Anatoly Karpov gewinnt "Turnier der Legenden"

von Klaus Besenthal
01.07.2018 – Das kombinierte Rapid- und Blitzturnier der vier "Schachlegenden" Anatoly Karpov, Ljubomir Ljubojevic, Eugenio Torre und Anatoly Vaisser im katalanischen Badeort Platja d'Aro ist gestern mit dem Gesamtsieg von Karpov zu Ende gegangen. War der Exweltmeister nach den sechs Rapidpartien zum Auftakt der Veranstaltung noch um einen halben Punkt hinter Vaisser zurückgefallen, so konnte er dieses Verhältnis zwischen den beiden während des Blitzturniers umdrehen. Am Ende siegte Karpov mit 12,5/18 vor Vaisser, der es auf 12/18 brachte. Dritter wurde Ljubojevic mit 7,5/18; der letzte Platz ging an Torre mit 4/18. | Foto: David Llada

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

VI Festival Internacional d'Escacs "Vila de Platja d'Aro"

Auf der Seite des Russischen Schachverbands wird mitgeteilt, dass der Sieg in Platja d'Aro Anatoly Karpovs 184ster Turniergewinn gewesen sei. Die älteste Turnierpartie des 1951 geborenen Exweltmeisters, die sich in der ChessBase-Onlinedatenbank findet, datiert aus dem Jahr 1961 - weit mehr als 50 Jahre hat Karpov inzwischen an bedeutenden internationalen Turnieren teilgenommen. Alleine diese Zahlen würden schon ausreichen, um diesen Mann zur Legende zu stempeln, doch hatte seine Karriere natürlich zahlreiche Höhepunkte aufzuweisen. Nachdem Bobby Fischer 1972 den Weltmeistertitel gegen Boris Spasski gewonnen hatte, setzte Karpov sich in dem darauf folgenden Kandidatenzyklus gegen Polugajewski, Spasski und Kortschnoi durch. Zu dem für das Jahr 1975 vorgesehenen WM-Kampf trat Fischer dann bekanntlich nicht an, so dass der Titel kampflos an Karpov ging. Es folgten die legendären (sic!) Wettkämpfe um die Weltmeisterschaft gegen Viktor Kortschnoi, titanische Schlachten, die viel länger dauerten, als heutige WM-Kämpfe. 1985 verlor Karpov seinen Titel dann an Garry Kasparov - und bekam ihn auch in den diversen Revanchekämpfen nicht mehr zurück. Von 1993 bis 1999 folgte schließlich noch Karpovs Zeit als "FIDE-Weltmeister", bevor es deutlich ruhiger um ihn wurde. In der Schachbundesliga tritt der Exweltmeister aber bis heute immer noch gelegentlich für seine SV Hockenheim zu einem Mannschaftskampf an. Einfach legendär!  

Anatoly Karpov (Foto: David Llada)

Am wenigsten in Deutschland bekannt ist wohl Anatoly Vaisser. Vielleicht liegt dies auch daran, dass der ehemalige Sowjetbürger die Schreibweise seines Namens änderte, als er nach Frankreich emigrierte. Aus "Waisser" wurde "Vaisser" - klingt ähnlich, aber sieht nach einem raschen Blick zuerst so aus, als handelte es sich um zwei verschiedene Personen. Vaisser nahm 1971 zum ersten Mal an der "Meisterschaft der UdSSR" teil - damals noch als "Waisser". Auch das sind natürlich legendäre Turniere, und wer daran teilnehmen durfte, lange schon vor dem Zerfall des Warschauer Pakts, der ist wohl auch eine Legende. In der jüngeren Vergangenheit wurde Vaisser mehrfach Seniorenweltmeister. Dieser Mann ist mit 69 noch voll im Saft - in Platja d'Aro wurde er von Karpov nur hauchdünn um einen halben Punkt geschlagen!

Anatoly Vaisser (Foto: David Llada)

Nun zu Ljubomir Ljubojevic: Der in Spanien lebende Serbe ist inzwischen 67 Jahre alt. In den Siebzigern und Achtzigern war er einer der stärksten Spieler der Welt. Auch wenn er nie in die Nähe eines WM-Kampfes kommen konnte, so glänzte er während dieser Phase doch mit zahlreichen Siegen in stark besetzten Turnieren. Man konnte in jener Zeit kaum ein Schachbuch erwerben, in dem nicht eine seiner Partien besprochen wurde. Aber verglichen mit Karpov und Vaisser ist er aufgrund längeren Nicht-Spielens offenbar etwas zurückgefallen - jedenfalls legen die Ergebnisse von Platja d'Aro diesen Schluss nahe.

Ljubomir Ljubojevic (Foto: David Llada)

Und noch eine Legende: Eugenio Torre von den Philippinen wurde 1974 (und da muss man sich aus heutiger Sicht wirklich die Augen reiben!) der erste asiatische Großmeister überhaupt (der kein Sowjetbürger war). Inzwischen ist er 66 (ebenso wie Karpov Jahrgang 1951) - und immer noch dabei! Torre ist übrigens auch Rekordteilnehmer an Schacholympiaden - 23 mal hat er inzwischen für sein Heimatland daran teilgenommen. Die Gegenwart in Platja d'Aro war für ihn aber leider etwas trist, wie der - abgeschlagene - letzte Platz dokumentiert.

Eugenio Torre spielt gegen Anatoly Karpov (Foto: David Llada)

Endstand des Rapidturniers

Rg. Snr   Name Land Elo  Wtg1   Wtg2 
1 1 GM Vaisser Anatoly FRA 2495 4,5 9,75
2 4 GM Karpov Anatoly RUS 2618 4,0 9,00
3 3 GM Ljubojevic Ljubomir SRB 2515 2,5 7,25
4 2 GM Torre Eugenio PHI 2447 1,0 2,50

Endstand des Blitzturniers

Rg. Snr   Name Land Elo  Wtg1 
1 3 GM Karpov Anatoly RUS 2599 8,5
2 4 GM Vaisser Anatoly FRA 2508 7,5
3 1 GM Ljubojevic Ljubomir SRB 2504 5,0
4 2 GM Torre Eugenio PHI 2444 3,0

Blitzpartien

 

Turnierseite

chess-results




Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren