Anand in Deutschland

von Sagar Shah
06.04.2020 – Vishy Anand flog für zwei Bundesligatermine nach Deutschland. Eine Partie konnte er noch spielen. Der zweite Termin wurde dann schon wegen der Corona-Epidemie abgesagt. Dann sperrte Indien die Grenzen. Anand saß (und sitzt) in Deutschland fest. Ein Bericht von ChessBase India. | Foto: Eric van Reem

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"Haltet durch und das wird bald vorbei sein"

Vishy Anand ist eine der prominentesten Persönlichkeiten des Landes, die aufgrund des Corona-Virus aus Indien ausgesperrt wurde. Vishy war für ein Match seines Bundesliga-Teams OSG Baden Baden nach Deutschland gereist. Die Situation in Verbindung mit der Corona-Epidemie wurde von Tag zu Tag ernster, und schließlich wurden die Flüge zurück nach Indien gestrichen. Anand ist jetzt immer noch in Deutschland: Die gute Nachricht ist, dass er eine eigene Wohnung in Bad Soden hat, in der er sich aufhalten kann. Und er ist gesund. Sagar Shah von ChessBase India fragte seinen Landsmann, wie es ihm fern der Heimat geht und was er über die aktuelle Entwicklungen denkt.

Ende Februar flog Anand nach Deutschland, um am Bundesliga-Wochenende für sein Team OSG Baden Baden zu spielen. Am 23. Februar spielte er noch eine Partie gegen Laurent Fressinet (2633), die nach 24 Zügen remis endete.

Anand blieb in Deutschland, weil schon Mitte März der nächste Bundesliga-Termin anstand. Die OSG Baden-Baden sollte 14. und 15. März gegen den SC Viernheim und den Aachener SV antreten. Doch dazu kam es nicht mehr, denn nach und nach wurden alle Veranstaltungen abgesagt. Anand versuchte noch einen Flug nach Hause zu bekommen, doch ohne Erfolg. Die Flüge von Deutschland nach Indien waren schon abgesagt.

Anand saß in Deutschland fest. Zum Glück besitzt er jedoch seit vielen Jahren eine Wohnung in Bad Soden, die er bei manchen Gelegenheiten schon als Stützpunkt genutzt hat.

Am 21. März kündigte der indische Premierminister Narendra Modi dann eine vollständige Sperre des Landes für die nächsten 21 Tage an.

Narendra Modi

"Nun, die Ankündigung des Premierministers kam nicht wirklich unerwartet", sagte Vishy in einem Gespräch mit ChessBase India. "Ich hatte eine drastische Maßnahme erwartet, und das war sie auch." 

Für Anand wird dies nun die längste Zeit sein, die er jemals von zuhause weg war, sieht man einmal von den WM-Wettkämpfen und Trainingscamps ab.

Vishy Anand hat in seiner langjährigen Schachkarriere viele Höhen und Tiefen auf dem Schachbrett erlebt, aber so etwas wie jetzt hat es nie gegeben. "So etwas habe ich noch nie gesehen. "Ich kann mich vage daran erinnern, dass SARS und einige frühere Epidemien in den Nachrichten waren, aber nichts in diesem Ausmaß."

Wie verbringt Vishy jeden Tag seine Zeit?

"Ich habe gerne das Kandidatenturnier kommentiert. Es war schade, dass es abgebrochen werden musste, denn es war sehr spannend. Aber natürlich verstehe ich aus der Sicht der Organisatoren und der Teilnehmer, dass dies angesichts der Sperrung des russischen Luftraums am besten war.

In Deutschland versuche ich, mich an eine Art Routine zu halten. Wenn man zu viel Freizeit hat, geht sie einfach vorbei. Ich trainiere körperlich, gehe spazieren, arbeite ein wenig am Schach. Ich habe auch etwas Zeit, um mit Akhil und Aruna in Chennai zu sprechen und mir ein paar Dinge anzusehen.

Wie man weiß, ist Vishy ein großer Fan von Fernsehserien wie Monty Python, Yes Minister, Narcos usw. Hat er diesmal etwas Neues gefunden?

"Ich kann nicht sagen, dass ich zu irgendeiner bestimmten Serie gegangen bin. Ich gehe einfach auf Netflix oder YouTube und zappe herum. Wenn man viele Zeit, neigt man zum zappen. 

Dies ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass Vishy so lange von seiner Frau Aruna und seinem Sohn Akhil getrennt war.

Anand, Akhill, Aruna

Beeinträchtigt die Stornierung von Turnieren durch den Corona-Virus die Motivation, weiterhin hart am Schach zu arbeiten? "Ich denke noch nicht in diesen Begriffen. Ich bin gespannt, wie sich das entwickeln und zu Ende gehen wird. Ich denke, wir können auch aus Neugierde am Schach arbeiten!"

Vishy war an vielen Weltmeisterschaftszyklen beteiligt. Was denkt er über Radjabov, der nicht an der Veranstaltung teilgenommen hat?

"Es ist klar, dass sein Verständnis für sein Sinn für die Gefahren des Covid19-Virus besser war. Ich hoffe, dass die FIDE zu einer Art Vereinbarung kommen kann, um ihn zu entschädigen."

Irgendwelche Ratschläge für die Menschen zu Hause? "Haltet durch, und das wird hoffentlich bald vorbei sein."



Sagar Shah ist ein junger Internationaler Meister aus Indien. Er ist zugleich ausgebildeter Wirtschaftsprüfer und würde gerne der erste indische Wirtschaftsprüfer sein, der Großmeister wird. Sagar berichtet leidenschaftlich gerne über Schachturniere, denn so begreift er das Spiel, das er so liebt, besser. Aus Leidenschaft für das Schach betreibt er auch einen eigenen Schachblog.