Mit Thomas Pähtz feiert heute einer der besten Spieler der DDR seinen 70sten Geburtstag. Thomas Pähtz wurde am 4. September 1956 in Erfurt in einer Schachfamilie geboren. Sein zwei Jahre älterer Bruder Wolfgang spielte ebenso Schach wie seine ein Jahr ältere Schwester Hannelore (verh. Kube).
Eines seiner ersten internationalen Turniere war eine internationale U20-Meisterschaft in Zinnowitz, an der auch der spätere Weltklassespieler Oleg Romanishin teilnahm. Beim Finale der DDR-Landesmeisterschaft im Februar 1974 in Potsdam belegte Thomas Pähtz bei 20 Teilnehmern einen sehr guten sechsten Platz. Landesmeister wurde der drei Jahre ältere Rainer Knaak, der sich anschickte die Nummer eins in der DDR zu werden. Thomas Pähtz war nun regelmäßiger Teilnehmer bei den DDR-Landesmeisterschaften und konnte sie zweimal gewinnen, 1988 zusammen mit Lutz Espig und 1990 zusammen mit Raj Tischbierek.
Für Ländervergleiche wurde Thomas Pähtz in die DDR-Auswahlmannschaft berufen. Wegen des Leistungssportbeschlusses von 1969 wurde Schach in der DDR allerdings nicht mehr gefördert und nahm die DDR nahm bis 1988 auch nicht an Schacholympiaden teil. Erst bei der Schacholympiade 1988 war auch die DDR wieder am Start. Thomas Pähtz wurde als Ergänzungsspieler an Brett fünf berufen und kam so zu seiner einigen Teilnahme an einer Schacholympaide.
Thomas Pähtz nahm im Laufe seiner Karriere in verschiedenen Teams an den DDR-Mannschaftsmeisterschaften teil und gewann 1973 mit der Schachgemeinschaft Leipzig, 1988 mit Mikroelektronik Erfurt und 1991 mit dem SV Erfurt-West die Mannschaftsmeisterschaft der DDR.
Nach der Wende gewann Thomas Pähtz 1993 zusammen mit Thomas Luther auch die Deutschen Landesmeisterschaften. Er spielte in der Bundesliga für SF Dortmund-Brackel, den SV Erfurt-West (später Erfurter SK), PSV Duisburg, den Ilmenauer SV und den TSV Bindlach-Aktionär. Außerdem spielte er in der Österreichischen Bundesliga, in der belgischen Liga und für verschiedene Vereine auch in der luxemburgischen Liga. In Österreich und in Luxemburg gewann er mit seinen Vereinen einige Male die Landesmeisterschaften.
1984 verlieh die FIDE Thomas Pähtz den Titel eines Internationalen Meisters. 1990 wurde er Großmeister.
Seine Schachleidenschaft gab Thomas Pähtz an seinen Sohn Thomas Pähtz jr und an seine Tochter Elisabeth weiter. Sein Sohn wurde ein starker Spieler, gab das Turnierschach aber zugunsten seines Berufes auf. Bei seiner Tochter Elisabeth fiel die Schachbegeisterung auf besonders fruchtbaren Boden. 1994 gewann Elisabeth Pähtz mit neun Jahren und ihrem Vater als Trainer ihre erste Jugendmeisterschaft. Später wurde sie zweifache Jugendweltmeisterin, erhielt alle Titel der FIDE, wurde 2022 die erste deutsche Großmeisterin (GM) und war über Jahrzehnte die beste deutsche Spielerin. Derzeit ist sie es wieder.
Das Jobava London System, benannt nach dem georgischen Spitzenspieler Baadur Jobava, ist eine Nebenform des Londoner Systems, welches sich prinzipiell in nur einem kleinen Detail unterscheidet - der weiße Springer wird frühzeitig auf c3 etabliert!
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere arbeitete Thomas Pähtz weiter als Schachtrainer und gründete in seinem Wohnort Kerpsleben eine Schachschule. Dort veranstaltete er für talentierte Kinder Sommercamps. Einer seiner aktuellen Schüler ist Christan Glöckler.

2002 ehrte der Deutsche Schachbund Thomas Pähtz für sein Bemühen um das Schach in Deutschland mit einer Urkunde.
Heute feierte Thomas Pähtz seinen 70sten Geburtstag. Wir gratulieren ganz herzlich.
