Aaryan Varshney: Großmeister ohne Trainer

von Johannes Fischer
20.01.2026 – Auf den ersten Blick wirkt das Andranik Margaryan Memorial, das vom 9. bis 16. Januar in Armenien stattfand, nicht besonders geschichtsträchtig. Drei GM, sechs IM und ein FM gingen an den Start, und mit einer Zahl von 2514 war der russische IM Vladislav Nozdrachev die Nummer 1 der Setzliste. Doch am Ende gewann der 21-jährige Inder Aaryan Varshney, der mit diesem Sieg Indiens 92. Großmeister wurde. Seine Geschichte zeigt, wie moderne Computer, Software und Datenbanken helfen können, im Schach Titel zu gewinnen und Erfolge zu feiern – auch ohne Trainer und Förderung durch Verbände. | Foto: Chess Academy of Armenia

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Varshney gewann das Andranik Margaryan Memorial souverän: Er holte 7 Punkte aus 9 Partien, blieb ungeschlagen und hatte am Ende 1,5 Punkte Vorsprung vor dem russischen GM Aleksey Goganov.

Rg. Snr Name Land Elo Pkt.  Wtg1 
1 2 IM Aaryan, Varshney IND 2513 7 29
2 3 GM Goganov, Aleksey RUS 2487 5,5 20,25
3 8 GM Lashkin, Jegor MDA 2494 5 22
4 1 IM Agasarov, Benik ARM 2403 5 21,75
5 6 IM Sukiasyan, Vahe A. ARM 2442 5 21
6 10 IM Hakobyan, Erik ARM 2427 4,5 19,25
7 9 GM Hayrapetyan, Hovik ARM 2407 4,5 17,25
8 4 IM Nozdrachev, Vladislav RUS 2514 3,5 12,75
9 7 FM Ambartsumian, Tyhran ARM 2375 3 12
10 5 IM Sahakyan, Aleks ARM 2401 2 9,75

Es war Varshneys dritte GM-Norm in anderthalb Monaten, und sie sicherte ihm den Titel. Wie die Times of India berichtet, war die treibende Kraft hinter diesem Erfolg Varshneys Vater Gaurav.

Die Mutter verließ die Familie, als Aaryan Varshney fünf Jahre alt war, und der spätere GM wuchs bei seinem Vater und seinen Großeltern auf. Als Aaryan sieben Jahre alt war, begann Gaurav Varshney, von Beruf Physiklehrer in Delhi, seinen Sohn im Schach zu unterrichten. Mit einem starken Hang zur Unabhängigkeit, beträchtlichem Ehrgeiz, moderner Software – und mit Erfolg.

Stolz berichtet Vater Gaurav der Times of India:

Mein Sohn hat bis heute keinen Trainer. Er wird wahrscheinlich der Erste sein, der ohne Trainer Großmeister wird. ... Wir haben nur die ChessBase-Software benutzt und uns auf Eröffnungen konzentriert. Er hat durchs Spielen gelernt, und ich habe jede einzelne Partie von Aaryan analysiert, egal ob er gewonnen oder verloren hat. ... Sie werden überrascht sein, dass Aaryan noch nie ein Schachbuch gelesen hat. Unsere wichtigste Wissensquelle war das Spielen. Schach ist kein Studium. Es ist ein Spiel. Spielen und lernen.

Hätten Aaryan oder sein Vater doch ab und an einen Blick in ein Schachbuch geworfen, hätten sie vielleicht überrascht festgestellt, dass Spieler wie Tigran Petrosian, José Raúl Capablanca oder Bent Larsen ohne Trainer in die Weltklasse aufgestiegen sind. Ja, tatsächlich hatten im Laufe der Schachgeschichte viele Spitzenspieler und Großmeister – gerade aus dem Westen – oft gar nicht genug Geld, um sich einen Trainer leisten zu können.height="1"

Aber davon unabhängig zeigt sich hier ein bemerkenswertes Phänomen: Kamen Großmeister und die besten Spieler der Welt früher in der Regel aus Ländern mit langer Schachtradition und großen Schachverbänden, haben Computer, Datenbanken, Software und nicht zuletzt das Internet dafür gesorgt, dass Schach „demokratischer“ wurde – man braucht heute keine Bibliothek voller Eröffnungs- und Lehrbücher mehr – inklusive Trainer, der einem sagt, was und wie man studieren soll –, um im Schach gut zu werden. Man braucht lediglich einen Computer, Software, Zugang zum Internet sowie Talent, Ehrgeiz und Arbeitsbereitschaft.

Aaryan Varshney hatte und hat diese Eigenschaften und sie haben ihm zum GM-Titel verholfen.

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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