Auf Umwegen zum Gabelfrühstück

von Karsten Müller
01.04.2015 – Regelmäßig präsentiert Ihnen ChessBase-Magazin-Autor Karsten Müller in seinem Blog ein sehenswertes oder besonders lehrreiches Endspiel. Ein Klick auf das Diagramm öffnet ein größeres Brett. Heute geht auch Endgame Magic wieder auf Sendung, Gast bei Karsten Müller ist diesmal Rustam Kasimdzhanov. Ab 16 Uhr auf dem Server, in englischer Sprache. Diagramm...

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Auf Umwegen zum Gabelfrühstück


Schwarz am Zug kann erfolgreich eine Gabel gegen den weißen König und den f-Bauern inszenieren.
Aber welchen "Umweg" muss der Springer nehmen? (W:Kc6, Ba4,f5; S:Ka5,Sf6,Bb6)
 

 

Karsten Müller betreut seit vielen Ausgaben die Endspielrubrik des ChessBase Magazins. In jeder Ausgabe des ChessBase Magazins finden Sie neben klassischen Analysen auch interaktive Videoaufnahmen zu den sehenswertesten Endspielen. Hier hat der Nutzer die Chance, die Lösungen und Varianten am Brett auszuprobieren und bekommt direkt im Anschluss das Videofeedback des Autors. 

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Einleitung von Karsten Müller

 

Eröffnungs-Übersichten

 

Sagar Shah: Englisch A20

1.c4 e5 2.g3 Sf6 3.Lg2 h6

 

Weiß verzichtet auf Sc3, um ...Lb4 zu vermeiden. Laut Sagar Shah spielt Schwarz mit 3...h6 eine Art nützlicher Abwartezug, ...Sc6 wird verzögert. Nach 4.Sc3 Lb4 5.Sd5 Sxd5 6.cxd5 zeigt sich ein Unterschied - Schwarz muss nicht seinen Sc6 ziehen.


Souleidis: Doppelfianchetto A50

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sf3 Lg7 4.g3 b6 5.Lg2 Lb7 6.0-0 0-0

 

Gemäß Georgios Souleidis wird dieser Aufbau für Schwarz immer populärer. Vor allem nach 7.Sc3 - so wird meistens gespielt - 7...Se4 kann man sicher auf Ausgleich rechnen. Nach dem stärkeren 7.d5 besitzt Schwarz sogar mit 7...Se4 sowie 7...Sa6 zwei aussichtsreiche Fortsetzungen.


Sumets: Altindisch A54

1.d4 Sf6 2.c4 d6 3.Sc3 Sbd7 4.Sf3 e5 5.Lg5 Le7 6.e3

 

Ein Aufbau mit e3 ist weniger aggressiv, aber dafür bietet er auch weniger Angriffsfläche, Weiß muss zum Beispiel nicht einen Bauern auf e4 decken. Wie Andrey Sumets zeigt, hat es Schwarz nach 6...0-0 7.Le2 nicht leicht, auszugleichen.


Ris: Sizilianisch B35

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 g6 5.Sc3 Lg7 6.Le3 Sf6 7.Lc4 0-0 8.Lb3 d5

 

Das ist schon eine Überraschung, schließlich hängt der Bauer auf d5 einfach. Doch wie Robert Ris in seinem Beitrag demonstriert, liegt zwar 9.exd5 Sa5 nahe, aber danach ist der Weg zum weißen Vorteil zwar möglich, am Brett jedoch nicht einfach zu finden.


Szabo: Sizilianisch B90

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le3 e5 7.Sb3 Le6 8.f3 Le7 9.Dd2 0-0 10.0-0-0 Sbd7 11.g4 b5 12.Tg1

 

Mit 12.Tg1 weicht Weiß von der Hauptvariante ab (12.g5). Eine Idee davon zeigt sich nach 12...b4 13.Sd5 - jetzt kann Schwarz nicht mit dem Springer auf d5 schlagen, weil dem Le6 das Feld f5 nicht zur Verfügung steht. Wie Krisztian Szabo darlegt, ist das aber nicht die einzige Idee von 12.Tg1.


Havasi: Französisch C06

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 Sf6 4.e5 Sfd7 5.Ld3 c5 6.c3 Sc6 7.Se2 cxd4 8.cxd4 f6 9.exf6 Sxf6 10.0-0 Ld6 11.Sf3 0-0 12.Lf4 Lxf4 13.Sxf4 Se4

 

In dieser prinzipiellen Variante - es gibt wenig Spielraum zum Abweichen - besitzt Weiß zwar nach 14.Dc1 eine leichte Initiative, aber laut Gergo Havasi kann Schwarz mit genauem Spiel das Gleichgewicht wahren.


Marin: Französisch C08

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 c5 4.exd5 exd5 5.Lb5+ Sc6 6.De2+ Le7 7.dxc5 Sf6 8.Sb3 0-0

 

Mit den beiden Schachs im 5. und 6. Zug versucht Weiß dem Spiel einen forcierten Charakter zu geben. Doch wie die Analysen von Mihail Marin beweisen, kann Schwarz mit dem Druck gut fertigwerden.


Kuzmin: Slawisch D11

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.e3 Lg4 5.h3 Lh5 6.g4 Lg6 7.Se5

 

Die eigentliche Idee bei dem klaren Eröffnungsplan, den Alexey Kuzmin vorstellt, ist im Diagramm noch nicht ausgeführt: Weiß will Sd2 spielen, um dann ohne Sorgen um den Bauern c4 den Läufer nach g2 entwickeln zu können.

Postny: Damengambit D38
1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 Lb4 5.Lg5 h6 6.Lxf6 Dxf6 7.e3 0-0 8.Tc1 dxc4 9.Lxc4 c5 10.0-0 cxd4

 

Die Diagrammstellung kam in einigen aktuellen Partien vor und Evgeny Postny untersucht die neuesten Trends. Sein Fazit: Die weiße Initiative ist nur zeitweilig, Schwarz kann sich gute Hoffnungen machen, das Spiel auszugleichen.


Stohl: Halbslawisch/Katalanisch E04

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 c6 4.Sc3 e6 5.g3

 

Es beginnt mit Halbslawisch und geht zu Katalanisch über. Für Igor Stohl ist klar, dass Schwarz den Bauern c4 schlagen sollte, aber danach gibt es noch einige offene Fragen. Auf jeden Fall liegt viel Schärfe in diesen Varianten.


Krasenkow: Bogoindisch E11

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 Lb4+ 4.Sbd2 b6 5.a3 Lxd2+ 6.Lxd2 Lb7 7.Lg5 d6 8.e3 Sbd7

 

Michal Krasenkow stellt sein eigenes Repertoire gegen Bogoindisch vor. Im zweiten Teil geht es um die Hauptvariante dieses Systems. Für Schwarz ist ein kompletter Ausgleich nicht leicht zu erzielen.

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Karsten Müller gilt als einer der größten Endspielexperten weltweit. Dazu hat sein zusammen mit Frank Lamprecht verfasstes Buch „Grundlagen der Schachendspiele“ ebenso beigetragen wie seine Kolumnen auf der Webseite ChessCafe sowie im ChessBase Magazin. M.s ChessBase-DVDs im Fritztrainer-Format über Endspiele sind Bestseller. Der promovierte Mathematiker lebt in Hamburg, wo er auch für den HSK viele Jahre in der Bundesliga auf Punktejagd ging.

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