Auf dem richtigen Weg?

31.03.2009 – Martin Weteschnik geht gerne eigene Wege. Als junger Mann reiste er nach Japan, um Zen zu praktizieren, lebte dann eine Zeit in San Francisco und verfasste nach seiner Rückkehr nach Deutschland eine Reihe von Schachbüchern sowie eine ChessBase-DVD über Bauernendspiele. Letztes Jahr veröffentlichte er im bendit-publishing Verlag seinen ersten Roman mit dem schwergewichtigen Titel "Die Wege des sechsten Tages". Schach, Tai Chi und die Sitten in der Welt des großen Geldes spielen eine wichtige Rolle in dem Roman, aber eigentlich geht es um das große Ganze: Die Frage, wie man sein Leben lebt und seinen Weg findet. Fragen hatte auch Johannes Fischer, der den Autor interviewt hat.Homepage bendit-publishing..., Fritz-Trainer Bauernendspiele im Shop kaufen...Zum Interview...

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Johannes Fischer: Dein Buch trägt den Titel "Die Wege des sechsten Tages". Was hat es mit diesem Titel auf sich?
Martin Weteschnik: Das Buch berichtet über eine entscheidende Woche im Leben der Hauptfigur. Jedem Wochentag in dieser Geschichte ist ein Kapitel zugeordnet und am sechsten Tag kommt es dann zu einem Höhepunkt der Erzählung. Doch grundsätzlich soll der Titel einfach Interesse wecken. Allerdings klingen im Titel auch schon Motive des Romans an: Das Buch handelt davon, wie ich Wege bei der Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen des Lebens finde.


Martin Weteschnik: Ein Mann macht sich auf den Weg

Sowohl Schach als auch Tai Chi spielen im Buch eine große Rolle. Warum?
Nun, ich wollte einfach die Schachszene beschreiben. Und eine Aussage des Buches lautet, dass der Weg zum Selbst nicht unbedingt über Yoga oder Tai Chi führen muss, sondern dass im Prinzip jede Sache, die man richtig macht, zu Selbsterkenntnis führen kann. Schach und Tai Chi sind zwar die Hauptthemen des Buches, aber es geht zugleich um grundlegendere Dinge - die Kunst, Antworten zu finden.

Wie könnte denn diese Suche beim Schach aussehen?
Jeder, der Schach spielt, weiß, welche Bedeutung mentale und psychologische Aspekte dabei haben. Wie kann ich Ziele verwirklichen, wie kann ich mein Talent nutzen, wie kann ich meine Schwächen überwinden? Und die Arbeit an seiner Persönlichkeit führt tatsächlich oft zu praktischen Erfolgen. Zudem glaube ich, alle großen Persönlichkeiten können ihr Ich hinter sich lassen und sich einer Sache ganz hingeben.

Warum haben so viele Schachspieler und Sportler dann so große Egos?
Nun, man kann Schach als spirituellen Weg nutzen, aber es kommt darauf an, wie man mit dem Schach und mit sich selbst umgeht. Beim Schach besteht die Gefahr, dass die Persönlichkeit nicht generell, sondern nur punktuell weiter entwickelt wird. Und ich glaube, die klassischen spirituellen Traditionen sind tatsächlich besser geeignet, um das Ego aufzulösen. Um es mit den Worten einer meiner Romanfiguren auszudrücken: "Das Schach ist vielleicht der Weg zum Berg, aber nicht unbedingt der Weg zum Gipfel." Allerdings behaupte ich, dass jeder seinen Weg finden kann und viel, viel mehr entdecken kann, als man gemeinhin glaubt.


Welcher Weg führt zum Gipfel?

Und der Roman zeigt, wie das geht?
Ja. Ich möchte einfach einen Anstoß geben. Ich habe mich über 30 Jahre mit diesen Dingen beschäftigt, ich praktiziere seit Jahren Tai Chi, ich habe lange Jahre Meditation praktiziert, unter anderem eine Zeit in Japan. Die Erfahrungen, die ich hierbei gesammelt habe, versuche ich in dem Roman zu zeigen.

Wie bist Du denn auf die Idee verfallen, einen Roman zu schreiben?
Er entstand eigentlich aus einer Kurzgeschichte. Irgendjemand hat gemeint, daraus könnte man vielleicht mehr machen. Dann habe ich mir meine Biographie und die innere Welt, mit der ich mich beschäftige, angeschaut, und mir gedacht, nun gut, ich will nicht einfach meine Welt transportieren, sondern darauf aufmerksam machen, dass jedem die innere Welt zugänglich ist. Insgesamt habe ich etwa vier Jahre an dem Buch geschrieben. Am Anfang fiel es mir besonders schwer, einen Stil und eine Erzählstimme zu finden. Das hat Jahre gedauert. Manche Passagen habe ich 40 bis 50 Mal überarbeitet. Der Inhalt war kein Problem. Ich wusste, was ich schreiben wollte. Wenn man sich 30 Jahre oder und mehr mit bestimmten Dingen beschäftigt hat, weiß man, was man sagen will. Schwierig für mich war es, ein stilistisch gutes Buch zu schreiben. Und nachdem ich bereits eine Reihe von Schachbüchern und Schach-CDs geschrieben hatte, wollte ich meine Erfahrungen in einer unterhaltsamen Form veröffentlichen - nicht als Sachbuch, sondern als Erzählung. Ich wollte ein breites Publikum erreichen und nicht nur über Schach schreiben. Allerdings ist Schach, wie alle anderen Themen im Buch auch, so erklärt, dass auch jemand, der noch nie Schach gespielt oder Tai Chi praktiziert hat, verstehen kann, worum es geht. Andererseits ist auch für Fachleute genug dabei. So hat mein Tai Chi Lehrer das Buch sehr gerne gelesen, genau wie viele Schachspieler.

Mir erschien das Buch, wie ich zugeben muss, stark lehrbuchartigen Charakter zu haben, eine Mischung aus Roman und Sachbuch zu sein.
Auf jeden Fall. Das Buch möchte ja auf unterhaltsame und leicht lesbare Art grundlegende Fragen, Wege und Methoden behandeln, was natürlich erfordert, dass man einen systematischen Einblick in sie bekommt.

Kann man mit Hilfe des Buches Schach lernen?
Zumindest kann man sich der Faszination des Schachs nähern. Generell zeigt das Buch, wie man sich bestimmten Dingen und Gebieten nähern kann. Ganz wichtig scheint mir dabei Regelmäßigkeit zu sein. Wer jeden Tag übt, lernt jeden Tag dazu und lernt jeden Tag mehr über sich.

Du spielst Schach, du praktizierst Tai Chi - wie autobiographisch ist das Buch?
Ich würde sagen, Geschichte und Handlung sind erfunden, aber die Charaktere haben autobiographische Bezüge. Es ist kein Roman, in dem nach intensiver Recherche eine erfundene Geschichte präsentiert wird. Kürzlich habe ich einen Roman gelesen - nachdem ich zwanzig Jahre so gut wie keine Romane gelesen habe -, aber am Ende des Romans war ich schlicht und einfach enttäuscht, weil der Mann nichts mehr zu sagen hatte. Das Buch war gut geschrieben, enthielt wunderbare philosophische Gedanken, aber am Ende gab es keine Auflösung, keine wirklichen Antworten.

Aber hast Du nicht gemeint, auch Dein Buch gibt keine Antworten?
Nun, wenn ich jetzt ganz frech sagen darf: Goethe stellt die Fragen, Weteschnik sagt, es gibt Wege, aber die Antworten muss jeder selber finden.


Johann Wolfgang von Goethe hat schon viele Autoren inspiriert

Existenzielle Antworten kann man nicht geben, die muss man erfahren - und zwar jeder selbst. Ich denke, das ist der Dreh des Buches. Ich möchte keine Antworten geben, sondern Wege zeigen. Und ich hoffe, die Leser können etwas damit anfangen. Eine der Stärken des Buches liegt vielleicht auch darin, dass nichts verloren geht, alles eine Auflösung hat. Selbst das Motiv des ersten Satzes wiederholt sich am Ende. Wie beim Schach wird auf jedes Tempo Wert gelegt. Alles muss zusammen passen. Alle Figuren müssen zusammen spielen, harmonieren. Alles wird aufgeklärt. Wenn irgendwo im Buch eine Frage auftaucht oder ein Motiv, dann wird das am Ende aufgeklärt.

Literarisch nicht unbedingt modern.
Nun, ich wollte nicht etwas recherchieren oder erfinden, sondern einen Weg vorstellen, wie man Zugang zu sich findet. Etwa: "Leute, es gibt so viel mehr zu erfahren, als man sich gemeinhin vorstellt und wichtig dabei ist die Regelmäßigkeit. Wenn man irgendetwas macht, dann wird man unglaublichen Gewinn daraus ziehen, wenn man es jeden Tag macht. Wenn ich etwas postulieren sollte, dann würde ich sagen: "Macht was, und macht was regelmäßig. Egal, was es ist."


Martin Weteschnik, Die Wege des sechsten Tages, 390 S., kartoniert, 1. Auflage 2008, 14,90€.


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