Biel: Mamedyarov schlägt Carlsen und gewinnt Biel vorzeitig

31.07.2018 – In der heutigen 9. Runde des Accentus Turniers in Biel hätte Magnus Carlsen gegen Shakhriyar Mamedyarov sicher gerne gewonnen, um seinen Rückstand aufzuholen, doch es kam anders. Die Partie war schwieriger als gedacht und glitt dem Weltmeister aus den Händen. Schließlich musste er aufgeben. Mamedyarov steht damit eine Runde vor Schluss als Turniersieger fest.| Fotos: Simon Bohnenblust, Lennart Ootes

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Wenn Magnus Carlsen beim Accentus GM-Turnier in Biel noch um den Turniersieg kämpfen wollte, dann war heute der richtige und wohl auch letzte Zeitpunkt, etwas dafür zu tun. Der Weltmeister, nach den bisherigen acht Runden, mit einem Punkt Rückstand auf Platz zwei liegend, traf heute auf den Spitzenreiter Shakhriyar Mamedyarov.

Shakhriyar Mamedyarov, Magnus Carslen

Nach 1.d4 griff der Norweger zur Königsindischen Verteidigung, was erhöhte Kampfbereitschaft signalisierte. Mamedyarov hatte natürlich keinen Grund auf das Angebot einzugehen. Der Aseri wählte die ruhige Fianchetto-Variante. Carlsen machte dann noch mit 6... c7-c5 das Angebot, in die Benoni-Verteidigung zu wechseln, aber auch das lehnte Mamedyarov dankend ab und begnügte sich mit einem "kleinen" Aufbau, mit 8.e3. Magnus Carlsen entschloss sich nun zum Übergang in eine Grünfeld-Struktur, mit d6-d5. Da der d-Bauer aber im Unterschied zur Grünfeld-Verteidigung in zwei Schritten nach d5 wanderte, hat Schwarz hier wohl ein Tempo verloren. Nach der Eröffnung stand Weiß recht angenehm, während Schwarz mit weniger Raum darüber nachzudenken hatte, wie er seine Entwicklung abschließen könnte. 

 

In der Pressekonferenz räumte Carlsen nach der Partie ein, dass er seine Stellung vielleicht überschätzt hatte. Sein Manöver 19...Lf5 20.e4 Ld7 sei ein Fehler gewesen. Das folgende 21.De3 hätte er völlig übersehen. Danach hätte er zu riskant gespielt und überhaupt viel zu viele Züge übersehen.

Ab dem 22. Zug, als Mamedyarov seinen e-Bauern in Bewegung setzte, nahm die Partie Fahrt auf und mündete schließlich in ein Doppelturmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern und Mehrbauern für den aserischen Großmeister, in dem nur noch zwei Ergebnisse möglich waren. Remis oder Sieg für Mamedyarov.

 

Beide Spieler glaubten nach der Partie, dass das schwierige Endspiel noch zu halten war, doch Carlsen spielte zu ungenau, war sicher auch vom Verlauf der Partie enttäuscht und musste im 57. Zug aufgeben.

 

Hier droht 57. Txf6 oder 57.g4. Carlsen, mit dem Rücken zur Wand, spielte 56...Lc1? Nach 57. Kh3 (57.e7 gewinnt sofort) folgte 57...Txf5 und Schwarz gab gleichzeitig auf. Der e-Bauer geht durch oder Schwarz verliert den Turm. Stattdessen hätte ein Wartezug mit dem Läufer, z.B. 56...Lb4 die Stellung noch gehalten. Nach 57.Txf6 Kg7 58.Tf7 Kh6 kommt Weiß überraschenderwesie nicht weiter.

Solid and safe against the wild Indians: Play the Fianchetto

Königsindisch und Grünfeld sind bekanntermaßen trickreiche und theorielastige Eröffnungen. Die Fianchetto-Variante vermeidet die Hauptabspiele, in welchen die Nachziehenden sich wohlfühlen, und strebt ein kleines, aber sicheres Plus an.

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David Navara und Peter Svidler betätigten sich in der Symmetrischen Variante der Englischen Partie. Weiß öffnete mit frühem d4 das Zentrum und war bestrebt eine Artz Maroczy-Aufbau aufs Brett zu stellen.

David Navara-Peter Svidler

Schwarz störte aber mit einigen provokativen Läuferzügen (Lf8-c5-b6-c7) und nachdem er den Vorstoß d5- durchsetzte ergab sich eine Struktur, die an bestimmte Varianten des Damengambits erinnerte. Die Damen wurden früh getauscht, aber als Svidler etwas risikoreich auf Bauernraub ausging, kam Spannung auf.

 

Nach 18.Sc7

Beide Spieler lösten jedoch ihre Aufgaben und schließlich verflachte die Partie in einem Turmendspiel mit Bauern auf einem Flügel und endete mit der Punkteteilung.

Nico Georgiadis verpasste gestern seinen ersten Sieg, als er gegen David Navara zwischenzeitlich entscheidenden Materialvorteil hatte, sich aber vom Tschechen bluffen ließ. Heute führte der Schweizer gegen Maxime Vachier-Lagrave die weißen Steine und bekämpfte die Grünfeld-Verteidigung seines Gegners mit einer seltenen Variante im Fianchetto-System mit frühem Sd2. 

Die Partie verlief in ausgeglichenen Bahnen. Nach dem Damentausch ergab sich zwar für Schwarz die für diese Eröffnung typische Bauernmehrheit am Damenflügel, doch diese war nicht zu mobilisieren und so bot Vachier-Lagrave remis an. 

 

Remis

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HoJoKo HoJoKo 01.08.2018 12:08
@MaxFeelgood: In der Tat, es folgte sofort 57.e7! Stimmt auch überein mit der Notation/den Analysen z. B. bei Huschenbeth, chess.com und chess24.
RevTiberius RevTiberius 31.07.2018 11:09
Glueckwunsch an Mamedyarov! Weniger remis gespielt als Carlsen, und den direkten Verfolger geschlagen. Nicht schlecht! Auch im Sinne eines spannenden WM-Kampfes - gut zu wissen dass Carlsen ab und zu auch mal verliert
MaxFeelgood MaxFeelgood 31.07.2018 11:03
Ich habe den Live Stream verfolgt und bin mir ziemlich sicher, dass Mamedyarov nach Carlsens Patzer 56...Lc1? das gewinnende 57.e7! gezogen hat. Die Behauptung, es sei statt dessen 57.Kh3? geschehen halte ich hingegen für ein Gerücht. Das sollte nochmal geprüft werden.
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