Anfang der 1980er Jahre war klar, dass der amtierende Weltmeister Anatoly Karpov mit dem jungen Garry Kasparov einen ernst zu nehmenden Konkurrenten bekommen würde. Nach einigen Widrigkeiten qualifizierte sich Kasparov als Herausforderer, doch beim Weltmeisterschaftskampf 1984/85 in Moskau erwies sich der Titelverteidiger als zäher Gegner. Der Kampf musste nach 48 Partien beim Stand von 5:3 für Karpov abgebrochen werden, da es nicht so aussah, als könne einer der beiden Spieler die erforderliche Zahl von sechs Gewinnpartien erreichen. Unter neuen Regeln wurde der WM-Kampf für November 1985 neu angesetzt.
Stefan Löffler erinnerte in seiner Schachkolumne am 23. Dezember 2025 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an einen, eigentlich zwei Besuche von Garry Kasparov in Hamburg.

Stefan Löfflers Kolumne in der FAZ | Quelle: Stefan Löffler
Kasparov nahm im Mai 1985 eine Einladung des Der Spiegel nach Hamburg an. Der Spiegel hatte zu jener Zeit in Werner Harenberg einen sehr schachaffinen Redakteur, der in den 1980er Jahren viel für die Popularisierung des Schachs in Deutschland getan hat. Harenberg arbeitete mit Gisbert Jacoby zusammen, der in Hamburg als Stützpunkttrainer wirkte, mit Robert Hübner befreundet war und auch zu Garry Kasparov Verbindung aufgenommen und ihn sogar einmal in Baku besucht hatte. Die Spiegel-Redakteure hatten zudem engen Kontakt zu Frederic Friedel, einem Wissenschaftsjournalisten und Experten für Computerschach.
So spielte Kasparov Ende Mai 1985 in Hamburg einen vom Spiegel organisierten Vorbereitungswettkampf gegen Robert Hübner, den der junge sowjetische Großmeister klar mit 4,5:1,5 für sich entschied.

Oben: Hübner mit seinem Sekundanten Spassky. Horst Metzing als Schiedsrichter.
Unten: Gisbert Jacoby, Kasparov, rechts: Werner Harenberg
Garry Kasparov stellte sich außerdem am 5. Mai einem „Testwettkampf“ gegen 32 Schachcomputer. Kasparov gewann alle 32 Partien, allerdings hielten einige Schachcomputer lange mit. Manche kamen einem Remis nahe, einige sogar einem Sieg. Aber nur nahe.



In einem parallelen Simultanmatch spielte Gisbert Jacoby gegen 24 Schachcomputer, gewann aber nur 13 Partien, verlor fünf und spielte sechsmal remis.
Artikel zum Schachcomputer-Simultan im Spiegel...
Am 7. Juni traf Garry Kasparov zum Abschluss seines Hamburg-Besuchs in einem Uhrensimultan auf acht, zum Teil sehr junge Spieler der Hamburger Bundesliga-Mannschaft. Kasparov spielte in späteren Jahren noch einige solcher Uhrensimultan-Veranstaltungen gegen starke Mannschaften und gewann alle – dieses aber nicht.
Das Hamburger Bundesliga-Team bestand zum größten Teil aus Amateuren. Der einzige Großmeister und Profi war Murray Chandler. Er gewann seine Partie gegen Kasparov, der gegen seine acht Gegner vier Mal Weiß und vier Mal Schwarz hatte. Kasparov gewann gegen Frank Behrhorst (später Mathematiklehrer und Schachtrainer) und Rainer Grünberg (später Sportreporter beim Hamburger Abendblatt). Gegen Helmut Reefschläger (Mathematiker und Schachkolumnist) und Christian Hess spielte Kasparov remis. Mit der Punkteteilung endete auch die Partie gegen den erst fünfzehnjährigen Hannu Wegener.
Große Schwierigkeiten machten aber der ebenfalls erst fünfzehnjährige spätere Großmeister Matthias Wahls und der angehende Mediziner Hans-Jörg Cordes.
Matthias Wahls begann seine Partie mit Weiß solide, ging Kasparov dann aber recht aggressiv an und raubte dem russischen Supergroßmeister mit einem Figurenopfer und komplizierten Verwicklungen vor allem viel Zeit. Die fehlte dem 13. Schachweltmeister am Ende.
Gegen Hans-Jörg Cordes spielte Garry Kasparov eine komplizierte Variante in der Botwinnik-Verteidigung des halbslawischen Damengambits. Kasparov erreichte eine gute Stellung, setzte aber nicht richtig fort und geriet in einer verwickelten Stellung zunehmend in Schwierigkeiten. Am Ende verpasste der spätere Weltmeister noch eine Remiswendung.
Mit den beiden verlorenen Partien verlor Garry Kasparov auch den Wettkampf.
Zwei Jahre später kehrte Kasparov nach Hamburg zurück, nun als Weltmeister. In einem zweiten Uhrensimultan gegen die Bundesliga-Mannschaft des Hamburger SK wetzte er die Scharte aus, diesmal mit einem sehr klaren 7:1-Sieg. Es gab zwei Unterschiede im Vergleich zum ersten Match: Murray Chandler war im HSK-Team nicht mehr dabei. Für ihn spielte Bernd Stein. Und Kasparov spielte nun alle Partien mit Weiß.

Die erste Schachdatenbank wird bestaunt.


Matthias Wüllenweber und Garry Kasparov
Bei seinem Besuch in Hamburg zeigten Gisbert Jacoby, Frederic Friedel und Matthias Wüllenweber, Physiker aus Bonn, Garry Kasparov eine Neuentwicklung – eine Schachdatenbank. Die Firma ChessBase war gegründet worden. Kasparov erhielt einige Wochen später eine Diskette mit der ersten Programmversion und der Seriennummer 1.
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Kasparov und 30 Jahre Computerschach...