Adhibans Revanche

von Johannes Fischer
13.02.2020 – In Runde 3 der indischen Mannschaftsmeisterschaften verlor GM Baskaran Adhiban eine Partie nach neun Zügen, weil er eine Armbanduhr trug - was gegen die Regeln verstieß. Doch Adhiban haderte nicht lange: anschließend holte er 5,5 Punkte aus 6 Partien und verhalf seiner Mannschaft zu einem überzeugenden Sieg. Und spielte dabei eine verblüffende Glanzpartie. | Foto: Alina l'Ami (Archiv)

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Revanche

Adhibans kampflose Niederlage in Runde 3 der indischen Mannschaftsmeisterschaften muss für ihn bitter gewesen sein. Nach neun Zügen ging sein Gegner, IM CRG Krishna, zum Schiedsrichter und reklamierte, dass Adhiban eine (analoge) Armbanduhr trug. Was gegen die Regeln des Turniers verstieß, denn um möglichen Betrugsversuchen mit elektronischen Hilfsmitteln vorzubeugen, hatte die All Indian Chess Federation das Tragen von Armbanduhren generell untersagt.

Natürlich haben weder der Schiedsrichter noch Adhibans Gegner ernsthaft geglaubt, dass Adhiban die Uhr trägt, um zu betrügen. Aber dennoch pochten sie auf die Regel: der Schiedsrichter zeigte sich nicht kompromissbereit, der Gegner wenig sportlich und Adhiban verlor die Partie auf absurde Weise.

Eine solche Niederlage kann ein ganzes Turnier verderben, aber Adhiban zeigte bemerkenswerte Nehmerqualitäten und spielte nach dieser Niederlage wie entfesselt.

In Runde vier gewann er mit Weiß ein theoretisches Duell und krönte gute Vorbereitung mit einem schwungvollen Angriff.

 

Doch in Runde fünf gelang ihm ein noch schönerer Sieg. Ein überraschendes Turmopfer im 16. Zug bildete den Auftakt für einen von Anfang bis Ende einfallsreich und energisch gespielten Angriff mit einer Reihe von Figurenopfern, die in ein gewonnenes Endspiel mündeten.

 

Im Schlussspurt holte Adhiban dann 3,5 Punkte aus 4 Partien und kam so (inklusive der Verlustpartie in Runde 3) auf 6,5 aus 8. Damit verhalf er seiner Mannschaft Petroleum PSB am Spitzenbrett zu einem überzeugenden und souveränen Gewinn der indischen Mannschaftsmeisterschaften. Petroleum PSB gewann alle ihre neun Kämpfe und hatte am Ende ganze vier Mannschaftspunkte Vorsprung vor "Airports Authority of India.

Endstand nach 9 Runden

Rk. SNo Team Games   +    =    -   TB1   TB2   TB3   TB4   TB5 
1 1 Petroleum SPB 9 9 0 0 18 28,5 0 179,5 604,3
2 3 Airports Authority of India 9 6 2 1 14 25,0 0 179,5 522,0
3 6 Railways SPB B 9 6 1 2 13 24,0 0 175,5 484,3
4 2 Railways SPB A 9 5 2 2 12 23,5 0 178,0 484,3
5 4 Telangana 9 5 2 2 12 22,0 0 185,5 475,8
6 8 Delhi B 9 5 2 2 12 21,5 0 173,0 425,3
7 17 Delhi A 9 6 0 3 12 19,0 0 170,5 354,5
8 7 Odisha A 9 5 1 3 11 23,0 0 166,0 435,3
9 15 Madhya Pradesh 9 5 1 3 11 22,0 0 147,5 372,0
10 5 Air India SPB 9 5 1 3 11 21,5 0 181,5 439,3

36 Mannschaften spielten neun Runden nach Schweizer System (Quelle: chess-results)

Partien

 


Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".

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