Statistischer Überblick (klassisches Schach)
Die 2002 in Jiaxing geborene Zhu Jiner hat einige Jahre lang weitgehend unbemerkt Fortschritte gemacht. Zhu startete 2025 als Zehnte der Weltrangliste. 2025 gipfelte dieser stille Aufstieg in ihrem zweiten Platz der Weltrangliste der Frauen. Damit steht sie direkt hinter Hou Yifan, die seit September 2015 die Nummer eins ist.
Eine willkommene Chance bot sich ihr Anfang des Jahres, als ihre Landsfrau Lei Tingjie aus persönlichen Gründen ihre Teilnahme an der Women’s Grand Prix-Serie absagte. Zhu wurde für die letzten drei Turniere der Serie 2024/25 nominiert, die alle zwischen März und Mai stattfanden – gleichzeitig ihre ersten klassischen Schachturniere des Jahres. Was folgte, war einer der beeindruckendsten Läufe im Frauenschach der Saison.
Bei den Grand-Prix-Turnieren in Zypern, Indien und Österreich erzielte Zhu jeweils 6/9, 7/9 und 6/9 Punkte. Sie teilte sich in allen drei Turnieren den ersten Platz und verpasste kurioserweise jedes Mal den Titel aufgrund der Feinwertung. Dank der guten Punktausbeute sammelte sie aber dennoch über 33 Ratingpunkte. Noch wichtiger ist jedoch ihre Konstanz über die gesamte Serie hinweg, die ihr den Gesamtsieg in der Grand-Prix-Serie und die Teilnahme am Kandidatenturnier der Frauen 2026 sicherte.

Zhu Jiner beim Grand Prix der Frauen in Österreich. | Foto: Przemysław Nikiel
Nach diesem außergewöhnlichen Frühling ließ Zhus Form im Frühsommer nach. Beim Sharjah Open erzielte sie 4 von 9 Punkten, ein Ergebnis, das sie angesichts der starken Konkurrenz weniger als einen Ratingpunkt kostete. Ein deutlicherer Rückschlag folgte aber beim Norway Chess Open, wo sie gegen schwächere Gegnerinnen nur 5 von 8 Punkten erreichte und dadurch 13,7 Ratingpunkte verlor. Das war 2025 ihr schwächstes Turnier im klassischen Schach. Anschließend nahm sie am FIDE-Weltcup der Frauen teil und erreichte die vierte Runde, bevor sie von der späteren Siegerin Divya Deshmukh ausgeschaltet wurde. Als zweitgesetzte Teilnehmerin hätte sich Zhu vielleicht mehr erhofft, doch das K.-o.-Turnier bot ihr dennoch wertvolle Erfahrungen, wie es ist, unter hohem Druck zu spielen.
Die Schlussphase des Jahres zeigte eine deutliche Erholung und neuen Schwung. In der türkischen Liga in Ankara lieferte Zhu eine bemerkenswerte Leistung ab (8 von 9 Punkten), gewann acht Partien und verlor nur einmal gegen Polina Shuvalova.
Anschließend nahm sie am Fujairah Superstars Tournament teil, wo sie als einzige Frau und mit der niedrigsten Wertungszahl in einem starken Teilnehmerfeld von 44 Spielern antrat. Zhu belegte mit 5,5/9 Punkten den fünften Platz. Sie errang Siege gegen Yuriy Kuzubov, Alexander Motylev und Ivan Cheparinov, alle mit den weißen Steinen. Dadurch gewann sie 20,5 Wertungspunkte.
Sie beendete ihre Klassiksaison beim Women's European Club Cup und erzielte am Spitzenbrett für Tajfun SK Ljubljana 5/6 Punkte.
Bis Ende 2025 hatte sich Zhu Jiners Position im Frauenschach grundlegend verändert: Von einer soliden Top-Ten-Spielerin stieg sie zur Weltranglistenzweiten und zu einer der Hauptanwärterinnen auf den WM-Titelkampf auf. Ihre Qualifikation für das Kandidatenturnier der Frauen, das am 28. März beginnt, stellt die bisher größte Herausforderung ihrer Karriere dar. Sie ist der logische nächste Schritt nach einem Jahr, das von Konstanz und stetigem Fortschritt geprägt war.

Ivan Cheparinov gegen Zhu Jiner beim Fujairah Superstars-Turnier. | Foto: Fujairah Superstars / Anna Shtourman