darüber.

Sie kennen die Chess Classic von der ersten Stunde an. Dieses erfolgreiche Festival ist auch ein wirtschaftliches Produkt, das sich an die Zeit angepasst und verändert hat. Was zeichnet dieses Produkt aus Ihrer Sicht aus? Und was waren die wichtigsten Innovationen des Turniers?

Die wichtigste Innovation war, von Frankfurt nach Mainz umzuziehen. Das Ambiente der Rheingoldhalle stellt alles in den Schatten, was es zuvor in Frankfurt gab. Seither ist die Veranstaltung konstant am gleichen Ort und in der gleichen Umgebung. Das war in Frankfurt nicht der Fall. Ich denke, davon profitiert auch der gesamte Event. Die direkte Nähe zum Rhein und die unweit gelegene Altstadt bieten zudem noch etwas über das Schach hinaus. Ich würde sogar sagen: Wenn die Veranstaltung nicht nach Mainz gezogen wäre, würde sie heute vielleicht gar nicht mehr existieren.

Sie haben vor allem deshalb mit dem Sponsoring für die Chess Classic begonnen, weil Sie schon lange Organisator Hans-Walter Schmitt kennen. Was ist das Geheimnis einer 16-jährigen Zusammenarbeit?

Es hat einfach funktioniert. Da sind zwei Menschen zusammen getroffen, die vielleicht für andere gelegentlich unbequem sein mögen. Aber bei uns stimmte die Chemie.

Wenn Sie auf die 16 Jahre zurückblicken: Was waren Ihre persönlichen Highlights?

Ein persönliches Highlight war für mich die Siegerehrung des Mini-ORDIX Opens, die ich im letzten Jahr selbst vornahm. Es war rührend, wie die teils sehr kleinen Kinder die Treppe zur Bühne hoch stolperten. Das hat mir sehr gut gefallen.

Außerdem ist es für mich eine Genugtuung, dass wir mit den Jahren für die Veranstaltung an Wert gewonnen haben. Wir waren nie der größte Sponsor. Aber andere Geldgeber gibt es heute gar nicht mehr, oder sie sind schnell aus dem Engagement wieder ausgestiegen, weil kein Konzept damit verbunden war.

Vielen Dank für das Gespräch. 

Mehr Informationen zu ORDIX finden Sie unter: www.ordix.de

 

CHESS CLASSIC / ORDIX OPEN 2009

2007 schwang sich das ORDIX Open im Rahmen der Chess Classic mit 762 Teilnehmern zum größten Turnier der Welt empor. Das stärkste Open war es freilich schon vorher. Die gesamte Weltklasse kämpft hier seit 16 Jahren um Ruhm und Ehre.

Für die diesjährige Veranstaltung vom 1.-2. August haben schon jetzt so viele starke Großmeister ihre Teilnahme zugesagt, dass ein neuer Rekord zu erwarten ist. Bislang sind von insgesamt 320 Teilnehmern 75 GMs gemeldet, dazu gesellen sich noch etliche IMs und FMs. Qualitativ liegt das Turnier schon jetzt über dem Rekordjahr von 2007. Die Top Ten haben einen Elo-Schnitt von sagenhaften 2716 und die Top 20 noch über 2695. Bester Spieler im Feld ist im Moment Vugar Gashimov mit 2740, dann folgen Grischuk, der sich im ICC Turnier qualifiziert hat, Bacrot, der gerade in Dortmund spielte, der letztjährige Kandidatenfinalist Kamsky, der ehemalige Juniorenweltmeister Mamedyarov, das amerikanische Schnellschach-As Nakamura, die früheren ORDIX-Sieger Navara und Bologan, Ex-Weltmeister Kasimdzhanov, die armenischen Olympiasieger Akopian und Sargissian, u.v.m.. Neben Arkadi Naiditsch sind mit Daniel Fridman und Georg Meier auch die drei besten Deutschen im Feld vertreten. Die vollständige Liste der Großmeister können Sie der angehängten Exel-Datei entnehmen.

Anmeldeliste...

Das ORDIX Open ist mit dem stattlichen Preisfonds von 40.000 Euro ausgestattet. Im Gegensatz zu anderen Turnieren kann hier nicht nur die Spitze gewinnen. In mehreren Ratingklassen unter 2400 TWZ kommen auch schwächere Amateure in den Genuss eines der lukrativen 157 Preise.

 

 


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