Bücher, Bücher, Bücher

15.12.2006 – Das christliche Weihnachtsfest ist vielleicht eines der gefährlichsten Brauchtümer für den internationalen Baumbestand. Nicht nur, dass unzähliges Nadelholz zum Zwecke der Dekoration mitteleuropäischer Wohnstuben aus dem Erdreich geschlagen werden, für das Weihnachtsgeschäft werden auch noch eine Vielzahl von Büchern gedruckt. Ein großes Kapitel in der Geschichte des Buches nehmen die Schachbücher ein. In diesem Jahre sind wieder etliche hinzu gekommen, einige sind sehr empfehlenswert. Schachbücher, z.B. bei Niggemann, kaufen...Rezensionen...

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Bücher zum Schauen und Lesen

Christian Hesse: Expeditionen in die Schachwelten

An erster Stelle dieser Rezensionsliste soll Expeditionen in die Schachwelt genannt werden. Das Buch des Stuttgarter Mathematikprofessors Christian Hesse ist bei Weitem kein gewöhnliches Schachbuch. In zahlreichen Kapiteln werden ganz verschiedene Elemente des Schachs, Motive, Begebenheiten, Historisches und vieles mehr, anhand von ausgewählten Partien und Positionen vorgestellt. Zwar mag es vielleicht unmöglich sein, das ganze Reich des Schachs zu durchmessen, noch dazu in einem einzigen Buch, aber unter Christian Hesses findiger und kundiger Anleitung vermag man auf jeden Fall den ganzen Reichtum ermessen, den das Schach dem neugierigen Betrachter zu bieten imstande ist. In manchem erinnert das Werk an Krabbés Schach Kuriositäten, aber Hesses Buch ist systematischer und gründlicher in seiner Darstellung. Das Lesevergnügen stellt sich unabhängig von den vorhandenen Schachkenntnissen ein. So eignet sich das Buch auch für normale Leseratten, die vom Schach überhaupt keine Ahnung haben. Ich wette: Wer dieses Buch einmal gelesen hat, wird danach unmittelbar vom Schachvirus befallen werden. Obwohl als Weihnachtsgeschenk sicher hervorragend geeignet, werden wohl nur wenige Exemplare den Weg unter den Weihnachtsbaum finden. Denn wer würde so ein schönes Buch schon verschenken und nicht lieber selber behalten? Expeditionen in die Schachwelt wurde vom Chessgate Verlag publiziert, ist gebunden und besitzt die von diesem Verlag gewohnt gute und sorgfältige Verarbeitung und Aufmachung, inkl. eines nützlichen Registers. Ein Muss für alle Schachspieler und solche, die nie gedacht hätten, mal selbst einer zu werden. Ein hübsches Zitat aus dem Buch:  "Letztlich ist Schach einfach Schach - nicht das Beste, was es in der Welt gibt und nicht das Schlechteste in der Welt, aber es es gibt nichts Vergleichbares. W.C. Fields (Aus dem Englischen übersetzt vom Rezensenten)

Christian Hesse: Expeditionen in die Schachwelten. Chessgate Verlag, 417 Seiten, gebunden, 1. Auflage 2006. ISBN: 3-935748-14-028.80 Euro. In deutscher Sprache.


Edward Winter: Chess Facts and Fables

Edward Winter gehört zu den renommiertesten Schachhistorikern und weiß eine Menge zu erzählen. Sein Werk über Capablanca ist eines der besten Schachbücher überhaupt. Mit seinen Büchern Chess Explorations: A Potpourri from the Journal Chess Notes (September 1996),  Kings, Commoners and Knaves: Further Chess Explorations (Mai 1999) und Chess Omnibus (April 2003) hat Winter einen historischen Streifzug begonnen, den er mit Chess Facts and Fables fortgesetzt hat. Edward Winter weiß von schachhistorischen Zusammenhängen, Vorgängen oder von Partien zu berichten, die anderen nicht gegenwärtig, ja nicht einmal zugänglich sind. Für die Darstellung seiner Themen hat er eine Form gewählt, die man heute vielleicht aus als "Blog" bezeichnen würde. Auf fast 400 Seiten beschreibt Winter in kleinen Happen die verschiedensten historischen "Gegenstände", ohne jemals den Fehler zu machen, dem Ganzen eine unpassende chronologische Uniform aufzuzwingen.  Winter berichtet z.B., wie die FIDE nach dem Zweiten Weltkrieg reanimiert wurde, erzählt unbekannte Dinge von den Großen des Schachs und berichtet ebenso von den unbekannt gebliebenen oder gewordenen Schachspielern der Geschichte. Den interessanten und informativen Texten sind zahlreiche, zumeist wenig bekannte Fotos beigefügt. Alles in allem ist Chess Facts and Fables erneut ein unglaublich spannendes Schachlesebuch, dessen Lektüre die Schachgeschichte in der Fantasie des Lesers lebendig werden lässt. Großartiger Lesestoff für lange Winterabende. Zum Schnuppern bei Winter: Chess Notes bei Chesshistory...

Edward Winter: Chess Facts and Fables, McFarland & Company, 385 Seiten, kartoniert, 1.Auflage 2006, ISBN: 0786423102, EUR 52,90. In englischer Sprache.


Genna Sosonko: Smart Chip from St. Petersburg

Smart Chip from St. Petersburg ist nach Russian Silhouettes (2001) und The Reliable Past (2003) das  dritte Lesebuch von Großmeister Genna Sosoonko. In diesen erinnert er in Geschichten und Ausätzen an berühmte und weniger berühmte, aber ebenso liebenswürdige, frühere Weggefährten aus seinem Schachleben, von denen die meisten heute nicht mehr unter uns weilen. Ohne Sosonko wäre mancher in Vergessenheit geraten. "Ich weiß, dass Vergessen keine Sünde ist, aber manchmal ist Erinnern reines Glück," schreibt Sosonko und wird nicht nur an dieser Stelle seine jüngsten Buches philosophisch.
Johannes Fischer hat das Buch bereits früher für ChessBase News rezensiert. Auf mich machen Sosonkos Bücher stets einen im positiven Sinne melancholischen Eindruck. Großes poetisches "Lesekino"!

Genna Sosonko: Smart Chip from St. Petersburg, Verlag: New in Chess, 197 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2006. ISBN:90-5691-169-4, Preis: 24,95 Euro. In englischer Sprache.
 

Martin Schwarz: Kunstschach

Kunstschach ist kein Schachbuch, sondern ein Kunstbuch, allerdings mit viel Schachgehalt. Vielleicht verhält es sich aber doch genau anders herum. In 96 Bildern und Bildmotiven hat Martin Schwarz das Schachbrett, aber auch das Schachspiel variiert und modifiziert. Er schlägt neue Brettgeometrien vor und entwirft dafür neue Regeln, bzw. modifiziert die bestehenden. Die Schach960-Anhänger sind ja von jeher der Auffassung, das derzeit gespielte "Normalschach" sei nur eine eingeschränkte Spezialform. Wenn Sie einmal "Kunstschach" in die Hände bekommen haben, werden sie mit Sicherheit noch sehr viel mehr Anregungen für mögliche Variationen bekommen. Auch vor dem Computer brauchen wir dann keine Angst mehr haben - das lernt der nie! Ein Zitat aus dem Buch hat mir besonders gut gefallen: "Das Schach ist das Spiel, das die Verrückten gesund hält." Wie wahr - nicht bei jedem reicht allerdings die verfügbare Dosis für den erhofften Zweck aus.  Kunstschach ist hübsch und geistreich.

Martin Schwarz: Kunstschach - Ein illustriertes Denk-Capriccio. EigenArt Verlag Winterthur, 96 Seiten, gebunden, 1.Auflage 2006, ISBN: 3-905506-22-9, 18,50 Euro.
In deutscher Sprache.

Eröffnungsbücher

John Watson: Mastering the Chess Openings

Der amerikanische Internationale Meister John Watson ist einer der besten Schachautoren der Gegenwart. Secrets of Modern Chess Strategy gehört ebenso schon zu den modernen Klassikern wie seine Bücher über Französisch und Benoni. Auch als Rezensent hat er sich einen Namen gemacht. Seine oft geistreichen und  immer gut begründeten Anmerkungen werden regelmäßig in einer Kolumne bei
TWIC veröffentlicht. Mit Mastering the Chess Openings, Vol. 1 liefert Watson ein klassisches Eröffnungskompendium, das sich über mehrere Eröffnungen erstreckt. Band 1 umfasst die Offenen und Halboffenen Spiele, die auf 334 Seiten dargestellt werden. Watsons Buch bietet einen Überblick über die wichtigsten Varianten und Eröffnungen aus diesem Bereich und wendet sich an Spieler, die entweder noch am Anfang ihrer Eröffnungsarbeit stehen, oder sich nach einer längeren Pause neu einarbeiten wollen. Der Autor ist geschickt bei der Auswahl der Varianten. Seine grundsätzlichen Anmerkungen und Beurteilungen der Varianten sind sehr hilfreich. Super Einstieg ins Dickicht des Eröffnungsdschungel.

John Watson: Mastering the Chess Openings, Gambit Verlag, 334 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2006, ISBN: 1-904600-60-3, 31,10 Euro. In englischer Sprache.


Hannes Langrock: The Modern Morra Gambit

Jeder weiß, dass das Sizilianische Morra-Gambit nicht korrekt ist, aber einen klaren Weg der Widerlegung gibt es nicht und es ist für Sizilianisch-Spieler überaus lästig. Für den Preis eines Bauern erhält Weiß eine lang anhaltende Initiative und viele taktische Giftpfeile, mit dem er die schwarze Stellung beschießen kann. Vielleicht besteht die einzige echte Widerlegung darin, dass man das Gambit ganz gut ablehnen kann, wenn man als Schwarzspieler in Kauf nimmt, dass man dann durch Zugumstellung in andere System als die seines sonstigen Repertoires  hinein gerät. In Hamburg hat sich ein Zentrum für die Weiterentwicklung der Ideen des Morra-Gambits gebildet und einer seiner führenden Vertreter ist der spielstarke Hamburger FM Hannes Langrock. Sein Buch über diese Gambit-Antwort auf den Sizilianer ist sicher die beste Monographie, die jemals über das Morra-Gambit veröffentlicht wurde. Während Langrock im Innern von The Modern Morra Gambit alles Menschenmögliche getan hat, um dieses wirklich gute Buch zu verkaufen, haben die Verlagsdesigner mit der Umschlaggestaltung in die gegensätzliche Richtung gearbeitet. Das Cover ist wirklich gruselig - aber zum Glück beurteilen Schachspieler die Dinge nur nach dem Inhalt, niemals nach äußeren Gesichtspunkten. Sehr empfehlenswert!

Hannes Langrock: The Modern Morra Gambit, Russel Enterprise, 334 Seiten, kartoniert, ISBN: 1-888690-32-1, 26,95 Euro. In englischer Sprache.

Wahls/Müller/Langrock: Modernes Skandinavisch Band 2

Neun Jahre nach dem Erscheinen von Modernes Skandinavisch 1 folgt nun der zweite Band zu dieser populären und lange Zeit unterschätzten Eröffnung. Mit Hilfe der Co-Autoren Karsten Müller und Hannes Langrock erläutert Matthias Wahls die typischen strategische und taktische Motive nach 1. e4 d5 2. exd5 Dxd5 3. Sc3 Da5 und vermittelt dem Leser mehr als nur reine Variantenkenntnis. Ein theoretischer Anhang, der neue Ideen in zu kritischen Varianten präsentiert, rundet das Buch ab und bringt die nun zweibändige Eröffnungsmonografie auf den neuesten Stand.
 

Wahls/Müller/Langrock: Modernes Skandinavisch Band 2, Chessgate Verlag.  349 Seiten, kartoniert, ISBN: 3-935748-13-2, 22,80 Euro. In deutscher Sprache.

 

Monografie

Anatoli Karpow: Meine besten Partien

Für Meine besten Partien hat der Exweltmeister 100 seiner Partien kommentiert, die er zwischen den Jahren 1968 und 2003 gespielt hat. Die Kommentare haben den wohltuenden Stil der guten alten Zeit - nicht zu viele Varianten und so viele Textanmerkungen, dass der Leser der Fortgang der Partien in etwa begreift. Allein das Nachspielen der Partien hat etwas Lehrhaftes, denn der Leser wird ganz unbewusst eine Reihe von Bildern der Karpow'schen Spielästhetik verinnerlichen und als Muster speichern. Wer aber nichts lernen will, kommt auch auf seine Kosten. Das Buch ist ganz einfach sehr unterhaltsam und bietet nebenbei noch einen kleinen Streifzug durch fast 40 Jahre Turniergeschichte.

Anatoli Karpow: Anatoli Karpow: Meine besten Partien. Edition Olms, 295 Seiten, kartoniert, ISBN: 3-283-00511-7, 19,95 Euro
 

 

Rezensionen von André Schulz

 

 



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