Larry Christiansen zum 70sten Geburtstag

von André Schulz
27.06.2026 – Larry Christiansen ist einer der besten Spieler in der Geschichte des US-amerikanischen Schachs. Dreimal wurde er US-Meister, bei neun Schacholympiaden spielte er für die USA und sammelte Medaillen. In der Bundesliga spielte er lange für die SG Porz und war einmal mit 12 aus 13 bester Spieler der Liga. Heute wird er 70 Jahre alt. | Foto: Crystal Fuller/ Saint Louis Chess Club

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Zum 70sten Geburtstag von Larry Christiansen

Der US-Großmeister Larry Mark Christiansen wurde am 27. Juni 1956 in Riverside, Kalifornien, geboren. In seiner Kindheit begeisterte er sich für Schwimmen und Wasserball, doch dann sah er im Schwimmbad seiner Heimatstadt ältere Kinder Schach spielen und schaute begeistert ihren Partien zu. Zu dieser Zeit war Larry Christiansen neun Jahre alt. Mit seinem Bruder Jim verbrachte er nun viel Zeit beim Schach und beim Damespiel.

Als 15-Jähriger gewann Larry 1971 als erster Schüler einer Junior High School die US-amerikanische High-School-Meisterschaft. In den frühen 1970er Jahren spielte er dann sehr erfolgreich bei verschiedenen Open und Junioren-Open in den USA. 1973, 1974 und 1975 gewann er die US-Juniorenmeisterschaften. Christiansen qualifizierte sich 1973 für das Finale der U20-Weltmeisterschaften in Teeside und belegte den geteilten 3. bis 7. Platz. Alexander Beliavsky gewann den Titel damals vor Anthony Miles. 1973 war Christiansen einer der Teilnehmer bei den Internationalen Deutschen Juniorenmeisterschaften, die in Bamberg ausgerichtet wurden. Auch dort belegte er den dritten bis siebten Platz. Bernd Feustel war der überlegene Sieger.

Christiansen nahm in den folgenden Jahren bei unzähligen Open und Jugendmeisterschaften teil und sammelte viele Erfolge. Bei der U20-WM in Jugoslawien 1975, nun im Schweizer System durchgeführt, gewann er die Silbermedaille hinter Valery Chechov. Beim Lone Pine Open 1976 belegte der 20-Jährige hinter Tigran Petrosian den geteilten zweiten Platz mit vielen anderen namhaften Spielern, darunter Valery Smyslov und Miguel Najdorf.

Nach seinem Turniersieg in Malaga und aufgrund vieler anderer Erfolge ernannte die FIDE ihn 1977 schon gleich zum Großmeister, ohne dass Christansen vorher Internationaler Meister gewesen ist.  

Eine Zeitlang verdiente Christiansen Ende der 1970er Jahre Geld damit, dass er in den USA von Küste zu Küste reiste und im Auftrag von "Church's Fried Chicken" Schachvorstellungen gab. 1980 und 1983 wurde er US-Meister. 2002 konnte er den Titel noch einmal gewinnen.

Mitte der 1980er Jahren verlegte Christiansen seinen Wohnsitz zeitweilig nach Deutschland. Er spielte hier von 1987 bis 1997 für die SG Porz in der Bundesliga und gewann zweimal (1994 und 1996) den Titel der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft. In der Saison 1989/1990 war Christiansen mit 12 aus 13 der beste Spieler der Liga.

Von 2005 bis 2011 spielte Christiansen in der United States Chess League für Boston Blitz.

Zu seinen größten Turniererfolgen gehört der Sieg beim Turnier in Linares 1979 und der geteilte erste Platz zusammen mit Anatoly Karpov ebenda zwei Jahre später. Christiansen gewann zudem in Köln 1988, das stark besetzte Turnier in München 1991, Wiesbaden 1994, Reykjavík 1998, Essen 1999 und zahlreiche Open, darunter dreimal die US Open: 1981 (geteilt), 1983 zusammen mit Kortschnoi und noch einmal 1986. im Jahr 2001 gewann Christiansen auch die Offenen Kanadischen Meisterschaften, 2008 das Curacao Open und 2011 das Bermuda Open.

   

   

   

Christiansen, 1995 beim Pan Pacific. | Foto: Organisator

Berühmt ist Karpovs Figureneinsteller in Wijk aan Zee

Aber Christiansen konnte auch regulär gegen Karpov gewinnen:

Auf dieser DVD geht ein Expertenteam Karpovs Spiel auf den Grund. In über 7 Stunden Videospielzeit (jeweils komplett deutsch und englisch) beleuchten die Autoren vier wesentliche Aspekte von Karpovs Spielkunst.

Zwischen 1980 und 2002 vertrat Christiansen die USA als Spieler bei neun Schacholympiaden, gewann 1990 mit der Mannschaft die Silbermedaille und viermal die Bronzemedaille. Danach war er dreimal der non-plaing Captain. Bei der Schacholympiade 1998 verpasste sein Team nur ganz knapp die Goldmedaille und holte Silber. 1993 gewann er mit dem US-Team Gold bei der Mannschaftsweltmeisterschaft, 1997 die Silbermedaille.

Foto: Collection of the World Chess Hall of Fame

In den letzten Jahren nahm Christansen evebfalls mit viel Erfolg an Seniorenturnieren teil, darunter den Senioren-Mannschaftsweltmeisterschaften.

Larry Christansen Frau Natascha, von Beruf Anwältin, ist ebenfalls eine starke Schachspielerin.

Larry Christiansen ist Autor der Bücher "Storming the Barricades" (2000) und "Rocking the Ramparts" (2004). 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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