Atalik und Cramling mit besten Chancen auf die Krone der "Baltic Queen"

18.08.2009 – Nach sechs Runden liegen Ekaterina Atalik und Pia Cramling mit 4,5 Punkten beim "Baltic Queen"-Turnier in St. Petersburg vorne und haben zwischen sich und das übrige Feld schon einen ganzen Punkt Abstand gelegt. Die beiden Spielerinnen sind auch die einzigen - außer Natalia Zhukova -, die bisher keine Partie verloren haben. Die erste Europameisterin hat bisher sechsmal Remis gespielt - ein seltenes Kunststück in einem Frauenturnier. Irina Sudakova lädt zu einem Streifzug durch ihre Heimatstadt ein und stellt Spielerinnen und Partien vor.Turnierseite...Bericht, Bilder, Partien...

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Text: Irina Sudakova
Partiekommentar: Dmitry Kryakvin
Fotos: Elena Mikheeva, Igor Ignatiev, Victor Zaitsev

Website: www.totalchess.spb.ru

“Baltic Queen” ist der Name eines brandneuen Schachturniers, das im “Venedig des Nordens”, im russischen St. Petersburg, stattfindet. Die Idee zu einem solchen Turnier kam 2007 auf, als Finec, eine Vereinsmannschaft aus unserer Stadt, fünften Geburtstag feierte – nicht unbedingt ein Jubiläum, aber doch ein ordentliches Alter für eine Mannschaft. Aus einer Reihe von Gründen ließ sich das Projekt nicht eher realisieren, aber Mannschaftskapitän Vladimir Bykov gibt nie auf, und obwohl die Mannschaft Name und Sponsoren gewechselt hat, sind wir am Ziel – die stärksten Spielerinnen aus ganz Europa sind nach St. Petersburg gekommen, um gegen unsere Stadtmannschaft anzutreten.
Drei der Gäste haben nicht nur den Frauen- sondern auch den Männergroßmeistertitel – Pia Cramling, Ketevan Arakhamia-Grant und Zhaoqin Peng, und dadurch ergibt sich die seltene Gelegenheit, in einem Frauenturnier eine GM-Norm zu machen.
 
St. Petersburg wurde 1703 im Verlaufe eines Krieges von Peter dem Großen gegründet, in einem Sumpfgebiet, wo die Newa in die Ostsee fließt. Die Stadt hat drei Mal ihren Namen gewechselt, im Zweiten Weltkrieg 900 Tage Blockade überlebt und ist jetzt für ihr regnerisches und windiges Wetter, die “weißen Nächte” und ihre Zugbrücken bekannt.
 
Der Weg von der nächsten U-Bahnstation ist an einem sonnigen Tag schön – alles lässt sich in zehn Minuten zu Fuß erreichen:
 


Newski-Prospekt, die Hauptstrasse St. Petersburgs


Das berühmte Denkmal von Katharina der Großen


Das Alexandrinsky-Theater
 


Ein Strasse, die von Carl Rossi entworfen und nach ihm benannt wurde und die berühmt für ihre perfekten Proportionen ist


Der Lomonosov-Platz und das Hotel “Rossi”


Und wir sind am Ziel. Leider musste das Turnierbanner wegen des starken Windes abgehängt werden.


Blick vom Spiellokal auf die Fontanka
 
Was die Schachtradition betrifft, so hat der Gründer der russischen Schachschule, Mikhail Chigorin, in St. Petersburg gelebt, genau wie Alexander Aljechin, Mikhail Botvinnik, Boris Spassky, Anatoly Karpov, Victor Kortschnoi, Ljudmila Rudenko, Kira Zvorykina und Irina Levitina. Heute wird das Schach in St. Petersburg von den bekannten Spitzengroßmeistern Peter Svidler und Alexander Khalifman repräsentiert, ebenso wie von jüngeren Spielern wie Evgeny Alekseev und Nikita Vitiugov und russischen Spitzenspielerinnen wie Ekaterina Korbut und Anastasia Bodnaruk.

 
Die Eröffnungsfeier:



Georgy Fokin, der Präsident des Schachverbands von St. Petersburg und Direktor der “Gazprom Transgaz St.Petersburg” begrüßt die Gäste
 



Vladimir Bykov, Vize-Präsident des Schachverbands von St. Petersburg freut sich, ein weiteres Frauenturnier in unserer Stadt organisieren zu können


Ehrengast Ekaterina Korbut, die (zusammen mit Georgy Fokin) für die Auslösung verantwortlich war und ihre Sache sehr gut gemacht hat – schade ist allerdings, dass sie nicht selber am Turnier teilgenommen hat.


Nummer 4 für Ekaterina Atalik
 


Nummer 7 für Viktorija Cmilyte



Rosen für Elisabeth


und die anderen Spielerinnen





Brett 1 und 2 von St. Petersburg sind guter Stimmung


Dmitry Kryakvin und Elena Tomilova – ein weiteres Schachpaar, das vor kurzem geheiratet hat.

Wir glauben, dass sie noch weiter Fortschritte machen und bald auf eine Durchschnittselo von 2500 kommen können


Die an Eins gesetzte Pia Cramling liegt mit 4/5 in Führung


Ekaterina Atalik hat ebenfalls 4/5


Heutzutage ist es nicht leicht, Schokolade zu bekommen…


Das Spiellokal


Irina Turova


Pia Cramling


Elisabeth Pähtz


Zhaoqin Peng


Ketevan Arakhamia-Grant
 


Victorija Cmilyte
 

V.Cmilyte – K. Arakhamia, Е63, Runde 2

Die meist gespielte Eröffnung des Turniers ist Königsindisch. Bislang hatte Schwarz aber im Fianchetto-System mit Sc6 nebst a6 mit Problemen zu kämpfen. 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.g3 Lg7 4.Lg2 O-O 5.Sc3 d6 6.Sf3 Sc6 7.O-O a6 8.h3 Ld7 In Runde 4 versuchte es Ketevan gegen Julia Demina mit 8... Tb8 9.e4 Sd7, aber geriet erneut in Schwierigkeiten.

9.e4 e5 10.dxe5 dxe5 11.Le3 Le6 12.b3 Diese Stellung ist Viktorija Cmylite durchaus vertraut. Nach 12.Da4 b5 hat Schwarz angenehmes Spiel, wie die Partie Jussupow – Socko gezeigt hat: 13.cxb5 axb5 14.Dc2 Sd4 15.Lxd4 exd4 16.Tfd1 c5 17.Sxb5 Dd7 18.a4 Lxh3 19.e5 Lxg2 20.Kxg2 Sd5 21.Dxc5 Sf4 22.gxf4 Dg4 23.Kf1 Dxf3 24.Dxd4 Tad8 25.Sd6 Txd6 26.Dxd6 Dh1 27.Ke2 De4. Ein spektakuläres Remis!

12... Dc8 Eine Möglichkeit, die Stellung zu verwickeln. Alexei Shirov spielte hier einfach 12... Te8, womit Schwarz e5 deckt und seinen Springer ins Zentrum bringen will, nachdem die weiße Dame den Rückzug angetreten hat. Beachtung verdient auch 12... Dxd1 13.Tfxd1 Tfd8, was B.Socko gespielt hat.

13.Kh2 Td8 Eine Idee von Viorel Bologan. 13... h6 14.Dc1 g5 geschah in der dritten Runde zwischen N.Zhukova - A.Bodnaruk, und hier kam Weiß mit der Überführung des Springers nach d3 nebst f2-f4 zu starkem Angriff.

14. Dc1 a5 Schwarz will aktiv spielen. 14... Sd4 15.Sxe5 Sxe4 16.Sxg6 funktioniert nicht.

15.Sg5 Sd4 16.f4 Sh5? Ein Fehler. Notwendig war 16... exf4 17. gxf4 Sh5. Natürlich hat Weiß Raumvorteil, aber ihr König steht gefährdet. Wenn Schwarz zu c6 und Dc7 kommt, dann ist alles okay.

17. Lxd4 Txd4? Ein Rechenfehler, der entscheidet. Nach 17... exd4 18.Sd5 ist die schwarze Stellung zwar alles andere als schön, aber bietet Überlebenschancen.

18.f5! Jetzt erobert Weiß d5 für seine Figuren und damit ist die Partie praktisch entschieden.

18... gxf5 18... Ld7 19.Sd5 ist ebenfalls schlecht.

19.exf5 Ld7 20.Ld5! Txd5 f7 kann nicht verteidigt werden, 20... Le8 wird mit 21. Se6 beantwortet.

21.Sxd5 Dd8 22.Se4 c6 23.Sdc3 Weiß hat Angriff und eine Qualität mehr. Viktorija gewann souverän. 23...Sf6 24.Sxf6 Lxf6 25.Se4 Le7 26.f6 Lf8 27.Dg5 Kh8 28.Tad1 De8 29.Dh5 h6 30.Sd6 De6 31.Sxf7 1:0

K. Arakhamia – I.Turova, Runde 3




Eine dramatische Partie. In beiderseitiger Zeitnot übersah Irina Turova eine hübsche Kombination ihrer Gegnerin.

35...c6?!
Das kaltblütige 35...Kb8 36.Dxg5 fxg5 37.Lxa8 gxf2 38.Lg2 Sxc4 39.Kc3 Se3 40.Lf1 führte zum Remis.

36.Lxc6 Sxc6 37.Dxd6! Jetzt steht Schwarz vor einer schweren Entscheidung. Irina nahm den Läufer, wahrscheinlich hat sie gedacht, dass Weiß nicht mehr als Dauerschach hat. 37...gxf2? 37...Tc8? 38.Te1!! hilft Schwarz nicht; 37...Sa5? 38.Dxb6 Kc8 39.Dc5 Kb8 40.Tg1 führt ebenfalls zum Verlust. Die einzige Möglichkeit war 37...Se5!! 38.Dxb6 Kc8 39.Dc5 Kb8 (39...Kb7 40.Dd5 Kb8 41.Lc5) 40.Td1 Ld3! (40...Ld7 41.b6) 41.cxd3 gxf2 42.Df8 Kb7 43.De7 Kc8 44.b6 Sxc4 45.dxc4 De5 mit Remis, da Schwarz den Bauern b6 beseitigen kann.

38.Dxc6 Kb8 39.Dxb6 Kc8 40.Dc6 Kb8 41.Td1 Der schwarze König sitzt in der Falle.

41...Dg8 42.Db6 Kc8 43.Dc5 Kb7 44.Td6 Ta2 45.Kxa2 Da8 46.Ta6 1:0


Der Ruhetag erwies sich als Herausforderung für die Teilnehmerinnen, die der Einladung zu einem Besuch des Peterhofs gefolgt waren. Das Wetter war schlecht und am Ende des Ausflugs gab es noch einen heftigen Regenschauer, dessen Wucht nicht zu entkommen war. Dieses Missgeschick wurde später in einem Restaurant kompensiert, in dem die Gäste mit Glühwein und klassischer russischer Küche bewirtet wurden.



Ausflug zum Peterhof an einem typisch grauen Tag
 


Der Palast


Mit Teilnehmerinnen und Gästen davor


Der berühmte “Samson”


Der Park des Peterhofs


Ketevan Arakhamia-Grant


Von Peter dem Großen errichtete Grotten


Ein zur Zeit Peters beliebter Scherz – ein Tisch mit Obst, aus dem plötzlich Wasser spritzt


Pia Cramling


Ekaterina und Suat Atalik


Alle hören einem der Toasts zu


Und natürlich waren fast alle an Frauen gerichtet


Unserer Kommentator Dmitry Kryakvin hat immer etwas zu sagen

Natalia Zhukova


Suat Atalik


Zhaoqin Peng


Elisabeth Pähtz


“Elena Prekrasnaya” und der graue Wolf

Das Organisationsteam:


Professor Igor Blechzin und Vladimir Bykov
 


Irina Sudakova


Elena Mikheeva

 

 

 





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