Bundesliga: Schwäbisch Hall zieht zurück

von André Schulz
04.05.2018 – Die Bundesliga e.V. wurde schon im April informiert, die Mannschaft ebenfalls. Nun ist es offiziell und auch die Mitglieder des Klubs sind nun informiert. Schwäbisch Hall meldet seine erste Mannschaft aus dem Spielbetrieb der Bundesliga ab.

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Kaum ein Jahr vergeht, in dem nicht eine Mannschaft aus der Bundesliga zurückzieht. Meist sind es finanzielle Gründe. Auch beim Rückzug der Mannschaft von Schwäbisch Hall, nach vier Jahren in der Ersten Bundesliga, spielen die Finanzen eine Rolle. Über die Frage der Verteilung der Sponsorengelder kam es innerhalb des Vereins zu einem so heftigem Streit zwischen zwei Fraktionen, dass nun ein tiefer Riss durch den Verein geht.

Schwäbisch Hall war mit zwei Profimannschaften in den höchsten Spielklassen aktiv. 2013/14 stiegen sowohl die Erste Mannschaft wie auch das Frauenteam in die Bundesliga bzw. Frauenbundesliga auf. 2014/15 wurde Schwäbisch Hall auf Anhieb Vierter mit einer Mannschaft, die größtenteils aus Profis bestand. An den ersten Brettern spielten im ersten Jahr Stars wie Boris Gelfand, Dmitry Jakovenko, Radoslaw Wojtaszek und Li Chao. Im folgenden Jahr belegte das Team erneut den vierten Platz, mit einer etwas schwächeren Mannschaft. In den Saison 2016/17 und der abgelaufenen Saison 2017/18 schloss man jeweils mit dem 8. Platz ab. Die Topspieler wurden zwar seltener, aber doch regelmäßig eingesetzt.

Das Frauenteam, mit weiblichen Profis wie Lela Javakishvili, Nino Batsiashvilii oder Alina Kashlinskaya an den Spitzenbrettern lieferte sich über vier Jahre mit dem Team von Baden-Baden einen Zweikampf um den Titel und konnte diesen einmal, in der Saison 2017/18, für sich entscheiden. 

Im Verein bildeten sich im Bereich der Vereinsführung um die Erste Mannschaft und um das Frauenteam zwei Fraktionen, die über die Frage der Verteilung von Sponsorengeldern für die eine und die andere Mannschaft immer mehr in Streit miteinander gerieten. Im Vergleich zum Gesamtetat soll es sich bei den strittigen Summen um vergleichsweise niedrige Beträge im vierstelligen Bereich gehandelt haben. Der Streit schwelte bereits seit der ersten Vizemeisterschaft des Frauenteams im Jahr 2015 und wurde schließlich mit harten Bandagen auch auf persönlicher Ebene geführt. Das ging soweit, dass Mitglieder schließlich von ihren langjährig ausgeübten Funktionen zurücktraten, vom Vorstand aus dem Verein ausgeschlossen und dann per außerordentlicher Mitgliederversammlung zurück geholt wurden.

Die Bundesliga hat gerade zum zweiten Mal eine glänzende Finalrunde in Berlin ausgetragen - allerdings fallen in der Bundesliga die letzten Entscheidungen oft nicht während, sondern erst nach dem letzten Spieltag. In vielen Fällen hat sich erst vor dem Beginn der neuen Saison geklärt, welche der 16 Vereine noch dabei sind, wer zurückzieht, wer in der Zweiten Liga tatsächlich von seinem Aufstiegsrecht Gebrauch macht.

Eine alte Faustformel besagt: Vor Bayern München steigt niemand ab. Bayern wurde in diesem Jahr nur Vorletzter, was den zwei Vereinen auf den Abstiegsplätzen davor Mut machen sollte. Nach dem Rückzug von Schwäbisch Hall ist der Münchener Verein MSA Zugzwang nun "gerettet". Von den vier Siegern der Zweiten Ligen zieren sich noch einige, das finanzielle Abenteuer Erste Bundeliga auf sich zu nehmen. Wenn es bei der Faustformel bleibt, dann wird es wohl nur zwei Aufsteiger geben und vielleicht ist Norderstedt dann der einzige Absteiger. 

In diesem Jahr weiß man nach der Finarunde auch noch nicht, wer Meister ist. Baden-Baden und Solingen sind punktgleich ins Ziel gekommen. In der Abstiegsfrage entscheiden bei Punktgleichheit die Brettpunkte als Zweitwertung, in der Meisterfrage nicht. Hier wird nach alter Regel ein Stichkampf gespielt. Termin steht noch nicht fest.

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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hockeyplayer hockeyplayer 06.05.2018 11:35
Ich halte es in diesem Zusammenhang mit Ewald Lienen (FC St. Pauli): "Das ganze Sportsystem ist krank" (FAZ vom 16. März 2017 ).
Egal ob Champions-League im Fußball oder Schachbundesliga. Man kann beide Wettbewerbe auf dieser Basis weiterführen; es ist nur die Frage, ob dies gut für den internationalen Fußball oder die Schachbundesliga ist.
Nicht zuletzt werden durch einen Wettbewerb (holländisch: Wedstrijd), der keiner ist, Sponsoren abgeschreckt. Sowohl im Fußball als auch im Schach.
Wohin dies führen kann, wird gerade in Köln gezeigt, nachdem dort das System Hilpert kollabierte.
Ähnliches droht, wann auch immer, in Baden-Baden.
Die Schachbundesliga braucht folglich ein Lizenzierungssystem wie im Fußball, damit es nicht weitere Rückzüge gibt.
Die unvollständige Liste ist mit Eppingen, Emsdetten, Schwäbisch-Hall, TV Tegernsee usw. einfach zu lang.
Ohne Reform wird es kein Geld für die Schachbundesliga geben. Der nächste Rückzug ist geradezu vorprogrammiert und wird vermutlich der SV Mülheim-Nord sein, weil dieser dem Druck des HTC Uhlenhorst, Kahlenberger HTC und Club Raffelberg nicht standhalten wird.
Wird der HTC Uhlenhorst in Krefeld Deutscher Meister (im Hockey) kann dies das Aus für den SV Mülheim-Nord bedeuten - und der nächste Rückzug aus der Schachbundesliga.
Da nützt auch eine Zentrale Endrunde in Berlin nichts.
Anton46 Anton46 06.05.2018 04:39
ich habs ja gesagt, münchen bleibt mit 2 mannschaften drin, FCB 2 sagt danke, > 2 BL..
Manja Manja 06.05.2018 12:52
Schade, ich hatte mich schon so auf Aue in Berlin gefreut.
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