25 Jahre Emanuel Lasker Gesellschaft

von André Schulz
15.01.2026 – Die Emanuel Lasker Gesellschaft feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Im Januar 2001 wurde die ELG am Rande einer beeindruckenden Konferenz zu Emanuel Lasker gegründet. Seitdem pflegt die Gesellschaft das Gedenken an den einzigen deutschen Schachweltmeister und die Schachkultur.

Ihr persönlicher Schachtrainer. Ihr härtester Gegner. Ihr stärkster Verbündeter.
FRITZ 20: Ihr persönlicher Schachtrainer. Ihr härtester Gegner. Ihr stärkster Verbündeter. FRITZ 20 ist mehr als nur eine Schach-Engine – es ist eine Trainingsrevolution für ambitionierte Spieler und Profis. Egal, ob Sie Ihre ersten Schritte in die Welt des ernsthaften Schachtrainings machen oder bereits auf Turnierniveau spielen: Mit FRITZ 20 trainieren Sie effizienter, intelligenter und individueller als je zuvor.

25 Jahre Lasker Gesellschaft

Im Januar 2001 lud der schachbegeisterte Kulturmanager Paul Werner anlässlich des 60. Todestages von Emanuel Lasker zu einer „Lasker-Konferenz“ nach Potsdam ein. Viele große Persönlichkeiten des Schachs, Schachhistoriker, Wissenschaftler, Journalisten und Repräsentanten aus der Politik, aus Deutschland und dem europäischen Ausland, folgten gerne der Einladung. Am Wirken des Kosmopoliten Emanuel Lasker konnten Schachfreunde aus Deutschland, den Niederlanden, England, Polen, Russland und auch den USA gleichermaßen teilhaben. Die Konferenz fand gut zehn Jahre nach den politischen Umwälzungen in Europa und in Deutschland statt, und mit der Zusammenkunft kam auch die Freude darüber zum Ausdruck, dass es nun überhaupt möglich war, sich in Potsdam über alle Grenzen hinweg oder über verschwundene Grenzen hinweg im Gedenken an den Schachweltmeister zu treffen. Jetzt, 25 Jahre später, hat sich die politische Situation wieder geändert – nicht zum Guten.

Rainer Knaak

Der damalige Innenminister Otto Schily im Gespräch mit Wolfgang Unzicker

Die Konferenz dauerte zwei Tage. In Vorträgen betrachteten Experten die unterschiedlichen Facetten des Wirkens von Emanuel Lasker auf den verschiedenen Gebieten, mit denen er sich beschäftigte, neben Schach und Mathematik auch mehr oder weniger erfolgreich mit Spieltheorie, Politik, Philosophie oder Theater.

Helmut Pfleger

Prof. Hans Holländer

Michael Negele

Der Blick auf die Liste der Gäste und ihre Fotos ist von Wehmut begleitet, denn viele der Menschen, die an der Konferenz teilnahmen, leben heute nicht mehr. Die Schachfreunde mussten sich in den Jahren nach dieser Konferenz nach und nach von so großartigen Persönlichkeiten wie Alfred Kinzel (2004), Egon Ditt (2005)...

Der ehemalige DSB-Präsident Alfred Kinzel und Dagobert Kohlmeyer

Der damalige DSB-Präsident Egon Ditt

... Wolfgang Unzicker (+2006), Edith Keller-Herrmann (2010), Andor Lilienthal (2010), Isaak Linder (2015)...

Wolfgang Unzicker

Edith Keller-Herrmann (hinten)

Isaak Linder

... Viktor Kortschnoi (2016) und Petra Kortschnoi (2021), Professor Hans Holländer (2017),

Petra und Viktor Kortschnoi

... Wolfgang Uhlmann (2020), Yuri Averbakh (2022), Fritz Baumbach (2025), Robert Hübner (2025) und noch vielen weiteren verabschieden.

Fritz Baumbach und Wolfgang Uhlmann

Robert Hübner

Der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (+2019)

Am Rande der Konferenz wurde die Emanuel Lasker Gesellschaft gegründet, die seitdem das Andenken an den einzigen deutschen Schachweltmeister und die Schachkultur in Deutschland pflegt.

Anlässlich ihres Jubiläums wird die Emanuel Lasker Gesellschaft im Rahmen der zentralen Endrunde der Schachbundesliga in Berlin am 24. April 2026 gemeinsam mit dem Berliner Schachverband, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert, und Chess & Jazz Berlin einen musikalischen Schachabend in der Holzmarktperle in Berlin gestalten.

Die Emanuel Lasker Gesellschaft organisiert zudem beim Schachgipfel am 24. Juli 2026 in Dresden einen olympischen Abend. Fest eingeplant sind außerdem ein internationales Schnellschachturnier für Frauenmannschaften zusammen mit dem Schachclub Chemnitz Aufbau 95 am 23. August 2026 sowie die Deutschen Schachmeisterschaften für MINT-Berufe (voraussichtlich in Cottbus) und für Künstler, Kunsthistoriker, Journalisten und Verleger (voraussichtlich in Berlin).

Auf dieser DVD zeigen unsere Autoren alle Facetten des Spiels von Emanuel Lasker, der von 1884 bis 1921 Weltmeister war, länger als jeder andere vor oder nach ihm: Eröffnungen, Strategie, Taktik und Endspiele!


Der folgende Beitrag zur Lasker-Konferenz aus dem Gründungsjahr der Emanuel Lasker Gesellschaft vermittelt einen Eindruck von der Veranstaltung:

Internationale Konferenz zum 60.Todestag von Emanuel Lasker

12.-14. Januar 2001
im Kulturhaus "Altes Rathaus" in Potsdam

Von André Schulz

Die Internationale Lasker-Konferenz, Mitte Januar 2001 in Potsdam durchgeführt, war eine der bedeutsamsten Schachveranstaltungen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie war sicher auch die imposanteste Konferenz zu Ehren einer Person der Schachgeschichte weltweit.

Die Organisation selbst war überwältigt von der unerwartet großen Teilnehmerzahl. Bis zu 300 Teilnehmer hatten sich angemeldet, die 200 Sitzplätze im Vortragsraum des Potsdamer Kulturhauses waren zu allen Vorträgen belegt.

Emanuel Lasker (24.12.1868, Berlinchen, heute Barlinek – 11.1.1941, New York) ist den Schachfreunden als einziger deutscher Weltmeister bekannt, und er war derjenige, der diesen Titel über 27 Jahre am längsten von allen Weltmeistern innehatte. Emanuel Lasker erlangte aber auch auf ganz anderen Gebieten Bedeutung. Eingebunden in das jüdische Geistesleben – Albert Einstein war ein guter Freund –, sah er sich selbst eher als Mathematiker, der aber durch sein Talent im Schach das Geld verdienen konnte, das er als Mathematiker nicht bekam. Ein Lehrsatz in der algebraischen Geometrie wird heute noch in mathematischen Lehrbüchern zitiert. Darüber hinaus veröffentlichte er philosophische Schriften und zusammen mit seinem Bruder Berthold Lasker, dem Ehemann von Else Lasker-Schüler, ein Drama in expressionistischer Tradition.

Als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland die Macht übernahmen, erkannte er früh die Zeichen der Zeit und emigrierte aus Deutschland. Aus dem Exil zeigte er sich als erbitterter politischer Gegner der Nazis.

Die Persönlichkeit Emanuel Laskers ist aus der Erinnerung der deutschen Öffentlichkeit weitgehend – zu Unrecht – verschwunden. Egon Ditt, der Präsident des Deutschen Schachbundes, berichtete in seinem Grußwort, dass man sich vergeblich bemüht habe, etwas dagegen zu unternehmen. Der Vorschlag an die Post, eine Briefmarke zu Ehren Laskers herauszugeben, fand ebenso wenig Gehör wie der Vorschlag an die Bahn, einen Zug nach Emanuel Lasker zu benennen.

Sogar als Schachweltmeister wird Lasker in Deutschland eher unterschätzt. Vielleicht sind es noch die Vor- oder Fehlurteile, die von Tarrasch, Tartakower und Reti in die Welt gesetzt wurden: Laskers Stil sei irgendwie psychologisch, und sein Erfolg weniger durch die Qualität des Spiels als durch psychologische Spielführung zu erklären. Einmal mehr hat Dr. Robert Hübner versucht, in seinem Vortrag mit diesem Falschurteil aufzuräumen. Leser des ChessBase Magazins erinnern sich an die Beiträge in den Magazinen 52–55, in denen dieses Thema ebenfalls zur Sprache kam.

Aber auch andere Referenten haben sich auf der Konferenz mit Laskers schachlichen Qualitäten beschäftigt, die durch Kampf, Zähigkeit in der Verteidigung und exzellentes Endspielwissen gekennzeichnet sind.

Unter den Besuchern der Konferenz, die im Wesentlichen von der Bundeszentrale für politische Bildung finanziert wurde und deren Schirmherren der Innenminister Deutschlands, Otto Schily, und der Außenminister Polens, Prof. Władysław Bartoszewski, waren, befanden sich außer den Fachleuten verschiedener Gebiete eine russische und eine polnische Delegation. Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dr. Manfred Stolpe, war zur Eröffnung der Konferenz anwesend und sprach ebenso ein Grußwort wie Prof. Dr. Julius Schoeps, der Direktor des Veranstalters, des Moses Mendelssohn Zentrums Potsdam. Der Botschafter der Republik Polen brachte es in seinem Grußwort auf den Punkt: Er sah in der Erinnerung an Lasker eine weitere Möglichkeit, die deutsch-polnisch-jüdischen Beziehungen zu pflegen.

Lasker war Kosmopolit. Als Turnierschachspieler und Weltmeister reiste er in viele Länder. Er lebte zeitweise in England und in Russland. Im Exil lebte er in den Niederlanden, in Russland und in den USA. Er wurde in Berlinchen geboren, das heute in Polen liegt und Barlinek heißt; gestorben ist er in New York.

Durch seine Aufenthalte in Moskau hat Lasker auch eine große Wirkung auf das russische Schach gehabt. Großmeister Juri Awerbach definierte Laskers Einfluss mit den Worten: „Before Lasker we were fond of chess, after Lasker we had respect of chess.“

Die Erinnerung an den deutschen jüdischen Intellektuellen Lasker steht der deutschen Öffentlichkeit gut zu Gesicht. Aber auch Polen, Russland, England, Holland, die USA und die jüdische Gemeinde – sie alle können sich mit Stolz auf Lasker berufen. Die deutsche Schachgemeinde hat das Glück, daran teilhaben zu dürfen. Wann sonst war es möglich, eine bedeutende Schachveranstaltung in Deutschland aus öffentlichen Geldern zu finanzieren?

Aber wie war diese Konferenz überhaupt realisierbar? Wer hat sie organisiert? Wie so oft geht alles auf die Initiative und das Schaffen eines Einzelnen zurück. Der Kulturmanager Paul Werner Wagner wurde als idealistischer Jugendlicher als Republikflüchtling in der CSSR festgenommen und inhaftiert, später an die Staatssicherheit der DDR ausgeliefert und zu einer Haftstrafe verurteilt. In der Zelle war seine einzige geistige Beschäftigung ein Schachspiel und die einmal wöchentlich erscheinende Schachspalte in der DDR-Sportzeitung Sport-Echo – eine Art nacherlebte Schachnovelle; der israelische Arbeitsminister Nathan Sharansky kann Ähnliches berichten, nur aus der UdSSR. 

Paul Werner Wagner

In der Haft entstand Wagners Begeisterung für das Schach und für das Idol Emanuel Lasker. Seinen Sohn hat er später ebenfalls Emanuel genannt. In der DDR war Wagner als Moderator und Organisator von Simultanveranstaltungen bekannt. Sein organisatorisches Geschick bewies er zuletzt als Organisator eines Historikerkongresses mit 3000 Teilnehmern.

Er brachte das außergewöhnliche Kunststück zustande, öffentliche Gelder für eine Veranstaltung zu mobilisieren, die irgendetwas mit Schach zu tun hat – in Deutschland. Was in Spanien oder anderswo möglich ist – Kommunen, Bezirke, der Staat finanzieren Schachveranstaltungen als kulturellen Beitrag –, gibt es in Deutschland eher selten. Eine Ausnahme, die mir spontan einfällt, ist das Dortmunder Turnier, das von der Stadt Dortmund mitfinanziert wird.

Die Beschaffung öffentlicher Mittel ist aber nur ein Teil der Leistung Wagners. Er hat außerdem seit August 2000 am Programm gefeilt, die entsprechenden Fachleute angesprochen und eingeladen und schließlich alle Kräfte vom 12.–14. Januar in Potsdam zusammengeführt.

Mitorganisatorin Susanna Poldauf

Angesichts der vielen bedeutenden Gäste und Teilnehmer war in Potsdam so etwas wie Aufbruchsstimmung und Euphorie zu spüren. Kann das deutsche Schach über die parallel gegründete Lasker-Gesellschaft neue Impulse bekommen, von denen es dauerhaft profitiert? Kann sich das deutsche Schachleben an der Person Emanuel Laskers erneuern und aufrichten – der Kosmopolit, das Multitalent Emanuel Lasker als das vermisste Schachidol? Warum nicht?

Paul Wolfgang Wagner hat gezeigt, dass er die Fähigkeit hat, die ohne Zweifel vorhandenen Kräfte zu vereinen. Jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen, indem er Mitglied bei der Lasker-Gesellschaft wird. Das kostet nicht viel, nutzt aber dem deutschen Schachleben enorm.

Zunächst soll das noch bestehende Landhaus in Thyrow (Brandenburg) als Lasker-Gedenkstätte eingerichtet werden. Wagner plant außerdem die Einrichtung einer öffentlichen Schachbibliothek, analog zum Euwe-Zentrum in Amsterdam. Und natürlich wird auch an ein Lasker Memorial Schachturnier gedacht. Und es gibt viele weitere Ideen. Wir dürfen gespannt sein.

Auf der Konferenz wurden viele Vorträge angeboten, die sich mit den verschiedenen Facetten des Laskerschen Denkens und Schaffens beschäftigten oder anders mit Lasker in Verbindung standen. Ich möchte an dieser Stelle auf die Webseite der Lasker-Gesellschaft verweisen. Wer keine Gelegenheit hatte, in Potsdam teilzunehmen, kann sich über die Fotos auf den folgenden Seiten einen Eindruck verschaffen. Auch im ChessBase Magazin werden wir mit Videobeiträgen auf die Veranstaltung ausführlicher eingehen.

Original-Beitrag aus 2001...

Beitrag zum Jubiläum auf der Seite der Emanuel Lasker Gesellschaft...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Diskussion und Feedback Senden Sie Ihr Feedback an die Redakteure