Bundesliga 12. Spieltag: Runde mit Überraschungen

von Stefan Liebig
12.01.2026 – Nach den Favoritensiegen des 11. Spieltages folgten in der zweiten vorgezogenen Runde einige unerwartete Ergebnisse. Zwar konnten sich die Top 3 Viernheim, Baden-Baden und Wolfhagen durchsetzen, doch die Niederlage von Bremen gegen Heimbach-Weis-Neuwied sowie den Sieg von Berlin gegen Düsseldorf musste man nicht unbedingt erwarten, ebenso wenig wie das klare 6:2 von Bayern München gegen Deizisau. | Fotos: Hans-Joachim Vitz, Reinhard Ahrens

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An der Spitze bleibt alles beim Alten: Der SC Viernheim hat bislang alle Spiele gewonnen, es folgen die Baden-Badener mit einem Minuszähler und die starken Aufsteiger aus Wolfhagen, die bislang nur gegen Deizisau verloren, sonst aber alle Spiele gewonnen haben. Auch Werder Bremen war mit zwei Siegen und zwei Unentschieden gut in die Saison gestartet. Doch der Heimspieltag setzte den Werderanern ordentlich zu: Während die Niederlage gegen die OSG Baden-Baden am Samstag nicht allzu sehr überraschte, hatte man gegen den Abstiegskandidaten SC Heimbach-Weis-Neuwied wohl eher einen Sieg in der Saisonplanung stehen.

Ergebnisse Spieltag 12:

SC Heimbach-Weis-Neuwied SV Werder Bremen
1 GM 2559 CRO Leon Livaic ½ : ½ Haik M. Martirosyan ARM 2625 GM 1
3 GM 2565 GER Martin Krämer 1 : 0 Velimir Ivic SRB 2638 GM 2
6 GM 2505 POR Jorge Joao Viterbo Ferreira 1 : 0 Luke J McShane ENG 2622 GM 3
8 GM 2479 POL Grzegorz Nasuta 1 : 0 Bobby Sky Cheng AUS 2571 GM 8
11 IM 2425 GER Lukas Winterberg ½ : ½ Zahar Efimenko UKR 2563 GM 9
12 IM 2405 CRO Sven Tica ½ : ½ Nikolas Wachinger GER 2456 IM 13
15 IM 2506 UKR Yevgeniy Roshka ½ : ½ Jari Reuker GER 2380 IM 15
16 FM 2284 GER Tim Ronge ½ : ½ Collin Colbow GER 2440 IM 17

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Große Freude bei dem vor dem Spieltag mit zwei Punkten auf Rang 13 rangierenden SC Heimbach-Weis-Neuwied: Obwohl an sieben Brettern schlechter besetzt, konnte sich das Team mit 5,5:2,5 durchsetzen. Ausschlaggebend war die überzeugende Performance an den Brettern 2 bis 4, die allesamt von den deutlich schwächeren Spielern des Abstiegskandidaten gewonnen werden. Eher hätte man einen vollen Punkt an Brett 7 erwartet. Doch der einzige deutlich stärkere Spieler des Underdogs wurde vom Bremer Jari Reuker neutralisiert. Der junge IM dürfte damit auch der einzige hochzufriedene Werder-Spieler des Wochenendes sein – hatte er doch tags zuvor gegen Alexander Donchenko gewonnen.

Noch mehr Bewegung im Abstiegskampf

Ilja Schneider (l.) schaut sich die Stellung auf Brett 2 an. | Foto: Hans-Joachim Vitz.

SF Berlin 5 3 Düsseldorfer SK
1 GM 2541 POL Wojciech Moranda ½ : ½ Victor Bologan MDA 2601 GM 2
2 GM 2535 POL Jacek Tomczak ½ : ½ Antonios Pavlidis GRE 2568 GM 3
3 GM 2584 LAT Arturs Neiksans 0 : 1 Casper Schoppen NED 2563 GM 4
5 GM 2526 POL Jan Klimkowski 1 : 0 Twan Alexander Burg NED 2490 GM 7
7 IM 2449 POL Jonasz Baum 1 : 0 Arthur Pijpers NED 2473 GM 8
10 IM 2428 GER Raphael Lagunow 1 : 0 Ravi Haria ENG 2493 GM 9
11 IM 2422 GER Ilja Schneider ½ : ½ Andrey Orlov FID 2477 GM 12
12 IM 2430 GER Magnus Ermitsch ½ : ½ Felix Levin GER 2412 GM 15

Nicht ganz so deutlich wie bei Werder war die nominelle Dominanz zugunsten der Düsseldorfer in der Partie gegen SF Berlin. Doch auch hier gab es eine Schlappe für den Favoriten: Der Vorjahrsmeister konnte durch Casper Schoppen lediglich an Brett 3 gewinnen. Die Bretter 4 bis 6 gingen allesamt an die Berliner. Durch diesen vielleicht etwas unerwarteten doppelten Punktgewinn konnten die Hauptstädter den Anschluss an die rettenden Plätze halten und sind nun punktgleich mit Deggendorf und dem Hamburger SK.

Aber auch hinter Berlin tat sich etwas:

MSA Zugzwang 4 4 SV Deggendorf
1 GM 2649 UKR Pavel Eljanov 1 : 0 Aleksandar Indjic SRB 2635 GM 2
2 GM 2540 GER Leonardo Costa ½ : ½ Diptayan Ghosh IND 2577 GM 4
4 GM 2505 GER Vitaly Kunin ½ : ½ Martin Petrov BUL 2545 GM 8
5 GM 2480 AUT David Shengelia ½ : ½ Egor Krivoborodov GER 2542 GM 9
6 GM 2483 GER Stefan Bromberger 0 : 1 Boban Bogosavljevic SRB 2453 GM 10
7 IM 2496 AUT Valentin Baidetskyi ½ : ½ Aleksander Delchev SRB 2424 GM 11
9 GM 2420 ISL Gudmundur Kjartansson ½ : ½ Dalibor Stojanovic BIH 2406 GM 13
10 GM 2428 GER Gerald Hertneck ½ : ½ Miroslav D Miljkovic SRB 2404 GM 1

Nach der Derbyniederlage am Vortag konnte der MSA-Zugzwang seinen ersten Punktgewinn verbuchen. Gemäß den Aufstellungen – Deggendorf war vorn etwas stärker aufgestellt, der MSA hinten – gab es ein 4:4. Pavel Eljanov gelang ein Sieg gegen Aleksandar Indjic, während Stefan Bromberger gegen Boboa Bogosavljevic verlor. Immerhin gelang es den Münchenern, durch diesen Punktgewinn die rote Laterne an den USV TU Dresden weiterzureichen.

IM Martin Breutigam präsentiert Ihnen in diesem ersten Band ein komplettes Repertoire rund um das Damengambit – inspiriert von Weltklassespielern wie Magnus Carlsen und Fabiano Caruana.

Hier eine Analyse von Karsten Müller zur Partie an Brett 4:

USV TU Dresden SG Solingen
2 GM 2566 POL Mateusz Bartel 0 : 1 Max Warmerdam NED 2576 GM 3
5 GM 2580 ROU Liviu-Dieter Nisipeanu ½ : ½ Erwin L'Ami NED 2634 GM 4
8 GM 2412 GER Jens-Uwe Maiwald ½ : ½ Markus Ragger AUT 2560 GM 5
9 IM 2462 GER Maximilian Neef 0 : 1 Loek Van Wely NED 2628 GM 6
10 GM 2463 GER Uwe Bönsch 0 : 1 Jan Smeets NED 2562 GM 8
15 FM 2364 GER Hans Möhn ½ : ½ Alexander Krastev GER 2429 IM 10
17 FM 2305 GER Ruben Lutz 0 : 1 Alexander Naumann GER 2481 GM 11
18 2201 GER David Fruth 0 : 1 Dr. Florian Handke GER 2520 GM 12

Die Sachsen mussten die höchste Niederlage des Spieltages einstecken. Mehr als drei Remisen waren gegen den vormaligen mehrfachen Deutschen Meister SG Solingen nicht drin. In dieser Partie konnte sich der Favorit damit sehr deutlich die beiden Punkte für die Tabelle sichern. Zusammen mit dem Sieg am Vortag gegen die SF Berlin bedeutete das für die Klingenstädter einen Sprung von Rang 8 auf Rang 5 an diesem Wochenende. An Brett 2 trennten sich zwei Altmeister Remis (Titelfoto Hans-Joachim Vitz).

Hamburger SK 2 6 SC Viernheim
1 GM 2649 GER Frederik Svane 0 : 1 Jan-Krzysztof Duda POL 2731 GM 2
3 GM 2612 GER Rasmus Svane ½ : ½ Shakhriyar Mamedyarov AZE 2730 GM 3
4 GM 2615 IND Leon Luke Mendonca 0 : 1 Jorden Van Foreest NED 2703 GM 7
6 GM 2584 GER Luis Engel ½ : ½ Alexey Sarana SRB 2686 GM 8
8 GM 2535 POL Robert Kempinski ½ : ½ Dr. Bassem Amin EGY 2625 GM 11
12 IM 2493 AUT Konstantin Peyrer ½ : ½ Dennis Wagner GER 2600 GM 12
15 GM 2406 GER Thies Heinemann 0 : 1 Dinara Wagner GER 2410 IM 16
18 FM 2247 GER Jakob Weihrauch 0 : 1 Bayastan Sydykov KGZ 2388 FM 17

Die Hamburger (in blau) kamen gegen den Tabellenführer ganz schön unter die Räder. Vorne in grau: Bayastan Sydykov, der mit 1,5 Punkten einen tollen Einstand in der Bundesliga feierte. An den nächsten beiden Brettern: Dinara und Dennis Wagner, die dieselbe Punktzahl erreichten. | Foto: Reinhard Ahrens

Überraschenderweise ist der HSV nun das Team, das den Atem der Abstiegszone am deutlichsten spürt. Nach der Doppelniederlage gegen Wolfhagen und Viernheim rangieren die Hanseaten nun auf Rang 13 und sind punkt- und brettpunktgleich mit den Berlinern. Gegen die überzeugenden Viernheimer gingen vier Partien verloren. Frederik Svane verlor am Spitzenbrett gegen Jan-Krzysztof Duda, der auch am Samstag gewonnen hatte. Erstmals spielte das Schachehepaar Dinara und Dennis Wagner einen kompletten Doppelspieltag und für beide gab es überzeugende 1,5 Punkte. Ein tolles Bundesliga-Debütwochenende legte der 14-jährige Bayastan Sydykov hin. Am Samstag hatte er unentschieden gespielt, am Sonntag gewann er mit Schwarz gegen Jakob Weihrauch. 

In diesem Videokurs werden die möglichen Aufstellungen, die Schwarz wählen kann, in allen Einzelheiten vorgestellt. Sie werden die wichtigsten Konzepte und Strategien lernen, um diese fantastische Eröffnung in Ihr Repertoire aufzunehmen.

Kein Sieg ohne Carlsen

Blick in den Spielsaal von Viernheim: Links spielt St. Pauli gegen Wolfhagen, rechts Viernheim gegen den HSK. | Foto: Reinhard Ahrens 

FC St. Pauli 3 5 Sfr. Wolfhagen
2 GM 2648 GRE Nikolaos Theodorou 0 : 1 Andreij Volokitin UKR 2622 GM 1
3 GM 2628 DEN Jonas Bjerre ½ : ½ Maksim Chigaev ESP 2628 GM 2
8 GM 2581 DEN Jesper Sondergaard Thybo 0 : 1 Yuri Kuzubov UKR 2601 GM 6
9 GM 2550 DEN Mads Andersen 1 : 0 Volodymyr Onyshchuk UKR 2611 GM 7
11 GM 2517 POL Igor Janik ½ : ½ Alexander Motylev ROU 2561 GM 8
13 IM 2417 GER Benedict Krause ½ : ½ Li Min Peng SUI 2530 GM 12
14 IM 2367 TUR Can Ertan 0 : 1 Volodymyr Vetoshko UKR 2514 GM 13
15 FM 2321 GER Jonah Krause ½ : ½ Egor Bogdanov UKR 2500 GM 14

Eine Doppelniederlage setzte es auch für den zweiten Hamburger Klub, den FC St. Pauli. Sowohl gegen die Viernheimer als auch gegen die Wolfhagener konnten die erneut ohne Magnus Carlsen angetretenen Kiezspieler lediglich drei Punkte sichern. Mads Andersen war der einzige Paulianer, der am Wochenende eine Partie gewinnen konnte. Anders sieht es bei den Nordhessen aus: Zwei Siege gegen die Hamburger Teams festigten den jetzt alleinigen dritten Tabellenplatz. 

Zwischen den Viernheimern und Wolfhagen steht aber nach wie vor noch die OSG Baden-Baden:

OSG Baden-Baden SK Kirchweyhe
6 GM 2734 FRA Maxime Vachier-Lagrave ½ : ½ Ivan Saric CRO 2655 GM 1
11 GM 2663 ENG Nikita Vitiugov ½ : ½ Alexandr Predke SRB 2616 GM 2
12 GM 2664 UZB Rustam Kasimdzhanov ½ : ½ Ante Brkic CRO 2598 GM 3
13 GM 2667 POL Radoslaw Wojtaszek 1 : 0 Robert Markus SRB 2527 GM 4
14 GM 2631 FRA Etienne Bacrot ½ : ½ Borki Predojevic BIH 2561 GM 5
15 GM 2609 ESP Alexei Shirov 1 : 0 Erik Van den Doel NED 2558 GM 6
16 GM 2665 GER Alexander Donchenko ½ : ½ Sasa Martinovic CRO 2548 GM 7
17 IM 2451 GER Bennet Hagner 0 : 1 Hrvoje Stevic CRO 2516 GM 8

Betrachtet man die Elozahlen, hätte man sicher ein deutlicheres Ergebnis zugunsten des einstigen Serienmeisters erwartet. Andererseits war der SK Kirchweyhe sehr stark in die Saison gestartet und zuletzt bis auf Platz 4 geklettert. Am Ende sicherten aber Radoslaw Wojtaszeks und Alexei Shirovs Sieg die Mannschaftspunkte für Baden-Baden. Shirov punktete doppelt bei seinem diesjährigen Saisondebüt. Lediglich Bennet Hagner verlor an Brett 8 gegen Hrvoje Stevic.

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Schachfreunde Deizisau 2 6 FC Bayern München
1 GM 2679 GER Matthias Blübaum ½ : ½ Vladimir Fedoseev SLO 2705 GM 1
2 GM 2630 GER Dmitrij Kollars 0 : 1 Kirill Alekseenko AUT 2639 GM 2
3 GM 2654 HUN Benjamin Gledura ½ : ½ Jaime Santos Latasa ESP 2615 GM 3
5 GM 2606 FRA Gata Kamsky ½ : ½ Pouya Idani IRI 2612 GM 4
10 GM 2550 GER Rustem Dautov 0 : 1 Jan Subelj SLO 2540 GM 7
12 GM 2503 GER Alexander Graf 0 : 1 Valentin Dragnev AUT 2536 GM 8
13 IM 2515 GER Ruben Gideon Köllner 0 : 1 Alvar Alonso Rosell ESP 2544 GM 9
14 GM 2475 POL Michal Krasenkow ½ : ½ Oliver Kurmann SUI 2392 IM 1
 

In Anbetracht der Elozahlen, hätte man zwischen diesen beiden Teams wohl ein knappes Ergebnis erwartet. Doch es war wohl der Tag der hohen Siege für den FC Bayern, schließlich gewannen etwas später auch die Fußballer mit 8:1 gegen Wolfsburg sogar noch höher. Doch das 6:2 dürfte bei den Schachspielern auch große Freude auslösen. Als alleiniger Vierter ist man mit 9:3 Punkten hervorragend in die Saison gekommen. Vier Siege und vier Remis ließen kaum Fragen offen. Deizisau ist mit 6:6 Punkten hingegen weit vom Ziel entfernt, wieder näher an die Topteams heranzurücken. 

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Partien:

Tabelle nach sechs gespielten Runden:

Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Sp MP BP BW
1. SC Viernheim  +  6 5 6 6 6 12 35 154
2. OSG Baden-Baden  +  4 5 6 6 11 29½ 125½
3. Sfr. Wolfhagen  +  3 5 6 6 10 29½ 135
4. FC Bayern München 4  +  4 4 6 6 9 27 125½
5. SG Solingen 4  +  4 5 6 8 27½ 120½
6. SK Kirchweyhe  +  4 4 6 8 25 108½
7. Düsseldorfer SK 4 4  +  3 6 6 23½ 111½
8. SV Werder Bremen 4  +  4 6 6 23   96
9. Schachfreunde Deizisau 2 5 2 4 4  +  5 6 6 22   98
10. FC St. Pauli 3 3 3  +  5 4 6 5 22½ 101½
11. SC Heimbach-Weis-Neuwied 3  +  6 4 23½ 104
12. SV Deggendorf 3  +  4 6 3 22 101
13. Hamburger SK 2 2  +  4 5 6 3 20 100½
14. SF Berlin 2 3 5 4  +  6 3 20   83
15. MSA Zugzwang 4  +  6 1 18½   82½
16. USV TU Dresden 2 4 3  +  6 1 15½   81

Link:

Schachbundesliga.de

Bundesliga 11. Spieltag: Viernheim marschiert voran

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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